Meinung: Ricarda Lang und das seltsame Verhalten von Politikern in sozialen Netzen

Noch nicht viele werden sie kennen: Ricarda Lang.

Sie wurde am 17. Januar 1994 in Filderstadt geboren und ist seit November 2019 stellvertretende Bundesvorsitzende und frauenpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, vorher war sie zwei Jahre Sprecherin der Grünen Jugend, der Jugendorganisation von Bündnis 90/Die Grünen. Ihre Themenschwerpunkte sind Bildungs- und Hochschulpolitik sowie Feminismus und Body Positivity.

In Ihrer Funktion hat sie sich das ein oder andere mal kritisch zu McDonalds geäußert. Um so heftiger die Reaktionen in sozialen Netzen, als ein Bild von ihr auftauchte, das sie im Zug mit einer Tüte des amerikanischen Fast Food Konzerns zeigt. Argonerd hat dies anschaulich in Zusammenhang gebracht.  Lang hat die Echtheit des Fotos durch einen Verteidigungsthread selbst belegt.

Grundsätzlich stimme ich dem Standpunkt zu, dass Privates bei Politikern privat bleiben sollte. Auf der anderen Seite sollte es natürlich keinen zu großen Widerspruch zu gefordertem und eigenem Verhalten geben. Will sagen: wer qua Amt gegen McDonalds und Fast Food argumentiert, sollte dort auch nicht kaufen. Und sich erst recht nicht mit einer ebensolchen Tüte in der Öffentlichkeit zeigen und dann ablichten lassen.

Wer Wasser predigt, darf eben keinen Wein trinken.

Dokumentiert: Der McDonalds Verteidigungstweet von Ricarda Lang

Von der Grünen Politikerin Ricarda Lang kursiert ein Foto, das sie ohne Maske im Zug mit einer McDonalds Tüte zeigt. In einem Thread auf twitter nimmt sie dazu Stellung. Diese möchte ich hier unkommentiert dokumentieren.

Gerade kursiert in rechten Kreisen ein Foto von mir beim Bahnfahren, auch hier mehrmals geteilt von Funktionär*innen der #AfD. Politiker*innen haben wirRecht auf Privatssphäre. Und sind keine Maschinen, sondern Menschen. Get over it. (1/6)

Danke an alle, die sich bei mir gemeldet haben. Mir gehts gut. Leider überrascht mich sowas kaum noch. Gleichzeitig will ich mich an sowas nicht gewöhnen. (2/6)

Denn es macht etwas mit unserem politischen Diskurs, wenn Politiker*innen, insbesondere Frauen, immer Angst vor Angriffen haben müssen. Auch im Privaten. (3/6)

Es führt dazu, dass Menschen aufhören sich politisch zu engagieren. Oder erst gar nicht damit anfangen. Dass sie aus der öffentlichen Debatte verdrängt werden.

Das schadet der Demokratie. Angst ist der Feind einer lebendigen Demokratie. (4/6)

Umso wichtiger ist es, dass wir niemand mit der Angst alleine lassen. Denn sonst gewinnen die, die Angst zu ihrem politischen Prinzip gemacht haben. (5/6)

Wer andere auf diesem Niveau persönlich angreift, handelt aus Verzweiflung, weil er politisch nichts zu bieten hat. Und diskreditiert sich damit selbst. In diesem Sinne schönen Sonntag auch an die Hetzer der #AfD! (6/6)
Das mit der Menschlichkeit sieht man auch an weirden Rechtschreibfehlern 🙈

Was bedeutet Followende?

“Followende” kann im deutschen zwei Bedeutungen haben.

  1. Ist es die gendergerechte deutsche Variante des Plurals von Follower.
    “Liebe Followende” statt “Liebe Follower”.
  2. Bestätigung, dass man jemanden, insbesondere auf twitter, nicht mehr folgt.
    “Es reicht mir jetzt mit Deinen Verschwörungstheorien. Followende!”

