Meinung: Warum ich mich richtig über Micky Beisenherz ärgere – oder über den Respekt vor Religionen

Micky Beisenherz kennen Sie vielleicht nicht namentlich – auch wen  er in sozialen Netzen ziemlich aktiv ist oder Kolumnen schreibt – aber einen von ihm getexteten Spruch haben Sie sicher schon mal gehört, z.B. im Dschungelcamp beim RTL.

Ich schätze ihn an sich sehr für seine oft provokante, aber meist sehr differenzierte Meinung, habe mich aber nun einmal wirklich sehr über ihn geärgert.

Anlass ist ein Facebook Posting von ihm, in dem er schildert, dass er zusammen mit seiner dreijährigen Tochter einen Gottesdienst zur Erstkommunion besucht hat:

Nachdem der Pfarrer seinen Stand Up beendet hat, stellen sich alle in die Schlange, um sich treu eine Hostie abzuholen … Tochter (3) beobachtet die Szenerie, … möchte sich also auch anstellen… auch so einen Jesus-Oreo zu bekommen. Als sie vor dem Pfarrer steht und brav eine Kuhle mit ihren Händchen bildet, blickt dieser sie gütig lächelnd an und erklärt ihr, dass sie leider noch zu klein sei. Heute nur für Stammgäste. Und Tüss. Mittelschwere Verstörung. Im selben Moment bekomme ich, hinter, über ihr als Member natürlich eine dieser Oblaten, nehme sie-und reiche sie direkt an meine Kleine weiter… Jetzt ist wiederum der Pastor verstört . .. Mit einem lapidaren „ja, komm, is gut“ wimmle ich ihn zornig blickend ab, animiere meine Tochter zum Verzehr der Hostie und gehe mit ihr Richtung Bank, lasse den Filialleiter Gottes konsterniert stehen.

Soweit der Kern der Geschichte in Zitaten.

Kritik an Glauben und Religion muss möglich sein und ist auch richtig. Und so ärgert mich auch der flapsige Ton – “Jesus Oreo” – nicht. Doch gerade, wenn ich einer religiösen Zeremonie beiwohne, verhalte ich mich respektvoll und akzeptiere die Regeln und Gebräuche. Ganz gleich, ob dies in einer katholischen Kirche, einem evangelischen Gotteshaus, einer Synagoge, einer Moschee, einem germanischen Buchenhain, einem buddhistischen Tempel oder einer Verehrungsstätte des Fliegenden Spaghettimonsters ist. Und dies nicht nur aus Respekt gegenüber der Zeremonie an sich, sondern gerade aus Respekt gegenüber den gläubigen Menschen, die dieser Zeremonie beiwohnen.

Versagt hat hier jedenfalls nicht der Priester, sondern Micky Beisenherz, der seinem Kind ein respektloses Verhalten gegenüber einer religiösen Zeremonie vorlebt.

Und das ärgert mich sehr.

Die doppelt inkonsequente Sawsan Chebli

In den letzten Wochen hat sich die Berliner Staatssekretärin zwei mal zum Namen Mohammed geäußert – und das höchst widersprüchlich, wie man den beiden obigen tweets entnehmen kann.

Als sie dann u.a. von Ahmad Mansour auf den Widerspruch aufmerksam gemacht wurde, antwortet sie gleichfalls auf twitter:

Mein Vater ist mit über 80 gestorben. Ich bin 40. Mein Neffe ist über 30 und mein Grossneffe über 5. „Heute“ ist 2019. Erst fragen, dann urteilen.

Allerdings löst sie damit den Widerspruch nicht auf – zum einen sind die fünf Jahr, die ihr Großneffe alt ist, noch nicht so lange her, zum anderen schreibt sie ja selbst, dass sie – und andere Muslime – dafür sorgen wird, dass der Vorname Mohammed nie verschwinden wird.

Und so hat Mansour letztlich recht: Twittern wie Chebli, “Heute so morgen so.”

