Meinung: Regenwälder als Schutzzonen unter internationale Verwaltung stellen

Kurz und knapp, die großen Regenwälder sind zu wichtig für uns, als dass man sie einfach abholzen kann. Sie sind extrem wichtige grüne Lungen, dazu noch Lebensräume für viele Arten. Nicht nur aus Selbstzweck angesichts ihrer Bedeutung für das Klima sollten wir sie also schützen.

Tatsächlich halte ich den Erhalt der Regenwälder – nach dem Stoppen des Bevölkerungswachstums – für die vorrangigste Aufgabe auf dem Planeten.

Dabei bin ich der festen Überzeugung, dass die Aufgabe des Erhalts der Regenwälder nicht in die Aufgabe einzelner Staaten gelegt werden darf. Dass dies nicht funktioniert, zeigt das Beispiel Brasilien.

Aus diesem Grunde plädiere ich dafür, die Regenwälder zu Schutzzonen unter internationaler Verwaltung zu stellen, idealerweise sogar als staatenlose Gebiete. Eine Abholzung ist strikt untersagt, ebenso zunächst jegliche kommerzielle Nutzung, also auch Tourismus. Die betroffenen Staaten werden entsprechend entschädigt, auf eine Verrechnung mit bislang entstandenen und verursachten Schäden wird verzichtet.

Auch wenn ich die UNO für keine ideale Organisation halte, sollte die internationale Verwaltung der Gebiete von einer noch zu gründenden Unterorganisation der UN ausgeübt werden. Die Grenzen der Regenwälder werden militärisch geschützt (UN-Blauhelme). Neben den dort lebenden indigenen Völkern können bestehende Siedlungen bestehen bleiben, werden aber als Basis für Forschungsstationen und ggf. als Basen einer späteren sanften touristischen und ggf. kommerziellen Nutzung dienen.

Mir ist klar, ein solcher Plan hört sich zunächst utopisch an, doch müssen wir uns vom kleinen Denken lösen, wenn wir die Probleme auf der Erde wirklich nachhaltig verändern wollen.

Wenn Sie jetzt schon was für den Schutz der Regenwälder tun wollen, haben wir hier 10 Tipps für Sie.

Meinung: Was man auf diesem Planeten direkt ändern sollte

  1. Bevölkerungswachstum stoppen
    Die Überbevölkerung halte ich aus einer Vielzahl von Gründen für das Hauptproblem auf der Erde. Leider handelt es sich dabei um ein großes Tabuthema. Dabei wäre es mit recht einfachen – und ethisch mE nicht fragwürdigen – Methoden möglich, das Bevölkerungswachstum zu stoppen und damit dann auch langfristig einen Bevölkerungsrückgang einzuleiten. Warum das wichtig ist und wie das funktionieren kann, habe ich hier aufgeschrieben.
  2. Regenwälder als Schutzzonen einrichten
    Die großen Regenwälder sollten unbedingt geschützt werden – am besten, indem man sie als Schutzzonen unter strikte internationale Verwaltung gestellt werden. Dazu habe ich hier etwas.
  3. Wiederaufforstung
    Mit massiven Bewaldungsprojekten kann man das Ausbreiten von Wüsten stoppen, mehr Ackerland gewinnen und was gegen zu viel CO2 tun. Daher sollten Wiederaufforstungs- und Bewaldungsprojekte massiv vorangetrieben werden. Eine Liste mit Projekten und Hintergrundinfos gibt es auf dieser Seite.
  4. Auf zum Mars
    Mit einem Wettrennen zum Mars könnte man den Naturwissenschaften einen neuen Schub geben. Warum das wichtig wäre? Lesen Sie!

Die Liste wird fortlaufend ergänzt und ich werde neue Punkte auf twitter kommunizieren. Wer auf dem Laufenden bleiben möchte, folgt mir dort.

Foto “Blue Marble”, entstanden anlässlich der Apollo 17 Mission.

Meinung: Aogo und die Political Correctness

Ja, “Quotenschwarzer” hätte Jens Lehmann nicht unbedingt schreiben sollen.

