Der Big Mac, der leider nie auf den Markt kam

Der Big Mac war einer dieser Apple-Entwürfe, bei denen man im Rückblick fast körperlich spürt, wie nah die Zukunft manchmal schon einmal da war:

Ein nie erschienenes Macintosh-Workstation-Konzept aus der Mitte der 1980er Jahre. Auf Prototypen wurde er teils auch als Super Mac bezeichnet, entworfen von Hartmut Esslinger im Snow-White-Stil für Apple. Sein kleiner Bruder hieß übrigens entsprechend Baby Mac.

Spannend ist der Big Mac vor allem deshalb, weil er wie ein Blick in ein alternatives Apple-Universum wirkt. Geplant war kein bloßer weiterer Kasten in Beige, sondern eine kompakte, integrierte High-End-Maschine mit Motorola 68020, 15-Zoll-Hochkantbildschirm, 10-MB-Festplatte und einem klaren Anspruch als ernsthafte Workstation. Der Rechner war als eine Art 3M-Computer gedacht: 1 Megabyte Speicher, 1 Megapixel Display, 1 Million Instructions per Second. Das klingt heute lächerlich, war damals aber ein ziemlich selbstbewusstes Zielbild.

Besonders schön ist daran die Mischung aus Pragmatismus und Zukunftssehnsucht. Der Bildschirm war hochkant ausgelegt, also eher auf Textarbeit und produktives Arbeiten als auf hübsche Spielereien. Monochrom blieb er aus Kostengründen. Gleichzeitig experimentierte Esslingers Team bereits mit flachen Displays, neu gestalteten CRT-Fronten, integrierten Tragegriffen und sogar drahtlosen Eingabegeräten per Funk, um das Gerät kleiner und eleganter zu machen.

Noch interessanter wird der Big Mac auf der Software-Seite. Vorgesehen war ein UNIX-basiertes System, das trotzdem zur bestehenden Macintosh-Welt kompatibel bleiben und dieselbe Benutzeroberfläche nutzen sollte. Genau diese Kombination aus technischer Tiefe und benutzerfreundlicher Oberfläche liest sich heute fast wie eine frühe Vorahnung dessen, was Apple Jahrzehnte später mit Mac OS X tatsächlich bauen würde. Der Big Mac war also nicht nur ein hübscher Entwurf, sondern auch konzeptionell verblüffend modern.

Dass aus ihm nichts wurde, lag nicht daran, dass die Idee zu klein gewesen wäre, sondern eher daran, dass Apple damals Apple war: intern brillant, politisch chaotisch und ideologisch zerrissen. Die Entwicklung von Big Mac und Baby Mac begann 1984 und wurde nach Steve Jobs’ Abgang gestoppt. Parallel lief intern bereits das Projekt „Milwaukee“, aus dem später der Macintosh II wurde. So verschwand der Big Mac in jener berühmten Apple-Zwischenwelt aus fast fertigen Revolutionen und gescheiterten Zukunftsversprechen.

Wie hat sich der AGI ETF von Teq Capital seit dem Start geschlagen?

Über den AGI ETF von Teq Capital habe ich ja hier schon  berichtet.

Der zugehörige Index ist bereits seit 17. Dezember 2024 live (kein Back-Testing, echter Index) und seit dem 8. Januar 2026 ist der zugehörige ETF gestartet.

Ich habe mit ExtraETF die Performance mit einigen großen und bekannten ETFs verglichen und der TEQ ETF liefert bisher tatsächlich die beste Performance. Noch ist es erst ein kleiner Vergleichszeitraum, aber doch ein erstaunlich starker Start des ETFs.

Nie veröffentlicht: Der Apple Baby Mac

Der „Baby Mac“ von Hartmut Esslinger ist einer dieser nie gebauten Apple-Entwürfe, die interessanter sind als manches Produkt, das später tatsächlich erschien. Der Entwurf entstand ab 1984 im Umfeld von Apples „Snow White“-Ära, also in jener Phase, in der Esslinger dem Unternehmen überhaupt erst eine konsistente, erkennbare Formensprache gab. Das Produkt sollte 1986 entscheiden, wurde aber beerdigt, als Steve Jobs das Unternehmen verließ.

