Am Abend des 8. August 1974 wendet sich Präsident Richard Nixon in einer live im Fernsehen und im Radio übertragenen Ansprache aus dem Oval Office an die amerikanische Bevölkerung. Nach mehr als zwei Jahren immer neuer Enthüllungen über den Watergate-Einbruch und die anschließenden Vertuschungsversuche ist Nixons politische Unterstützung weitgehend zusammengebrochen. Der Justizausschuss des Repräsentantenhauses hat drei Anklagepunkte für ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn gebilligt: Behinderung der Justiz, Machtmissbrauch und Missachtung des Kongresses. Zudem belegt eine zuvor zurückgehaltene Tonbandaufnahme aus dem Weißen Haus, dass Nixon an den Bemühungen beteiligt ist, die Ermittlungen zu behindern. Angesichts einer nahezu sicheren Anklage durch das Repräsentantenhaus und seiner wahrscheinlichen Amtsenthebung durch den Senat entscheidet er sich zum Rücktritt.
Nixons Rücktritt tritt am 9. August 1974 in Kraft. Damit ist er der erste – und bis heute einzige – Präsident der Vereinigten Staaten, der sein Amt vor Ablauf seiner Amtszeit niederlegt. Vizepräsident Gerald R. Ford wird kurz nach Mittag als 38. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. Einen Monat später gewährt Ford Nixon eine vollständige und bedingungslose Begnadigung für sämtliche Bundesstraftaten, die dieser während seiner Amtszeit möglicherweise begangen hat. Nixons Rücktrittsrede zählt bis heute zu den folgenreichsten Ansprachen der amerikanischen Präsidentengeschichte: eine sorgfältig komponierte Mischung aus widerwilligem Eingeständnis der Niederlage, persönlicher Rechtfertigung, dem Bemühen um das eigene politische Vermächtnis und einem Appell zur nationalen Versöhnung.









