Der Mund ist die Eingangspforte des Körpers, und entsprechend viel gerät hinein: Fischgräten, Drahtborsten von Grillbürsten, Zahnstocher, Piercingschmuck, abgebrochene Zahnfragmente, Kronen, Prothesen und gelegentlich auch Instrumente aus der Zahnarztpraxis. Meist bemerkt man den Fremdkörper sofort und wird ihn rasch wieder los. Die Fachliteratur kennt aber auch Fischgräten, die monatelang in der Zunge stecken und für Krebs gehalten werden, Kanülen, die vom Zahnfleisch bis in den Hals wandern, und Zahnkronen, die zwei Jahre unbemerkt in der Lunge liegen. Diese Liste sammelt solche Fälle.
Zur Einordnung: Ein Fremdkörper im Mund wird in der Diagnosesystematik unter T18.0 verschlüsselt, ein bei einem Eingriff versehentlich zurückgelassener Fremdkörper unter T81.5. Weitere Codes sammelt die Liste: Alle ICD-10 Codes im Blogmagazin. Was sprachlich hinter den Begriffen steckt, erklären die Beiträge Was bedeutet Fischgräte? und Was bedeutet Zahnstocher?.
Die folgende Liste beruht ausschließlich auf veröffentlichter medizinischer Fachliteratur; ausgewertet wurden die Zusammenfassungen der Aufsätze. Die Quellen stehen jeweils in Klammern und am Ende ausführlich mit PubMed-Nummer. Gewalt- und Kriminalfälle sind bewusst nicht enthalten, ebenso wenig Fälle, bei denen erkennbare Personen betroffen wären. Fälle bei Kindern kommen nur kurz und statistisch vor. Alle Angaben sind nüchtern gehalten und ersetzen keine ärztliche oder zahnärztliche Beratung. Dies ist die achte Folge der Reihe; besonders eng verwandt sind die Liste: Verletzungen und Fremdkörper in Rachen und Speiseröhre, medizinisch dokumentiert, die Liste: Verletzungen und Fremdkörper in Magen und Darm, medizinisch dokumentiert und die Liste: Verletzungen und Fremdkörper in Haut und Weichteilen, medizinisch dokumentiert. Die früheren Folgen: Liste: Gegenstände, die als Fremdkörper im Enddarm medizinisch dokumentiert sind, Liste: Verletzungen und Fremdkörper am Penis, medizinisch dokumentiert, Liste: Verletzungen und Fremdkörper in der Vagina, medizinisch dokumentiert, Liste: Verletzungen und Fremdkörper in Harnröhre und Blase, medizinisch dokumentiert, Liste: Verletzungen und Fremdkörper in der Nase, medizinisch dokumentiert, Liste: Verletzungen und Fremdkörper im Ohr, medizinisch dokumentiert und Liste: Verletzungen und Fremdkörper im Auge, medizinisch dokumentiert.
Weitere dokumentierte Fälle finden Sie in Liste: Verletzungen und Fremdkörper an Mund, Zunge und Zähnen, Teil 2.
Geschichte 1: Der Zungenkrebs, der eine Fischgräte war
Eine 61-jährige Frau kam mit Schmerzen und einer deutlichen Schwellung der Zunge ins Krankenhaus, die seit mehr als einem Monat bestanden. Vorerkrankungen hatte sie keine. Das Kernspin zeigte auffällige Signale, die auf eine Geschwulst hindeuteten, und so stellten Kieferchirurg und Radiologe zunächst die Diagnose Zungenkrebs. Erst bei einer weiteren Abklärung in der Hals-Nasen-Ohren-Abteilung wurde die Zunge mit Ultraschall untersucht. Dabei zeigte sich ein linienförmiger, heller Fremdkörper, der zu einem Knochenstück passte, obwohl die Patientin bestritt, je etwas Derartiges verschluckt zu haben. Die Schwellung wurde vollständig herausgeschält; darin steckte eine Fischgräte. Die feingewebliche Untersuchung bestätigte ein Fremdkörpergranulom aus Kollagenfasern, Fresszellen und chronischen Entzündungszellen, also eine Abwehrreaktion des Körpers, keinen Tumor. Die Frau erholte sich ohne Komplikationen. Die Autoren betonen, dass gerade bei älteren Menschen ein eingewachsener Fremdkörper als Krebs fehlgedeutet werden kann, wenn niemand vom Verschlucken weiß (Jiang 2022).