Dokumentiert: Der tweet von Sawsan Chebli, der zu ihrer twitter Sperre führte

Wie verschiedene Medien berichten, wurde die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli auf twitter gesperrt.

Ursächlich dafür soll dieser tweet gewesen sein, den ich hier wertungsfrei dokumentiere:

#Servicetweet für die #AfD: Mein Vater hieß Mohammed. Ich heiße Sawsan Mohammed Chebli. Mein ältester Neffe heißt Mohammed. Meine Nichte hat ihrem Sohn den Namen ihres Opas gegeben. Kurzum: Wir werden schon dafür sorgen, dass dieser Name nie verschwindet!

Aktuell ist er noch verfügbar – und ich gehe davon aus, dass dies auch so bleiben wird.

 

Die Blockliste von Mario Sixtus

Mario Sixtus hat seine twitter Blockliste veröffentlicht. Sie umfasst rund 5.000 Accounts, seiner Einschätzung nach eine Liste von “rechtsradikalen Spinnern, von Putin-Propagandisten, von Siff-Twitterern, von Spammern, von aggressiven Arschlöchern oder einfach nur end-nervigen Typen”.

Ich halte nichts davon zu blocken – zu den Gründen hier – dokumentiere die Liste aber dennoch.

Übrigens, einige Accounts – wie z.B. meiner – sind zwar von Sixtus geblockt, finden sich aber nicht auf der Liste. Ob dies an einem fehlerhaften Export, einem alten Stand der Blockliste oder anderen Gründen liegt, versuche ich herauszufinden.

So, hier ist aber nun die gesamte Liste:
“Die Blockliste von Mario Sixtus” weiterlesen

Enissa Amani, ein initiierter Shitstorm und Wikipedia-Aufrufe

Derzeit bewegt ein von der Komikerin Enissa Amani initiierter Shitstorm gegen die Journalistin Anja Rützel die sozialen Netzwerke. Mir war Amani vorher kein Begriff – und da scheine ich nicht der einzige zu sein, wie die Abrufstatistik ihres Wikipedia Artikels zeigt.

Meinung: Marga und der Spargel

Ob sie es glauben oder nicht, aber ich lese die Spiegel Kolumnen von Margarete Stokowski an sich immer sehr gerne. Ich bin meist anderer Ansicht als sie, rege mich manchmal über sie auf und hin und wieder schreibe ich sogar eine Erwiderung, wie zuletzt zu ihren Tipps für den feministischen Mann. Grundsätzlich finde ich, dass Menschen mit einer anderen Sicht auf die Dinge den Horizont erweitern.

Diesmal schreibt Stokowski über Spargel. Ja, Spargel.

Wahrscheinlicht dräute der wöchentliche Abgabetermin bei SPON und Stokowski hatte keine Ahnung, worüber und was sie schreiben sollte. Irgendwann muss sie dann auf ein Werbeschild für Spargel, einen Spargelstand oder eine Spargelsonderkarte im Restaurant gestoßen sein – ihre Rettung. Ist Spargel im Frühjahr nicht allgegenwärtig? Hat Spargel nicht etwas phallisches?  Ist er nicht gar weiß? Ja, Spargel ist das “privilegierteste Gemüse Deutschlands”, quasi der “alte weiße Mann der Kulinarik”? Womit sie ja wieder bei ihrem Thema wäre.

Was dann folgt ist eine Ansammlung und Aufbauschung von Nichtigkeiten. Ja, Spargel wird derzeit besonders oft angeboten (auch wenn nicht so inflationär wie von ihr behauptet, geschenkt), aber wollen wir sonst nicht immer regional und saisonal?  Spargelfotos im Internet seien gleichsam wie Dickpics – keiner wolle sie sehen. Naja, immer noch besser als echte ungefragt zugesandte Schwanzbilder. Ein Kilo Spargel pro Kopf und Tag isst der durchschnittliche Deutsche auch nicht und anders als von ihr behauptet schmeckt lila Spargel auch anders als weißer…

Das ganze ist so lieblos und zusammenhanglos geschrieben, dass ich mich frage, ob sie am Vorabend des Verfassens auf einer polnischen Doppelhochzeit war und mich daher nicht mal drüber aufregen kann. Und darum schreibe ich jetzt auch nicht mehr.