Spannend am Baby Mac ist weniger nur die Form als die Richtung, die in ihm steckt. Das Gerät wirkt klein, freundlich, fast schon wohnlich — viel weniger wie ein Bürocomputer der Achtziger als wie ein persönliches Objekt. Im Rückblick sieht man darin erstaunlich viel von dem Apple, das erst viele Jahre später wirklich kam: Computer nicht als Technikklotz, sondern als gestaltetes Alltagsding.

Dass der Entwurf nie gebaut wurde, macht ihn fast noch interessanter. Esslinger selbst sagte später über den Baby Mac, es sei sein „best design never to be produced“.

Technisch wäre es ein recht normaler Mac dieser Zeit geworden.

Was bedeutet relotiös?

relotiös
Adjektiv, umgangssprachlich, meist abwertend; Neologismus

Aussprache: [re-lo-ti-ös]

Bedeutung:

  1. In schwülstiger, literarisierender oder emotional aufgeladener Weise erzählt, wobei Wirkung, Dramaturgie und Haltung wichtiger sind als saubere Faktentreue.
  2. So formuliert, dass ein Text zwar „gut klingt“, atmosphärisch dicht und moralisch aufgeladen wirkt, aber den Eindruck erweckt, mit der Wirklichkeit nur locker verbunden zu sein.
  3. Übertragen: schöngefärbt, szenisch ausgeschmückt, manipulierend authentisch wirkend.

Kurzdefinition:
Ein Text ist relotiös, wenn er nicht in erster Linie wahr, präzise und überprüfbar sein will, sondern eindrucksvoll, moralisch aufgeladen und erzählerisch „perfekt“ wirkt.

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Empfehlenswerte OSINT Accounts und weitere Quellen zum Iran Konflikt

Ich sammle hier einige empfehlenswerte Accounts, denen man folgen kann, wenn man sich näher über den aktuellen Konflikt mit dem Iran informieren möchte. Es sind darunter allgemeine OSINT Accounts, aber natürlich auch viele Schwerpunkt-Accounts – eben solche, die was zum Thema beitragen können.

Ich werde die Liste weiter ausbauen, hier ist aber schon mal ein guter Start.

OSINT steht übrigens für OpenSourceINTelligence.

Deutschsprachige X Accounts

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Hippolyte Bayard – und die möglicherweise erste Fotofälschung der Geschichte

Am 24. Februar 1840 stellt Hippolyte Bayard der französischen Akademie der Wissenschaften die Details seines eigenen fotografischen Verfahrens vor. Als Gegenleistung erhält er finanzielle Unterstützung, mit der er seine Ausrüstung verbessern kann.

Das klingt zunächst nach einer Erfolgsgeschichte. Tatsächlich aber ist es auch die Geschichte einer verpassten Anerkennung.

Bayard hatte bereits zuvor ein funktionierendes fotografisches Verfahren entwickelt – ein Direktpositiv auf Papier. Doch François Arago, ein einflussreicher Wissenschaftler und enger Freund von Louis Daguerre, riet ihm, mit der öffentlichen Bekanntgabe zu warten. Arago unterstützte Daguerres konkurrierendes Verfahren derweil politisch und institutionell.

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Fotografie: Daguerreotypie von Notre Dame 1838

Diese Daguerreotypie von Notre Dame in Paris entstand ca, 1838 und wurde wohl von Daguerre selbst erstellt.

Hier ist eine von Google Gemini optimierte Version:

 

Fotografie: Latticed window at Lacock Abbey von William Henry Fox Talbot

William Henry Fox Talbot entwickelte als einer der ersten ein Verfahren, mit dem sich halbwegs lichtechte und dauerhafte Fotografien herstellen ließen – und vor allem: Er machte es öffentlich zugänglich. Es war weder das allererste Verfahren überhaupt noch das erste, das angekündigt wurde. Aber es war das erste, das praktisch nutzbar und reproduzierbar war.

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Spam: ELSTER

Diese angeblich von ELSTER, also dem Finanzamt, stammende Mail sieht auf den ersten Blick recht echt aus – ist aber Fake. Nichts anklicken!

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ihre Steuererstattung wurde vorläufig zurückgestellt. Grund dafür sind unvollständige Angaben in Ihrer Erklärung.

