Fremdkörper in Harnröhre und Blase sind selten, aber in der Urologie gut bekannt. Die Fachliteratur kennt Drähte und Kabel, Magnetkugeln, Thermometer und Bleistifte, aber auch Gegenstände, die niemand absichtlich dort hineingebracht hat: Spiralen, die aus der Gebärmutter in die Blase wandern, Zahnstocher und Fischgräten aus dem Darm, Clips und Netze aus früheren Operationen. Dazu kommen Verletzungen der Blase selbst, etwa ein Blasenriss nach einem Sturz im Rausch. Genaue Zahlen gibt es kaum, weil viele Betroffene aus Scham spät oder gar nicht kommen.
Einen Eindruck geben Übersichten: Eine japanische Auswertung aus dem Jahr 1983 fasste 1.272 Fälle von Fremdkörpern in Blase oder Harnröhre zusammen, Männer waren 1,7-mal so häufig betroffen wie Frauen (Nakatani 1983). Eine Übersichtsarbeit von 2026 wertete 122 Fachartikel mit 151 erwachsenen Patienten aus: 86 Prozent waren Männer, die meisten zwischen 21 und 50 Jahre alt, und 78,1 Prozent hatten nach der Behandlung keine Komplikationen (Farias 2026). Eine Klinik in Thailand zählte in 20 Jahren 78 Frauen mit einem Fremdkörper in der Blase (Kochakarn 2008). In der Klassifikation ICD-10 haben Fremdkörper in der Harnröhre und in der Harnblase eigene Codes, nämlich T19.0 und T19.1.
Die folgende Liste beruht ausschließlich auf veröffentlichter medizinischer Fachliteratur. Die Quellen stehen jeweils in Klammern und am Ende ausführlich mit PubMed-Nummer. Boulevardgeschichten, Gewalt- und Kriminalfälle sind bewusst nicht enthalten, ebenso wenig Fälle, bei denen erkennbare Personen betroffen wären. Fälle bei Kindern kommen nur am Rand vor. Alle Angaben sind nüchtern gemeint und keine Anleitung. Ähnlich aufgebaut sind die Listen zum Enddarm, zum Penis und zur Vagina: Liste: Gegenstände, die als Fremdkörper im Enddarm medizinisch dokumentiert sind, Liste: Verletzungen und Fremdkörper am Penis, medizinisch dokumentiert und Liste: Verletzungen und Fremdkörper in der Vagina, medizinisch dokumentiert.
Was Fallserien zeigen
- Eine Klinik in Multan in Pakistan behandelte in fünf Jahren 16 Patienten mit Fremdkörpern in der Blase: sieben durch ärztliche Eingriffe, fünf aus Nachbarorganen eingewandert, vier selbst eingeführt; gefunden wurden unter anderem Kupferdraht, eine Karotte, ein Bleistift, eine Spirale, Operationsgaze und Katheterstücke (Rafique 2008)
- Eine Klinik in Karachi wertete elf Fälle aus 24 Jahren aus, zehn davon bei Männern, Durchschnittsalter 51 Jahre; geborgen wurden unter anderem Katheterteile, Elektrodraht, ein Harnleiterstent, Klammernahtmaterial und Besenstiele; alle Gegenstände ließen sich endoskopisch entfernen (Soomro 2016)
- Von 78 Frauen mit einem Fremdkörper in der Blase in einer thailändischen Klinik hatten viele Wattestäbchen, Tampons, Büroklammern oder Kugelschreiberhülsen eingeführt; als Gründe nennt die Arbeit Sexualität, aber auch Hygiene und Versuche, Probleme beim Wasserlassen zu lindern; nur vier Fälle mussten offen operiert werden (Kochakarn 2008)
- In einer Serie aus elf Jahren fanden sich Sicherheitsnadeln, ein Schraubenzieher, Murmeln, eine Stiftkappe, Bleistifte, ein Strohhalm, steifer Draht und das Teil eines Pizzamixers, aber auch versehentlich Hineingeratenes wie Magnete und Katheterteile (Rieder 2010)