Das kannst Du aber besser, Marga.

 

Meinung: Enissa Amani und Anja Rützel

Derzeit beschäftigt ein heftiger Streit zwischen der Komikerin Enissa Amani und deren Fans sowie der Journalistin Anja Rützel die sozialen Netze, hauptsächlich Instagram und twitter.

Zum Hintergrund: Amani – die ich übrigens bislang nicht bewusst wahrgenommen habe – war Jurorin bei den auf Pro7 übertragenen About You Awards, bei dem Influencer ausgezeichnet werden. Was es nicht alles gibt…

Jedenfalls hielt Amani dort auch eine Rede, in der sie sich nicht nur Nutten für ihre Bühnenshow wünschte, sondern sich auch gegen die Bezeichnung als Komikerin verwahrte. Nun ist Nutte – insbesondere auch aus der Sicht von Prostituierten selbst – ein sehr beleidigender Begriff, Komikerin hingegen im Grundsatz nicht, insbesondere wenn damit eine – nun – Komikerin belegt wird. Amanis Empörung ging aber soweit, dass sie ankündigte, nach Nicaragua auszuwandern und Papayas (Bild oben) anzubauen, solle sie nochmals von den Medien als Komikerin bezeichnet werden.

Den Ball nahm Anja Rützel bei ihrem Bericht über die About you Awards bei SPON dankbar auf:

…sofort wolle sie ihre Bühnenkarriere beenden, müsste sie den unsachgemäßen Begriff “Komikerin” noch einmal über sich lesen, “ich schwöre, ich schmeiß alles hin”, weshalb man sie wirklich auf keinen Fall mehr “Komikerin” nennen sollte, denn spätestens nach dieser Rede kann einfach keiner wollen, dass wir diese Komikerin an die Fruchtproduktionsbranche verlieren. (Nur nochmal zur Sicherheit: Komikerin.)

Wer Rützel regelmäßig liest, weiß, dass das eben ihr Stil ist. Auch in dem verlinkten Artikel ist Amani nicht die einzige, die ihr Fett abbekommt. Und wer sich in die Küche begibt, muss Hitze eben auch ertragen können.

Amani kann das aber anscheinend nicht und echauffierte sich zunächst in ihrer Instagram-Story über Rützel. Viele ihrer über 500.000 Fans folgten ihr und attackierten die Journalistin, die sich  gezwungen sah, ihr dortiges Profil auf privat zu stellen. Schnell wurde dann auch die Rassismus-Karte gezogen, ist Amani doch ursprünglich iranischer Herkunft. Und was erlaubt sich Rützel, eine Ausländerin aus dem Land treiben zu wollen – was sie explizit getan habe, als sie Amani als Komikerin bezeichnet habe.

Vollends hanebüchen wird es, als der Afd Politiker Andreas Winhart den Artikel aus dem Spiegel teilt. Rützel ist jetzt nicht nur Rassistin, sondern auch noch AfD Nutte (sic!). Zur Einordnung ist vielleicht noch wichtig, dass sich Amani und Winhart nicht sonderlich grün sind.

Als sei das alles nicht genug, ist die gesamte Diskussion auch bei twitter und auf facebook gelandet, wo sich die beiden Lager nach wie vor unversöhnlich gegenüber stehen.

Für meinen Teil halte ich die Vorwürfe gegen Rützel für abstrus, ihr Rassismus zu unterstellen ist lächerlich und relativiert echten Rassismus. Und gerade Amani sollte mit Anschuldigungen vorsichtig sein, gießt sie doch ständig Öl ins Feuer gegen Integration, wie ich nun lernen durfte.

