Die Lawine

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Lawinen kann man auslösen, wenn irgendein etwas unvorsichtiger Skifahrer an den Hang geht und ein bisschen Schnee bewegt.

Ob wir schon in dem Stadium sind, wo die Lawine im Tal unten angekommen ist, oder ob wir in dem Stadium im oberen Ende des Hanges sind, weiß ich nicht.

Ja, Wolfgang Schäuble hat Lawine gesagt. In Zusammenhang mit Flüchtlingen.

Und schon gibt es von beiden Lagern die gewohnten reflexhaften Reaktionen. Einerseits die “Gutmenschen”, die sich über die menschenverachtende Rhetorik ereifern, andererseits das “Pack”, dem diese Aussagen noch nicht weit genug gehen. Und das Team von Heiko Maas twittert besorgt:

Die Lawine ist nicht neu

Auch wenn einige den Eindruck erwecken wollen – zunächst einmal ist der Begriff “Lawine” in Zusammenhang mit Flüchtlingen nicht neu:

Kön­nen wir die La­wi­ne auf­hal­ten?
Mitarbeiter der deutschen Botschaft im Kosovo im Februar 2015.

Flüchtlingskrise: Eine Lawine rollt auf uns zu.
Mohammad Moshiri im Mai 2015.

Schein-Asylanten-Lawine
BaWü Ministerpräsident Lothar Späth im Februar 1980 (der auch eine Verfassungsklage ankündigte, History repeating…)

Gut, dass von der “Lawine” in diesem Kontext schon seit über 35 Jahren gesprochen wird (mindestens) macht die Sache jetzt zunächst nicht besser oder schlechter. Wolfgang Schäuble war aber jedenfalls nicht erste, der das Wort in die Diskussion einbrachte.

-lawine…

…drückt in Bildungen mit Substantiven aus, dass etwas immer mehr wird, nicht mehr einzudämmen ist.
(Duden online)

Der Duden nennt dann als Beispiele auch die Schuldenlawine, Antragslawine, Ausgabenlawine. Sicher, das Wort ist “emotional verstärkend”. Aber Schäuble hat hier die Lawine nicht im Sinne von “Naturkatastrophe” benutzt, sondern damit eben den zitierten Effekt beschrieben. Und damit hat er auch die einzelnen Menschen nicht in der Form herabgesetzt, wie es viele seiner Kritiker nun meinen.

Welche Worte wurden und werden sonst noch im Zusammenhang mit der aktuellen Situation benutzt? Auf die schnelle finde ich den “Strom”, die “Flut”, den “Ansturm”, die “Masse”, die “Invasion”, “Krise”, “Chaos”, “Drama”, “Debatte”, “Frage” – einige davon sind moderater, andere wiederum deutlich negativer besetzt als die Lawine.

Provozierend, aber nicht menschenverachtend

Ja, der Begriff der Lawine war sicher provozierend gemeint. Provoziert und angegriffen werden sollten aber nicht die Flüchtlinge, sondern Angela Merkel eine Schifahrerin.

Menschenverachtend in Bezug auf die Flüchtlinge ist er aber nicht. Allenfalls emotional verstärkend.

 

 

 

Monster im Alltag (Deutz)

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Dieses Monster im Alltag habe ich auf der Rückseite eines Straßenschildes in Köln Deutz gefunden.

Bild: Severin Tatarczyk, fotografiert mit einem Microsoft Lumia 640.

Lesenswertes 5

 

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Die aktuellen “lesenswertes” Links:

  1. New Horizons auf neuem Kurs
    Die NASA Sonde New Horizons ist jetzt auf dem Weg zu 2014 MU69, einem Trans-Neptun Objekt.
  2. Previous ShareBeyond the airstrikes: Russia’s activities on the ground in Syria
    Belege, dass russische Milizionäre in Syrien im Bodenkampf aktiv sind.
  3. Hallo, ich bin ein Weckmann
    Das Bonner Münster erklärt interessantes zum Weckmann und zu St. Martin. (Ich weiß, St. Martin ist vorbei, aber es hat diesmal etwas länger gedauert, bis 10 lesenswerte Links zusammengekommen sind…)
  4. Verfassungsbeschwerde von Peter Gauweiler (PDF)
    Gauweiler gegen QE-Anleihenkäufe der EZB und gegen Befangenheit Draghis. Long Read. Kompliziert. Aber lohnend.
  5. EU-Kommission: Das Ende der kostenlosen Internet-Links?
    Achtung – will die EU Kommission ein LSR durch die Hintertür einführen? Hier sollte man frühzeitig wachsam sein!
  6. Das iPad Pro ist nicht das Ende der PC Ära
    Kommentar von Carsten Drees zu Tim Cooks Aussage, das iPad Pro ersetze den PC. Walt Mossberg ist übrigens der gleichen Meinung (und damit wären wir diesmal streng genommen bei 11 Linktipps…)
  7. Midori
    Stimmt – da war mal was. Das Betriebssystem Projekt von Microsoft scheint in Windows 10 aufgegangen zu sein.
  8. Gebt uns eine Strategie
    Zum 60. Geburtstag der Bundeswehr.
  9. Your Xbox One is getting a lot faster today
    Die wichtigsten Infos zum Xbox ONE Update, das heute erscheint.
  10. 21 Dinge, die in jeden Rucksack gehören
    Must Read für alle Backpacker

Bild: Hausnummer der Buchhandlung Behrendt in Bonn.