- Eine Serie aus 17 Jahren mit 17 Männern: Lautsprecherkabel, eine AAA-Batterie, offene Sicherheitsnadeln, ein Plastikbecher, Strohhalme, eine Murmel und ein Wattestäbchen; häufigster Grund war eine psychische Erkrankung, sexuelle Stimulation nur bei fünf (Rahman 2004)
- Eine Serie mit acht Fällen aus 14 Jahren: Elektrokabel, eine Pinzette, eine Haarnadel, eine Reißzwecke, Kieselsteine und eine Büroklammer (Osca 1991)
- In einer Fünfjahresübersicht kamen elf von 15 Patienten sofort, vier erst später mit Beschwerden durch Folgeschäden (Eckford 1992)
- Eine Serie mit neun Patienten, Durchschnittsalter 24,5 Jahre: Alle drei Frauen hatten den Gegenstand selbst eingeführt, in vier Fällen stammte er aus einer ärztlichen Behandlung (Datta 2011)
- Eine Serie mit fünf Fällen: zwei selbst eingeführt, zwei durch ärztliche Eingriffe, einer eingewandert (Odoemene 2017)
- In der Übersicht über 151 Erwachsene lagen die Gegenstände zu 42,4 Prozent in der Harnröhre und zu 30,5 Prozent in der Blase; häufigste Beschwerden waren Schmerzen beim Wasserlassen (35 Prozent), Unterbauchschmerzen und Blut im Urin; offen operiert werden musste in 39,1 Prozent der Fälle (Farias 2026)
- Die japanische Statistik zeigt, dass Wachs- und Gummigegenstände über die Jahre seltener wurden und dass immer mehr Fremdkörper durch die Harnröhre statt offen entfernt wurden (Nakatani 1983)
Drähte, Kabel und Schläuche
- Ein 53-Jähriger, der sich drei Stunden zuvor einen Elektrodraht in die Harnröhre geschoben hatte und nicht mehr Wasser lassen konnte; der Draht hatte sich in der Blase aufgerollt (Stravodimos 2009)
- Ein 34-Jähriger mit Reizbeschwerden der Blase, der drei Wochen zuvor einen Draht in seiner Harnröhre gespürt hatte; im Röntgenbild lag ein kunststoffummanteltes Kabel aufgerollt in der Blase und wurde durch einen Bauchschnitt entfernt (Irekpita 2011)
- Ein Elektrodraht, der von der Harnröhre bis in die Blase reichte und bei einem 64-Jährigen per Blasenspiegelung ohne Komplikationen geborgen wurde (Ahmed 2022a)
- Ein verknoteter Elektrodraht mit einem Glasröhrchen an der Spitze bei einem 27-Jährigen; der Knoten ließ sich auch mit einem dünnen Kinder-Zystoskop nicht lösen, der Draht wurde über einen Blasenschnitt entknotet und durch die Harnröhre entfernt (Rouzbahani 2025)
- Ein selbst eingeführter Elektrodraht in Blase und Harnröhre mit Literaturübersicht (Ratkal 2015)
- Die Ummantelung eines Elektrokabels bei einem 22-Jährigen, endoskopisch entfernt (Mani 2025)
- Ein 54-Jähriger, der sich ein Haushaltsrohr einführte, um einen Harnverhalt selbst zu lösen, weil ihm das Geld für eine Behandlung fehlte; das Rohr durchstieß die Harnröhre, es folgte eine schwere Infektion, eine Fournier-Gangrän (Elawdy 2019)
Magnetkugeln
- Ein 18-Jähriger mit 60 Magnetkugeln in Blase und Harnröhre, endoskopisch ohne Folgeschäden entfernt; die Übersicht zählt neun Berichte über Magnetkugeln in der Blase seit 2013 (Lindsay 2019)
- Etwa 40 Magnetkugeln bei einem 23-Jährigen; die Ärzte formten aus orthopädischem Draht einen kleinen Löffel und holten bis zu sechs Kugeln auf einmal heraus, insgesamt 48 (Zhang 2025)
- Ein 64-Jähriger, der Magnetkugeln einführte, um Beschwerden am Damm nach einer früheren Verletzung zu lindern; geborgen wurden sie endoskopisch und über einen Blasenschnitt, dazu gab es Akupunktur und psychologische Beratung (Hu 2025)