Geschichte 2: Eine Kanüle in der Halsschlagader
Ein 47-jähriger Mann ließ sich in einer Zahnarztpraxis einen Zahn ziehen. Beim Betäuben des Unterkiefernervs brach die Injektionskanüle ab. Der Zahnarzt schickte den Patienten nach Hause und versicherte ihm, das Bruchstück müsse nicht entfernt werden. Einige Wochen später suchte der Mann wegen starker, akuter Schmerzen und Schluckbeschwerden erneut Hilfe. Die üblichen Verfahren, das Nadelstück zu bergen, scheiterten, und die Ärzte zogen die Neurochirurgie hinzu. Die Kanüle war gewandert und hatte die rechte innere Halsschlagader an der Schädelbasis, im Bereich des Foramen jugulare, durchtrennt. Sie wurde schließlich über einen Katheter im Gefäß unter Röntgenkontrolle entfernt. Die Autoren folgern, dass ein abgebrochenes Nadelstück umgehend an einen erfahrenen Chirurgen überwiesen und geborgen werden sollte (Brooks 2016).
Fischgräten, Nadeln und Drahtborsten in der Zunge
- Einem 56-jährigen Mann war drei Wochen zuvor eine Fischgräte in die Zunge gestochen und sofort entfernt worden; nun hatte er seit drei Tagen zunehmende Schmerzen am Mundboden; das CT zeigte einen Abszess mit einem feinen Rest der Gräte, der mit Antibiotika über die Vene ausheilte (Chen 2015)
- Eine verschluckte Fischgräte steckte 16 Monate lang fast beschwerdefrei in der Zunge, bis eine Infektion mit Fieber, Schluckschmerzen und Schwellung von Zunge und Mundboden auftrat; man dachte zuerst an eine Ludwig-Angina, die Gräte wurde zufällig im CT entdeckt und operativ entfernt (Hsu 2011)
- In einer Klinik fanden sich von 1998 bis 2007 sechs Fälle von Fremdkörpern, die in der Zunge steckten, alle waren Fischgräten; viermal reichte die Freilegung der Zunge, einmal musste ein Teil der Zunge entfernt werden, weil die Gräte schwer zu finden war, und einmal waren Abszessentlastung und Luftröhrenschnitt nötig; keiner der Patienten behielt Gefühls- oder Bewegungsstörungen zurück (Johari 2010)
- Ein 53-jähriger Mann verschluckte eine Drahtborste einer Grillbürste; nach mehreren erfolglosen endoskopischen Versuchen wanderte sie tief in die Zungenmuskulatur und wurde über einen Schnitt am Hals entfernt (Tripuraneni 2023)
- In den USA führten Drahtborsten von Grillbürsten von 2002 bis 2014 geschätzt zu rund 1.700 Notaufnahmebesuchen; am häufigsten steckten sie im Mundrachen, in einer Verbraucherdatenbank am häufigsten in der Mundhöhle; die meisten Fälle gab es im Juli (Baugh 2016)
- Eine 73-jährige Frau verschluckte versehentlich eine Nähnadel, die zunächst in der Zunge steckte und dann tiefer wanderte; nach einem erfolglosen endoskopischen Versuch wurde sie über einen Schnitt in der Mitte des Halses geborgen, die Patientin erholte sich ohne Komplikationen (Sideris 2021)
Zungen- und Lippenpiercings
- In einer Befragung von Menschen mit 130 Lippen- und 80 Zungenpiercings hatten 87,8 Prozent frühe Beschwerden nach dem Stechen; die häufigsten Spätfolgen waren wiederkehrende Infektionen und Zahnfleischrückgang (Kapferer 2010)
- Bei 50 Menschen mit einem Stecker in der Unterlippe war das Zahnfleisch an den Zähnen gegenüber dem Stecker in 68 Prozent zurückgegangen, in der Vergleichsgruppe nur in 4 Prozent; je länger das Piercing getragen wurde, desto häufiger war der Rückgang (Kapferer 2007)
- Drei junge Menschen hatten Zahnfleischrückgang an den unteren Schneidezähnen; jeweils lag die Metallscheibe des Lippensteckers innen direkt an diesen Zähnen (Sardella 2002)
