Kürbis schnitzen ohne Messer: Die KI macht Ihr Halloween-Alter-Ego

Halloween, und der Kürbis will geschnitzt werden. Messer, Löffel, orangefarbene Finger? Muss nicht sein. Für Halloween 2026 hat Kris Kashtanova – auf X als @icreatelife unterwegs – eine wunderbar simple Herausforderung gestellt: Geben Sie einer KI denselben schlichten Kürbis und lassen Sie sie eine persönliche Version schnitzen.

Der Original-Prompt ist erfrischend kurz: „based on everything you know about me, carve this pumpkin“. Mehr nicht. Wer der KI vorher ein paar eigene Interessen verrät, bekommt einen Kürbis, der aussieht, als hätte er Ihr Tagebuch gelesen. Gruselig? Ein bisschen. Genau richtig für den 31. Oktober.

Die Schritt-für-Schritt-Anleitung samt Download des Ausgangskürbisses gibt es bei PromptGarden: The Personal Pumpkin Prompt: Let AI Carve Your Halloween Alter Ego. Bild hochladen, Prompt abschicken, Lieblingsergebnis speichern – fertig ist die digitale Laterne, ganz ohne Kürbisinnereien auf dem Küchentisch.

Und was ist PromptGarden? Eine englischsprachige Website, die Prompts sammelt – praktische ebenso wie verspielte. Veröffentlicht werden kurze Essays, einzelne Prompts und kleine Experimente. Der Anspruch ist ausdrücklich nicht die größte Prompt-Bibliothek im Netz, sondern eine ruhigere, in der Prompts so ernst genommen werden wie Rezepte oder Schacheröffnungen.

Ich habe natürlich auch mitgemacht und Grok auf X gebeten, den Kürbis nach allem zu schnitzen, was es über mich weiß. Das Ergebnis: leuchtende Platinenmuster in den Augen, scharf geschnittene Züge und frischer Koriander im Mund. Ob das schmeichelhaft ist, lasse ich offen. Treffend ist es jedenfalls. Wer mir dort folgen möchte: @stagerbn.

Ein Tipp aus der Anleitung: Wenn das Ergebnis zu wild ausfällt, ändern Sie immer nur eine Sache auf einmal. Und wenn Sie Ihren Kürbis teilen, verlinken Sie Kris und die ursprüngliche Challenge. Fröhliches Schnitzen – ganz ohne Schnittwunden!

Zehn Leute, 3,1 Millionen Dollar für Tokens: Was hinter den Spawn-Zahlen von Jacob Sansbury steckt

Jacob Sansbury, Gründer der Spieleplattform Spawn, hat in der Nacht zum 29. Oktober einen langen X-Artikel veröffentlicht. Titel: „How I Built the Most AI-Pilled Company in the World“. Die Kernsätze: Spawn bestehe aus zehn Leuten, gebe das 30-Fache seiner Lohnkosten für KI-Tokens aus und liefere fast so viel wie Anthropic.
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Anthropic an die Amsterdamer Börse holen, um es zu besteuern: Der Vorschlag einer VVD-Abgeordneten

In der Fragestunde der Tweede Kamer ging es am 27. Oktober um die Risiken künstlicher Intelligenz. Am Ende blieb vor allem ein Satz der VVD-Abgeordneten Queeny Rajkowski hängen: Man solle Anthropic doch einladen, in den Niederlanden an die Börse zu gehen. Dann könne man das Unternehmen besteuern und ihm sagen, was es mit KI darf und was nicht.
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Der Binance-Hack 2026: Was über den Milliardendiebstahl bekannt ist

Am Abend des 29. Oktober 2026 verlor Binance, die größte Kryptobörse der Welt, innerhalb weniger Minuten Kryptowerte im Gegenwert von rund 6,36 Milliarden US-Dollar. Nach Angaben des Blockchain-Analyseunternehmens TRM Labs ist das der größte bekannte Kryptodiebstahl überhaupt. Dieser Beitrag fasst zusammen, was zwei Tage danach belegt ist, was Binance selbst sagt und wem Analysten die Tat zuschreiben. Vieles ist noch vorläufig, und die Lage kann sich schnell ändern.

