Stasi-Schnipsel: Warum die virtuelle Puzzlemaschine nicht fertig wurde

Über 15.000 Säcke mit zerrissenen Stasi-Akten lagern beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. Ein Computerverfahren sollte sie automatisch wieder zusammensetzen. Wie weit das Projekt ist, wollte eine Kleine Anfrage (Drucksache 17/12579) vom 27. Februar 2013 wissen. Die Antwort der Bundesregierung (Drucksache 17/12752) kam mit Schreiben des Kulturstaatsministers vom 13. März 2013.

Worum es ging

Laut den Fragestellern hatte der Bundestag 2007 nach einer Machbarkeitsstudie des Fraunhofer-Instituts für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) in Berlin Geld für einen Forschungsauftrag bereitgestellt. Ziel: ein System, das zerrissene Stasi-Unterlagen im automatisierten Betrieb virtuell rekonstruiert. Abgerechnet wird in sogenannten Meilensteinen. Der siebte sollte möglichst 2012 fertig sein, der achte mit einer mindestens 18-monatigen Testphase für Schnipsel aus 400 ausgewählten Säcken 2013 beginnen. Die Fragesteller sahen die ursprüngliche Laufzeit bereits deutlich überschritten.

Zeitplan: frühestens Ende 2016

Den siebten Meilenstein nimmt der Bundesbeauftragte (BStU) in zwei Teilen ab. Teil eins, die Prüfung der gesamten Prozesskette in Version 1.0, wurde am 21. Januar 2013 abgenommen. Für Teil zwei muss der Inhalt aus mindestens drei Säcken rekonstruiert werden, das Verfahren begann am 21. Februar 2013. Das Fraunhofer IPK hielt einen Abschluss noch im Jahr 2013 für möglich.

Für das Gesamtprojekt sieht es länger aus: Das IPK teilte dem BStU im Januar 2013 mit, dass der Testbetrieb selbst unter günstigsten Voraussetzungen frühestens Ende 2016 abgeschlossen werden kann. Danach müssen die Einzelseiten noch zu Vorgängen zusammengeführt und erschlossen werden, was nach damaliger Schätzung weitere zwölf bis 18 Monate dauern sollte.

Woran es hakte

Das Fraunhofer IPK nennt laut Antwort drei Hauptgründe:

  • Software: Geplant waren angepasste Standardkomponenten. Das ging nicht, und auch beauftragte IT-Firmen lieferten keine Rahmensoftware, die den Anforderungen genügte. Das IPK musste mit eigenen Leuten aushelfen.
  • Scanner: Das eingesetzte Gerät der zweiten Generation, ein umgebauter Scanner von Image Access, arbeitet besser als sein Vorgänger, ist wegen instabilen Betriebs und aufwendigen Handlings der Folientaschen aber noch viel zu langsam. Einen Scanner, der die Anforderungen des Projekts voll erfüllt, gibt es auf dem Markt nicht.
  • Personal: Zwischen Machbarkeitsstudie 2003 und Projektstart 2007 wechselten mehrere Wissenschaftler, die die Technik mitentwickelt hatten, zu neuen Arbeitgebern, teils ins Ausland. Fachleute für Bildverarbeitung, Mustererkennung und Neuroinformatik seien weltweit sehr gefragt.

Was es bisher gekostet hat

Aus Forschungs- und Erweiterungsauftrag waren bis März 2013 insgesamt 5,63 Millionen Euro abgeflossen. Die Meilensteine eins bis sechs kosteten zwischen 480.000 und 990.000 Euro, der erste Teil von Meilenstein sieben 180.000 Euro. Auf den Erweiterungsauftrag entfielen bis dahin 800.000 Euro. Der Forschungsauftrag hat einen Festpreis von 5,95 Millionen Euro, der Erweiterungsauftrag von 2 Millionen Euro. Von den insgesamt 7,95 Millionen Euro standen noch 2,32 Millionen aus. Zusätzlich steckte das Fraunhofer IPK rund 1,5 Millionen Euro eigene Mittel vor allem in Scanner und Software, finanziert aus der institutionellen Förderung der Fraunhofer-Gesellschaft durch das Bundesforschungsministerium.

Der Erweiterungsauftrag von 2010 trägt den Arbeitstitel „von der Einzelseite zum Vorgang/zur Akte“. Er umfasst eine Machbarkeitsstudie zur assistierten Wiederherstellung ganzer Akten samt Laborsoftware und eine Analyse zur Langzeitsicherung der virtuell rekonstruierten Unterlagen.

Wer was macht

Das IPK digitalisiert die Schnipsel, setzt sie mit dem sogenannten ePuzzler virtuell zusammen und übergibt Digitalisate und Ausdrucke. Der BStU sichtet den Gesamtbestand von über 15.000 Säcken, sortiert vor, entfernt etwa Metallteile vor dem Scannen, prüft die Ergebnisse und rekonstruiert übrige Seiten interaktiv. Beim IPK arbeiteten 16,5 Stellen am Projekt, vor allem befristet neu eingestellte Wissenschaftler und studentische Hilfskräfte. Beim BStU waren es seit 2011 31,65 Stellen, künftig rechnete die Behörde grob mit 47. Weil die Scannertechnik noch nicht überzeugt, ist der Automatisierungsgrad niedrig und muss mit mehr Personal ausgeglichen werden.

Zur Frage nach Unterstützung schreibt die Bundesregierung knapp: Das Projekt sei abgesehen vom Zeitplan vertragsgemäß gelaufen, man erwarte einen erfolgreichen Abschluss.

Einordnung

Die Antwort zeigt ein ambitioniertes Projekt, das vor allem an der Hardware hängt: Ohne schnellen, präzisen Scanner bleibt die Puzzlemaschine Handarbeit mit Computerhilfe. Hintergrund zum Archiv bei Wikipedia. Um die Sicherung von Archivgut geht es auch in unserem Beitrag zum Barbarastollen.

Quellen

Hinweis: Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt und anhand der verlinkten Drucksachen geprüft.

Stand: 23.10.2026

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