Kann man Seepferdchen essen?

Das Essen von Seepferdchen ist in einigen Kulturen tatsächlich verbreitet. In Teilen Asiens, insbesondere in China, gelten sie als Delikatesse. Sie werden häufig getrocknet und in Suppen oder Tees verarbeitet. Allerdings ist der Verzehr von Seepferdchen in westlichen Ländern kaum üblich und wird dort eher skeptisch betrachtet.

Besonders auch in der TCM werden Seepferdchen traditionell zur Behandlung einer Vielzahl von Beschwerden eingesetzt. Ihnen wird nachgesagt, positive Wirkungen auf die Nierenfunktion, die Durchblutung und die männliche Potenz zu haben. Sie kommen auch bei Asthma, Müdigkeit, Nervosität und Herz-Kreislauf-Problemen zum Einsatz. Zudem sollen sie bei Hautausschlägen und Atemwegserkrankungen helfen. Wissenschaftliche Beweise für die medizinische Wirksamkeit dieser Anwendungen fehlen jedoch, sodass ihr Einsatz vor allem auf traditionellem Wissen basiert.

Die Nutzung von Seepferdchen ist jedoch nicht ohne Kontroversen. Ihr weltweiter Verbrauch für kulinarische und medizinische Zwecke hat zu einem erheblichen Rückgang ihrer Populationen geführt. Laut CITES wurden schon Anfang der 1990er-Jahre jährlich mindestens 20 Millionen Seepferdchen der Natur entnommen, mit damals jährlich 8 bis 10 Prozent Wachstum im Handel, wobei diese Zahl die Nachfrage kaum deckt. Die heutigen Beifang-Schätzungen liegen noch deutlich höher, mehr dazu weiter unten. Alle Seepferdchenarten, je nach Zählung rund 44 bis 45, sind mittlerweile im Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) gelistet, was bedeutet, dass ihr Handel streng kontrolliert wird, um die Wildpopulationen zu schützen.

Der Verzehr und die Nutzung von Seepferdchen sind daher ein heikles Thema. Während sie in einigen Kulturen als wertvoll gelten, steht ihre Nutzung aus Sicht des Artenschutzes unter starkem Druck. Nachhaltigkeit und der Schutz der natürlichen Lebensräume der Seepferdchen sollten stets im Vordergrund stehen, um ihre Bestände langfristig zu erhalten.

Hier sind mehr exotische essbare Tiere.

Seepferdchen essen: Was erlaubt ist und was man wissen sollte

Wo Seepferdchen gegessen werden

Am bekanntesten sind die frittierten Seepferdchen am Spieß, die auf Touristenmärkten in Peking angeboten wurden, etwa in der Wangfujing-Snackstraße. CNN berichtete 2008 von Seepferdchen für 25 Yuan pro Spieß, frittiert in Öl und mit Soße, gleich neben Skorpionen, Zikaden und Seesternen. Viele Besucher fotografieren diese Spieße eher, als sie zu essen. Ob und wo es sie heute noch gibt, ist unsicher; Reiseberichte schildern die Straße seit der Pandemie als deutlich verändert.

Der weitaus größte Teil der Seepferdchen landet aber nicht auf dem Spieß, sondern getrocknet in der traditionellen chinesischen Medizin und als Souvenir oder Kuriosität. Laut CITES dienten die Tiere schon Anfang der 1990er-Jahre vor allem als Zutat traditioneller Arzneien, als Aquarientiere und als Andenken.

Die Rechtslage

  • CITES: Auf der 12. Vertragsstaatenkonferenz im November 2002 in Santiago de Chile wurde die gesamte Gattung Hippocampus in Anhang II aufgenommen. Wirksam wurde das nach 18 Monaten Übergangszeit am 15. Mai 2004. Seepferdchen waren damit zusammen mit Walhai und Riesenhai die ersten Meeresfische auf Anhang II. Handel ist erlaubt, aber nur mit Genehmigungen und nur, wenn er den Wildbeständen nicht schadet.
  • EU: In der EU setzt die Verordnung (EG) Nr. 338/97 CITES um. Seepferdchen stehen dort in Anhang B. Für gewerbliche Einfuhren braucht es daher eine Einfuhrgenehmigung, in Deutschland zuständig ist das Bundesamt für Naturschutz (BfN).
  • Reisegepäck: Laut Zoll dürfen pro Person bis zu vier tote Seepferdchen zum persönlichen Gebrauch ohne Dokumente im Reisegepäck mitgebracht werden. Für Postsendungen gilt diese Ausnahme nicht, und Ware zum Weiterverkauf ist ebenfalls ausgeschlossen. Wer mehr dabeihat, riskiert Beschlagnahme und Geldstrafe. Der Zoll weist ausdrücklich darauf hin, dass auch Arzneimittel der asiatischen Medizin unter den Artenschutz fallen können.

Wie bedroht sind Seepferdchen?

Laut Project Seahorse, einer Forschungsinitiative der University of British Columbia, gibt es rund 45 Seepferdchenarten; die Zahl schwankt je nach Systematik, weshalb Quellen auch andere Zahlen nennen. Nach der IUCN-Roten Liste gelten mindestens 16 Arten als gefährdet, bei 14 weiteren reicht die Datenlage nicht für eine Einstufung.

Die größte Bedrohung ist nicht der gezielte Fang, sondern der Beifang. Project Seahorse schätzte 2017 rund 37 Millionen Seepferdchen pro Jahr als Beifang in 21 untersuchten Ländern und hat diese Schätzung inzwischen auf etwa 76 Millionen erhöht. Den Löwenanteil holen Grundschleppnetze aus dem Meer, die zugleich die Lebensräume am Meeresboden zerstören. Allein Trawler in Indien fangen laut Project Seahorse jährlich rund 13 Millionen Seepferdchen, obwohl Indien den Fang schon 2001 verboten hat. Die gefangenen Tiere gelangen dann oft trotzdem in den Handel.

Kurze FAQ

Ist es in Deutschland verboten, Seepferdchen zu essen? Ein generelles Verzehrverbot gibt es nicht, entscheidend ist die Herkunft. Einfuhr und Handel unterliegen dem Artenschutzrecht.

Darf ich ein getrocknetes Seepferdchen aus dem Urlaub mitbringen? Bis zu vier Stück pro Person zum persönlichen Gebrauch im Reisegepäck, ohne Dokumente. Im Zweifel beim BfN nachfragen.

Wie schmecken Seepferdchen? Dazu gibt es kaum belastbare Angaben. Die Tiere bestehen größtenteils aus Knochenplatten und Haut, viel zu essen ist an ihnen nicht.

Wirken Seepferdchen als Potenzmittel? Wie oben beschrieben, fehlen wissenschaftliche Belege.

Warum ist der Name Ringelnatz hier wichtig? Weil der Dichter Joachim Ringelnatz sein Pseudonym nach verfügbaren Angaben nach einem Seemannswort für das Seepferdchen wählte, mehr dazu in unserem Porträt Köpfe: Joachim Ringelnatz.

Die genauen Ausnahmen für Reisende stehen auf der Seite des Zolls zum Artenschutz. Ein weiteres ungewöhnliches Meerestier erklären wir unter Was bedeutet Seegurke?, und noch mehr Tiere stehen in unserer Liste Kann man dieses Tier essen?

Stand: Oktober 2026

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