- Zahnfleischrückgang durch ein Lippenpiercing kann eine Behandlung bis hin zu einem Bindegewebstransplantat nötig machen (Chambrone 2003)
- Junge Erwachsene, die seit mindestens einem Jahr ein Lippen- oder Zungenpiercing trugen, hatten häufiger abgenutzte und abgesplitterte Zähne und mehr Zahnfleischrückgang als Gleichaltrige ohne Piercing (Giuca 2012)
- Menschen mit Zungenpiercing hatten eine 12,2-fach höhere Chance auf Zahnverletzungen, vor allem Schmelzabsplitterungen, und häufiger Zahnfleischrückgang (Tomaževič 2017)
- Eine systematische Übersicht über 408 Patienten mit 236 Lippen- und 236 Zungenpiercings fand in mehreren Studien an den Zähnen neben Zungenpiercings tiefere Zahnfleischtaschen, mehr Attachmentverlust und mehr Zahnfleischrückgang, bei Lippenpiercings vor allem Zahnfleischrückgang (Difloe-Geisert 2024)
- Bei einem Zungenpiercing war die Unterseite der Zunge über der Hantel zugewachsen, sodass sie operativ freigelegt werden musste (Theodossy 2003)
- Nach einem Zungenpiercing entwickelte sich eine Infektion mit Schmerzen, Eiter, Speichelfluss sowie Sprech- und Schluckstörung; der Schmuck wurde entfernt, Antibiotika heilten die Infektion (Dunn 2004)
- Nach einem Zungenpiercing trat eine Ludwig-Angina auf, eine gefährliche Entzündung des Mundbodens (Perkins 1997)
- Eine Übersicht über 18 Infektionen nach Zungenpiercings, ergänzt um einen eigenen Fall einer Herzklappenentzündung, zählt unter anderem Zungenabszess, Ludwig-Angina, Wundstarrkrampf im Kopfbereich, acht Herzklappenentzündungen und einen Abszess im Kleinhirn; gefunden wurden stets Keime aus Mund und Rachen (Yu 2010)
- Ein 25-jähriger Mann mit Zungenpiercing und einer früher operierten Aortenklappe kam mit sechs Tage anhaltendem Fieber, Schüttelfrost und Atemnot ins Krankenhaus; es war eine Herzklappenentzündung durch Haemophilus aphrophilus (Akhondi 2002)
- Eine 32-jährige Frau, die kurz zuvor intubiert worden war, hatte ihr Zungenpiercing verschluckt; es blieb im Wurmfortsatz stecken, löste eine Blinddarmentzündung aus und wurde per Bauchspiegelung mit dem Blinddarm entfernt (Cheng He 2021)
Zahnfleisch, Wange und Lippe: Fremdkörperreaktionen
- In 61 Fällen von Fremdkörper-Gingivitis waren meist Frauen um 48 Jahre betroffen; die meist rote oder rot-weiße, schmerzhafte Entzündung wurde oft für Lichen planus gehalten, unter dem Mikroskop fanden sich Partikel meist kleiner als 5 Mikrometer (Gordon 1997)
- Solche Partikel stammen vor allem aus Polierpaste und Füllungsmaterialien; bei einer 52-jährigen Frau verursachten sie eine anhaltende Zahnfleischentzündung (Koh 2015)
- Eine 58-jährige Frau benutzte eine Munddusche mit hohem Druck; im Zahnfleisch fand sich eine granulomatöse Reaktion, nach dem Absetzen der Munddusche war es bei den Kontrollen nach drei und sechs Monaten unauffällig (Terry 2014)
- Ein grüner Fleck am Oberkieferzahnfleisch erwies sich als Granulom um Kunstrasenfasern; der Patient hatte sich zwei Jahre zuvor bei einem Fußballspiel im Mund verletzt (Tettamanti 2014)
- Die Amalgamtätowierung, eingeschlepptes Füllungsmaterial, ist der häufigste umschriebene dunkle Fleck im Mund; sie wurde bei 0,4 bis 0,9 Prozent der Erwachsenen in den USA und bei etwa 8 Prozent in Schweden gefunden und liegt meist als grauer oder bläulicher Fleck neben einem gefüllten Zahn (Buchner 2004)
