Xiaomi Mi Band mit Windows Phone – ein Erfahrungsbericht / Test

Xiaomi Mi Band mit alternativem Armband

Fitbit, Garmin, Jawbone – das sind die drei Namen, die jemandem als Erstes einfallen, sobald es um das Thema Fitnesstracker geht. Und das völlig zurecht: Die Produkte bieten alle hervorragend implementierte Features. Garmin hat sich auf besonders sportliche Träger spezialisiert, Jawbone sowie Fitbit setzen vor allem auf das ansprechende Design, damit das Band jeden Tag getragen und genutzt werden kann. Apps gibt es für alle bedeutenden Plattformen – aber zum Teil nicht für Windows Phone. Und genau hier setzt der Test- sowie Erfahrungsbericht rund um das Xiaomi Mi Band an. Noch nie was von gehört? Nicht so schlimm – jetzt aber!

Das Xiaomi Mi Band wird von einer in China äußerst erfolgreichen Firma hergestellt – wie der Name schon sagt, Xiaomi. Die Chinesen sind im Heimatland Marktführer im Smartphone-Bereich und verkaufen etwa ihr Xiaomi Mi4 wie geschnitten Brot. Gleichzeitig liefert die Firma auch das passende Zubehör: Powerbanks, Ladegeräte, Kopfhörer und Hüllen gehören dazu. Auch andere Bereiche hat das recht junge Unternehmen in Windeseile erobert: Etwa gibt es eine Actioncam (Xiaomi Yi Camera), Selfiesticks, Bluetooth-Lautsprecher und eben auch das Xiaomi Mi Band – ein Fitnesstracker.

Das Rezept für den Erfolg? Ausschließlich der geringe Preis in Kombination mit hervorragend verarbeiteten Produkten. Des weiteren wirbt Xiaomi auch nicht proaktiv, sondern lebt von Mund-zu-Mund-Propaganda. Wer sich einmal mit den Werbekosten von Samsung, Microsoft und Co. Auseinandergesetzt hat, weiß, dass das kein Pappenstiel ist.

Xiaomi Mi Band mit alternativem ArmbandDeswegen kann das Xiaomi Mi Band relativ günstig angeboten werden: Die Grundversion kostet lediglich 10 Euro, mit schnellem Versand 12 Euro. Sie kann technisch alles wie auch das Mittelklassegerät für 17 Euro. Der einzige Unterschied sind die drei verbauten LEDs. Die Grundversion kann nur weiß leuchten, für die eben angesprochenen 17 Euro gibt es RGB-LEDs. Braucht man auf keinen Fall unbedingt, ist aber ein nice-to-have.

So, und nun los zum Test: Es gibt ein paar Dinge, die man bei der Nutzung mit Windows Phone / Windows 10 mobile beachten muss. Diese habe ich hier einmal aufgelistet:

  • Das verwendete Windows Phone muss Bluetooth 4.0 besitzen. Es geht auch mit BT 3.1 (Samsung Ativ S), das korrekte Verbinden mit dem Tracker ist dann allerdings mehr ein Zufall als alles andere. Die meisten Lumias mit mindestens einer “2” in der Mitte haben Bluetooth 4.0. Nutzer der ersten Stunde – sprich Lumia 900 und Co. sind außen vor.
  • Das Mi Band muss mindestens Softwareversion XXX besitzen. Ist diese nicht aufgespielt, wird sich der Fitnesstracker nicht mit dem Windows Phone verbinden. Die neu ausgelieferten Bänder haben die passende Software schon aufgespielt. Solltet ihr ein altes Gerät erwischen, müsst ihr einen Freund / eine Freundin mit iOS- oder Android-Gerät fragen, ob diese sich kurz mit dem Band verbinden könnten. Danach wird die Software automatisch aktualisiert.
  • Natürlich darf die passende App nicht fehlen. Hier habt ihr die Wahl zwischen “Bind Mi Band” sowie “Mi Band Companion”. Als dritte Alternative gibt es noch “MiBand Tracker” – letztere ist aber auf Gutdeutsch von der UI her hässlich. Ich persönlich nutze Bind Mi Band, die App ist sexy, alle Features (bis auf Vibration bei Anruf oder Benachrichtigung) sind hier bereits implementiert. Auch der Schlaftracker klappt, hier hat Mi Band Companion noch Probleme.