Pressemitteilung: Beitrag von Dieter Nuhr bei der DFG wieder online

Die Deutsche Forschungemeinschaft hatte einen Beitrag des Kabarettisten Dieter Nuhr im Rahmen ihrer Aktion #fürdaswissen nach Protesten insbesondere auf twitter offline genommen, wir haben dies hier dokumentiert. Der Beitrag ist nun wieder online.

Wir begrüßen dies ausdrücklich. Es ist bedenklich, dass eine kleine, aber in sozialen Netzen lautstarke Minderheit , den öffentlichen Diskurs im Sinne einer Cancel Culture derart beeinflussen kann.

In der anhaltenden Debatte um den Beitrag von Dieter Nuhr hat die DFG mit Einverständnis des Kabarettisten dessen Beitrag wieder auf die Internetseite der Online-Aktion #fürdasWissen gestellt und dazu folgende Erklärung veröffentlicht:

Die DFG bedauert es ausdrücklich, das Statement von Dieter Nuhr vorschnell von der Internetseite der Online-Aktion #fürdasWissen heruntergenommen zu haben. Herr Nuhr ist eine Person, die mitten in unserer Gesellschaft steht und sich zu Wissenschaft und rationalem Diskurs bekennt. Auch wenn seine Pointiertheit als Satiriker für manchen irritierend sein mag, so ist gerade eine Institution wie die DFG der Freiheit des Denkens auf Basis der Aufklärung verpflichtet. Wir haben den Beitrag daher wiederaufgenommen. Die Diskussion um den Beitrag verdeutlicht exemplarisch die Entwicklungen, die aktuell viele öffentliche Diskussionen um die Wissenschaft kennzeichnen.

In verschiedenen Bereichen unserer Gesellschaft hat sich eine Debattenkultur entwickelt, in der oft nicht das sachliche und stärkere Argument zählt, in der weniger zugehört und nachgefragt, sondern immer häufiger vorschnell geurteilt und verurteilt wird. An die Stelle des gemeinsamen Dialogs treten zunehmend polarisierte und polarisierende Auseinandersetzungen. Gerade bei zentralen Fragen wie dem Klimawandel oder der Coronavirus-Pandemie werden damit die wirklich notwendige Diskussion um wissenschaftliche Themen und der konstruktive Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft behindert. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die ihre Erkenntnisse öffentlich machen und politische Handlungsoptionen beschreiben, sind immer häufiger Ziel unsachlicher Attacken und persönlicher Diffamierungen. Dies gilt auch für gesellschaftliche Bewegungen, die für die Wissenschaft eintreten und öffentlich dazu aufrufen, wissenschaftliche Erkenntnisse stärker zur Basis von Entscheidungen und Handlungen zu machen.

Diese Entwicklungen sind der Gesellschaft nicht zuträglich und umso bedenklicher, als die Wissenschaft bei der Bewältigung aktueller Herausforderungen eine zentrale Rolle spielt, mit der sie derzeit in der Gesellschaft stark wahrgenommen und geschätzt wird. Dabei ist sie ihrerseits auf eine kritische, offene und konstruktive Kommunikationskultur angewiesen.

Die DFG möchte diese Beobachtungen zum Anlass nehmen, eine intensive Auseinandersetzung mit der aktuellen Debattenkultur rund um die Wissenschaft anzustoßen. Die DFG steht für Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit sowie für eine differenzierte Diskussionskultur. Hierfür wird sie sich auch in Zukunft weiter mit aller Kraft einsetzen – gemeinsam mit anderen Akteuren aus Wissenschaft, Medien, Politik und anderen Bereichen der Gesellschaft im In- und Ausland.

Dokumentiert: Die Tripolis / Beirut Verwechslung von Ralf Stegner

Ralf Stegner hat bei seinem tweet zum Explosionsunglück von Beirut anscheinend Tripolis und Beirut verwechselt.