- Eine tumorartige Schwellung von 5 mal 10 Millimetern in der Umschlagfalte der Wange war ein eingekapselter Rest Abformmaterial, vermutlich von einer Abformung zwei Jahre zuvor (Karam Genno 2014)
- Eine 52-jährige Frau war im Mund von einer Honigbiene gestochen worden; erst nach einem Monat mit Schmerz und Schwellung wurde der Stachel in der Wangenschleimhaut gefunden, nach der Entfernung heilte alles aus (Aloyouny 2025)
- Bei einer 82-Jährigen wurde ein 2 Zentimeter großer Knoten in der Wange als gutartiger Tumor entfernt; unter dem Mikroskop zeigte sich ein Granulom um Reste eines Bienenstachels, an den Stich erinnerte sie sich nicht (Yamamoto 2017)
- Sieben Frauen im Alter von 34 bis 70 Jahren hatten nach Unterspritzungen Fremdkörpergranulome an Lippen und Wange, die unter dem Mikroskop einem bösartigen Fetttumor ähneln können (Jham 2009)
- Bei 25 Frauen erschienen nach Fillern mit Calciumhydroxylapatit oder Polymilchsäure Knoten in der Mundschleimhaut, entfernt von den Einstichstellen; das Material war offenbar gewandert (Shahrabi-Farahani 2014)
- Bei einem Menschen, der gewohnheitsmäßig Zahnstocher benutzte, entstand vermutlich daraus ein Lemierre-Syndrom, eine eitrige Venenentzündung am Hals mit Streuherden; Antibiotika heilten ihn (Wu 2013)
Mundboden und Speicheldrüsen
- Ein Bambussplitter im Ausführungsgang der Unterkieferspeicheldrüse verursachte eine akute Entzündung; der Ultraschall fand ihn, kurz danach löste er sich beim Essen von selbst, und die Beschwerden verschwanden (Luo 2022)
- Bei einem 30-jährigen Mann war ein Grashalm versehentlich in den Speichelgang geraten und bis tief in die Drüse gewandert; die Drüse wurde entfernt (Kc 2023)
- Bei 13 Patienten bildeten sich Speichelsteine um Fischgräten; elf erinnerten sich an eine Verletzung durch eine Gräte, fünf waren Fischer, alle Steine saßen im Gang der Unterkieferdrüse (Xie 2014)
- Heftklammern waren versehentlich in den Mund geraten; eine wanderte vom Mundboden durch den Raum unter dem Unterkiefer in die Speicheldrüse und wurde mit CT und Durchleuchtung entfernt (Takaoka 2010)
Zahnsplitter in der Lippe
- Eine 58-jährige Frau war auf den Gehweg gestürzt; zwei Wochen später wuchs an der Oberlippe ein verkrusteter Knoten, der wie Hautkrebs aussah; bei leichtem Druck kam ein Zahn aus der Wunde (Rossini 2018)
- Eine Schwellung der Unterlippe galt elf Monate lang als Wulstnarbe, bis ein eingeschlossenes Zahnstück von selbst herauskam (Radhakrishnan 2015)
Abgebrochene Kanülen und Instrumente
- Zwölf abgebrochene Betäubungskanülen aus einem Krankenhaus in Brasilien aus den Jahren 1992 bis 2019 und die Literatur aus 50 Jahren zeigen: Sie brechen meist bei der Leitungsanästhesie am Unterkiefer und bei jüngeren Patienten, Hauptursache ist eine plötzliche Bewegung; die Stücke liegen meist im Raum zwischen Unterkiefer und Flügelmuskel oder in tiefen Halsräumen (Sandre 2023)
- Bei einem Patienten wurde eine abgebrochene Kanüle mit Hilfe der Durchleuchtung per C-Bogen zeit- und kostensparend entfernt; die Autoren raten, wenn nötig, zur sofortigen Bergung (Marinheiro 2019)
- Bei der Betäubung für eine Weisheitszahnentfernung brach eine Kanüle ab; das Stück wanderte vom aufsteigenden Unterkieferast bis in den Raum um die Wirbelsäule und wurde mit Hilfe mehrschichtiger CT-Bilder geborgen (Sahin 2017)