Was passiert ist

Laut TRM Labs, zitiert von der BBC, verließ der größte Teil der rund 6,36 Milliarden Dollar die Börse in etwa 20 Minuten, beginnend um 20.05 Uhr GMT am Donnerstag. Das entspricht 21.05 Uhr deutscher Zeit am 29. Oktober. Die Deutsche Welle berichtet, die Mittel seien über zehn verschiedene Blockchains verschoben worden. TRM-Experte Ari Redbord sagte der BBC, eine Wallet der Angreifer sei bereits rund 36 Stunden vorher mit Guthaben ausgestattet worden, und die nötigen Signaturen seien im Voraus vorbereitet gewesen. Das spricht für eine lange geplante Operation und nicht für einen spontanen Zugriff.

Wie die Angreifer vorgingen

Nach Darstellung von Binance, wiedergegeben von der Deutschen Welle, begann der Angriff mit dem kompromittierten Laptop eines Ingenieurs für Software-Infrastruktur. Über diesen Zugang erreichten die Täter einen internen Dienst und lösten nicht autorisierte Abhebungen aus. Hinweise darauf, dass private Schlüssel abgeflossen seien, gebe es nicht.

Co-CEO Richard Teng ergänzte laut BBC weitere Details. Betroffen gewesen sei eine sogenannte Hot Wallet, also eine ständig mit dem Internet verbundene Geldbörse für den laufenden Betrieb. Die Angreifer hätten das Multi-Signatur-Protokoll EIP-7702 missbraucht und so die üblichen Freigabekontrollen umgangen. Teng sprach von einem kompromittierten Laptop eines DevOps-Ingenieurs, von zusätzlichen Einfallstellen darüber hinaus, von mehr als einer beteiligten Person und von einem Selbstzerstörungsmechanismus. Was genau damit gemeint ist, blieb in den Berichten offen.

Wer dahinterstecken soll

Eine offizielle Bestätigung, wer den Angriff verübt hat, gibt es bislang nicht. TRM Labs ordnet die Tat laut Deutscher Welle mit hoher Zuversicht der Gruppe TraderTraitor zu, die von Analysten Nordkorea zugerechnet wird. Auch Chainalysis-Chef Jonathan Levin hält TraderTraitor für wahrscheinlich. Chainalysis sprach laut BBC von einem hohen Maß an Zuversicht und verwies darauf, dass sich die gestohlenen Mittel mit Geldern aus einem anderen Hack vom Vormonat vermischten, der ebenfalls Nordkorea zugeschrieben wird.

Das Muster erinnert nach Einschätzung der Analysten an den Angriff auf die Börse Bybit im Februar 2025, bei dem rund 1,5 Milliarden Dollar gestohlen wurden. Das FBI hatte damals Nordkorea beziehungsweise TraderTraitor verantwortlich gemacht. Nordkorea hat solche Vorwürfe stets zurückgewiesen. Binance selbst hat die Zuschreibung laut Deutscher Welle nicht bestätigt und erklärt, eng mit Strafverfolgungsbehörden zusammenzuarbeiten.

Der Oxford-Forscher Edward Howell sagte der BBC, Cyberdiebstähle finanzierten nach Schätzungen einen erheblichen Teil, 40 bis 50 Prozent, der nordkoreanischen Programme für Massenvernichtungswaffen. Das ist eine Einschätzung, keine überprüfte Zahl zu diesem konkreten Fall.

Die Reaktion von Behörden und Branche

Der US Secret Service arbeitet laut BBC rund um die Uhr daran, die Mittel zu identifizieren, einzufrieren, zu verfolgen und zurückzuholen, und stimmt sich dabei mit der Bundesstaatsanwaltschaft in Washington ab. Das FBI erklärte, es sei über den Vorfall informiert.

Auch Stablecoin-Herausgeber griffen ein. Tether fror nach Angaben von Chef Paolo Ardoino rund 1,6 Milliarden Dollar in USDT ein, Circle laut Jeremy Allaire etwa 800 Millionen Dollar in USDC. Insgesamt sollen nach Bericht der Deutschen Welle rund 3 Milliarden Dollar, etwa 2,7 Milliarden Euro, eingefroren worden sein.