Um die Auszahlung zu ermöglichen, ist es zwingend erforderlich, dass Sie das beigefügte Formular ausfüllen und uns zur Verfügung stellen.

Link zum Formular:

elster . de / eportal/

Mit freundlichen Grüßen
Ihre Finanzverwaltung

31. Januar 1945 – die Hinrichtung von Eddie Slovik

Am 31. Januar 1945 um 10:04 Uhr wird Eddie Slovik in der Nähe von Sainte-Marie-aux-Mines im damals frisch befreiten Elsass hingerichtet. Die Exekution erfolgt auf Grundlage eines rechtskräftigen Urteils eines US-amerikanischen Kriegsgerichts wegen Desertion im Angesicht des Feindes.

Der Vollzug war zuvor durch die militärische Befehlskette bestätigt worden und bedurfte der ausdrücklichen Genehmigung des Oberbefehlshabers der alliierten Streitkräfte, Dwight D. Eisenhower. Diese Genehmigung lag seit Ende Dezember 1944 vor.

Am Morgen der Hinrichtung wurde Slovik aus seiner Zelle geholt. Ihm wurden Uniformabzeichen und Rangabzeichen entfernt; er trug eine einfache Felduniform ohne Kennzeichnung. Die Hände wurden ihm hinter dem Rücken gefesselt. Ein Militärgeistlicher begleitete ihn zum Hinrichtungsort. Welche Henkersmahlzeit er hatte, ist übrigens nicht bekannt.

Der Ort der Exekution war ein ummauerter Hof, der zuvor als Lager- oder Wirtschaftshof genutzt worden war. Das Gelände wurde abgesichert, unbeteiligte Soldaten hatten keinen Zutritt. Anwesend waren neben dem Erschießungskommando ein Militärarzt, ein Offizier als Vollzugsleiter sowie ein Protokollführer.

Das Kommando bestand aus zwölf Soldaten der US Army. Die Gewehre waren M1-Garand-Gewehre; eines der Gewehre war mit einer Platzpatrone geladen, ohne dass den Schützen bekannt war, welches. Dieses Verfahren entsprach der militärischen Praxis, um individuelle Schuldzuweisung zu erschweren.

Slovik wurde an einen Holzpfosten gebunden. Ihm wurde eine Kapuze über den Kopf gelegt. Eine Zielmarkierung wurde auf der linken Brustseite angebracht.

Nach den formalen Kommandos („Ready“, „Aim“, „Fire“) gab das Erschießungskommando eine Salve ab. Elf der zwölf Schützen trafen Slovik. Vier Treffer waren nach späterer ärztlicher Feststellung tödlich.

Unmittelbar nach der Salve trat der Militärarzt an den Verurteilten heran, um den Tod festzustellen. Da noch Lebenszeichen vorhanden waren, wurde ein weiterer Schuss abgegeben, um den Tod sicherzustellen. Erst danach wurde der Tod offiziell festgestellt.

Der gesamte Vorgang – vom Eintreffen Sloviks am Hinrichtungsort bis zur Feststellung des Todes – dauerte nach militärischen Protokollen weniger als 15 Minuten.

Der Leichnam wurde zunächst auf einem US-Militärfriedhof in Frankreich beigesetzt, gemeinsam mit anderen Soldaten, jedoch ohne individuelle Hervorhebung. Erst Jahre später erfolgte eine Umbettung in die Vereinigten Staaten.

Die Hinrichtung wurde innerhalb der US Army nicht öffentlich kommuniziert. Es gab keine offizielle Pressemitteilung, keine interne Bekanntmachung an die Truppe und keine propagandistische Ausschlachtung des Vorgangs. Die Dokumentation beschränkte sich auf die militärischen Akten.

Die Exekution entsprach formal den geltenden Vorschriften der US-Militärjustiz. Sie blieb innerhalb des Systems ein Ausnahmefall, da andere Todesurteile wegen Desertion im Zweiten Weltkrieg nicht vollstreckt wurden.

Der Fall Eddie Slovik markiert damit den letzten bekannten Vollzug der Todesstrafe durch die US Army wegen Fahnenflucht und stellt einen selten dokumentierten Vorgang militärischer Strafgewalt im aktiven Kriegsgeschehen dar.