Sprengversuche an der Fregatte Karlsruhe: Was die Bundesregierung antwortete

Ein ausgemustertes Kriegsschiff absichtlich mit Sprengladungen durchschütteln, um zu lernen, wie viel künftige Schiffe aushalten: Das plante die Bundeswehr mit der Fregatte Karlsruhe vor Schönhagen bei Damp an der Ostsee. Eine Kleine Anfrage (Drucksache 19/162) vom 29. November 2017 fragte nach den Folgen für Meerestiere. Die Antwort der Bundesregierung (Drucksache 19/323) kam am 27. Dezember 2017, übermittelt vom Verteidigungsministerium.

Worum es geht

Bei Ansprengversuchen werden Sprengladungen in der Nähe der Bordwand gezündet. Messungen zeigen dann, wie schockresistent ein Schiff je nach Ladungsgröße ist. Die Karlsruhe war eine Fregatte der Bremen-Klasse und wurde im Juni 2017 außer Dienst gestellt.

Die Fragesteller verweisen in ihrer Vorbemerkung auf die Gefahr durch Schockwellen: Zerrissene Lungen und Schwimmblasen, Blutungen, verschobene Gehörknöchelchen bei Meeressäugern, Fischen und tauchenden Seevögeln, je nach Ladung bis in mehrere Kilometer Entfernung. Viele dieser Arten sind nach EU-Recht besonders geschützt, und die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie verlangt, dass Unterwasserlärm die Meeresumwelt nicht beeinträchtigt.

Zeitplan und Schweinswale

Laut Antwort waren die Versuche für das zweite Quartal 2018 und ab Spätsommer 2018 geplant, gegebenenfalls bis Januar 2019. Die genauen Termine sollten sich nach Schon- und Schutzzeiten richten. Ein Beschuss unter Wasser war nicht vorgesehen.

Das Vorkommen geschützter Arten im Gebiet könne grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden, räumt die Bundesregierung ein. Der Schweinswal etwa lebe ganzjährig dort, seine störungssensible Zeit in der westlichen Ostsee reiche vom 1. Juni bis 30. September. Für Naturschutz im Küstenmeer seien die Länder zuständig.

Als Schutzmaßnahmen nennt die Antwort neben den Schonzeiten:

  • Beobachtung des Seegebiets
  • optische und akustische Aufklärung
  • Vergrämungsmaßnahmen

Nach jeder Sprengung werde das Gebiet abgesucht. Findet die zuständige Wehrtechnische Dienststelle 71 ein totes Meeressäugetier, informiert sie das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung in Büsum.

Was geheim bleibt

Wie viele Sprengladungen mit welchem Gewicht eingesetzt werden und mit welcher Munition die Fregatte beschossen werden soll, steht nur in einer als „VS – Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuften Anlage. Begründung: Zusammen mit den späteren Ergebnissen ließen die Daten Rückschlüsse auf die Verwundbarkeit von Kampfschiffen zu. Öffentlich ist nur: Uranhaltige Projektile werden nicht verwendet, und die Beschussversuche sollen so angelegt sein, dass kein Projektil ins Wasser geht.

Beteiligt sind laut Antwort das Unternehmen IABG für Messung und Simulation sowie die niederländische Forschungsorganisation TNO.

Umweltprüfung? Nicht im Einzelnen

Bemerkenswert ist die Antwort zur Umweltverträglichkeit. Das Schiff werde vorbereitet, also Gefahrstoffe entsorgt und Öffnungen in der Außenhaut verschlossen. Weil die Minimierung der Auswirkungen schon bei der Festlegung der zulässigen Sprengzeiträume sichergestellt worden sei, würden für die einzelnen Sprengungen aber keine eigenen Untersuchungen zu Schockwellen oder Schadstoffeinträgen gemacht.

Zu den nahen Natura-2000-Gebieten heißt es, alle Maßnahmen blieben auf das Sperrgebiet beschränkt, eine Verträglichkeitsprüfung nach § 34 Bundesnaturschutzgesetz sei Pflicht, wenn eine erhebliche Beeinträchtigung möglich sei. Beteiligt ist die Umweltaufsicht der Bundeswehr, das BAIUDBw. Für Schäden haftet die Bundesrepublik. Wirtschaftliche Schäden für Fischerei oder Tourismus erwartet die Bundesregierung nicht, Kompensationen sind daher nicht vorgesehen. Einen öffentlichen Dialog gab es nicht, informiert wurden Bundeswehrstellen und Wasser- und Schifffahrtsämter.

Schönhagen als Dauertestgebiet

Die Antwort listet die Kampagnen der vergangenen Jahre im Sperrgebiet auf, darunter:

  • 2011 Ansprengung des ehemaligen U-Boots U25
  • 2012/2013 und 2016 Vergleichssprengungen von Torpedogefechtsköpfen
  • 2015 Ansprengung eines Versuchsboots aus Polyurethan
  • 2016 Ansprengung eines U-Boots U212 und eines kleinen Mehrzweckboots

Geplant waren außerdem Ansprengungen der Karlsruhe und einer Fregatte F125. 2011 unterstützte die Bundeswehr zudem eine Fregatten-Ansprengung in Norwegen. Vergleichbare Versuche von Verbündeten gebe es nicht. Langfristig investiere die Bundeswehr in Simulationen, um weniger Ansprengungen zu brauchen, die Karlsruhe solle gerade dazu dienen, Simulationsdaten zu überprüfen.

Wer sich für das Thema Tiere und Bundeswehr interessiert: Auch zu Versuchstieren bei der Bundeswehr gab es eine Kleine Anfrage.

Späterer Stand

Der Zeitplan aus der Antwort hielt nicht. Laut einer Pressemitteilung der WTD 71 vom 22. Oktober 2024 fanden die ersten Ansprengversuche an der ex Karlsruhe im Oktober 2024 statt, mit doppeltem Blasenschleier, Monitoring und Vergrämung. Weitere jährliche Sprengungen seien bis 2028 geplant. Eine zweite Mitteilung nennt Ladungen von 50 und 175 Kilogramm. Das Kieler Umweltministerium berichtete dem Landtag im Dezember 2025, dass die Sprengkampagne 2025 im Oktober stattfand und keine Informationen über verletzte Schweinswale vorliegen.

Quellen

Hinweis: Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt und anhand der verlinkten Drucksachen geprüft.

Stand: 23.10.2026

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