Auf der anderen Seite hätte Dennis Aogo die Nachricht auch nicht unbedingt öffentlich machen sollen, jedenfalls angesichts des Umstands, dass er es selber mit der Political Correctness nicht immer so genau nimmt…

  • Er will nicht herumreisen wie ein “Zigeuner” (siehe Video)
  • Da soll laut ihm bis zur Vergasung trainiert werden.
  • Angeblich soll er Frauen angeboten haben, dass sie sich mal seinen “dicken Negerschwanz” gönnen sollten. Das Posting ist zwar fragwürdig und möglicherweise ein Fake, seit Veröffentlichung aber bislang* nicht von ihm dementiert worden.

Zunächst wegen der Vergasen Äußerung – unter wokeness Aspekten vielleicht noch die harmloseste – wird er vorerst nicht mehr bei Sky aktiv sein, wie der Sender mitteilte, mehr dazu hier.

*Stand 9. Mai 2021

Gastbeitrag: Der Fall Jasmina Kuhnke (Quattromilf) – Ein Fingerzeig auf das, was in diesem Land so schief läuft

Gastbeitrag von Manaf Hassan

Kein normal denkender Mensch findet es gut, wenn eine Frau mit ihrer Familie untertauchen muss, weil Rechtsextremisten mit dem Verweis auf ihre Adresse „Massakriert Jasmina” schreiben. Natürlich ist es auch unsere Aufgabe dafür zu sorgen, dass in unserem Land so etwas nicht passiert. Kein Mensch in diesem Land sollte so etwas durchmachen müssen. Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden, keine Frage. Das sind Aufrufe zu Gewalt und Hass und müssen dementsprechend hart bestraft werden.

Was jedoch übel aufstößt ist die Tatsache, dass es sich hierbei um eine Frau handelt, die selbst so viele Attribute verkörpert, mit denen die Amadeu Antonio-Stiftung ihre Gegner im Netz verallgemeinert beschreibt. Sie wird jedoch – wie das so oft in unserem Land abläuft – als Engel dargestellt, weil sie eine bestimmte politische Richtung vertritt, in der man aus Sicht vieler nur Opfer, nicht Täter, sein kann. Und genau in dieser Rolle fühlt sich Jasmina Kuhnke aka Quattromilf pudelwohl. Sie kann asozial, beleidigend & bedrohend mit ihrer gesamten Anhängerschaft sein, am Ende ist sie immer das Opfer. Viele Medien & die Amadeu-Antonio-Stiftung übernehmen diese Rolle für sie ohne weitere Kritik. Dabei ist Kritik in diesem Falle bitter nötig. Denn Jasmina Kuhnke zieht die politische Gegenseite mit ähnlichen Attributen an. Sie haben ähnliches Niveau. Die beiden Seiten des Hufeisens werden sich nie berühren, aber sie bleiben auf derselben Höhe und bleiben nah beieinander, fern von der Mitte.

Es ist in Ordnung, von der Mitte aus ein wenig nach links und rechts zu gehen. Aber sobald die extremistische Linie überquert ist, sollte man stark hinterfragt werden. Menschenfeindliche Sprache im Netz. Kein Twitter-Account mit ähnlicher Reichweite perfektioniert diese Beschreibung besser als Jasmina Kuhnke aka Quattromilf. Sie will Rassismus mit Rassismus bekämpfen. Extremismus mit Extremismus. Hass mit Hass. Und ist für die Spaltung im Land mitverantwortlich. Man kann das einfach nicht gut meinen. Und auch nicht gut finden. Und man muss das verdammt nochmal kritisieren dürfen, ohne dafür als Rechtsextremist o.ä. betitelt zu werden, weil es einem nicht
passt. Es muss möglich sein, Menschen – egal für welche politische Richtung sie stehen – sachlich zu kritisieren. Ohne dafür als Nazi, Rechtsextremist o.ä. zu gelten. Menschen, die selbst behaupten, dass sie den Rassismus bekämpfen, sich für Menschenrechte einsetzen, Feminismus perfekt verkörpern und, und, und müssen eigentlich vor allem stark hinterfragt werden. Vor allem, wenn sie so in der Öffentlichkeit stehen und immer im Mittelpunkt stehen wollen, wie Jasmina Kuhnke. Sie müssen dann nämlich Vorbilder sein. Und Jasmina Kuhnke kann für einen normal denkenden Menschen, der sich mit ihr richtig beschäftigt hat, kein Vorbild sein. Sie steht für so viel negative Energie und Spaltung in diesem Land. Die Medien dürften ihr eigentlich – unabhängig von dem was sie derzeit erfährt – keine Plattform geben.