10 Fakten zur Gründung der Bundeswehr am 12. November 1955

  1. Am 12. November 1955 wurden in der Ermekeilkaserne in Bonn die ersten 101 Soldaten der Bundeswehr vereidigt.
  2. Die Ermekeilkaserne, damals Sitz des Bundesministeriums der Verteidigung, gilt damit als Geburtsort der Bundeswehr, der 12. November 1955 dementsprechend als ihr Geburtstag.
  3. Die Ernennungsurkunden wurden durch Theodor Blank, dem damaligen Bundesminister der Verteidigung, überreicht.
  4. Bei den 101 ersten Soldaten handelte es sich um Freiwillige – insgesamt hatten sich vorher nach einem Aufruf über 150.000 Deutsche für einen Dienst in der noch zu gründenden Bundeswehr gemeldet.
  5. Die meisten dieser ersten Soldaten haben noch gar keine Uniformen – die “Affenjäckchen”, wie sie auch genannt wurden, waren schlicht nicht fertig geworden.
  6. Den höchsten Dienstgrad haben die beiden Generalleutnante Hans Speidel und Adolf Heusinger. Mangels anderer Offiziere muss man auf alte Wehrmachtskräfte zurückgreifen. Heusinger hat im Zweiten Weltkrieg den Überfall auf die Sowjetunion mit geplant und soll über die Beteiligung der Wehrmacht an der Tötung von Juden informiert gewesen sein. Speidel war als Generalstabsoffizier u.a. am Frankreichfeldzug beteiligt und hat dort wohl Geiselerschießungen zumindest nicht verhindert.
  7. Die Politik sieht dieses Problem durchaus. Verteidigungsminister Blank betont daher auch vorher im Bundestag: “Wir wollen Streitkräfte in der Demokratie, die sich dem Vorrang der Politik fügen. Sie sollen die Grundsätze der Rechtsstaatlichkeit achten, die staatsbürgerlichen Grundrechte und Grundpflichten ernst nehmen und die Würde des Menschen anerkennen. Sie sollen bereit sein zur Verteidigung gegen jeden, der den Frieden bricht.
  8. Der 12. November 1955 wurde nicht zufällig gewählt: Es handelte sich um den 200. Geburtstag von Gerhard Johann David von Scharnhorst, einem preußischen General, der sich um die preußische Heeresreform verdient gemacht hatte. Dies betont auch Blank in seiner Rede, die er anlässlich der Vereidigung hält.
  9. Die Gründung der Bundeswehr war nicht unumstritten, insbesondere die SPD sieht diese kritisch. Letztlich schwenken Politik und öffentliche Meinung jedoch auf Adenauers Linie um, der die Bundeswehr als wichtigen Baustein der Westintegration sieht.
  10. Zum Zeitpunkt ihrer Gründung haben die Streitkräfte noch gar keinen Namen. Die Bezeichnung “Bundeswehr” geht auf Daniel Friedrich Gottlob Teichert zurück, eines Abgeordneten in der Frankfurter Nationalversammlung 1849, der diese Bezeichnung für die vereinigten Bürgerwehren des Deutschen Bundes vorschlug. Der FDP Abgeordnete und ehemalige Wehrmachtsgeneral Hasso von Mannteufel griff dies auf schlug vor, diesen Namen für die “bundesdeutsche Wehrmacht” zu verwenden. Endgültig festgelegt wurde der Name erst am 20. März 1956.

Rede von Theodor Blank anlässlich der Vereidigung der 101 ersten Soldaten der Bundeswehr

Diese Rede hielt der damalige Bundesminister der Verteidigung, Theodor Blank, am 12. November 1955 in der Ermekeilkaserne in Bonn.

Meine Herren,

wenn wir uns heute hier in dieser einfachen Halle versammelt haben und unsere tägliche Arbeit für eine kurze Weile unterbrechen, so geschieht es gewiß nicht aus einem Bedürfnis nach Repräsentation und Festlichkeit. Wir sind uns des Ernstes dieser Stunde bewußt, in der durch die Ernennung der ersten neuen deutschen Soldaten der Öffentlichkeit gegenüber die Verwirklichung unseres Verteidigungsbeitrages sichtbar wird. Wir wollen diesen Augenblick zu einer Stunde der Besinnung machen, – einer Besinnung, die für uns im Getriebe des Alltags so selten und doch so heilsam ist.

Wir wollen uns nicht verlieren in rückschauender Betrachtung der jahrelangen Vorarbeiten und der mancherlei Enttäuschungen und Schwierigkeiten, die hinter uns liegen. Wir wollen unsere Gedanken auf die Zukunft richten, auf den gewiß nicht leichteren Teil unseres Weges, der nun beginnt, wenn die Praxis mit all ihren nur zum Teil voraussehbaren Problemen unsere Planungen auf die Probe stellt. Es soll uns dabei vor Augen stehen, daß unsere Verantwortung in dem Maße wächst, in dem diese Planungen durch Menschen mit ihren Stärken und Schwächen verwirklicht werden.
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