Meinung: Sterbende Dörfer aufgeben – jetzt!

Viele Dörfer haben ein Problem – Bevölkerungsrückgang.

Und trotzdem brauchen Sie einen Bürgermeister, Stromanschlüsse, Wasser, Kanalisation, Kläranlage, Internet. Ein Arzt, Schule, Supermarkt, Apotheke, Schwimmbad, Kneipe, Gaststätte, Geldautomat, Friseur, Anschluss an den ÖPNV, Arbeitgeber, Tankstelle etc. etc. sind oft schon Luxus. Wer in solchen Orten wohnt, braucht im Regelfall einen Führerschein, ein Auto und viel Zeit. Und trotz günstiger Mieten und Grundstückpreise sind sie daher für Städter auf der Suche nach günstigem Wohnraum nicht wirklich attraktiv.

Sehen wir den Tatsachen ins Auge: Solche Orte am Leben zu erhalten ist oftmals nur teuer und auch aus Gesichtspunkten den Umweltschutzes problematisch – man denke nur an die Fahrerei, die die Bewohner auf sich nehmen müssen, um ihre Grundbedürfnisse zu decken.

Und daher sollte es kein Tabu mehr sein, kleine Orte mit sinkender Bevölkerung genauer unter die Lupe zu nehmen – und in letzter Konsequenz siechenden Dörfern Sterbehilfe zu leisten und sie praktisch aufzugeben.

In den meisten Regionen Westdeutschlands floriert ein kleiner Ort, wenn von ihm aus in 20 Minuten ein Oberzentrum erreichbar ist. In wirtschaftlich schwächeren Gegenden, besonders in den östlichen und nördlichen Bundesländern ist auch dieses Kriterium aber kein Erfolgsgarant.

Einzelne “schwache” Orte aufzugeben, würde auch den positiven Effekt haben, andere Orten in der jeweiligen Region zu stärken.

In der Praxis könnte dies durchaus sozialverträglich umgesetzt werden:

In jeweiligen Regionen wird in einem ersten Schritt untersucht, welche Orte Zukunft haben und welche mittel- oder langfristig aufgegeben werden sollen.

Die Orte, die aufgegeben werden sollen, werden dann in einem nächsten Schritt bei den Gemeinden mit Wachstumspotential eingemeindet. Gleichzeitig wird durch baurechtliche und ggf. neue noch zu schaffende Auflagen der Zuzug in die aufzugebenden nunmehr Ortsteile unterbunden oder zumindest erschwert.

Sukzessive wird die Infrastruktur in dem neuen Zentrum ausgebaut – z.B. ein größeres Schulzentrum mit Turn- und Schwimmhalle statt mehrerer kleiner maroder Grundschulen mit wackeliger Personalausstattung. In der Übergangszeit sorgt dann ggf. ein Schulbus dafür, dass die Kinder aus den aufzugebenden Siedlungsgebieten auch ohne “Elterntaxi” auskommen.

Parallel dazu wird die Neuansiedlung in den auszubauenden Gebieten gefördert, z.B. durch subventioniertes Bauland oder Vergünstigungen bei  kommunalen Steuern und Abgaben.

Verwaiste Gebäude in den abzubauenden Gebieten werden – nach Ankauf durch Kommune/Land oder ggf. Enteignung – abgerissen. Innerhalb eines überschaubaren Zeitraums können so die aufzugebenden Gebiete dann sukzessive ganz abgebaut und renaturiert, z.B. bewaldet, werden.

Sicher, im Detail stellen sich noch viele Fragen und es wird oftmals Widerstände geben. Wie geht man mit einzelnen Baudenkmälern um, die unter Denkmalschutz stehen? Was macht man mit einzelnen Einwohnern, die partout nicht wegziehen wollen? Wer kommt für die Kosten auf? Welche rechtlichen Rahmenbedingungen sind zu schaffen?

Ich bin mir aber sicher, dass sich für alle diese Fragen und Probleme Antworten finden lassen und eine konsequente Durchführung der kontrollierten Aufgabe sterbender Dörfer und Orte großes Potential für die betroffenen Regionen bietet.

Zudem könnten solch strukturstarke, gut an Oberzentren angebundene Kommunen eine positive Stadtflucht aufs Land auslösen.

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