Auf die weitere Entwicklung darf man jedenfalls gespannt sein.

Was bedeutet Snowflakes?

Als Snowflakes – im deutschen meist Schneeflöckchen, manchmal auch wörtlich übersetzt Schneeflocken – werden von konservativen oder rechten Kreisen abwertend Millenials mit linker Einstellung bezeichnet.

Sie seien so empfindlich wie Schneeflocken und/oder würden sich für einzigartig wie diese halten.

Meinung: Der feministische Mann, Margarete Stokowski und ihre 40 Ratschläge dazu

Margarate Stokowski hat im Rahmen ihrer “DER SPIEGEL” Kolumne einen “Lebensratgeber – Wie kann ich als Mann Feminist sein” geschrieben.

Als alter weißer Mann – rund 47 Jahre alt, tatsächlich zusehends ergrauende Haare, verheiratet, Tochter 15 und Sohn 12, berufstätig, studierter Jurist und Hobbybesserwisser – möchte ich zu den 40 Ratschlägen meine Meinung abgeben.

1. Erwarten Sie keine kostenlose Nachhilfe von Frauen in Sachen Feminismus. Informieren Sie sich selbst, das Internet ist voll und die Bibliotheken auch.

Ich informiere mich bei allen Themen am liebsten selbst. Dennoch bin ich immer froh über Meinungen und Wissen aus erster Hand und entsprechende Diskussionen.

2. Lesen Sie Bücher von Frauen, sehen Sie Filme von Frauen, hören Sie Musik von Frauen.

Mir ist es ehrlich gesagt egal, ob ein Buch von einer Frau, einem Mann oder einem multisexuellen Alien von Karnakos 3 geschrieben wurde. Auf den Inhalt kommt es an. Und ich werde nichts lesen, hören oder sehen, nur um irgendwelche Quoten zu erfüllen.

Wahrscheinlich lese ich mehr Bücher von Männern, höre mehr Musik von Frauen und bei Filmen kann ich es nicht sagen, da ich da wirklich nicht drauf achte.

3. Behaupten Sie nie wieder, Frauen hätten nichts Großes erfunden und informieren Sie sich stattdessen darüber, was Ihnen bisher entgangen ist.

Hab ich nie behauptet, würde ich nie behaupten. Man denke allein an Ada Lovelace, Marie Curie, Hedy Lamarr (Bild)…

4. Lesen Sie weiter, auch wenn Sie ungern belehrt werden, vielleicht kommt am Ende raus, dass Sie längst Feminist sind.

Ich werde gerne belehrt, wenn es sachlich und nicht ideologisch ist. Schon bei den ersten Ratschlägen kommt bei mir aber das Gefühl auf, dass eher Margarete Stokowski die Ideologin mit Vorurteilen ist und nicht ich…

5. Fragen Sie sich, ob es eine Frau gibt, die Ihr Vorbild ist. Wenn Ihnen nur Ihre eigene Großmutter einfällt, fragen Sie sich, warum das so ist.

Auch bei den Vorbildern achte ich nicht aufs Geschlecht. Allerdings habe ich eigentlich keine Vorbilder. Ich finde aber gleichermaßen Männer wie Frauen inspirierend.

6. Lassen Sie Frauen ausreden.

Das ist selbstverständlich.

7. Unterbrechen Sie Männer, die Frauen unterbrechen.

Ich unterbreche Menschen, die Menschen unterbrechen.

8. Glauben Sie Frauen, wenn sie von ihren Erfahrungen berichten, auch wenn es Ihnen schwerfällt. Neulich gab es ein Video, das viral ging: Eine Frau trug in einem Club ein “smart dress”, das die Menge der Berührungen maß, die unerlaubt auf ihrem Körper landeten. Viele Männer reagierten geschockt auf die Vielzahl der Übergriffe. Sie hätten das auch einfacher haben können, mit Zuhören.