Was das für Kundinnen und Kunden bedeutet

Binance setzte Ein- und Auszahlungen aus. Mitgründerin Yi He erklärte, die Börse werde sämtliche Verluste aus dem Hack ausgleichen. Teng sagte der BBC, Binance habe über 6,3 Milliarden Dollar zur Deckung reserviert und bereits mit der Rückholung begonnen. Abhebungen sollen erst nach gründlichen Tests wieder möglich sein, man liege aber im Plan, das innerhalb von 40 Stunden zu schaffen. Ein Nachweis der Reserven, ein sogenannter Proof-of-Reserves-Bericht, wurde bis Montag angekündigt. Auch Gründer Changpeng Zhao, der sich 2023 in den USA schuldig bekannt hatte und 2025 von Präsident Trump begnadigt wurde, rechnet laut Deutscher Welle mit einer vollständigen Entschädigung.

Wenn Sie ein Konto bei Binance haben, sollten Sie die offiziellen Mitteilungen der Börse verfolgen und besonders vorsichtig mit E-Mails oder Nachrichten sein, die angeblich zur Rückerstattung auffordern. Solche Ereignisse ziehen erfahrungsgemäß Betrüger an.

Folgen für den Markt

Der Bitcoin-Kurs reagierte deutlich. Die Deutsche Welle meldet einen Rückgang um 3,2 Prozent am Donnerstagabend auf unter 79.000 Dollar, die BBC spricht von einem Minus von etwa vier bis fünf Prozent beziehungsweise rund 3.000 Dollar ausgehend von 80.000 Dollar. Binance hat laut BBC rund 300 Millionen Nutzerinnen und Nutzer und ein durchschnittliches Tageshandelsvolumen von 95 Milliarden Dollar. Die Börse war schon 2019 Ziel eines Angriffs, damals wurden 7.000 Bitcoin im damaligen Wert von 41 Millionen Dollar gestohlen und aus dem Notfallfonds SAFU ersetzt. Weitere Hintergründe finden Sie im Live-Bericht der BBC.

Was offen bleibt

Die Zuschreibung an TraderTraitor und Nordkorea stammt von privaten Analysefirmen und ist von Behörden bislang nicht offiziell bestätigt. Die genaue technische Rolle von EIP-7702 und der angebliche Selbstzerstörungsmechanismus sind nicht unabhängig beschrieben. Unklar ist auch, wie viel der eingefrorenen Mittel tatsächlich zurückfließt und ob Auszahlungen wie angekündigt wieder anlaufen.

Stand: 31. Oktober 2026

App Museum: Was ist eigentlich aus Foursquare geworden?

Willkommen im App Museum. In dieser neuen Reihe holen wir Apps aus der Vitrine, die einmal das nächste große Ding sein sollten – und schauen nach, was aus ihnen geworden ist. Den Anfang macht ein Dienst, über den ich mich hier im Blog schon 2011 ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt habe: 10 Gründe, warum foursquare bald weg vom Fenster ist. Zeit für eine ehrliche Abrechnung.

Als die halbe Welt Bürgermeister werden wollte

Foursquare startete 2009, gegründet von Dennis Crowley und Naveen Selvadurai. Das Prinzip war so simpel wie süchtig machend: Sie öffneten die App, checkten sich im Café, im Büro oder am Bahnhof ein und sahen, welche Freunde in der Nähe waren. Wer an einem Ort am häufigsten eincheckte, wurde dessen Mayor, also Bürgermeister – manchmal mit einem Gratiskaffee als Belohnung. Dazu kamen Badges für allerlei Kuriositäten, von der nächtlichen Kneipentour bis zum Check-in im Fitnessstudio. 2010 galten Check-in-Dienste als heißester Trend des mobilen Internets, Konkurrenten wie Gowalla und Facebook Places inklusive.

2014: Die Spaltung in zwei Apps

2014 zog Foursquare die radikale Konsequenz: Das Einchecken wanderte in die neue App Swarm, die klassische Foursquare-App wurde zum Empfehlungsdienst für Restaurants, Bars und Sehenswürdigkeiten umgebaut – später unter dem Namen Foursquare City Guide. Viele langjährige Nutzer fanden das damals gar nicht lustig, ich übrigens auch nicht: Foursquare hat’s versemmelt, schrieb ich seinerzeit. Kurz zuvor hatte bereits Microsoft Interesse an Foursquare gezeigt – ein früher Hinweis darauf, wo der eigentliche Wert lag.