- Magnetkugeln in der Blase als Beispiel dafür, wie aufwendig magnetische Fremdkörper zu entfernen sind (Graziottin 2013)
- Verklumpte und verkalkte Neodym-Magnetkugeln, die so lange unbemerkt blieben, dass die Blasenspiegelung scheiterte und offen operiert werden musste (Üntan 2023)
Thermometer, Stifte und andere Gegenstände
- Ein Thermometer in der Blase eines 25-Jährigen, mit einem Steinfänger durch die Harnröhre geborgen (Yang 2019)
- Ein Thermometer, das bei einem 54-Jährigen schräg zwischen Blase und Harnröhre feststeckte; die Zange rutschte immer wieder ab, am Ende half ein selbst gebauter Sauger aus Infusionsschlauch und 50-Milliliter-Spritze; Quecksilber trat nicht aus (Su 2024)
- Ein Quecksilberthermometer in der Blase einer 48-Jährigen, um das sich ein Stein von 5 Zentimetern gebildet hatte; er blockierte beide Harnleiter, die Frau kam mit Blutarmut und eingeschränkter Nierenfunktion (Dardamanis 2014)
- Zwei Thermometer, die ohne auffällige Beschwerden die Blasenwand durchdrangen, eines bis in die Bauchhöhle (Kiriyama 1976)
- Ein ganzer, etwa 15 Zentimeter langer Bleistift in hinterer Harnröhre und Blase eines 21-Jährigen, der am Damm schmerzhaft hervortrat (Ahmed 2022b)
- Ein Bleistiftstück in der Blase einer 22-Jährigen, die mit Blutung und Leistenschmerzen in die Notaufnahme kam (Ortoğlu 2015)
- Ein Bleistift, der einer 22-Jährigen beim Versuch, ein Knötchen an der Vulva platt zu drücken, in die Harnröhre geriet, und ein Besenstück, das bei einer zweiten, 20 Jahre alten Person beim Spielen hineingeriet; beides wurde endoskopisch entfernt (Pare 2023)
- Eine AAA-Batterie und Büroklammern in der Harnröhre, Zahnpastadeckel in der Blase eines 51-Jährigen; die Batterie wurde in die Blase geschoben und alles per Blasenspiegelung entfernt (Brijawi 2024)
- Ein Infusionsschlauch mit abgeschnittenen Enden in der Blase eines 22-Jährigen, über einen Blasenschnitt entfernt (Rahman 2013)
- Eine scharfe Patrone in der Harnröhre; aus Sorge, sie könnte sich lösen, entfernten die Ärzte sie offen im Operationssaal (Emerson 2024)
- Ein Fremdkörper in Harnröhre und Blase eines 57-Jährigen, der zu einer Fistel zwischen Harnröhre und Haut führte (Maharjan 2025)
Lebensmittel und Kerne
- Vier Kidneybohnen, die ein 25-jähriger Koch eingeführt hatte; sie quollen im Urin so auf, dass die Zange sie nicht mehr fassen konnte, und mussten über einen Bauchschnitt entfernt werden (Jain 2018)
- Ein Olivenkern, der Harnröhre und Blase verlegte und einen vollständigen Harnverhalt auslöste (Bayraktar 2018)
- Tabletten gegen eine chronische Darmentzündung, die bei einem 64-Jährigen mit Morbus Crohn unaufgelöst über eine Fistel vom Darm in die Blase gelangten und dort wie Blasensteine aussahen (Mani 2025)
Geschichte 1: Die Spirale im Blasenstein
Eine 38-jährige Frau kam an die Universitätsklinik in Stanford, weil sie Druck im Becken, Schmerzen über dem Schambein, ständigen Harndrang und Blut am Ende des Wasserlassens hatte. Ihre Vorgeschichte reichte 16 Jahre zurück: Damals war ihr eine Spirale vom Typ Dalkon Shield eingesetzt worden. Drei Jahre später hatte die Spirale die Gebärmutter durchbohrt, es kam zu einem Abszess im Becken und einer Blutvergiftung. In einer Notoperation wurden Gebärmutter, Eierstöcke und Eileiter entfernt. Danach hatte sie 13 Jahre lang keine Beschwerden (Dietrick 1992).