Ich glaube Menschen die von ihren Erfahrungen berichten mal mehr und mal weniger. Auch hier achte ich nicht aufs Geschlecht. Dass das mit den Berührungen ein Problem ist, glaube ich aber sofort.

9. Geben Sie Frauen keine unerbetenen Ratschläge und vor allem keine, die Sie bei Männern unangemessen fänden.

Ich gebe im Zweifel allen Menschen unerbetene Ratschläge. Aber auch dabei mache ich keinen Unterschied zwischen Männern, Frauen und Diversen.

10. Fangen Sie keine Sätze an mit “Ich könnte dein/ Ihr Vater sein,…”.

11. Beenden Sie auch keine Sätze so.

Hab ich beides schon gemacht. Auch bei Männern – aber wenn, dann immer mit einem Augenzwinkern oder selbstironisch in Hinblick auf mein Alter.

Vielleicht sollte ich das aber überdenken.

12. Kommentieren oder berühren Sie die Körper oder Kleidung von Frauen nicht, wenn Sie auch nur den geringsten Zweifel haben, ob das gerade unangemessen ist. Unangemessen ist es in den meisten beruflichen Situationen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, und bei Frauen, die nicht so aussehen, als wären sie an einem Gespräch interessiert (Kopfhörer sind ein guter Hinweis dafür). Wenn Sie denken, dass Sie dann ja gar nichts Nettes mehr sagen können, denken Sie noch mal nach.

Das ist selbstverständlich.

13. Sagen Sie Frauen mit kurzen Haaren oder Fingernägeln nicht, dass Sie lieber lange Haare oder Fingernägel mögen. Die ahnen das schon. Sagen Sie geschminkten Frauen nicht, dass Sie lieber ungeschminkte mögen.

Auch da sind wir uns einig.

14. Laufen Sie nachts nicht dicht hinter fremden Frauen her, auch wenn Sie den gleichen Weg haben. Gehen Sie langsamer oder auf der anderen Straßenseite. Wirklich.

Ich bin zu einer Zeit aufgewachsen, als man sich darüber noch keine Gedanken machen musste oder gemacht hat. Vielleicht war es damals unnötig, vielleicht gedankenlos.

Jedenfalls achte ich inzwischen drauf, nicht bedrohlich zu wirken. Sei es nachts in der Stadt oder morgens im Wald beim Joggen.

15. Bezahlen Sie Frauen für ihre Arbeit, mindestens so viel wie Männer.

Jeder sollte immer nach seiner Leistung bezahlt werden.

16. Geben Sie Ihrer Tochter mindestens so viel Taschengeld wie Ihrem Sohn im selben Alter.

Warum eigentlich das “mindestens”? Unterm Strich nicht mehr und nicht weniger.

17. “Helfen” Sie Ihrer Partnerin nicht im Haushalt: Machen Sie einfach die Hälfte.

OK, hier mache ich definitiv weniger, da ich im Gegensatz zu meiner Frau tagsüber nicht zuhause bin. Aber wenn wir beide da sind, ist es schon sehr ausgewogen, wenn auch in unterschiedlichen Bereichen…

18. Denken Sie nicht, dass Sie schon Feminist sind, weil Sie nett zu Ihren weiblichen Familienangehörigen sind.

Ich bekomme zusehends Zweifel, ob ich Feminist in dem Sinne sein will, wie Stokowski Feminismus versteht.

19. Fordern Sie Frauen, die nicht lächeln, niemals zum Lächeln auf.

Ich hab sicher schon mal “Lach doch mal” zu Frauen gesagt – und zu Männern. Hier kommt es mE immer auf den Kontext an.

20. Oder, wenn Sie es bei Frauen nicht lassen können: Fordern Sie auch mal Männer, die nicht lächeln, zum Lächeln auf, und fühlen Sie mal, wie bescheuert das ist.