Es gibt so viele Menschen, die das, was sie vorgibt zu sein, wirklich sind. Aber diese Menschen haben keine Beachtung bekommen oder Unterstützung erfahren. Diese Menschen haben keinen Schutz bekommen, obwohl sie brutal angegangen werden und um ihr Leben fürchten müssen. Aber in diesem Land kriegst du das Gesamtpaket nur, wenn du das im Gegenzug geforderte Gesamtpaket an Profil mitbringst. Das sagt so ziemlich viel über unser Land aus. Dieses Land ist ungerecht geworden. Undemokratisch. Subjektiv. Menschen werden nicht mehr gleich behandelt. Aufgrund ihrer Meinung. Und wenn das so weitergeht, wird dieses Land bald Zustände haben, die vor wenigen Jahren noch undenkbar waren. Allein die inflationäre Anwendung von Wörtern, die wir aufgrund der Vergangenheit nur bei denen messerscharf anwenden dürften, auf die sie wirklich zutreffen, ist eine Katastrophe. Weil wir damit verharmlosen. Und unsere Vergangenheit dürfen wir nicht verharmlosen. Wir haben eine Verantwortung gegenüber diesem Land und den darin lebenden Menschen. Und dieser werden wir aktuell auf kaum einer Ebene gerecht.

Ich hoffe dennoch, dass Jasmina Kuhnke aus ihren Fehlern lernt. Wer sich und seine Familie schützen möchte, sollte mehr darüber nachdenken, was er im Netz verbreitet und damit auslöst. Sie sollte Reue zeigen. Das ist das mindeste, was sie den Menschen zeigen sollte, die sie unterstützt haben. Ich wünsche Ihr nur das Beste. Damit meine ich auch, dass sie ein besserer Mensch werden sollte.

P.S: Ich wurde selbst sehr oft von rechtem, linkem & islamistischem Extremismus bedroht. Weil ich versuche über viele Dinge aufzuklären. Vor allem auch über Islamismus in Deutschland. Übelste Morddrohungen. Ich war auch bei der Polizei und bekam keine annähernd angemessene Hilfe. Mir wurde eher abgeraten, etwas zu tun. Also musste ich mich selbst schützen. Aber das hat niemanden interessiert. Nur mal so.

Manaf Hassan

Der Anwalt, Journalist, Autor und Publizist Manaf Hassan kommt aus Berlin. Der Deutsch-Syrer ist u.a. auf twitter aktiv.

Auch Sie wollen hier einen Gastbeitrag veröffentlichen? Hier sind alle Infos dazu.

Meinung: Wie Mainstream ist Klima? Spoiler: mE außer in einer kleinen Bubble gar nicht

Sahra Wagenknecht hat in ihrem neuen Buch “Die Selbstgerechten” behauptet, dass durch Fridays for Future die Akzeptanz für Klimaschutz gesunken sei, was auf twitter natürlich stark kritisiert wurde.

Der von mir sehr geschätzte Sascha Pallenberg schrieb auch dazu:

Die @FridayForFuture Bewegung hat mehr Aufmerksamkeit, Wandel und Sensibilitaet fuer den Klimaschutz in nur 2 Jahren generiert, als saemtliche Parteien und NGOs in den letzten 50. Und zwar zusammen! #Wagenknecht ist hier auf einem absoluten Irrweg!

Das ist eine Beobachtung, die ich so nicht teilen kann. Ich sehe in den sozialen Netzen und auch im privaten Umfeld einerseits Blasen, in denen es eine hohe Awareness für das Thema gibt, aber auch andere in denen das Thema nicht so ist, bzw. in denen FFF sogar inzwischen zu einer offenen Ablehnung führt. Nicht bestreiten möchte ich den großen Einfluss, den die Bewegung auf die Politik hat. Mir geht es aber im wesentlichen darum, dass sich dies einerseits – wie Wagenknecht es postuliert – eben nicht in Akzeptanz widerspiegeln muss, andererseits halte ich Pallenbergs Aussage, für grundfalsch. Daher schrieb ich Sascha, dass ich das anders sehe und begründete u.a.:

Das war und ist ein Prozess, der mit Greenpeace, der Anti AKW Bewegung, Berichterstattung über Waldsterben und Tschernobyl etc. etc. begonnen hat. Es gab immer wieder Zeiten, in denen sehr intensiv übers Klima gesprochen wurde. FFF wäre ohne diese Vorgeschichte so nicht möglich.