In der Blase fanden die Ärzte nun einen frei beweglichen, rauen, verkalkten Stein von 5,2 mal 4,5 mal 1,5 Zentimetern. Als sie ihn aufbrachen, lag darin die vollständige Spirale, rundum vom Kalk umschlossen. Die Frau konnte fünf Tage später entlassen werden. Die Autoren kannten zu dieser Zeit nur 18 veröffentlichte Fälle, in denen eine Spirale in die Blase gewandert war, und die lange Dauer bis zur Diagnose war die längste, die bis dahin beschrieben war (Dietrick 1992). Später wurden deutlich mehr Fälle bekannt: Eine Arbeit von 2022 spricht von 70 veröffentlichten Fällen (Salih 2022).
Spiralen und Verhütungsringe auf Wanderschaft
- Eine Kupferspirale, die 15 Jahre nach dem Einsetzen in einem großen Blasenstein steckte; schon zwei Jahre nach dem Einsetzen galt sie als verschwunden, der Stein zeigte im Röntgenbild genau ihren Abdruck mit drei Armen (De Silva 2017)
- Eine 33-Jährige in Ghana mit sieben Monaten anhaltender Harnwegsinfektion; der vermeintliche Blasenstein war eine Spirale, mit der sie zwischenzeitlich schwanger geworden war (Gyasi-Sarpong 2016)
- Eine 67-Jährige, die ihre Spirale 20 Jahre lang nicht hatte entfernen lassen; sie war spät in die Blase gewandert und von einem Stein umgeben (Christodoulides 2020)
- Zwei Frauen von 37 und 56 Jahren mit Blasensteinen um eingewanderte Spiralen; bei einer war die Spirale teilweise in die Blasenwand eingewachsen und musste offen entfernt werden (Şam 2024)
- Eine 35-Jährige mit chronischen Beckenschmerzen, aber ohne Beschwerden beim Wasserlassen; ein Arm ihrer Kupferspirale ragte durch die Gebärmutterwand in die Blase (Hafsi 2026)
- Eine Spirale, die die Blase durchbohrt hatte und erst bei einer Blasenspiegelung zur Entfernung von Blasensteinen entdeckt wurde (Saputra 2023)
- Eine 26-Jährige, deren Spirale bei Kontrollen nicht zu sehen war und zwei Schwangerschaften lang unentdeckt blieb; im CT lag sie verkalkt in der Blase und wurde mit dem Laser freigelegt und endoskopisch entfernt (Torres Zapata 2025)
- Ein 27 Millimeter großer Fremdkörper an der hinteren Blasenwand einer 44-Jährigen, sechs Jahre nach dem Einsetzen der Spirale (Kart 2015)
- Sichtbares Blut im Urin als seltene Erstbeschwerde einer in die Blase gewanderten, vergessenen Spirale (Salih 2022)
- Eine 31-Jährige mit einem Stein auf ihrer Spirale in der Blase; die Autoren halten auch ein versehentliches Einsetzen in die Blase für denkbar (Ozgür 2004)
- Ein hormoneller Verhütungsring, der bei einer 27-Jährigen versehentlich in der Blase statt in der Scheide gelandet war; nach mehreren Versuchen wurde er mit einer Zange über die Harnröhre entfernt (Panico 2024)
Aus dem Darm eingewandert
- Ein Zahnstocher aus dem Verdauungstrakt, der bei einem 78-Jährigen zu einer Blutvergiftung über die Harnwege und zu einem Nierenstau führte und schließlich in der Blase gefunden wurde (Garcia-Segui 2012)
- Ein in die Blase gewanderter Zahnstocher, der sich mit Bauchschmerzen und Blut im Urin bemerkbar machte (Alagiri 1998)
