Aschewolke vom Grímsvötn: Wie der Bund 2011 Grenzwerte, Messflüge und Luftraumsperren erklärte

Am 25. Mai 2011 sorgte die Aschewolke des isländischen Vulkans Grímsvötn für gestrichene Flüge in Deutschland. Eine Kleine Anfrage (Drucksache 17/6157) vom 8. Juni 2011 warf der Bundesregierung Widersprüche im Krisenmanagement vor. Die Antwort der Bundesregierung (Drucksache 17/6285) kam mit Schreiben des Bundesverkehrsministeriums vom 27. Juni 2011.

Worum es ging

Die Fragesteller schreiben, wegen des vom Verkehrsminister festgesetzten Grenzwerts von 2 mg Vulkanasche pro Kubikmeter seien zahlreiche Flüge gestrichen worden. Im Verkehrsausschuss habe der Parlamentarische Staatssekretär erklärt, der Grenzwert sei wissenschaftlich festgelegt. Der Minister habe dagegen tags darauf von der Industrie klare wissenschaftliche Aussagen gefordert. Zudem sei angekündigt worden, das Forschungsflugzeug Falcon 20E werde zu Messungen starten, laut Agenturmeldungen sei es aber anderweitig im Einsatz und nicht sofort verfügbar gewesen.

Woher der Grenzwert kommt

Laut Antwort beruht der Grenzwert von 2 mg/m³ auf einer Festlegung der Triebwerkshersteller. Diese stützen sich auf Erfahrungsberichte von Fluggesellschaften, auf US-Untersuchungen aus den Jahren 1980 bis 1996, vor allem bei der Calspan Corporation, und auf eigene Tests.

Den auch von der EASA genannten Wert von 4 mg/m³ sieht die Bundesregierung nicht als Widerspruch. Er beziehe sich auf vorhergesagte Konzentrationen in Ausbreitungsmodellen des Londoner Volcanic Ash Advisory Centre (VAAC). Fluggesellschaften müssten dann abwägen, wie sie fliegen, damit die Triebwerke möglichst nicht mehr als 2 mg/m³ abbekommen.

War die Sperrung nötig?

  • Die Einschätzung, dass der Grenzwert erreicht oder überschritten würde, beruhte auf der VAAC-Prognose und wurde gegen 3 Uhr morgens am 25. Mai herausgegeben. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte die Deutsche Flugsicherung (DFS) per SIGMET.
  • Hinzugezogen wurden zusätzlich Ceilometerdaten, Flugzeugmessungen, Satellitenprodukte und ein eigenes DWD-Ausbreitungsmodell.
  • Ob dem Krisenstab bereits Messungen mit geringeren Werten vorlagen, verneinte die Bundesregierung. Die Sperrung hält sie auch im Rückblick für sicherheitstechnisch notwendig.
  • Die Messungen des Forschungszentrums Jülich stimmen laut Antwort im Wesentlichen mit denen des DWD überein. Bewerten darf solche Messungen aber allein der DWD.

Welche Flugzeuge wirklich gemessen haben

Die Falcon 20E des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt sei gar nicht beauftragt worden, schreibt die Bundesregierung. Der Minister habe von einem anderen Messflugzeug gesprochen. Gemessen wurde am 25. Mai so:

  • ab etwa 8 Uhr mit einem Kolbenmotorflugzeug der FH Düsseldorf, Kosten 25.000 Euro;
  • am Nachmittag mit einem Learjet der Gesellschaft für Flugzieldarstellung, betrieben von der Firma Enviscope, Kosten für den DWD 71.600 Euro.

Das Konzept der Bundesregierung sieht einen solchen Learjet mit eigens im Dezember 2010 beschaffter Messtechnik vor, als preisgünstigstes Angebot. Zuständig für Messflüge ist der DWD, nicht die DFS.

Messnetz und Geld

Die 52 neuen DWD-Messstationen sind laut Antwort seit Spätherbst 2010 online angebunden, nur ein Bruchteil war von der Wolke betroffen. Zusätzliche Bundesmittel oder Planstellen für den DWD gab es 2011 nicht, Maßnahmen wurden durch Umschichtungen finanziert.

Wer entscheidet

Das Verkehrsministerium legt Grenzwerte und Verfahren per Allgemeinverfügung fest. Der DWD sagt Grenzwertüberschreitungen vorher, die DFS steuert als beliehenes Unternehmen den Luftraum. Der DFS-Krisenstab wurde am 24. Mai 2011 um 18 Uhr aktiviert und tagte bis zum 25. Mai um 18 Uhr. Danach lagen laut DWD keine Konzentrationen über dem Grenzwert mehr vor.

Einordnung

Die Antwort widerspricht den meisten Vorwürfen und liefert dafür konkrete Daten zu Zuständigkeiten und Kosten. Zum Vulkan selbst siehe Wikipedia. Weitere Luftfahrtthemen bei uns: Fuel Dumping über Deutschland und Fume Events in Flugzeugkabinen.

Quellen

Hinweis: Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt und anhand der verlinkten Drucksachen geprüft.

Stand: 23.10.2026

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