Wie gesagt, habe ich schon gemacht. Und das hat schon oft Situationen aufgelockert. Auch wenn es eine Frau zu mir gesagt hat, wenn ich gerade griesgrämig war – privat wie beruflich.

Warum immer so verkrampft sein?

21. Wann immer Sie unsicher sind, ob Sie etwas Sexistisches sagen oder tun, machen Sie die einfachste Sexismusprobe, die es gibt: Vertauschen Sie im Kopf die Geschlechterrollen und schauen Sie, ob es merkwürdig wird. Wenn Sie gerade über eine Frau sagen wollten, dass sie wahrscheinlich so anstrengend ist, weil sie keine Kinder hat, fragen Sie sich, ob Sie über einen Mann auch so reden würden.

Ja, die Probe mache ich im Zweifel. Letztlich versuche ich aber, nicht in Geschlechterrollen zu denken.

22. Wenn Sie ein Baby kriegen, nehmen Sie mehr als die zwei Monate Elternzeit. Wenn Sie nur die zwei Monate nehmen: Fahren Sie nicht zwei Monate nach Thailand. Und schreiben Sie während der zwei Monate kein Buch/ Blog darüber, was für ein neuer Mensch Sie in dieser Zeit geworden sind.

Ja, ich habe mir bei meiner Tochter mehr als zwei Monate genommen. Bei meinen Sohn ging das leider nicht.

Und ja, Ich hatte tatsächlich drüber nachgedacht, ein Buch übers Vatersein zu schreiben, es dann aber vorerst doch gelassen. Vielleicht kommt es aber noch.

23. Sagen Sie lieber nicht, dass Sie so richtig verstanden haben, wie viel Ungerechtigkeit es noch gibt, seit Sie eine Tochter haben. Also, sagen Sie das ruhig, aber seien Sie sich bewusst, dass Sie damit sagen, dass Sie sich nie richtig mit Ihrer Mutter, Frau, Schwester, ihren Freundinnen und Bekannten beschäftigt haben.

Seit ich eine Tochter habe habe ich erlebt, dass zumindest an den Kindergärten, Grundschulen, Gymnasien, Vereinen, Behörden und anderen Institutionen, mit denen meine Tochter in Kontakt gekommen ist, keine strukturelle Ungerechtigkeit in Bezug auf das Geschlecht herrscht. Ganz im Gegenteil. Die gegenteilige Erfahrung geht sogar soweit, dass unser Sohn ganz bewusst eines der wenigen noch verbleibenden reinen Jungengymnasien in Deutschland besucht.

Aufgrund der Erfahrungen mit Mutter, Bekannten und Freundinnen weiß ich aber auch, dass es auch anders war und in einigen Bereichen noch immer anders ist.

24. Informieren Sie sich über Menstruation, PMS, Schwangerschaft, postnatale Depression, Verhütung, Geschlechtskrankheiten, Toxisches Schocksyndrom und Anzeichen von Herzinfarkten und Schlaganfällen bei Frauen. (Das Neo Magazin Royale hat neulich zum Frauentag Videos gemacht, in dem die männlichen Mitarbeiter Menstruation und verschiedene Verhütungsmittel erklären sollten, es war unterirdisch.)

Wer mich kennt weiß, dass ich mich mit allen möglichen Themen befasse, die mir gerade über den Weg gelaufen sind und laufen. Die genannten gehören auf jeden Fall dazu.

25. Falls Sie etwas mehr Zeit haben: Werden Sie Entbindungspfleger.

Das wollen Sie den Schwangeren nicht antun. Genau so wenig, wie ich Helfer beim Urologen sein sollte – oder in einem anderen medizinischen Beruf aktiv werden sollte.

26. Lachen Sie nicht mit, wenn Ihre Kolleginnen oder Freunde frauenfeindliche Witze machen. Merken Sie sich den Satz “find ich nicht lustig”. Falls Sie es doch lustig finden: Interessant, dass Sie bis hierher gelesen haben. Bleiben Sie dran.

