Wenn Öldämpfe aus den Triebwerken in die Kabinenluft gelangen, spricht man von Fume Events. Wie häufig solche Vorfälle sind und wie Behörden damit umgehen, wollte eine Kleine Anfrage (Drucksache 18/11385) vom 24. Februar 2017 wissen. Die Antwort der Bundesregierung (Drucksache 18/11686) kam mit Schreiben des Verkehrsministeriums vom 22. März 2017.
Worum es ging
Die Fragesteller halten verunreinigte Kabinenluft für ein ernstes Sicherheits- und Gesundheitsrisiko. Sie berufen sich auf eine Studie der Universitätsmedizin Göttingen von 2016, nach der Schadstoffe aus den Triebwerken bei Betroffenen nachgewiesen wurden und mit schweren Erkrankungen zusammenhängen. Außerdem kritisieren sie, dass Luftfahrt-Bundesamt (LBA) und Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) mit unterschiedlichen Kategorien und Zahlen arbeiten.
Nach Angaben der Fragesteller stieg die Zahl der Versicherten, die der Berufsgenossenschaft Verkehr Beschwerden nach Kabinenluftvorfällen meldeten, von etwa 300 im Jahr 2013 auf rund 450 im Jahr 2015. Anerkannt als Arbeitsunfall sei bis dahin erst ein Fall. Die Fume-Event-Sprechstunde in Göttingen habe seit Dezember 2016 keine neuen Fälle mehr angenommen. Als technische Lösung nennen sie ein Klimasystem von Liebherr, das Außen- statt Zapfluft nutzt, und die Boeing 787, die ein ähnliches System serienmäßig habe.
Die Zahlen für 2016
Laut Antwort meldeten sich 2016 bei der BFU 61 Ereignisse mit Öldämpfen, Ölgeruch, Enteisungs- oder Hydraulikflüssigkeit in Kabine oder Cockpit. Davon stufte die BFU zwei als Störung ein, keines als schwere Störung. Beim LBA gingen 33 Meldungen ein, 32 davon wurden als Störung bewertet. Alle Störungen sind in der europäischen Datenbank ECCAIRS erfasst und liegen der Flugsicherheitsagentur EASA vor.
Bei der BG Verkehr gingen 2016 rund 830 Meldungen wegen gesundheitlicher Beschwerden nach mutmaßlich kontaminierter Kabinenluft ein. Bemerkenswert: Keine einzige der dort von 2008 bis 2016 eingegangenen Unfallmeldungen wurde anschließend von der BFU untersucht. Die BFU prüft eingehende Meldungen nach EU-Recht, Flugunfalluntersuchungsgesetz und ICAO-Vorgaben, unter anderem anhand medizinischer Daten und technischer Berichte.
Betroffene Flugzeuge
Die Antwort listet die beim LBA gemeldeten Flugzeugmuster von 2008 bis 2016 auf, von Airbus A319 bis A380, von Boeing 737 bis 787. Besonders häufig taucht die Boeing 757 auf. Schwerpunkte bei bestimmten Triebwerksherstellern oder Triebwerkstechniken kann die BFU aus ihren Untersuchungen nicht erkennen.
Aufsicht und Sanktionen
Nach einem Fume Event werden laut Bundesregierung in der Regel die betroffenen Systeme überprüft und bei Befund Teile oder das Triebwerk getauscht. Das LBA prüfe, wie die Fluggesellschaft den Vorfall aufgearbeitet hat. Beanstandungen der EASA wegen nicht eingehaltener Melde- oder Wartungsverfahren gab es in den letzten zehn Jahren nicht. Verstöße gegen Lufttüchtigkeitsvorschriften können als Ordnungswidrigkeit geahndet werden, seit 2013 wurden 60 solcher Verstöße registriert, allgemein und nicht nur zu Kabinenluft.
Technik und Gesundheit
Zum Liebherr-System hat die Bundesregierung keine Erkenntnisse. Für ein Verbot von Zapfluftsystemen sieht sie sich nicht zuständig, die Zulassung sei Sache der EASA. Zu einer „angeblich gesundheitlich unbedenklichen technischen Lösung“ lägen ihr keine Erkenntnisse vor. In Deutschland waren im März 2017 fünf Flugzeuge vom Typ A320neo zugelassen.
Einen Zusammenhang zwischen Störungen der Kabinenluft und Erkrankungen habe die Bundesregierung nie ausgeschlossen, heißt es. Sie habe sich dafür eingesetzt, dass sich die EASA des Themas annimmt. Die BG Verkehr habe ein medizinisches Standardverfahren für Durchgangsärzte entwickelt und untersuche unter anderem Urinproben auf Abbauprodukte von TCP und anderen Organophosphaten.
Einordnung
Die Antwort zeigt die Lücke zwischen Gesundheitsmeldungen und Flugunfalluntersuchung: Hunderte Beschwerden bei der Berufsgenossenschaft, aber nur zwei als Störung eingestufte Fälle bei der BFU. Für Forschung und Technik verweist die Bundesregierung vor allem auf die EASA. Hintergrund zum umstrittenen Begriff bei Wikipedia. Um Kerosin außerhalb des Flugzeugs geht es in unserem Beitrag zum Treibstoffschnellablass über Deutschland.
Quellen
- Kleine Anfrage, Drucksache 18/11385 vom 24.02.2017
- Antwort der Bundesregierung, Drucksache 18/11686 vom 24.03.2017
Hinweis: Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt und anhand der verlinkten Drucksachen geprüft.
Stand: 23.10.2026
