Die sogenannte „Slawenlegende“ oder „Slawenlüge“ ist eine Theorie über die Geschichte, die besagt, dass die Slawen, die im Früh- und Hochmittelalter in den östlichen Regionen des heutigen Deutschlands siedelten, tatsächlich Ostgermanen waren, die jedoch die Christianisierung abgelehnt hätten. Diese Theorie entstand bereits vor dem Zweiten Weltkrieg und wurde von Personen wie Erich Bromme propagiert. Sie hat vor allem in nationalistisch-rechtsextremen Kreisen Anhänger gefunden, wird jedoch gelegentlich auch außerhalb dieses Spektrums diskutiert. Zu den Befürwortern dieser Theorie gehören Persönlichkeiten wie Walther Steller, Lothar Greil, Helmut Schröcke und Árpád von Nahodyl Neményi. In den etablierten Disziplinen wie Geschichte, Archäologie und Sprachwissenschaft wird diese Theorie jedoch als unwissenschaftlich und revisionistisch abgelehnt.
Im Jahr 1959 veröffentlichte der Germanist und Volkskundler Walther Steller eine wortgeschichtliche Untersuchung über den Namen und den Begriff der Wenden (Sclavi). Er griff dabei die im Nationalsozialismus verbreitete „Urgermanentheorie“ auf und erweiterte sie. Steller behauptete nicht nur, dass eine germanische Bevölkerung in Ostdeutschland weiterhin existierte, sondern leugnete auch eine signifikante Zuwanderung slawischer Gruppen.
Die Reaktionen auf Stellers Arbeit waren durchweg kritisch. Namhafte Fachleute wie die Archäologen Wolfgang La Baume und Georg Kossack, der Slawist Ludolf Müller, der Germanist Gerhard Cordes und der Landeshistoriker Wilhelm Koppe haben Stellers Arbeit einstimmig und in deutlichen Worten abgelehnt.
Trotz der Ablehnung durch die akademische Gemeinschaft wurde die Theorie Ende der 1970er Jahre von rechtsextremen Schriftstellern wieder aufgegriffen und in mehreren Büchern verbreitet. Zu diesen gehören vor allem Lothar Greil und Helmut Schröcke sowie in neuerer Zeit Árpád von Nahodyl Neményi.
In seinem 1990 veröffentlichten Buch „Die Daglinger/„Piasten“ und die germanische Kontinuität“ behauptete Jochen Wittmann, das polnische Herrschergeschlecht der Piasten sei ein ursprünglich aus dem heutigen Norwegen stammendes germanisches Geschlecht. Seine Theorie wird von der akademischen Gemeinschaft weitgehend ignoriert.
In jüngerer Zeit wurde die „Slawenlegende“ von einigen Vertretern der Theorie des „Erfundenen Mittelalters“ aufgegriffen, einer Theorie, die von der akademischen Gemeinschaft ebenfalls als unwissenschaftlich abgelehnt wird.