Dokumentiert: Der Audi tweet mit dem Mädchen mit der Banane

Tja, was soll man sagen. Audi wirbt international mit dem obigen eingebetteten tweet und erntet einen veritablen Shitstorm, für den der obige  Retweet nur ein Beispiel sei.

Die Darstellung des Mädchens mit der Banane mache dieses zum Sexobjekt – und dann noch die Überschrift… Ich lasse das mal so unkommentiert stehe, dokumentiere aber noch abschließend, was Audi nun dazu sagt:

We hear you and let’s get this straight: We care for children. The Audi RS 4 is a family car with more than thirty driver assistance systems including an emergency break system. That’s why we showcased it with various family members for the campaign. (1/3)

We hoped we could convey these messages, showing that even for the weakest traffic participants it is possible to relaxingly lean on the RS technology. That was a mistake! Audi never intended to hurt anyone’s feelings. (2/3)

We sincerely apologize for this insensitive image and ensure that it will not be used in future. We will also immediately examine internally, how this campaign has been created and if control mechanisms failed in this case. (3/3)

Frei übersetzt:

Wir hören Ihnen zu und lassen Sie uns das klarstellen: Wir kümmern uns um Kinder. Der Audi RS 4 ist ein Familienauto mit mehr als dreißig Fahrerassistenzsystemen einschließlich eines Notbremssystems. Deshalb haben wir ihn für die Kampagne mit verschiedenen Familienmitgliedern vorgestellt. (1/3)

Wir hofften, diese Botschaften vermitteln zu können, indem wir zeigen, dass es auch für die schwächsten Verkehrsteilnehmer möglich ist, sich entspannt auf die RS-Technologie zu stützen. Das war ein Fehler! Audi hatte nie die Absicht, die Gefühle anderer zu verletzen. (2/3)

Wir entschuldigen uns aufrichtig für dieses unsensible Bild und sorgen dafür, dass es in Zukunft nicht mehr verwendet wird. Wir werden auch sofort intern prüfen, wie diese Kampagne zustande gekommen ist und ob die Kontrollmechanismen in diesem Fall versagt haben. (3/3)

Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)

Meinung: Ein paar Gedanken zur Anti COVID-19 Maßnahmen Demo in Berlin und den Reaktionen darauf

Am ersten Augustwochenende 2020 haben je nach Quelle zwischen 17.000 und 1,3 Millionen  Menschen in Berlin gegen die COVID-19 Maßnahmen in Deutschland demonstriert. Da grundsätzlich gilt, dass ein Sachverhalt um so um umstrittener ist, je größer die Schwankungsbreite bei Teilnehmerzahlen diesbezüglicher Demonstrationen ist, muss es hier also wirklich ein Thema mit Sprengstoff sein.

Und dass es so ist, sieht man an den Reaktionen danach. So schreibt der Ex-Der SPIEGEL Journalist Hasnain Kazim auf twitter noch vergleichsweise gesittet:

Diese Leute, die da „demonstrieren“, sind keine „besorgten Bürger“. Es sind Feinde der Demokratie, Feinde der freien Presse, Feinde der Rechtsstaatlichkeit. Sie gehören politisch bekämpft, sozial geächtet, juristisch zur Rechenschaft gezogen.

Drastischer wird da z.B. Julia Probst in einem twitter Thread:

Die Polizei sollte jetzt wirklich alle Personalien der Demonstranten aufnehmen. Ich bin ja so sehr für den Datenschutz, aber diese Demo lässt mich wünschen, dass die Listen der Teilnehmer:innen allen Arztpraxen und Krankenhäuser ausgehändigt wird, damit die -> #b0108

Behandlung der Leute, die sich dort infiziert haben auf der Demo vom Personal verweigert werden kann und nur Leute behandelt werden können, die wirklich nichts können für die Infektion, weil sie eben nicht ihre Gesundheit auf solchen Demo riskiert haben. Ich will keine ->

zweite Welle, ich will keinen Shutdown. Ich will nicht, dass Kindergarten, Schulen, Spielplätze etc. wieder geschlossen werden. Ich will nicht, dass es zu einem Shutdown kommt. Der Lockdown war schon schlimm genug. Danke für Nichts, ihr rücksichtslosen Nicht-Denker!