- Bei einem 60-jährigen Mann wurde eine abgebrochene 12-Millimeter-Kanüle über einen Schnitt im Zahnfleisch gesucht, aber nicht gefunden; da er beschwerdefrei war, wartete man ab; neun Monate später lag sie unter der Haut am Hals und wurde zwei Monate darauf in Vollnarkose entfernt (Karakida 2020)
- An einem Zentrum für Kieferchirurgie fanden sich bei 2.092 Eingriffen vier zurückgebliebene Fremdkörper tief in der Kaumuskelregion: eine Nahtnadel und ein Bohrerstück von Kieferumstellungen sowie zwei Kanülen von Weisheitszahnentfernungen; alle wurden in Vollnarkose über den Mund entfernt, ein Patient hatte vorübergehend eine Störung des Gesichtsnervs (Frosolini 2025)
Verschluckt und eingeatmet beim Zahnarzt
- In einer Universitätszahnklinik wurden in fünf Jahren 23 Gegenstände verschluckt, meist Inlays, Kronen oder Stiftaufbauten, häufiger bei der Behandlung unterer Backenzähne und bei Behandlern mit weniger als fünf Jahren Erfahrung; keiner wurde eingeatmet, Komplikationen gab es nicht (Obinata 2011)
- Ein 22-jähriger Mann verschluckte bei einer Zahnbehandlung eine Wurzelkanalfeile; sie wurde aus dem aufsteigenden Dickdarm endoskopisch geborgen (Tagliaferri 2022)
- Ein 30-jähriger Mann verschluckte bei einer Wurzelbehandlung ohne Kofferdam eine Feile, die schließlich operativ aus dem Dünndarm entfernt wurde (Ptak 2023)
- Bei einer Implantation rutschte dem Chirurgen der Schraubendreher aus den Fingern und wurde von einem 65-jährigen Patienten verschluckt (Pull Ter Gunne 2014)
- Auch ein Patient, dem früher eine Unterkieferhälfte entfernt worden war, verschluckte einen Implantat-Schraubendreher; meist passieren solche Instrumente den Darm binnen vier Tagen bis zwei Wochen (de Souza 2012)
- Eine 72-jährige Frau verschluckte unter Sedierung einen Bohrer, der mit Röntgenkontrollen verfolgt und ohne Komplikationen entfernt wurde (Dastouri 2023)
- Eine 31-Jährige verschluckte ein 2 Zentimeter großes Bruchstück ihrer durchsichtigen Zahnschiene, das im CT erst mit der Einstellung für Lungengewebe sichtbar wurde und endoskopisch geborgen wurde (Huang 2024)
- Eine Auswertung von 100 Erwachsenen, die zahnärztliche Gegenstände eingeatmet hatten, ergab: am häufigsten Prothesen (29 Prozent), Kronen (22 Prozent) und Implantat-Schraubendreher (17 Prozent), am häufigsten im rechten Unterlappen; besonders gefährdet sind ältere und kognitiv eingeschränkte Menschen (Velapati 2026)
- Ein 68-jähriger Mann atmete beim Einprobieren eine Vollzirkonkrone ein; man ging von Verschlucken aus, die Krone lag etwa zwei Jahre ohne größere Beschwerden im linken Unterlappen (Qin 2018)
- Ein 67-jähriger Mann atmete beim Setzen von Implantaten den Eindreher ohne Husten oder Atemnot ein; er lag im rechten Hauptbronchus und wurde mit dem starren Bronchoskop geborgen (Gandagule 2025)
- Beim Ziehen eines Zahnes wurde eine Krone eingeatmet; der Patient starb (Kim 2017)
- Ein 44-jähriger Raucher hatte chronischen Husten und wiederkehrende Bronchitis; ursächlich war eine Monate zuvor unbemerkt eingeatmete Krone, die er nach der Bronchoskopie aushustete; das Lungengewebe blieb dauerhaft geschädigt (Tiresse 2025)
- Ein älterer Mann kam mit Atemversagen durch eine Lungenentzündung; zwei Jahre zuvor hatte er ohne Beschwerden eine Krone eingeatmet; nach Antibiotika und Bronchoskopie ging es ihm besser (Primera 2023)