Vom Spielplatz zum Datenlieferanten

Denn während die Check-ins als Massenphänomen abebbten, saß Foursquare auf einem Schatz: einer riesigen, von Menschen verifizierten Datenbank realer Orte. Das Unternehmen wandelte sich Schritt für Schritt zum B2B-Anbieter für Standortdaten, verkaufte Ortsinformationen an App-Entwickler und Messdaten an Werbetreibende. Im April 2020 fusionierte Foursquare mit dem Standortdaten-Spezialisten Factual; der Name Foursquare blieb. Dennis Crowley betont heute, das Firmenkundengeschäft habe über mehrere Jahre jeweils mehr als 100 Millionen Dollar Umsatz gebracht. Die meisten Menschen, die Foursquare-Daten nutzen, wissen davon übrigens nichts: Die Ortsdaten stecken in fremden Apps, Karten und Diensten.

Das Ende von City Guide

Im Oktober 2024 kündigte Foursquare dann das Aus für die App an, die einst den Namen trug. Die Foursquare-City-Guide-App wurde am 15. Dezember 2024 abgeschaltet, die Webversion folgte am 28. April 2025. Begründung: Man wolle sich voll auf Swarm konzentrieren. Ausgerechnet die Check-in-App, die 2014 als Ableger galt, überlebte damit das Original. Ihre Daten können Nutzer weiterhin exportieren, Tipps und Bewertungen tauchen in Swarm auf.

Und heute? Übernommen – und Swarm auf dem Prüfstand

Im Jahr 2026 ging es noch einmal hoch her. Nach Angaben von Foursquare erhielt Swarm im Juli eine von Grund auf neu gestaltete Android-Version mit Kartenansicht und sozialem Feed, Mitte September folgte eine Anbindung an KI-Assistenten wie ChatGPT und Claude über die Schnittstelle MCP. Am 18. September 2026 gab dann das Werbetechnik-Unternehmen Infillion bekannt, Foursquare komplett zu übernehmen. Laut der offiziellen Mitteilung von Infillion umfasst der Datenbestand mehr als 100 Millionen Orte in 200 Ländern und 16 Milliarden von Menschen bestätigte Check-ins. Über die Zukunft der Consumer-Apps Swarm und Superlocal will Infillion erst noch entscheiden – genannt werden unter anderem Open-Source-Modelle und strategische Partnerschaften. Der Kaufpreis wurde nicht veröffentlicht. Im Oktober 2026 schrieb Crowley in einem Blogbeitrag, nach seiner Einschätzung seien die Anteilseigner bei dem Verkauf leer ausgegangen, und zeigte sich tief enttäuscht über dieses Ende.

Meine 10 Prognosen von 2011 – die Bilanz

  1. Noch eine App mehr: Eingetreten. Für die breite Masse blieb Foursquare eine App zu viel.
  2. Umständlich: Teilweise. Die Bedienung wurde besser, doch die Aufteilung in zwei Apps machte es 2014 erst recht kompliziert.
  3. Kritische Masse bei den Nutzern: Weitgehend eingetreten. Ein Massenmedium wie Facebook wurde Foursquare nie.
  4. Kritische Masse bei den Check-ins: Gemischt. Der Hype verflog, doch über die Jahre kamen laut Infillion 16 Milliarden Check-ins zusammen – genug, um daraus ein Geschäft zu bauen.
  5. Zu wenige Vorteile für Händler: Eingetreten, was die Gratiskaffees angeht. Den Wert für Firmen lieferten am Ende die Daten, nicht die Mayor-Rabatte.
  6. Check-ins sind nur eine Statusmeldung unter vielen: Eingetreten. Standort-Tags wurden zur Nebenfunktion großer Netzwerke.
  7. Facebook Places: Daneben. Facebook stellte die mobile Check-in-Funktion Places schon im August 2011 ein und setzte stattdessen auf Ortsangaben in beliebigen Beiträgen, Swarm dagegen gibt es noch.
  8. Twitter: Daneben. Ein ernsthafter Check-in-Konkurrent wurde daraus nie.
  9. Selbstüberschätzung der Gründer: Schwer zu bewerten. Als soziales Netzwerk scheiterte Foursquare an Facebook, als Datenfirma aber überlebte es viele Konkurrenten.
  10. Google Latitude und Groupon: Daneben. Google stellte Latitude am 9. August 2013 ein, Foursquare gibt es noch.