Auffallend ist, dass aus dem gleichen Lager andere Demos, bei denen zwangsläufig ebenfalls viele Menschen bei unzureichender Einhaltung der Hygiene-Regeln zusammenkommen, durchaus nicht so kritisch gesehen werden, wie Klargo Nerd auf twitter deutlich macht:

Was wir hier sehen, ist ein weiteres Beispiel für die extreme Polarisierung in der politischen Diskussion. Ob Flüchtlingskrise, Klimaschutz oder jetzt eben Corona Maßnahmen, es gilt die Losung: Und willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir den Schädel ein (oder wünsche Dir zumindest Corona an den Hals…)

So wenig wie die Anti-Pandemie Maßnahmen der Bundesregierung eine Aushebelung des Grundgesetzes oder ein Beweis für die Herrschaft der Reptiloiden sind, so wenig sorgen ein paar 10.000 Demonstranten im Alleingang für den nächsten Lockdown.

Und ja, ich gebe auch zu, dass viele der Demonstranten für Argumente nicht empfänglich sein werden. Wer vom Merkel-Regime spricht oder von durch Bill Gates initiierte Zwangsimpfungen ausgeht, hat sich aus dem Kreis der Diskussion verabschiedet. Freilich gehören wohl längst nicht alle Demonstranten zu diesem extremen Lager. Und ob man mit Menschen diskutieren kann, die bei jedem Verstoß gegen die Maskenpflicht hysterisch hyperventilieren, darf übrigens ebenso hinterfragt werden.

Letztere sollten es aber besser wissen. Durch die harschen Reaktionen in den sozialen Netzen, die Bezeichnung als Covidioten und durch die einhergehende pauschale Kritik vieler Medien werden die Corona Leugner in ihrem Weltbild aber bestärkt.

Wie immer gilt aber auch hier: Auch in Sachen Corona sollte die differenzierende Mitte die wahrgenommene Diskussion nicht den extremen Rändern überlassen.

Was bedeutet der Hashtag #b0108?

Der Hashtag #b0108 – insbesondere bei twitter – steht grundsätzlich für ein Ereignis, das am 1. August in Berlin stattfindet.

Am 1. August 2020 erregte z.B. die Demonstration gegen die COVID-19 Maßnahmen Aufsehen in den sozialen Netzwerken viel Aufsehen. Entsprechende tweets wurden mit dem Hashtag #b0108 gekennzeichnet.

Hashtag: #NOlaf

Mit dem Hashtag NOlaf positionieren sich insbesondere Jusos und linke Sozialdemokraten auf twitter und in anderen sozialen Netzwerken gegen Olaf Scholz als Kanzlerkandidaten der SPD.

Dokumentiert: Der Fahrspurende tweet von Gunnar Lindemann

Der tägliche Genderwahnsinn: Jetzt werden sogar Fahrspuren gegendert. Wie wäre es mal mit der guten alten Duden-Rechtschreibung anstatt mit diesem links-grünen Ideologien liebe @bzberlin ? Dann verstehen Euch vielleicht auch die Leser wieder.
#zib2 #Gender #Gendergaga #twitch

Ich muss zugeben, dass ich bei diesem tweet des Berliner AfD Abgeordneten zunächst an einen Scherz dachte. Aber ausweislich weiterer tweets meint er das ernst.

So oder so – auch wenn der Duden “Fahrspurende” nicht kennt und es bei Google sehr wenige Treffer hat (unter 1.200 Stand 28. Juli 2020) so ist es nicht gegendert und wurde immer schon mal wieder verwendet.