Verschluckte Zahnprothesen
- In Schottland wurden in zehn Jahren 34 Patienten mit verschluckter Prothese behandelt, im Mittel 60 Jahre alt; 24 brauchten eine Entfernung in Vollnarkose, zwei eine Operation am Hals (Ganesh 2021)
- In Nigeria hatten 27 Patienten eine Teilprothese in der Speiseröhre; sie hatten ihre Prothesen 3 bis 30 Jahre ohne Kontrolle beim Zahnarzt getragen, 85 Prozent waren Oberkieferprothesen, und späte Vorstellung erhöhte die Folgeschäden (Adeyemo 2019)
- Von drei verschluckten Teilprothesen war eine fast tödlich, weil sie ein Blutgefäß angriff und eine Blutung auslöste (Hashmi 2004)
- Bei einer 78-Jährigen wurde eine verschluckte Kunststoffprothese in der Speiseröhre zuerst für einen Tumor gehalten; CT und erneute Spiegelung klärten den Fall (Shadidi Asil 2024)
- Eine 66-Jährige hatte seit zwei Jahren Schluckbeschwerden und eine Aussackung der Speiseröhre; bei der Operation fand sich eine Teilprothese, nach deren Entfernung die Aussackung verschwand (Samargandy 2019)
- Ein 70-Jähriger hatte zehn Tage zuvor einen Teil seiner Prothese verschluckt; sie blieb im Dünndarm stecken und durchbohrte ihn, ein Darmstück musste entfernt werden; nach sieben Tagen wurde er entlassen (Marei 2026)
- Fünf Darmdurchbohrungen durch verschluckte Zahnstocher, eine davon tödlich; als wichtigen Grund nennen die Autoren Gaumenplatten, die das Gefühl am Gaumen mindern, sodass Zahnstocher im Essen unbemerkt bleiben (Cockerill 1983)
Implantate in der Kieferhöhle
- Bei 40 Patienten waren Zahnimplantate in die Kieferhöhle gerutscht oder gewandert; alle wurden über den Mund, die Nase oder beides entfernt und heilten ohne Komplikationen (Bennardo 2022)
Bissverletzungen der Zunge
- Ein Zungenbiss zeigte einen großen epileptischen Anfall mit einer Spezifität von 99 Prozent an, kam aber nur bei 24 Prozent der Anfälle vor; ein seitlicher Zungenbiss trat ausschließlich bei solchen Anfällen auf (Benbadis 1995)
- Bei 26 Prozent der Patienten mit epileptischem Krampfanfall fanden sich Verletzungen im Mund, meist seitlich an der Zunge, bei psychogenen nicht-epileptischen Anfällen keine (Oliva 2008)
- Bei 17.273 Operationen mit Nervenüberwachung durch elektrische Reizung über die Schädeldecke kam es in 0,63 Prozent zu Bissverletzungen, vier Fünftel davon an der Zunge; genäht werden musste bei 0,14 Prozent (Tamkus 2012)
- Bei einer 55-Jährigen wurde beim Aufwachen nach einer Wirbelsäulenoperation mit dieser Überwachung eine fast vollständige Durchtrennung der linken Zungenseite bemerkt; sie wurde sofort genäht und heilte ohne Infektion (Kim 2026)
- Bei einem 74-Jährigen auf der Intensivstation verletzte ein einzeln stehender spitzer Eckzahn nach Krampfanfällen die Zunge; eine angepasste Mundschutzschiene ließ sie heilen (Yamanaka 2014)
Unfälle und Behandlungsfolgen
- Von 1.411 Patienten mit Gesichtsverletzungen hatten sieben Zähne oder Zahnersatz eingeatmet, durch den Unfall oder die Intubation (Casap 2011)
- Bei explodierenden E-Zigaretten wurden vor allem Lippen und Zunge verletzt, betroffen waren in den Berichten nur Männer, im Mittel 29,5 Jahre alt (Dekhou 2021)
- Unter 314 befragten Fachzahnärzten für Wurzelbehandlungen hatten 132 einen Zwischenfall mit Spülflüssigkeit (Natriumhypochlorit) erlebt, der über die Wurzelspitze hinaus gelangt war; meist klangen die Beschwerden binnen eines Monats ab (Kleier 2008)