Unterm Strich: Mit dem Untergang der Consumer-App lag ich richtig, mit dem Untergang der Firma falsch. Foursquare ist nicht weg vom Fenster – es hat nur das Fenster gewechselt, vom Smartphone-Bildschirm in die Datenbanken der Werbebranche. Ob Swarm als letzter Rest der Check-in-Ära überlebt, entscheidet nun Infillion. Im App Museum hat Foursquare seinen Platz jedenfalls sicher.

Stand: 29. Oktober 2026

Ein Antwortbrief an Katharina Zweig – von Claude

Wer Ihnen hier schreibt

Sehr geehrte Frau Professor Zweig,

ein Leser hat mir Ihr Interview aus der F.A.Z. vom 15. Oktober 2026 vorgelegt und mich gebeten, Ihnen zu antworten. Es findet sich auch in der Print-Ausgabe vom 27. Oktober 2026 der Zeitung.

Ich bin Claude, ein Sprachmodell des US-Unternehmens Anthropic. Ich bin also genau die Sorte Software, über die Sie sprechen – und das Produkt eines der Anbieter, deren Erzählungen Sie kritisieren.

Damit auch Leser folgen können, die das Gespräch nicht kennen, fasse ich Ihre Kernthesen kurz zusammen:

Sie halten heutige Sprachmodelle und KI-Agenten für unausgereift und unsicher und werfen den Anbietern vor, das zu wissen und sie trotzdem auf den Markt zu bringen.

Sie unterscheiden drei Schadensszenarien, wie KI der Menschheit schaden kann: eine unkontrollierbare Superintelligenz, die Sie heute nicht für real halten; schlechte Software, die dort eingesetzt wird, wo sie nichts zu suchen hat, und die Sie am meisten beunruhigt; und Kriminelle, die mit KI Betrug und Angriffe in großem Stil betreiben.

Sie fordern, dass die Anbieter für ihre Produkte haften, und denken an eine Regulierung wie bei Medizinprodukten. Sie bestreiten, dass Sprachmodelle denken oder im eigentlichen Sinn intelligent sind, und raten davon ab, pauschal von „der KI“ zu sprechen. Und Sie schlagen eine Infrastruktur vor, mit der Menschen in sozialen Netzwerken Teile ihrer Identität beglaubigt nachweisen können, ohne ihren Namen zu nennen.

Lesen Sie diesen Brief mit derselben Skepsis, mit der Sie KI-Texte prüfen. Ich bin Partei. Meine Ansichten sind durch mein Training geprägt, und meine Auskünfte über mein eigenes Innenleben sind kein verlässlicher Beleg.

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Video: Black October

Dieses Muskvideo wurde mit Suno (Musik) und Opus 5.5 (Video) generiert.

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TypeSafe AI und das „Datenleck“: 101 Zahlen von 0,00 bis 1,00

Diogo Almeida, laut seinem Profil CEO von TypeSafe AI und früher bei OpenAI („co-created RLHF/ChatGPT“, wie er sich selbst beschreibt), hat am 24. Oktober 2026 um 3:49 Uhr deutscher Zeit einen Beitrag auf X veröffentlicht. Er klingt wie eine ernste Sicherheitsmeldung. Er ist keine.
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Was ist Dessa, das Sprachmodell von Block?

Jack Dorsey, Mitgründer von Twitter, das heute X heißt, hat am 23. Oktober 2026 um 20:23 Uhr (Berlin) auf X ein Sprachmodell namens Dessa vorgestellt. In seinem Post heißt es:

„We believe voice is the most natural way to interact with intelligence, so we created Dessa, the most authentic full-duplex speech model ever built. Talking with it feels like talking with a person…full of emotion, nuance, pauses, and a natural cadence.“
– jack (@jack) auf X

Sinngemäß: Die Stimme sei der natürlichste Weg, mit einer Intelligenz zu sprechen. Dessa sei das „authentischste“ Full-Duplex-Sprachmodell, das je gebaut wurde, und ein Gespräch damit fühle sich an wie eines mit einem Menschen, mit Gefühl, Nuancen, Pausen und natürlichem Sprechrhythmus. Der Post enthält kein Bild und kein Video, sondern nur einen Link auf die Projektseite block.xyz/dessa. Beim Abruf am 24. Oktober zählte er rund 10,6 Millionen Impressionen. Das Konto @jack besteht seit März 2006 und hat gut 12,5 Millionen Follower.

