
Rauschliesel, f. – Eine dem Trunke innig ergebene Weibsperson, die – gleich einer ländlichen Bacchantin – mit taumelndem Schritt und glühender Wange durchs Dorf zieht, das Lied auf den Lippen und den Krug in der Hand. Meist von gutem Gemüt, doch schwacher Willenskraft, sucht sie Trost, Freude und Geselligkeit im befeuchteten Glase. Die Rauschliesel ist dem Feierabend nicht abhold und dem Festtage gar ergeben, bei Tanz und Tenne stets vorneweg und mit derben Sprüchen bei Tische nicht zu überhören.
Im Volksglauben sowohl belächelt als auch bemitleidet, gilt sie als Sinnbild der überschäumenden Lebenslust in weiblicher Gestalt, jedoch mit Hang zur Entgleisung. Oft besungen in Spottliedern und Wirtshausgeschichten, ist sie eine vertraute Figur im Dorfbild des ausgehenden Jahrhunderts.
„Wenn die Rauschliesel kommt, verstummt der Pfarrer und singt der Knecht.“ (Altbayerischer Spruch)
Siehe auch: Saufdirne, Trinkmagd, Zechnäsin, Lallmarie.