Dabei erinnerte ich mich an intensive Debatten in den 1980er Jahren: durch Waldsterben und Tschernobyl waren Umwelt und Klima damals wirklich in aller Munde und ein Mainstream Thema quer durch alle Schichten – anders als heute, wo es eben aus meiner Wahrnehmung heraus nur in bestimmten Bubbles dominierend ist.

Daher habe ich ausgewertet, wie viele Spiegel Titel es je Jahr gab, die sich mit Umweltthemen befasst haben. Ich denke, dass das Magazin und seine Themensetzung ein ganz guter Indikator dafür sind, welche Themen gerade dominieren:

Und tatsächlich: sogar von den 1970ern bis in die 1990er ging es viel öfter um die Umwelt als danach – und auch heute.

Als zweiten Indizwert habe ich hinzugezogen, wie oft im Bundestag die Worte “Umweltschutz”, “Klimaschutz” und “Umwelt” im Bundestag gefallen sind, wobei ich mich des Zeit Auswertungstools bediente. Auch hier zeigt sich, dass sich die Politik schon in den 1980ern und dann auch immer wieder die Themen intensiv behandelt hat:

Meine These ist daher, dass FFF und die Auswirkungen auf die Gesellschaft deutlich überschätzt werden – und ich werde mich auf die Suche nach weiteren Studien machen, um dies ergebnisoffen zu untermauern oder eben zu widerlegen.

Meinung: Warum die Restaurantschließungen zu mehr Corona Infektionen führen

Für einen der größten Fehler bei der Pandemie Bekämpfung halte ich die Schließung der Gastronomie ab November 2020, denn ich bin mir sicher, dass die Fallzahlen niedriger wären, wenn man weiter in Gaststätten, Restaurants, Cafés und Bars gehen könnte.

In der Gastrobranche wurde viel Aufwand investiert, um die Gäste bestmöglich zu schützen: Handdesinfektion am Eingang, Desinfektion der Plätze, Erfassung von Kontaktdaten, Maskenpflicht, Sitzen mit Abstand und manchmal noch mehr wie z.B. Plexiglasscheiben zwischen den Tischen. Restaurants sind daher auch nie als Pandemietreiber aufgefallen.

Davon auszugehen, dass sich Menschen nach den Gastro-Schließungen weniger treffen, ist naiv. Die Treffen finden dann eben zuhause statt – mit oftmals deutlich laxeren Hygienekonzepten oder unter Missachtung von Kontaktbeschränkungen (zwei Haushalte…), die in der Gastronomie kontrolliert würden.

Die Wahrscheinlichkeit, sich bei privaten Treffen anzustecken, dürfte also viel größer sein. Hätte man die Gastronomie offen gelassen, hätte es dementsprechend sehr wahrscheinlich auch weniger Neuinfektionen gegeben.

Auf der anderen Seite glaube ich aber, dass die Zahl der Todesfälle oder schweren Verläufe nicht viel niedriger wäre. Denn diese ergeben sich vornehmlich im Umfeld von Krankenhäusern sowie Pflege- und Altenheimen. Der Einfluss der Gastroschließungen hierbei ist also eher begrenzt.

Die Sinnhaftigkeit der Gastroschließungen erschließt sich mir jedenfalls nicht.

Meinung: Warum die Impfung gegen COVID-19 nicht direkt verpflichtend sein sollte

Mit zunehmender Verfügbarkeit der Corona Impfstoffe wird natürlich auch über das Thema Impfpflicht diskutiert.