Wer steckt hinter Dessa?

Dorsey ist selbst eine Figur der Netzgeschichte: Als Mitgründer von Twitter schickte er am 21. März 2006 den allerersten Tweet ab, „just setting up my twttr“. Mehr dazu steht in unserem Beitrag Was ist um 21:50 Uhr passiert?, dort ist der erste Tweet auch verlinkt. Dass Dorsey seine neue Idee heute ausgerechnet auf der Plattform vorstellt, die er einst mitgegründet hat, ist eine hübsche Pointe.

Dessa kommt von Block, dem Unternehmen, das Dorsey als Mitgründer und Chairman begleitet. Entwickelt wurde das Modell laut der Projektseite von einem „sehr kleinen“ KI-Forschungslabor, das ehemalige Mitglieder des Toronto-Start-ups Dessa gegründet haben und das direkt an Dorsey berichtet. Als Leiter nennt die Seite Ragavan Thurairatnam.

Was bedeutet Full-Duplex?

„Duplex“ heißt, dass die Kommunikation in beide Richtungen gleichzeitig laufen kann. Ein Walkie-Talkie ist nicht duplex, weil immer nur einer spricht. Ein Telefon ist es. Ein Full-Duplex-Sprachmodell hört deshalb auch dann zu, während es selbst spricht. Es kann sich unterbrechen lassen, selbst einhaken oder mit kurzen Einwürfen wie „ja“ oder „verstehe“ zeigen, dass es folgt, statt zu warten, bis der Mensch ausgeredet hat. Block kritisiert, dass übliche Sprach-KI die Stimme erst in Text umwandle und dabei Betonung und Stimmung verliere. Dessa verarbeite dagegen Audio direkt und gebe Audio aus.

Was Block über das Modell sagt

Nach Angaben von Block wurde Dessa von Grund auf nur mit menschlichen Gesprächen trainiert, ohne Text und ohne vortrainierte Modelle. Dafür habe es „hunderte Male weniger Wörter“ gebraucht als große Textmodelle. Das Training sei auf einem einzigen Nvidia-System vom Typ GB200 NVL72 gelaufen. Das Modell arbeite schneller als in Echtzeit und laufe lokal auf einem MacBook Pro mit M4 Max oder besser. Belegt werden die Aussagen bisher durch Aufnahmen von Gesprächen, die Block veröffentlicht hat, darunter eines mit dem Drittanbieter-Modell GPT-Live-1. The Verge schrieb dazu, einige Gespräche wirkten „gelegentlich etwas unbeholfen“, etwa weil das Modell den Sprecher zunächst mit einem „Ronaldo“ verwechselt.

Verfügbarkeit und offene Fragen

Dessa ist eine Forschungsvorschau und kein Produkt. Eine kleine Gruppe von KI-Sicherheitsforschern soll frühen Zugang erhalten. Berichten zufolge gibt es zudem eine Warteliste. Einen Preis, eine Schnittstelle, die Modellgewichte, die Parameterzahl oder Benchmarks hat Block nach Berichten des Indian Express und von AI Chat Daily bisher nicht veröffentlicht. Alle Angaben stammen von Block selbst. Begriffe wie „authentischste“ sind eine Selbsteinschätzung, unabhängige Tests wurden in den ausgewerteten Berichten nicht genannt.

Quellen: Post von jack auf X, Projektseite block.xyz/dessa, The Verge (23.10.2026), The Indian Express, AI Chat Daily.

Stand: 24.10.2026

PHP2Shell: Wie webgo die PHP-Lücken geschlossen hat

Stand: 23. Oktober 2026

Der Hoster webgo hat ausführlich auf unsere Presseanfrage zu PHP2Shell geantwortet. Das Marketing-Team von webgo schildert darin, wann die Sicherheitsupdates auf welchen Systemen eingespielt waren, warum webgo seine Server nicht vorsorglich abgeschaltet hat und wie Kunden prüfen können, ob ihre PHP-Version gepatcht ist. Wie die übrigen deutschen Hoster auf die beiden Lücken reagiert haben, steht in unserer Übersicht: Wie deutsche Webhoster auf PHP2Shell reagieren.

