Fuel Dumping über Deutschland: Rund 3.600 Tonnen Kerosin in sieben Jahren

Wenn ein Flugzeug kurz nach dem Start notlanden muss, ist es oft zu schwer. Dann lässt es Treibstoff ab, im Fachjargon Fuel Dumping. Wie oft das über Deutschland passiert und was das für Umwelt und Gesundheit bedeutet, wollte eine Kleine Anfrage (Drucksache 18/9571) vom 6. September 2016 wissen. Die Antwort der Bundesregierung (Drucksache 18/9917) kam mit Schreiben des Bundesumweltministeriums vom 4. Oktober 2016 und listet jeden einzelnen Fall auf.

Worum es ging

Die Fragesteller weisen darauf hin, dass militärische und zivile Flugzeuge über dem Bundesgebiet immer wieder Kraftstoff ablassen, auch über besiedelten Gebieten. Sie wollten Zahl, Mengen und Gebiete für die Jahre 2010 bis 2016 sowie die Folgen für Boden, Wasser und Menschen wissen.

Ein Notverfahren

Laut Bundesregierung können im zivilen Bereich nur vierstrahlige Langstreckenflugzeuge überhaupt Treibstoff ablassen. Der Kraftstoffschnellablass sei ein Notverfahren, das eine sichere Kontrolle und Landung ermöglichen soll, etwa wenn unmittelbar nach dem Start noch große Kraftstoffmengen an Bord sind. Die Flugsicherung weist dem Piloten ein Gebiet zu. Im Schnitt gab es von 2010 bis 2016 rund 22 Fälle pro Jahr, davon drei bis vier durch Militärflugzeuge. Die Gründe im Einzelfall werden im zivilen Bereich nicht erfasst.

Die Mengen

Die Antwort listet für zivile Flugzeuge 121 einzelne Ablässe von Januar 2010 bis Juni 2016 auf, für Militärflugzeuge 23 Fälle von 2010 bis 2015. Die erfassten Jahressummen:

  • 2010: 635,4 Tonnen zivil, 63,8 Tonnen militärisch
  • 2011: 697,6 Tonnen zivil, 4,5 Tonnen militärisch
  • 2012: 325,5 Tonnen zivil, 31,3 Tonnen militärisch
  • 2013: 599,8 Tonnen zivil, 38 Tonnen militärisch
  • 2014: 275,75 Tonnen zivil, 42,5 Tonnen militärisch
  • 2015: 612,5 Tonnen zivil, 39,5 Tonnen militärisch
  • 2016 (bis Juni): 223 Tonnen zivil, keine militärischen Fälle

Zusammengerechnet sind das gut 3.369 Tonnen aus zivilen und knapp 220 Tonnen aus militärischen Maschinen. Bei einigen Fällen ist die Menge unbekannt, die tatsächliche Summe dürfte also höher liegen. Einzelne zivile Ablässe erreichten 70 bis 91 Tonnen. Beim Militär war der größte erfasste Fall 40 Tonnen im Jahr 2014 zwischen Mannheim und Saarbrücken. Auffällig oft betroffen sind laut den Tabellen Rheinland-Pfalz, insbesondere die Pfalz, sowie Bayern.

Was mit dem Kerosin passiert

Die Bundesregierung stützt sich auf einen Planfeststellungsbeschluss des Landes Brandenburg zum Flughafen Schönefeld von 2014. Danach wird das Kerosin zu feinem Nebel verwirbelt, der größte Teil verdunstet schon in der Luft und wird in der Atmosphäre in Wasser und CO2 umgewandelt. Bei einem Ablass in der Mindestflughöhe von 1.500 Metern, Windstille und 15 Grad Bodentemperatur erreichen rechnerisch etwa 8 Prozent den Boden. Daraus ergebe sich eine theoretische Bodenbelastung von 0,02 Gramm Kerosin pro Quadratmeter.

Der TÜV Rheinland kam bei konservativer Abschätzung auf maximal 0,2 Milligramm pro Kubikmeter Luft und eine vernachlässigbare Bodenbelastung. Aktuellere Untersuchungen zu Umweltfolgen hat die Bundesregierung nicht, sie verweist auf eine Antwort von 1997. Zu Gesundheitsfolgen konkreter Ablässe liegen ihr keine Informationen vor.

Wie giftig ist Kerosin?

Grundsätzlich ist Flugzeugtreibstoff in hohen Konzentrationen giftig. Laut Antwort kann er krebserregendes Benzol enthalten, ist in Gewässern schwer abbaubar und mäßig bis schwach giftig für Fische. Dämpfe können Kopfschmerzen, Benommenheit und Übelkeit auslösen. All diese Effekte seien beim Ablassen aber nicht zu erwarten, weil die nötigen Konzentrationen bei weitem nicht erreicht würden.

Einordnung

Die Antwort ist eine seltene vollständige Liste aller gemeldeten Ablässe. Die Entwarnung beruht allerdings auf Modellrechnungen und älteren Gutachten, eigene Messungen nennt die Bundesregierung nicht. Mehr zum Verfahren bei Wikipedia. Um Kerosinverbrauch geht es auch bei der Flugshow zum Tag der Bundeswehr in Neuburg, um Schadstoffe in der Kabinenluft beim Thema Fume Events.

Quellen

Hinweis: Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt und anhand der verlinkten Drucksachen geprüft.

Stand: 23.10.2026

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