Voranstellen möchte ich, dass ich grundsätzlich Befürworter einer Impfpflicht – wie z.B. bei Masern – bin und diese auch bei Corona für verfassungsrechtlich unproblematisch halte. Der parlamentarische Rat hatte bei der Verabschiedung des Grundgesetzes die Pockenimpfpflicht im Hinterkopf und das Bundesverfassungsgericht stellte dazu noch 2010 fest:

“Der Staat verlangt dem Impfpflichtigen ein Sonderopfer ab, nämlich die Duldung eines nicht ganz risikofreien Eingriffs, der die Gesundheit gefährden kann. Die Maßnahme soll nicht allein den Geimpften persönlich schützen, sondern darüber hinaus die Krankheit, die durch Ansteckung verbreitet wird, im Interesse der Allgemeinheit eindämmen. Die gesamte Bevölkerung ist mithin Nutznießer der individuellen Impfung.” (BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 26. Februar 2010- 1 BvR 1541/09).

Dennoch halte ich eine Einführung einer Corona-Impfpflicht derzeit für nicht sinnvoll – allein schon, da zum Beginn ohnehin nicht genug Impfstoffdosen zur Verfügung stehen werden. Zuerst sind medizinisches Personal, andere systemrelevante Berufe und Risikogruppen dran, erst dann die breite Bevölkerung. Und hier glaube ich, dass die für eine Herdenimmunität erforderliche Masse im Laufe einer absehbaren Zeit durch die Menschen, die sich freiwillig impfen lassen wollen, erreicht wird. Mehr als 60% bis 70% der Bevölkerung müssen es wahrscheinlich gar nicht sein.

Erst dann, wenn sich abzeichnet, dass die notwendige Durchimpfungsrate durch Freiwilligkeit nicht erreicht wird und – wovon ich ausgehe – der Impfstoff hinreichend sicher ist, sollte eine Impfpflicht eingeführt werden.

Zum jetzigen Zeitpunkt heizt das Thema Impfpflicht die ohnehin schwierige Diskussion um die richtigen Maßnahmen zur Bekämpfung der Covid-19 Pandemie nur unnötig an – und sollte daher erst und nur auf den Tisch, wenn diese Diskussion tatsächlich geführt werden muss.

Hinweis: Dieser Text wurde am 27. April 2021 überarbeitet.

Meinung: Wie man den ÖRR fundamental reformieren könnte – und damit auch den Rundfunkbeitrag senken

ÖRR soll bleiben, muss aber reformiert werden

Vorab: Einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der eine mit Rundfunkbeitrag finanzierte Grundversorgung an Fernseh- und Radiosendern bietet, die ohne technische Hürden für jedermann frei empfangbar ist, halte ich trotz der zahlreichen Alternativen wie SAT.1, dem RTL, National Geographic Channel, Sky, Netflix und YouTube für unverzichtbar.

Doch ob die Live Übertragung der Fußball EM, Rosamunde Pilcher, das Traumschiff oder die große Helene Fischer Show zur Grundversorgung zählen, darf mehr als nur bezweifelt werden.

Problematisch finde ich derzeit insbesondere zwei Punkte.

  • Zum einen, dass durch teure Sportrechte eine Quersubventionierung des Profi Sports, z.B. Fußball, stattfindet, die mit den für eine Grundversorgung vorgesehenen Rundfunkbeitrag finanziert wird
  • Und zum anderen, dass sich die ÖRR Sender in einen – teuren – Quotenkampf mit den privaten Sendern begeben, durch den Rundfunkbeitrag aber gegenüber letzteren einen unfairen Vorteil haben und damit den Markt verzerren.

Dass es dazu dann über 70 öffentlich rechtliche Radiosender und 21 Fernsehsender gibt, mit denen eine Grundversorgung geleistet werden soll, ist im Gesamtkontext mE jedenfalls nicht mehr darstellbar.