Also: Los geht’s mit meinem Haupt-Review!

wp_ss_20151221_0004Nach der Installation einer App, der Updates sowie dem ersten Einrichten (Eingabe von Gewicht, Geschlecht, Größe und Tragepunkt des Bands) legt das Xiaomi Mi Band direkt an, zu zählen. Im Prinzip funktioniert das kleine Gadget genau so wie ein Pedometer, ein Accelerometer misst die Erschütterungen bzw. Bewegungen am Arm und zählt diese als Schritte. Der Beschleunigungsmesser kann aber auch Nachts gucken, wie unruhig der Schlaf war. Dazu gleich aber noch mehr. Auch ein kleiner Motor wurde verbaut: Damit kann das Band zum Vibrieren gebracht werden. Ansonsten gibt es – wie schon kurz angesprochen – drei LEDs. Diese zeigen etwa symbolisch an, wie viele Schritte man an einem Tag gelaufen ist. Sobald ein selbst festgelegtes Ziel erreicht wurde, vibriert das Band zwei mal. Und damit wollen wir zur ersten Fähigkeit kommen:

Schritte: Zählen, speichern, auswerten und Ziele setzen

Bind Mi Band

Wie ein normales Pedometer zählt das Mi Band die Schritte für jeden einzelnen Tag. Wie jedes bessere Pedometer speichert das Mi Band auch, wie viele Schritte an welchem Tag gelaufen wurden. Wie jeder noch bessere Schrittmesser gibt es dafür auch eine grafische Ansicht sowie Ziele, die man festlegen kann.

Festlegbare Ziele? Das heißt konkret: Der Nutzer kann einstellen, wie viele Schritte am Tag am besten zurückgelegt werden sollen. Das hat einen leichten Fitness-Hintergrund: Je mehr Schritte, desto gesünder lebt der Mensch in der Theorie. Was definitiv stimmt: Legt man weniger als 10000 Schritte zurück, ist das für die Gesundheit gar nicht einmal so gut. Ich selbst komme derzeit pro Tag nur zwischen 5000-8000 Schritte – das ist nicht genug. Aber da ich die Grenze, die ich erreichen möchte, sehe, werde ich angespornt, mehr Meter zurückzulegen und vielleicht doch beim Laufen noch einen kleinen Umweg zu wählen. Mal klappt’s, mal nicht.

Wird das selbst gesteckte Schrittziel erreicht, vibriert das Band kurz, um den Träger zu benachrichtigen.

Aufgrund der Körpergröße und des Gewichtes sowie dem Geschlecht ist es dem Band sogar möglich, zumindest annähernd festzustellen, wie viele Kilometer zurückgelegt wurden. Auch die verbrauchten Kalorien werden “Pi mal Daumen” angezeigt. Auf jeden Fall ein schöner Schätzwert.

Wecker

Bind Mi Band

Die Vibration wird auch als Wecker genutzt: der verbaute Rumblemotor ist stark genug, um den Träger morgens recht sanft aufzuwecken. Das kann auf zweierlei Weisen passieren:

  1. Die eingestellte Uhrzeit wird genutzt und das Mi Band vibriert zu dem Zeitpunkt.
  2. Es ist Smart Alarm ausgewählt: Dann kann die gewählte Uhrzeit – sagen wir mal 7 Uhr – selbstständig um 30 Minuten Plus oder Minus verschoben werden. Warum sollte dieser Modus an sein? Weil das Mi Band mehr oder weniger zuverlässig Schlafphasen entdeckt. Wie jeder weiß, gibt es verschiedene Schlafphasen, die ein Mensch pro Nacht immer wiederholt. Den Tiefschlaf sowie den REM-Schlaf. In letzterem kann man besser aufwachen – deswegen versucht das Mi Band, in diesen Momenten zu vibrieren.

Empfehlung meinerseits: Unbedingt den Smart Alarm nutzen! Meinem Empfinden nach bin ich morgens deutlich wacher. Kann aber auch ein Placebo-Effekt sein.

