Warum schwankt mein Gewicht so stark?

Der morgendliche Schock auf der Waage – plötzlich 1,5kg mehr. Warum das, soviel habe ich doch gar nicht gegessen!?

Nicht nur, wenn man gerade in einer Diät steckt, können einen Gewichtsschwankungen überraschen. Und die können auch mal schnell drei kg ausmachen.

Hier wollen wir mal einen Blick drauf werfen, warum es zu so großen Schwankungen kommen kann.

Falsches wiegen

Ein Fehler ist ganz banal – falsches Wiegen. Will man vergleichbare Ergebnisse haben, muss man sich immer gleich wiegen. Am besten ist es direkt nach dem Aufstehen, nachdem man auf Toilette war und bevor man etwas gegessen oder getrunken hat. Wiegt man sich immer vor dem Duschen, sind auch nur die Ergebnisse vor dem Duschen entscheiden. Und wiegt man sich am Sonntag um 11h nach dem Aufstehen und am Montag um 5:30h, sind die Ergebnisse natürlich auch nicht vergleichbar.

Wichtig ist auch, dass man natürlich immmer die gleiche Waage verwendet, denn trotz Eichung kann es hier kleine aber entscheidende Unterschiede geben. Doch nicht nur das: die Waage sollte immer am gleichen Ort stehen, Wiegen Sie sich z.B. mal, wenn die Waage auf einem Teppich und dann direkt, wenn sie auf Laminat steht – es gibt einen Unterschied.

Also, immer gleiches Wiegen kann unangenehme Überraschungen in Sachen Körpergewicht verhindern.

Darminhalt und Blasenfüllung

Was in Ihrem Darm und ihrer Blase ist, kann einiges an Gewicht ausmachen. Eine normale Mahlzeit braucht unter normalen Umständen zwischen 16 und 32 Stunden, bis sie den Körper verdaut wieder verlassen hat. Es kann aber je nach vorhandener Darmfüllung und Art der Nahrung auch deutlich schneller oder langsamer sein. Zwischen vier und 120 Stunden ist alles möglich. Im Schnitt kann man aber von rund 24 Stunden ausgehen.

Hat man also eine Entenkeule mit Klößen verspeist oder hat etwas Verstopfung, kann allein schon die Nahrungsmenge im Verdauungstrakt für eine nicht unerhebliche Gewichtszunahme sorgen. Und hatte man Durchfall und sonst nur wenig gegessen dementsprechend für eine entsprechende Gewichtsabnahme.

Gerade wenn man sehr spät üppig isst, passiert in der Nacht in Sachen Verdauung nur wenig, das Essen ist mehr oder weniger noch unverändert im Körper. Das 500g Steak um 22:30h merkt man am nächsten Morgen auf der Waage.

Der Darminhalt kann also leicht einige hundert Gramm mehr oder weniger ausmachen – je nachdem, was man gegessen hat und wenn die Verdauung gerade nicht so gut funktioniert, können dies über mehrere Tage bis zu drei Kilogramm oder auch mehr sein.

Einfluss auf das Gewicht hat natürlich auch der Blaseninhalt – daher sollte wenn man z.B. vor dem Wiegen nicht schon seinen Kaffee oder morgendliches Wasser getrunken haben und auf Toilette gewesen sein. Wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche Blase zwischen 800 und 1.500ml fasst, kann darüber auch einiges zusammenkommen.

Kohlenhydrate – die Glykogenspeicher

Denkt man an zu viel eingelagerte Energie, denkt man meist an Fett. Der menschliche Körper kann aber überschüssiges Essen auch in Form von Zucker (Kohlenhydraten) speichern. Er wandelt diese in Glykogen (auch Glycogen geschrieben) um und lagert diese in der Leber – ca. 150g – und daneben in den Muskeln ein, gerne an den Oberschenkeln. Bei einem untrainierten Menschen sind das dort 250g, Ist man aber sehr sportlich, kann es deutlich mehr sein, bei Ausdauersportlern über 500g bis 600g.

Normalerweise kann man bei einem durchschnittlichen Menschen von insgesamt gut 400g Glykogen ausgehen, was ca. 1640kcal entspricht. An einem Sonntag kann das leicht zusammenkommen: Der Brunch am Morgen, die Sachertorte am Nachmittag und dann die Pasta am Abend. Die Menge, die eingelagert werden kann, entspricht übrigens nicht ganz einem Tagesenergiebedarf.

Bedenkt man weiter dass die Speicherung von 1g Glykogen 2,5g-3g Wasser bindet, kann ein kohlenhydratreicher Tag bis zu 1,4kg mehr auf die Waage bringen!

Das kann man sich aber auch wieder zunutze machen: Nimmt man wie bei einer Low-Carb-Diät keine Kohlenhydrate mehr zu sich, wird der Körper seine Energie in erster Linie aus dem Glykogenspeicher beziehen – und nach einem Fasten- oder strengen “no-carb Tag” sind diese Speicher dann auch fast leer, mit der Folge, dass man dementsprechend die 1,4kg auch gleich wieder verliert.

Nimmt man dann wieder Kohlenhydrate zu sich, füllen sich die Speicher schnell wieder – und es wird wieder Wasser eingelagert. Gönnt man sich also einmal Nudeln werden nicht nur Zucker sondern auch entsprechend viel Wasser im Körper gebunden. Das sorgt oft für einen Schock nach einem Cheat Day oder wenn man nach einer Low-Carb Ernährung wieder zur Normalität zurückkehrt.