- Ein 19-Jähriger, der versehentlich einen Zahnstocher verschluckt hatte und eine Woche später Unterbauchschmerzen und Blut im Urin bekam; der 6 Zentimeter lange Zahnstocher steckte halb in der Blasenwand (Ma 2026)
- Eine Fischgräte, die bei einer 42-Jährigen den Dickdarm durchstieß, einen Abszess im Becken verursachte und dann in die Blase wanderte (Cho 2014)
- Eine verschluckte Fischgräte, die in der Blasenwand steckte und dort einen Abszess bildete (Kodama 2010)
- Eine Fischgräte, die Enddarm, Gebärmutter und Blase durchstieß und zuerst für einen Blasentumor gehalten wurde (Luo 2025)
Aus früheren Operationen
- Von 570 Männern nach roboterassistierter Prostataentfernung mussten acht (1,4 Prozent) erneut operiert werden, weil Gefäßclips in die Blase gewandert waren und dort wie Steine wirkten; im Schnitt vergingen 1,75 Jahre (Turini 2016)
- Ein Netz aus einer Leistenbruch-Operation, das bei einem 84-Jährigen in die Blase eingewachsen war und zuerst für einen Blasenstein gehalten wurde (Iida 2017)
- Ein Netz aus einer Bauchwandbruch-Operation, das bei einem 77-Jährigen fünf Jahre später in die Blase gewandert war (Su 2014)
- Ein 8 Zentimeter großes Myom, das bei einer Gebärmutterentfernung nicht geborgen worden war und durch einen unbemerkten Defekt in die Blase gelangte (Jung 2008)
- Bänder gegen Harninkontinenz, die bei 14 Frauen in die Blase ragten; bei 13 gelang die vollständige Entfernung durch die Harnröhre (Oh 2009)
- Neun Frauen, bei denen ein Inkontinenzband die Blase unbemerkt durchbohrt hatte; sieben entwickelten Steine auf dem Band (Foley 2010)
- Ein Inkontinenzband, das sich bei einer 48-Jährigen als Blasenstein zeigte (Mustafa 2007)
- Ein Stein auf einem Inkontinenzband elf Jahre nach der Operation, der sich wegen eines unsichtbaren Fadens ein Jahr später erneut bildete (Lo 2010)
- Blasensteine bei Frauen machen nur etwa 5 Prozent aller Blasensteine aus und hängen meist mit Fremdkörpern wie Fäden, Bändern oder Netzen zusammen (Stav 2012)
- Blasensteine machen etwa 5 Prozent aller Harnsteine aus und entstehen meist durch Fremdkörper, Abflussstörungen oder Infektionen (Schwartz 2000)
Katheter mit Knoten
- Eine 50-Jährige, die sich selbst katheterisierte und den Katheter nicht mehr herausbekam, weil er sich in der Blase verknotet hatte; der Knoten wurde mit dem Laser durchtrennt (Mulawkar 2020)
- Ein Blasenkatheter, der sich bei einer 70-Jährigen während einer Wirbelsäulenoperation aufrollte und dessen Ballon nicht mehr entleert werden konnte (Jallad 2017)
- Eine Übersicht über Knoten in Kathetern der Harnwege, die vorbeugende Maßnahmen beschreibt (Tsaroucha 2004)
Geschichte 2: 125 Magnetkugeln und eine selbst gebaute Hülse
Ein 21-jähriger Mann hatte sich mehr als hundert kleine Magnetkugeln in die Harnröhre geschoben. Später bekam er sichtbares Blut im Urin, musste ständig Wasser lassen und hatte beim Gehen und beim Wasserlassen akute Schmerzen im Unterbauch (Zeng 2015).