Noch ein Hinweis: Sollte noch ein anderer Alarm angestellt sein, der fest gestellt ist, sollte Smart Alarm trotzdem angeschaltet lassen. Meistens weckt das Mi Band ein wenig vor dem eingestellten Zeitraum und vibriert insgesamt drei Mal in ein paar Minuten Abstand. Das sorgt dafür, dass man nicht wieder in die Tiefschlafphase abrutscht und dann trotzdem mit dem richtigen Wecker aufstehen kann. Zum Teil vibriert das Band dann auch nach dem Wecken. Das nervt zwar, ist aber ebenfalls verkraftbar.

Insgesamt lassen sich drei Wecker einstellen, die wahlweise immer an einem oder mehreren der Wochentage wiederholt werden können. Ich selbst habe einen Wecker auf Montags-Freitags um 7:00 zum Aufstehen sowie einen für Samstag und Sonntag um 10 Uhr gestellt. Der letzte ist variabel: Ich nutze ihn etwa abends im Zug, wenn ich vor meiner Haltestelle aufwachen muss.

Schlaftracker

Bind Mi Band

Zu guter Letzt noch der Schlaftracker: Wie schon kurz angeschnitten, erkennt das Mi Band Schlafphasen. Diese zeichnet es auf. Im Nachhinein zeigt sich dann, wie der Träger geschlafen hat. Das Band registriert auch, wie oft der Nutzer in der Nacht aufgewacht ist. Bei mir liegt dieser Wert immer zwischen 1 und 2 – ich kann mich aber nicht wirklich daran erinnern, wach gewesen zu sein.

Zwei weitere Sachen erfasst das Band: Die Zubettgeh-Zeit sowie den Einschlafzeitpunkt. Beide Werte sind nicht immer ganz genau. Wer etwa länger in der gleichen Position auf sein Smartphone starrt, kann durchaus schon einmal als schlafend erfasst sein. Eigentlich ein schönes Gimmick, auch wenn nicht wirklich nötig – Gegenüber einer richtigen Schlafanalyse ist das Tracking nämlich Humbug und total unbrauchbar. Als Annäherungswert aber sicherlich nicht verkehrt.

Fazit

Alle oben genannten Funktionen sind auch mit Windows Phones machbar. Im Vergleich zur “echten” App für Android und iOS fehlt nur die Vibration bei Benachrichtigungen und Anrufen. Die nötige Programmierschnittstelle (API) dafür fehlt bei Windows Phone – und die kann man wann erwarten? Wahrscheinlich erst einmal gar nicht. Das Ganze ist nämlich für Datenschützer ein Dorn im Auge, auch die Sicherheit des Gerätes leidet darunter.

Trotzdem: Für 10 Euro bekommt man hier erstklassige Hardware, die Oberseite des Mi Band ist aus echtem Aluminium (!) und das Ding ist sogar IP67-zertifiziert. Also: Duschen ist damit kein Problem. Der Akku mit winzigen 41 Milliamperestunden reicht problemlos für 1 Monat mit vielen Vibrationen; wer nur einen Wecker an hat, sollte alle zwei Monate den USB-Port für 2 Stunden anzapfen und das Band aufladen. Da könnte sich manch anderes Armband ein gutes Stückchen von abschneiden.

Kaufen oder nicht? Sagen wir es so: Wenn dir deine Fitness egal ist, nein. Wenn du ein wenig darauf achten möchtest und auch keine Scham verspürst, dieses nicht ganz unmodische Accessoire um deinen Arm zu klipsen, dann ja! Alternativen mit der gleichen Leistung kosten in Deutschland locker das dreifache – und diese Fitnesstracker sind dann zum Teil auch nicht ordentlich mit Windows Phone kompatibel. Mit dem Mi Band macht man also auf jeden Fall alles richtig.

Hier kaufen: Xiaomi Mi Band (weiße LEDs) – 10 Dollar

Hier kaufen: Xiaomi Mi Band (bunte LEDs) – 18 Dollar

P.S.: Es gibt seit kurzem eine weitere Version des Mi Band. Dieses bietet sogar einen Pulsmesser – was viele Bänder um die 80-100 Euro immer noch nicht bieten. Dabei kostet es nur wenig mehr als 20 Euro. Leider ist das Feature für Windows Phone noch nicht implementiert, das wird aber sicherlich noch kommen. Wer will, kann also auch direkt hier zuschlagen und auf die Entwickler hoffen.

Hier kaufen: Xiaomi Mi Band (Pulsmesser, bunte LEDs) – 29 Dollar

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