Zu viel Salz – ein Gewichtskiller

Wir essen zu viel Salz. Jedenfalls die meisten von uns. Und Natrium bindet Wasser im Körper. Gerade wer regelmäßig viele Fertiggerichte oder Fast Food isst, führt seinem Körper zu viel Salz zu. 0,9g Natrium binden ca. 100ml Wasser in Blut und Zellen. Wenn Sie also viel Salz essen, haben Sie entsprechend mehr Durst, trinken mehr und haben dadurch entsprechend mehr Gewicht. Neuere Studien und Forschungen zeigen auch, dass überschüssiges Salz vom Körper nicht sofort ausgeschieden wird, sondern etwas länger im Körper bleiben kann. Wundern Sie sich also nicht über eine Gewichtszunahme, wenn Sie zu viel Salz zu sich genommen haben.

Starke körperliche Anstrengung

Wenn Sie schnell abnehmen wollen, powern Sie sich aus! Durch starke körperliche Anstrengung kommt es nicht nur zu einem Abbau des Glykogens (siehe oben). Nein, auch eingelagertes Wasser und Salz werden durch Schwitzen ausgeschieden. Mit etwas Glück geht es sogar auch schon direkt an die Fettdepots dran.

So oder so: ein Tag mit intensiver Gartenarbeit oder im Fitnessstudio können Wunder wirken. Mehr als 1,5kg weniger Gewicht sind drin. Wichtig: Den Wasserverlust sollten Sie ausgleichen und trinken, wenn Sie Durst haben!

Bei der Frau: Die besonderen Tage

Bei Frauen kann es zu Gewichtsschwankungen während der Menstruation kommen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass es aufgrund der hormonellen Schwankungen zu verstärkten Wassereinlagerungen kommt. Oft ist das Hungergefühl – gerade nach Kohlenhydraten – in dieser Zeit auch stärker, so dass diese vermehrt eingelagert werden, was wieder Wassereinlagerungen nach sich zieht. Oft kommt es übrigens schon einige Tage vor der eigentlichen Regelblutung zu den Gewichtschwankungen. Allerdings kann hier Entwarnung gegeben werden – von Dauer sind diese meist nicht.

Unser Tipp: Stellen Sie in der Zeit, in der Sie in Zusammenhang mit Ihrer Regel an Gewicht zunehmen, auf eine Low-Carb um.

Krankheiten

Oft haben kurzfristige Gewichtsschwankungen krankhafte Ursachen, das Thema Durchfall und Verstopfung ist ja schon oben angedeutet worden. Bei Durchfall kann es zusätzlich zu einem Entzug weiteren Wassers aus dem Körper kommen – daher muss man gerade bei/nach Durchfall viel trinken.

Zu starken Gewichtsschwankungen kann es durch die anderweitige Einlagerung von Wasser im Körper kommen. Viele Menschen leiden gerade im Sommer an Wasser in den Beinen. Auch während der Schwangerschaft kommt es häufig dazu. Hier gibt es viele Hausmittel dagegen und auch mit einer gesunden Ernährung mit entwässernden Lebensmitteln kann man diese bekämpfen, doch sollte man einen Arzt hinzuziehen, wenn diese nicht in wenigen Tagen anschlagen.

Als besonders problematisch ist die Aszites (Bauchwassersucht) zu nennen, die i.d.R eine Folge von schweren Lebererkrankungen wie z.B. Leberzirrhose ist und unbedingt ärztlich behandelt werden muss. Problematisch ist dies besonders bei Alkoholikern!

Zu kurzfristigen Gewichtschwankungen können auch Nebenwirkungen von Medikamenten, besonders Cortison, führen, da diese Wassereinlagerungen begünstigen.

Nicht weiter erwähnen muss man, dass Erkrankungen wie die Ess-Brechsucht (Bulimie) großen Einfluss haben können – auch hier ist ärztliche Hilfe nötig.

Weitere Ursachen von Gewichtsprüngen

  • Rauchen
  • Alkoholkonsum

Fazit

Im Regelfall muss man sich gelegentliche Gewichtsschwankungen von einen Tag zum anderen keine großen Sorgen machen.

Allein durch einen Tag ohne Stuhlgang bei gleichzeitig hoher Aufnahme von Kohlenhydraten und daraus resultierender Einlagerung von Glykogen und dem damit gebundenen Wasser kann es zu Sprüngen von über 1kg mehr kommen, sogar 2kg oder mehr sind nicht ungewöhnlich.

In die andere Richtung kann eine gesunde Low-Carb Ernährung mit genug Wasser und wenig Salz in Verbindung mit viel körperlicher Aktivität im Extremfall zu einer Gewichtsabnahme von 1,5kg oder mehr über Nacht führen.

Meistens wird man die Gründe für Gewichtsschwankungen mit etwas Nachdenken über die hier aufgeführten möglichen Ursachen und Gründe selbst erkennen können. Sollte es jedoch öfter unerklärliche starke Schwankungen geben, konsultieren Sie besser einen Arzt.

Blitzdiäten nutzen Gewichtsschwankungen aus

Übrigens, die meisten sogenannten „Blitzdiäten“ machen sich solche Faktoren positiv zunutze, die für solche Gewichtsschwankungen verantwortlich sind: sie sind meist nicht üppig und verdauungsanregend (Darminhalt), führen nur wenig Kohlenhydrate und Salz zu (Glykogen und gebundenes Wasser) und bauen oft auch Bewegungselemente ein, so dass die Kohlenhydratspeicher noch schneller entleert werden.

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