Mit gewöhnlichen Zangen ist so etwas mühsam, weil die Kugeln aneinanderhaften und rund sind. Das Behandlungsteam baute deshalb ein eigenes Werkzeug: Es befestigte eine der Magnetkugeln an der Spitze einer dünnen Zugangshülse, wie sie sonst für Eingriffe am Harnleiter verwendet wird. Unter Sicht durch das Endoskop haftete die Hülse an den Kugeln in der Blase und zog jedes Mal fünf bis 15 Kugeln heraus. Nach rund fünf Minuten waren alle 125 Kugeln entfernt (Zeng 2015). Eine Übersicht hält das Einführen von Magnetkugeln für besonders ungünstig, weil sie sich in der Blase zu einem magnetischen Klumpen verbinden und ohne Eingriff kaum wieder herauskommen (Lindsay 2019).
Blutegel
- Ein lebender Blutegel in der Harnröhre nach einer Waschung mit Bachwasser; er verursachte Blut im Urin, Nasenbluten und Gerinnungsstörungen und wurde nach zehn Tagen mit einer Zange entfernt (Mansoor 2016)
- In Thailand wurden auch Blutegel als Fremdkörper in der Blase von Frauen gefunden (Kochakarn 2008)
- Eine Kinderklinik in Bangladesch behandelte in sechs Jahren 43 Jungen mit einem Blutegel in der Blase mit Kochsalzlösung über einen Katheter; in allen Fällen ging der Egel danach beim Wasserlassen ab (Alam 2008)
Wenn die Blase reißt
- Eine systematische Übersicht über 351 Fälle eines spontanen Blasenrisses: Bei 64 Prozent wurde zunächst eine falsche Diagnose gestellt, die Sterblichkeit lag bei 15 Prozent; häufigste Begleitumstände waren Bestrahlung im Becken (13 Prozent) und Alkoholrausch (11 Prozent) (Reddy 2023)
- Eine Auswertung von 713 Fällen nennt Alkoholvergiftung als häufigste Ursache eines spontanen Blasenrisses; neun Patienten starben, weil Diagnose und Behandlung zu spät kamen (Zhang 2021)
- Ein 65-Jähriger, dessen Blase nach starkem Alkoholkonsum ohne äußere Verletzung riss (Devkota 2024)
- Ein 41-Jähriger, der nach Alkohol stürzte, am nächsten Tag nicht mehr Wasser lassen konnte und einen Tag später eine Bauchfellentzündung entwickelte; die Blase war am Dach eingerissen (Sezhian 2005)
- Zwei Blasenrisse bei Betrunkenen nach leichten Stößen gegen den Bauch, die zunächst keinerlei Beschwerden machten (Festini 1991)
- Ein Blasenriss nach leichtem Trauma unter Alkohol; die Autoren raten, bei Betrunkenen mit Unterbauchschmerzen daran zu denken, auch ohne bekannten Unfall (Herd 1994)
- Ein 45-Jähriger, bei dem ein Blasenriss fünf Tage nach starkem Alkoholkonsum wie ein Nierenversagen aussah, weil der Bauch den ausgetretenen Urin wieder aufnahm (Yu 2025)
- Ein spontaner Blasenriss bei einem 77-Jährigen mit stark überdosiertem Blutverdünner (Sahin 2019)
- Eine 40-Jährige, deren Blase ohne erkennbare Ursache zweimal im Abstand von vier Jahren riss (Bartholomew 2021)
Risiken