Humor und Deutschland, ein schwieriges Thema.

Bei jedem Witz kommt es auch auf den Kontext an. Und es gibt durchaus Fälle, in denen ein frauenfeindlicher Witz auch mal lustig ist. Ebenso kann ich über männerfeindliche Witze und sogar über mich selbst lachen.

Es kommt eben auch immer auf die Intention an.

27. Ungefähr jede dritte Frau in Deutschland wird am Arbeitsplatz belästigt. Schützen Sie keine Täter, auch wenn die ansonsten sogenannte nette Kollegen sind. Die allermeisten Sexualstraftäter sind, wenn sie nicht gerade übergriffig sind, ganz normale, “nette” Typen.

Volle Zustimmung.

28. Wenn Sie Belästigung oder andere Übergriffe beobachten, gehen Sie dagegen vor. Tun Sie das, ohne für die Betroffenen zusätzlich belastend zu werden. Nicht jede Geschichte braucht einen Helden.

Auch das ist klar.

29. Erklären Sie Feministinnen nicht, dass es eigentlich “Humanismus” heißen müsste und nicht “Feminismus”.

Habe ich noch nie gemacht. Im übrigen müsste ich darüber mal nachdenken, das gleiche ist es nach spontaner Einschätzung aber nicht.

30. Geben Sie zu, wenn Sie von etwas keine Ahnung haben. Das ist pures Gold.

Das mache ich immer. Hat aber irgendwie nicht direkt was mit dem Thema zu tun, sondern sollte immer und überall für alle gelten.

31. Nennen Sie erwachsene Frauen nicht “Mädchen” oder “Mädels”, oder alternativ: Nennen Sie erwachsene Männer auch “Jungs”. Aber lieber das Erste.

Weder die Bezeichnung “Mädels” noch “Jungs” für Erwachsene finde ich angebracht. Es gibt aber durchaus Milieus, in denen die Frauen sagen “Ich geh heut mit den ‘Mädels’ weg, Paul macht was mit seinen Jungs.” Mein Fall ist das nicht, soll im Privaten aber jeder halten, wie er will.

32. Sehen Sie Frauen nicht als Vertreterinnen einer Spezies. Wenn Ihnen eine Feministin nicht passt, sagen Sie nicht: “Wegen Ihnen kann ich Feminismus nicht mehr ernst nehmen.” Das ist nur peinlich.

Stimmt. Generell sollte man nicht von einer Person auf eine Gesamtheit schließen.

Allerdings kann man durchaus den Standpunkt, den eine Person vertritt, ablehnen, siehe z.B. oben Punkt 18.

33. Erwarten Sie keine eindeutigen, endgültigen Antworten auf Ihre Fragen, denn Feminismus ist eine extrem vielfältige Bewegung und es gibt darin die unterschiedlichsten Positionen.

Ja.

34. Nennen Sie nie wieder eine Frau hysterisch, oder alternativ: Nennen Sie Männer auch so. Informieren Sie sich über den Ursprung des Begriffs “Hysterie”.

Bei der Verwendung des Begriffs hysterisch habe ich auch noch nie einen Unterschied gemacht – und der medizinisch nicht mehr gebräuchliche Begriff Hysterie – Spoiler, es kommt von Gebärmutter – hat mit dem umgangssprachlichen “hysterisch” nicht so viel zu tun.

Laut meiner Tochter bin ich ohnehin eine Drama Queen, genau sie wie ihr kleiner Bruder. Und das geben wir beide sogar zu.

35. Wenn Frauen etwas kritisieren, nennen Sie sie nicht überempfindlich. Wenn Sie Feministinnen anstrengend finden, fragen Sie sich, warum genau.

Wenn Kritik berechtigt ist, nenne ich diese sicherlich nicht überempfindlich.