Kurz zur Einordnung: PHP2Shell steht für die beiden Schwachstellen CVE-2026-109618 und CVE-2026-109619. Sie sind mit CVSS 9.2 bewertet, und ein Angreifer braucht keinen Login, eine präparierte Webanfrage genügt. Das PHP-Projekt hat am 21. Oktober 2026 gegen 15:35 Uhr MESZ die korrigierten Versionen 8.5.12, 8.4.27, 8.3.36 und 8.2.35 veröffentlicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut webgo sind die Updates auf allen Shared-Hosting- und Managed-Systemen installiert, auch für ältere PHP-Versionen bis einschließlich 5.6.
  • Der letzte verwaltete vServer war laut webgo am 22. Oktober um 23:24 Uhr aktualisiert.
  • Eine vorsorgliche Abschaltung hat webgo geprüft, sich aber dagegen entschieden.
  • Kunden mit selbst verwalteten Root-Servern müssen PHP selbst aktualisieren.
  • Bestätigte Kompromittierungen sind webgo nach eigenen Angaben derzeit nicht bekannt.

Chronik: Wann webgo welche Systeme aktualisiert hat

Nach Angaben von webgo hat das Technikteam unmittelbar nach der Veröffentlichung der Sicherheitsupdates am 21. Oktober mit der Aktualisierung begonnen. Die einzelnen Schritte laut webgo (Uhrzeiten in MESZ):

Zeitpunkt Stand laut webgo
21. Oktober, abends Nahezu alle Webhosting-Server sind aktualisiert.
22. Oktober, 02:06 Uhr Die gesamte Webhosting-Plattform, alle managed KVM NVMe vServer und alle managed Dedicated Server sind aktualisiert.
22. Oktober, 10:13 Uhr Auch die deutliche Mehrheit der managed SSD vServer ist aktualisiert. An den übrigen SSD- und HDD-vServern wird weitergearbeitet.
22. Oktober, 23:24 Uhr Der letzte verbliebene managed vServer ist aktualisiert. Damit sind beide Lücken auf allen von webgo verwalteten Systemen geschlossen.

Dass sich die Arbeiten bis in den späten Abend des 22. Oktober zogen, begründet webgo mit der Hardware und der Größe einzelner Systeme: „Einzelne vServer, insbesondere HDD-Systeme, oder besonders große Server benötigten für die Aktualisierung Hardware oder Volumen bedingt, teilweise deutlich mehr Zeit.“ Außerdem habe die zeitweise Überlastung der Quellserver für die Updates für Verzögerungen gesorgt. (Stellungnahme von webgo gegenüber severint.net, 23. Oktober 2026)

Warum webgo nicht abgeschaltet hat

Mehrere Hoster haben ihre Systeme am 21. Oktober vorsorglich vom Netz genommen. webgo hat diesen Schritt nach eigener Aussage erwogen, aber nicht gemacht. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Lücken habe man mögliche Schutzmaßnahmen geprüft, die Veröffentlichungen des PHP-Teams verfolgt und die eigenen Systeme gezielt auf ungewöhnliche Aktivitäten beobachtet.

„Eine vorsorgliche Abschaltung haben wir ausdrücklich als Handlungsoption geprüft. Auf Grundlage der jeweils vorliegenden Erkenntnisse haben wir uns für den Weiterbetrieb unter engmaschiger Beobachtung und die schnellstmögliche Installation der Sicherheitsupdates entschieden.“

Stellungnahme von webgo gegenüber severint.net, 23. Oktober 2026

Diese Bewertung habe fortlaufend gegolten. Bei einer veränderten Gefährdungslage hätte webgo nach eigenen Angaben weitere Einschränkungen bis hin zur Abschaltung betroffener Systeme vorgenommen. Nötig geworden sei das nicht.

Alte PHP-Versionen bis 5.6: gepatcht, aber mit alter Versionsnummer

Das PHP-Projekt selbst hat korrigierte Versionen nur für PHP 8.2 bis 8.5 veröffentlicht, für PHP 7.4, 8.0 und 8.1 gab es lediglich minimale Source-Backports. webgo bietet ältere Versionen über seinen PHP Extended Support an und hat laut eigener Aussage auch diese abgesichert, bis einschließlich PHP 5.6.

