Am 31. Januar 1945 um 10:04 Uhr wird Eddie Slovik in der Nähe von Sainte-Marie-aux-Mines im damals frisch befreiten Elsass hingerichtet. Die Exekution erfolgt auf Grundlage eines rechtskräftigen Urteils eines US-amerikanischen Kriegsgerichts wegen Desertion im Angesicht des Feindes.
Der Vollzug war zuvor durch die militärische Befehlskette bestätigt worden und bedurfte der ausdrücklichen Genehmigung des Oberbefehlshabers der alliierten Streitkräfte, Dwight D. Eisenhower. Diese Genehmigung lag seit Ende Dezember 1944 vor.
Am Morgen der Hinrichtung wurde Slovik aus seiner Zelle geholt. Ihm wurden Uniformabzeichen und Rangabzeichen entfernt; er trug eine einfache Felduniform ohne Kennzeichnung. Die Hände wurden ihm hinter dem Rücken gefesselt. Ein Militärgeistlicher begleitete ihn zum Hinrichtungsort. Welche Henkersmahlzeit er hatte, ist übrigens nicht bekannt.
Der Ort der Exekution war ein ummauerter Hof, der zuvor als Lager- oder Wirtschaftshof genutzt worden war. Das Gelände wurde abgesichert, unbeteiligte Soldaten hatten keinen Zutritt. Anwesend waren neben dem Erschießungskommando ein Militärarzt, ein Offizier als Vollzugsleiter sowie ein Protokollführer.
Das Kommando bestand aus zwölf Soldaten der US Army. Die Gewehre waren M1-Garand-Gewehre; eines der Gewehre war mit einer Platzpatrone geladen, ohne dass den Schützen bekannt war, welches. Dieses Verfahren entsprach der militärischen Praxis, um individuelle Schuldzuweisung zu erschweren.
Slovik wurde an einen Holzpfosten gebunden. Ihm wurde eine Kapuze über den Kopf gelegt. Eine Zielmarkierung wurde auf der linken Brustseite angebracht.
Nach den formalen Kommandos („Ready“, „Aim“, „Fire“) gab das Erschießungskommando eine Salve ab. Elf der zwölf Schützen trafen Slovik. Vier Treffer waren nach späterer ärztlicher Feststellung tödlich.
Unmittelbar nach der Salve trat der Militärarzt an den Verurteilten heran, um den Tod festzustellen. Da noch Lebenszeichen vorhanden waren, wurde ein weiterer Schuss abgegeben, um den Tod sicherzustellen. Erst danach wurde der Tod offiziell festgestellt.
Der gesamte Vorgang – vom Eintreffen Sloviks am Hinrichtungsort bis zur Feststellung des Todes – dauerte nach militärischen Protokollen weniger als 15 Minuten.
Der Leichnam wurde zunächst auf einem US-Militärfriedhof in Frankreich beigesetzt, gemeinsam mit anderen Soldaten, jedoch ohne individuelle Hervorhebung. Erst Jahre später erfolgte eine Umbettung in die Vereinigten Staaten.
Die Hinrichtung wurde innerhalb der US Army nicht öffentlich kommuniziert. Es gab keine offizielle Pressemitteilung, keine interne Bekanntmachung an die Truppe und keine propagandistische Ausschlachtung des Vorgangs. Die Dokumentation beschränkte sich auf die militärischen Akten.
Die Exekution entsprach formal den geltenden Vorschriften der US-Militärjustiz. Sie blieb innerhalb des Systems ein Ausnahmefall, da andere Todesurteile wegen Desertion im Zweiten Weltkrieg nicht vollstreckt wurden.
Der Fall Eddie Slovik markiert damit den letzten bekannten Vollzug der Todesstrafe durch die US Army wegen Fahnenflucht und stellt einen selten dokumentierten Vorgang militärischer Strafgewalt im aktiven Kriegsgeschehen dar.