Anstrengend finde ich andere Meinungen grundsätzlich nur dann, wenn sie unsachlich und zu ideologisch aufgeladen sind. Und dann kann ich auch mal eine Feministin anstrengend finden. Genau so, wie ich Männer anstrengend finde, die meinen, Gleichberechtigung bräuchte es nicht.

36. Daten Sie auch Frauen, die mehr verdienen als Sie.

Hatte ich kein Problem mit. Inzwischen hätte meine Frau was dagegen.

37. Machen Sie nicht bei Konferenzen oder Podiumsdiskussionen mit, zu denen nur Männer eingeladen werden. Schlagen Sie Frauen vor, zitieren Sie Expertinnen. Nutzen Sie Ihre Privilegien, um gegen Ungerechtigkeiten vorzugehen.

Ein schwieriges Thema, da ich eben eigentlich das Geschlecht für irrelevant halte. Jeder, der etwas zu einem Thema zu sagen hat, sollte es unabhängig davon sagen können, ob er Mann oder Frau ist. Ich habe grundsätzlich kein Problem mit einem rein weiblich besetzten Podium und auch keines mit einem rein männlich besetzten, wenn in beiden Fällen keine Quote oder sonstwie unsachlichen Gründe zur Auswahl führten.

Vereinfacht gesagt: Spricht bei der Hebammen Jahresversammlung kein Mann so ist das genau so unproblematisch wie wenn beim Jahreskongress der Feuerwehrleute keine Frau zu Wort kommt. Ein Problem haben wir wahrscheinlich hingegen, wenn bei der Weiterbildungsveranstaltung der Anästhesisten keine Frau zu Wort kommt – oder kein Mann.

38. Werden Sie nicht wütend (hysterisch), wenn Sie auf Ihre Privilegien angesprochen werden.

Für Kritik bin ich immer offen und höre mir diese an.

39. Erwarten Sie keinen Applaus, erwarten Sie Streit und Kritik. Wenn Sie glauben, dass Sie für Ihren Einsatz für Gleichberechtigung mehr Anerkennung verdienen als eine Frau, lassen Sie es lieber gleich.

Auch hier gilt – ein Mann hat für seinen Einsatz für Gleichberechtigung genau die gleiche Anerkennung wie eine Frau. Nicht mehr und nicht weniger.

40. Bedanken Sie sich bei Feministinnen für ihre Arbeit. Männern, die an veralteten Geschlechterrollen festhalten, drohen mehr psychische Probleme, hat eine Studie 2016 gezeigt (PDF). Toxische Männlichkeit ist heilbar. Schützen Sie sich! Dankeschön!

Alles in allem glaube ich nicht, dass ich an toxischer Männlichkeit leide. Auf der anderen Seite bin ich auch kein Feminist, zumindest nicht in dem Sinne, in dem Margarete Stokowski oder Anne Wizorek Feministinnen sind – dieser Feminusmus ist mir zu negativ und zu sehr auf ein Gegeneinander der Geschlechter ausgerichtet.

Klar, ich habe sicherlich schon Fehler im Umgang mit Frauen gemacht und habe sichher immer noch Sichtweisen und Verhaltensmuster, die ich ändern sollte. Manches – siehe oben Punkt 14 – erkennt man auch erst im Lauf und im Licht der Zeit. Und in diesem Sinne versuche ich, an mir zu arbeiten.

Männer und Frauen haben die gleichen Rechte. Und das ist gut so. Männer und Frauen sind aber auch unterschiedlich. Und auch das ist gut so.

Wir sollten gegenseitig unsere Stärken und Schwächen akzeptieren, uns respektieren, ohne Vorurteile aufeinander zugehen und gemeinsam an einer besseren Gesellschaft arbeiten.

Streetart in Bonn: Die schlechtgelaunte Frau mit den Leopardenohren

Die schlechtgelaunte Frau mit den Leopardenohren wurde in Bonn Poppelsdorf an einem Laternenmast gesichtet.