Fremdkörper in Harnröhre und Blase führen vor allem zu Schmerzen beim Wasserlassen, häufigem Harndrang, Blut im Urin und wiederkehrenden Harnwegsinfektionen (Farias 2026). Bleibt ein Gegenstand länger liegen, bildet sich oft ein Stein um ihn herum (Stav 2012). Spitze oder harte Gegenstände können Harnröhre oder Blase durchstoßen (Elawdy 2019, Kiriyama 1976), Verengungen der Harnröhre traten in einer Serie vor allem nach mehrfachen Einführversuchen auf (Rahman 2004), und wer einen Gegenstand selbst wieder herausholt, riskiert bleibende Schäden der Harnröhre (Rieder 2010). Ein Stein kann die Harnleiter abdrücken und die Nieren schädigen (Dardamanis 2014); um die Nieren kümmern sich dann auch Nephrologen, siehe Was ist ein Nephrologe?. Ein Blasenriss ist ein Notfall, der oft spät erkannt wird (Reddy 2023).
Schnell zum Arzt: wann es dringend ist
Wer nicht mehr Wasser lassen kann, starke Schmerzen im Unterbauch, Fieber oder viel Blut im Urin hat, sollte sofort ärztliche Hilfe suchen. Das gilt auch, wenn ein Gegenstand in der Harnröhre steckt und sich nicht leicht lösen lässt. Bei starken Schmerzen, Kreislaufproblemen oder Verdacht auf einen Blasenriss nach einem Sturz ist der Notruf 112 richtig. Selbst herumzuprobieren, ist keine gute Idee: Die schwersten Verletzungen entstehen laut einer Serie gerade dann, wenn Betroffene den Gegenstand selbst entfernen wollen (Rieder 2010).
Frauen mit Spirale, die wiederkehrende Harnwegsinfekte oder Blut im Urin haben, sollten ihre Ärztin oder ihren Arzt auf die Spirale hinweisen, besonders wenn sie als verloren gilt (Christodoulides 2020, De Silva 2017).
So wird behandelt
Meist reichen Röntgen, Ultraschall oder CT, um Lage, Größe und Zahl der Gegenstände zu bestimmen (Rahman 2004). Viele Fremdkörper lassen sich durch die Harnröhre mit dem Endoskop entfernen, etwa mit Zangen oder Steinfängern (Kochakarn 2008, Yang 2019). In der großen Übersicht war allerdings in 39,1 Prozent der Fälle eine offene Operation nötig (Farias 2026). Bei großen, verkeilten oder verknoteten Gegenständen ist ein Schnitt in die Blase nötig (Rafique 2008, Rouzbahani 2025). Am Ende sollte geprüft werden, ob wirklich alles entfernt ist (Eckford 1992). Ein Blasenriss in die Bauchhöhle wird meist operativ verschlossen (Zhang 2021).
Scham und Schweigepflicht
Viele Betroffene kommen spät, weil ihnen die Situation peinlich ist, und gerade die Verzögerung macht aus harmlosen Fällen schwere (Irekpita 2011, Üntan 2023). Für Urologie und Notaufnahme sind solche Fälle keine Sensation. Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte unterliegen der Schweigepflicht, in Deutschland nach Paragraf 203 des Strafgesetzbuchs. Wer ehrlich sagt, was passiert ist und wann, hilft bei einer schnellen und sicheren Behandlung.
Wenn hinter einer Selbstverletzung eine seelische Krise steckt, gibt es Hilfe: Die Telefonseelsorge ist in Deutschland rund um die Uhr und kostenlos unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 zu erreichen. Mehr zum Begriff gibt der Beitrag Was bedeutet Fremdkörper?.
Quellen
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Stand: 26. Oktober 2026