Wie man den ÖRR reformieren könnte – schnelle erste Schritte

Erste Sofortmaßnahmen könnte man ohne viel Aufwand umsetzen:

  • So sollte man den ÖRR verpflichten, für mehr Transparenz zu sorgen. Dies kann allein schon dadurch geschehen, dass die Geschäfts- und Rechenschaftsberichte leicht zugänglich auf den Websites der Sender zu finden sein müssen. Oder dass im Abspann einer Sendung der Gesamt- und Minutenpreis angezeigt wird.
  • Dann sollte es ein Verbot geben, Werbung zu schalten, um damit den Privaten in einem ohnehin schwieriger werdenden Umfeld nicht noch mehr Butter vom Brot zu nehmen. Auch Sponsorings oder andere wirtschaftliche Kooperationen in diesem Sinne, vulgo Schleichwerbung, dürfen nicht mehr realisiert werden.
  • Besondere Rechte an Sportveranstaltungen und anderen Events dürfen nur noch erworben werden, wenn es keinen privaten Bieter, der in Deutschland sendet, gibt.
  • Neue Arbeitsverträge mit langfristigen Pensionsverpflichtungen – zu diesem Themenkomplex an anderer Stelle bald mehr – dürfen nicht mehr abgeschlossen werden.
  • Generell muss versucht werden, die Gehaltsstrukturen marktgerecht zu halten.

Allein schon diese Maßnahmen würden helfen, die Kosten deutlich zu senken und man könnte statt Beitragserhöhungen schon bald Senkungen in die Wege zu leiten.

Ziel: Reduzierung der Sender

In einem zweiten Schritt sollte unabhängig davon die Zahl der Sender deutlich reduziert werden. Im TV Bereich von derzeit 21 in zwei Schritten auf zunächst 13 und dann acht, bei den Radiosendern von derzeit über 70 auf 35 und letztlich dann 19.  Dass in diesem Zusammenhang auch Konstrukte wie die ARD Degeto oder die Mediatheken auf den Prüfstand gehören, sei nur am Rande erwähnt.

Übrigens, gerade die Reduzierung der ÖRR Radiosender könnte durch frei werdende Frequenzen auch den – nicht nur regionalen – Privatradios in Deutschland einen neuen Schub geben und ganz neue Formate ermöglichen.

Wie diese und weitere Reformen im Detail umgesetzt werden können, soll durch eine auf einen breite Basis gestellte Reformkommission erörtert werden, die ergebnisoffen und transparent diskutiert.

Insbesondere muss ein Weg für den Umbau gefunden werden, der eine breite gesellschaftliche Zustimmung findet und für die betroffenen Mitarbeiter sozialverträglich ist. So könnten die durch die Reduzierung der Sender nicht mehr benötigten Menschen, Rechte, Ausstattung, Standorte und andere Ressourcen in eine oder mehrere Auffanggesellschaften überführt werden, die dann z.B. einen neuen hochwertigen PayTV Sender betreiben, sich im werbefinanzierten Wettbewerb behaupten können oder die an bestehende Medienunternehmen verkauft werden.

Aber auch, was Grundversorgung in einer sich schnell wandelnden Medienwelt bedeutet, muss ganz neu festgelegt werden.

Während die Sofortmaßnahmen in ein bis zwei Jahren umgesetzt werden könnten, würde ein grundlegender Umbau, insbesondere die Reduzierung der Zahl der Sender, deutlich länger dauern.

Gerade deswegen sollte man nicht zögern, sondern mit den Planungen baldmöglichst beginnen.

Sie haben eine andere Meinung? Dann schreiben Sie einen Kommentar oder einen Gastbeitrag.

 

Meinung: Wie man die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender zusammenführen könnte

Um die Kosten des ÖRR in Deutschland zu verringern, könnte man in zwei Schritten die Zahl der derzeit 21 öffentlich-rechtlichen Fernsehsender auf zunächst 13 und dann acht verringern:

Stufe 1

  1. 3Sat
    Mit Arte zu einem europäischen Sender zusammenlegen.
  2. ARD alpha
    Mit phoenix, tagesschau24 und ZDFinfo zu einem News- und Dokumentationskanal zusammenführen
  3. arte
    Mit 3SAT zu einem europäischen Sender zusammenlegen.
  4. BR Fernsehen
    bleibt bestehen
  5. Das Erste
    bleibt bestehen
  6. DW-TV
    bleibt bestehen
  7. hr Fernsehen
    bleibt bestehen
  8. KIKA
    bleibt bestehen
  9. mdr Fernsehen
    bleibt bestehen
  10. NDR Fernsehen
    bleibt bestehen, Radio Bremen TV geht darin auf
  11.  One
    wird gestrichen
  12. phoenix
    Mit ARD Alpha tagesschau24 und ZDFinfo zu einem News- und Dokumentationskanal zusammenführen.
  13. Radio Bremen TV
    geht in NDR Fernsehen auf
  14. rbb Fernsehen
    bleibt bestehen
  15. SR Fernsehen
    geht in SWR Fernsehen auf
  16. SWR Fernsehen
    bleibt bestehen, SR Fernsehen geht darin auf
  17. tagesschau24
    Mit ARD alpha, Phönix und ZDFinfo zusammenführen.
  18. WDR Fernsehen
    bleibt bestehen
  19. ZDF
    bleibt bestehen
  20. ZDFinfo
    Mit ARD alpha, Phönix und tagesschau24 zusammenführen.
  21. ZDFneo
    Wird gestrichen.

Es bleiben also:

  1. Europäischer Sender
    Vormals 3Sat und arte
  2. News- und Doku-Sender
    vormals ARD alpha, Phönix, tagesschau24 und ZDFinfo
  3. BR Fernsehen
  4. Das Erste
  5. DW TV
  6. hr Fernsehen
  7. KIKA
  8. mdr Fernsehen
  9. NDR Fernsehen
  10. rbb Fernsehen
  11. SWR Fernsehen
  12. WDR Fernsehen
  13. ZDF

Stufe 2

„Meinung: Wie man die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender zusammenführen könnte“ weiterlesen

Meinung: Warum es richtig ist, dass Roland Tichy nicht mehr als Vorstand der Ludwig Erhard Stiftung antritt – und warum wir Tichys Einblick trotzdem brauchen

Heil Dir Kanzlerin! Wir folgen Dir in den Untergang!

Was spricht für Sawsan? Befreundete Journalistinnen haben bislang nur den G-Punkt als Pluspunkt feststellen können.

Grün-linke Gutmenschen sind – und ich sage das nicht einfach so dahin – krank (oder formulieren wir es vorsichtiger: auffällig). Nicht körperlich, sondern geistig-psychisch.

Das sind nur drei Zitate, die man auf die schnelle im Umfeld von Tichys Einblick findet, dem nach eigener Einschätzung liberal-konservativem Magazin von Roland Tichy. Man mag darüber diskutieren, ob diese Äußerungen noch einem bürgerlich liberal-konservativem Meinungsspektrum zuzuordnen sind, für mich sind sie es nicht mehr.

Und daher halte ich es auch für richtig, dass Roland Tichy nicht mehr als Vorstand der CDU-nahen Ludwig-Erhard-Stiftung antritt. Die Stiftung muss es sicherlich aushalten, dass auch ihr Vorsitzender sich kritisch und ggf. auch abweichend zur Parteilinie äußert, aber eben nicht so.

Auf der anderen Seite muss man aber auch sagen: Eine Demokratie braucht Meinungsvielfalt. Sie braucht auch Meinungen, die kraftvoll und vielleicht außerhalb des bürgerlichen Tons vorgetragen werden.

Ob es einem nicht gefällt oder nicht: Man muss in Deutschland wie Hengameh Yaghoobifarah in der taz schreiben können, dass Polizisten auf die Müllkippe gehören oder wie Somuncu sagen dürfen, dass linke Kolumnistinnen “schlecht gebumste hässliche Schabracken [sind], die … keine Schwänze lutschen können“, dass man Deutschland abschaffen will oder dass Gutmenschen psychisch krank sind.

Denn die Freiheit, alles sagen zu können und Meinungen zu vertreten, “ohne dass es dabei darauf ankäme, ob sie sich als wahr oder unwahr erweisen, ob sie begründet oder grundlos, emotional oder rational sind, oder ob sie wertvoll oder wertlos, gefährlich oder … scharf und überzogen” sind, ist elementar für unsere Gesellschaft. Und natürlich brauchen wir Plattformen, die solchen Meinungen Raum geben. Seien es die taz, die Bild oder Tichys Einblick.

Doch ob man, wenn man solchen Meinungen eine Plattform gibt, Vorsitzender einer bürgerlichen CDU-nahen Stiftung sein sollte, ist eine ganz andere. Und im konkreten Fall hier mE zu verneinen.