Im Juni 2016 feierte das Taktische Luftwaffengeschwader 74 in Neuburg an der Donau den „Tag der Bundeswehr“ mit Flugvorführungen, Bühnenprogramm und Abendempfang. Was das gekostet hat und wie viel CO2 dabei ausgestoßen wurde, wollte eine Kleine Anfrage (Drucksache 18/9376) vom 3. August 2016 wissen. Die Antwort der Bundesregierung (Drucksache 18/9604), vom Verteidigungsministerium mit Schreiben vom 7. September 2016 übermittelt, liefert erstaunlich detaillierte Zahlen.
Worum es ging
Die Fragesteller verweisen auf Lärm und Schadstoffe durch das Geschwader, dessen Startbahnen nur drei Kilometer vom Neuburger Stadtzentrum entfernt liegen. Das Geschwader fliegt den Eurofighter und heißt seit 30. September 2013 nicht mehr Jagdgeschwader, sondern Taktisches Luftwaffengeschwader 74. Anlass der Feier waren der Tag der Bundeswehr, 60 Jahre Luftwaffe und 55 Jahre Geschwader. Die Fragesteller kritisieren die Veranstaltung mit Fackelmarsch, Gottesdienst und sonderlackiertem Kampfjet als Werbung für die Bundeswehr als Arbeitgeber.
Was der Tag gekostet hat
Für den Tag der Bundeswehr am 11. Juni 2016 nennt die Antwort Gesamtkosten von 3.007.932 Euro:
- Personalkosten: 961.960 Euro
- Luftfahrzeuge (Vollkosten): 1.496.943 Euro
- Sonstige Kosten wie Dienstreisen, Fuhrpark und Öffentlichkeitsarbeit: 549.029 Euro
Insgesamt wurden 23.362 Arbeitsstunden geleistet. In den Flugzeugkosten stecken auch kalkulatorische Abschreibungen. Das Bühnenprogramm wurde nicht getrennt erfasst. Gezählt wurden rund 20.000 Besucher, wie viele davon Kinder waren, wurde nicht erhoben.
Dazu kommen weitere Posten:
- Abendempfang am 10. Juni im Neuburger Schloss samt Appell: 419.178 Euro und 12.025 Arbeitsstunden, davon 5.520 Stunden vom Wachbataillon
- Sonderlackierung eines Eurofighters: 46.114 Euro und 510 Arbeitsstunden
- Vorbeiflug eines A400M an den Standorten Hohn, Bückeburg und Neuburg: 4,75 Flugstunden, 114.495 Euro
- Ausstellung „60 Jahre Luftwaffe“ mit 14 Plakaten: 2.115 Euro und 54 Arbeitsstunden. Die Rolle der Luftwaffe der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg kam darin laut Antwort nicht vor, weil es um die Luftwaffe der Bundeswehr ging.
Für die Teilnahme von Flugzeugen des Geschwaders am Flugplatzfest der Schweizer Luftwaffe in Meiringen wurden 509.612 Euro kalkuliert.
Kerosin und CO2
Die Flugvorführungen in Neuburg verbrauchten 144 Tonnen Treibstoff, das entspricht laut Antwort 454 Tonnen CO2. Eine zweite Flugshow zum Tag der Bundeswehr 2016 in Hohn kam auf 134 Tonnen Treibstoff und 422 Tonnen CO2. Die Flugzeugeinsätze an beiden Standorten kosteten zusammen rund vier Millionen Euro.
Das wichtigste Argument der Bundesregierung: Alle Flüge seien vollständig zur Aus- und Weiterbildung der Besatzungen genutzt worden. Die Flugstunden und das CO2 wären also ohnehin angefallen. Klimaneutral fliegen könne die Luftwaffe technisch nicht, militärische Flüge sind vom Emissionshandel ausgenommen, Kompensationen sind nicht vorgesehen.
Das Geschwader in Zahlen
Die Antwort liefert auch Jahreswerte für den Verband:
- Flugstunden: 1.053 (2010), 3.204 (2013), 3.145 (2015)
- Treibstoff: 5.275 Tonnen (2010), 10.848 Tonnen (2015)
- CO2: 16.616 Tonnen (2010), 34.171 Tonnen (2015)
- Eine Eurofighter-Flugstunde kostete 2014 laut Kostensatz 67.852 Euro, 2011 waren es 88.086 Euro. Pro Flugstunde verbraucht der Jet im Schnitt etwa 3,5 Tonnen Kraftstoff, das sind rund 11 Tonnen CO2.
- Gesamtkosten des Flugplatzes Neuburg: 292,0 Millionen Euro im Jahr 2015
- Investitionen in den Ausbau seit 2010: 53.410.872 Euro
- Personal 2015: 933 Soldaten, 162 Beamte, 113 zivile Arbeitnehmer
Grundsteuer zahlt der Bund für den Flugplatz nicht, er ist davon befreit. Wie viele Eurofighter in Neuburg stehen, wurde als Verschlusssache eingestuft. Werte zu anderen Schadstoffen als CO2 hat die Bundesregierung nicht.
Gottesdienst und Kinderprogramm
Auf die Frage nach dem christlichen Feldgottesdienst verweist die Antwort auf die Religionsfreiheit, die Teilnahme sei freiwillig. Muslimische Militärseelsorger gab es 2016 noch nicht, das Thema werde in der Deutschen Islamkonferenz diskutiert. Für Kinder gab es unter anderem Hüpfburg, Kasperletheater, Bobby-Car-Rennstrecke und Kletterturm. Ziel des Tages sei, die Bundeswehr stärker in der Gesellschaft zu verankern und Vorurteile abzubauen.
Einordnung
Die Antwort ist ungewöhnlich auskunftsfreudig. Die Kernaussage, dass die Flugshow ohnehin angefallene Übungsflüge nutzt, lässt sich allerdings nicht überprüfen. Wie die Bundeswehr um junge Menschen wirbt, zeigt auch unser Beitrag zu den Bundeswehr-Feriencamps für Jugendliche. Um Kerosin geht es auch beim Treibstoffschnellablass über Deutschland. Mehr zum Verband bei Wikipedia.
Quellen
- Kleine Anfrage, Drucksache 18/9376 vom 03.08.2016
- Antwort der Bundesregierung, Drucksache 18/9604 vom 09.09.2016
Hinweis: Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt und anhand der verlinkten Drucksachen geprüft.
Stand: 23.10.2026