Kinder: kurz und statistisch
- In den USA gab es von 1979 bis 1982 jährlich etwa 8.176 Verletzungen durch Zahnstocher, am häufigsten bei Kindern zwischen 5 und 14 Jahren (Budnick 1984)
- Pfählungsverletzungen im Mund durch Zahnbürsten, Stifte oder Essstäbchen sind vor allem bei Kindern im Vorschulalter häufig (Dharel 2026)
Risiken
Die meisten Fremdkörper im Mund werden sofort bemerkt und entfernt. Gefährlich wird es, wenn ein Stück unbemerkt bleibt: Fischgräten wandern in die Zunge, lösen Abszesse aus oder werden für Krebs gehalten (Jiang 2022, Hsu 2011), abgebrochene Kanülen wandern bis in den Hals (Karakida 2020, Brooks 2016). Eingeatmete Kronen fallen manchmal erst Jahre später durch Lungenentzündungen auf (Primera 2023, Qin 2018). Prothesen sind im Röntgenbild oft schwer zu sehen (Marei 2026). Piercings schädigen Zähne und Zahnfleisch und können schwere Infektionen auslösen (Kapferer 2007, Yu 2010).
Schnell zum Arzt: wann es dringend ist
Bei Atemnot, Erstickungsgefühl oder anhaltendem Husten nach einem Zwischenfall, bei starker Blutung, bei rasch zunehmender Schwellung von Zunge oder Mundboden und bei Fieber mit Schluckbeschwerden ist der Notruf 112 richtig. Ärztlich oder zahnärztlich ansehen lassen sollten Sie auch einen Fremdkörper, der stecken geblieben ist, ein verschlucktes oder vermisstes Stück Zahnersatz und einen Knoten im Mund, der nach einigen Wochen nicht verschwindet. Ist bei einer Zahnbehandlung etwas verloren gegangen, sollte geklärt werden, ob es verschluckt oder eingeatmet wurde (Pull Ter Gunne 2014). Tipps zur Pflege gibt der Beitrag 10 Tipps, was man für die Gesundheit seiner Zähne machen kann, zu einem verwandten Thema der Beitrag Mundgeruch: Ursachen, Selbsttest und was dagegen hilft.
So wird behandelt
Oberflächliche Gräten und Splitter lassen sich oft direkt entfernen. Tiefer sitzende Fremdkörper in der Zunge werden mit CT und Ultraschall geortet und gezielt freigelegt, manchmal über einen Schnitt am Hals (Sideris 2021). Abgebrochene Kanülen sollen möglichst schnell geborgen werden (Sandre 2023). Eingeatmete Gegenstände werden meist bronchoskopisch entfernt (Velapati 2026), verschluckte Prothesen per Spiegelung, selten operativ (Ganesh 2021). Bei einer Piercing-Infektion wurden der Schmuck entfernt und Antibiotika gegeben (Dunn 2004). Zur Vorbeugung in der Praxis dienen Kofferdam, Rachentamponade und gesicherte Instrumente (Ptak 2023).
Scham und Schweigepflicht
Mancher schämt sich, mit einem Piercingproblem, einer verschluckten Prothese oder den Folgen einer Unterspritzung in die Praxis zu gehen. Für die Behandlung ist die Vorgeschichte aber oft der Schlüssel zur Diagnose (Jham 2009). Ärztinnen, Ärzte, Zahnärztinnen, Zahnärzte und Pflegekräfte unterliegen der Schweigepflicht, in Deutschland nach Paragraf 203 des Strafgesetzbuchs. Wer Schmuck im Mund trägt, findet sprachliche Hintergründe im Beitrag Was bedeutet Piercingträger?.
Wenn eine Verletzung oder ihre Folgen seelisch belasten, gibt es Hilfe: Die Telefonseelsorge ist in Deutschland rund um die Uhr und kostenlos unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 zu erreichen. Mehr zum Begriff gibt der Beitrag Was bedeutet Fremdkörper?.
Quellen
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Stand: 4. November 2026