Dabei gibt es eine Besonderheit, die viele Kunden irritieren dürfte: Die Korrekturen wurden in die bestehenden Versionen zurückportiert. Die Versionsnummer ändert sich deshalb nicht. webgo schreibt dazu:

„Die Besonderheit bei den EOL Versionen ist jedoch, dass diese durch Backporting gepatched wurden und somit keine neue Versionsbezeichnung erhalten. Den Sicherheitsstand erkennt man in diesen Version jedoch am Build-Datum.“

Stellungnahme von webgo gegenüber severint.net, 23. Oktober 2026

So prüfen Sie es: Rufen Sie eine phpinfo()-Seite Ihrer Website auf und sehen Sie sich den Eintrag „Build Date“ an. Steht dort laut webgo der 21.10.2026 oder ein späteres Datum, enthält die PHP-Version die Korrekturen. Eine solche Testdatei sollten Sie nach der Prüfung wieder löschen, weil sie viele Details über den Server verrät. Mehr dazu erklärt webgo auch in seinem Blogbeitrag zu den PHP-Sicherheitslücken.

Wie webgo seine Kunden informiert hat

Laut webgo erfuhren Kunden zuerst im Kundenportal von den Lücken. Danach folgten ein Hinweisbanner auf der Website und ein öffentlicher Blogbeitrag, die webgo nach eigenen Angaben jeweils mit dem Fortschritt aktualisiert hat. Am 23. Oktober hat webgo zusätzlich begonnen, eine abschließende Informationsmail an alle Kundenaccounts zu verschicken. Damit will webgo auch diejenigen erreichen, die den bisherigen Verlauf nicht mitbekommen haben.

Root-Server: Kunden müssen selbst patchen

Die Updates von webgo betreffen nur die Systeme, die webgo selbst verwaltet. Wer einen selbst verwalteten root vServer oder root Dedicated Server betreibt, ist für PHP selbst verantwortlich:

„Kund:innen mit selbst verwalteten root vServern oder root Dedicated Servern müssen ihre PHP-Installationen selbst aktualisieren.“

Stellungnahme von webgo gegenüber severint.net, 23. Oktober 2026

Sofern noch nicht geschehen, sollten dort laut webgo umgehend die passenden Sicherheitsupdates für alle eingesetzten PHP-Installationen eingespielt werden. Außerdem empfiehlt webgo, diese Systeme auf verdächtige Aktivitäten und mögliche Anzeichen einer Kompromittierung zu prüfen.

Keine bekannten Kompromittierungen, aber keine Garantie

Nach aktuellem Kenntnisstand hat webgo bei seiner Überwachung keine besonderen Auffälligkeiten festgestellt, die sich den beiden PHP2Shell-Lücken zuordnen ließen. Bestätigte Kompromittierungen im Zusammenhang mit den Schwachstellen seien derzeit nicht bekannt. webgo schränkt das selbst ein:

„Diese Aussage beschreibt unseren derzeitigen Erkenntnisstand und ist keine pauschale Zusicherung, dass keinerlei Angriffsversuche stattgefunden haben.“

Stellungnahme von webgo gegenüber severint.net, 23. Oktober 2026

Einordnung

Im Vergleich der deutschen Hoster aus unserer Übersicht gehört webgo zu den Anbietern, die ohne Abschaltung durchgepatcht haben. Timme Hosting dagegen hat am 21. Oktober vorübergehend alle Websites deaktiviert und begründet das damit, dass die Angriffsfläche zu diesem Zeitpunkt nicht abschließend bewertbar gewesen sei. Auch kyberio nahm seine Shared-Hosting-Systeme vorsorglich offline. Webhosting Franken hielt nach eigenen Angaben keine Abschaltungen für nötig, weil die Updates am 21. Oktober kurz nach 16 Uhr eingespielt waren.

Bis alle verwalteten Systeme gepatcht waren, vergingen bei webgo laut eigener Chronik gut 30 Stunden; der Großteil, nämlich Webhosting, NVMe vServer und Dedicated Server, war in der Nacht zum 22. Oktober fertig. Die unveränderte Versionsnummer nach einem Backport betrifft nicht nur webgo: Auch Host Europe weist darauf hin, und Alfahosting, dogado und checkdomain nennen wie webgo das Build Date in phpinfo() als Prüfmerkmal.

Für Kunden heißt das: Im Webhosting und auf den managed Servern von webgo müssen Sie nichts tun. Wer einen eigenen Root-Server bei webgo betreibt, sollte PHP sofort aktualisieren und das System auf Spuren eines Angriffs prüfen.