Gastbeitrag: Der Fall Jasmina Kuhnke (Quattromilf) – Ein Fingerzeig auf das, was in diesem Land so schief läuft

Gastbeitrag von Manaf Hassan

Kein normal denkender Mensch findet es gut, wenn eine Frau mit ihrer Familie untertauchen muss, weil Rechtsextremisten mit dem Verweis auf ihre Adresse „Massakriert Jasmina” schreiben. Natürlich ist es auch unsere Aufgabe dafür zu sorgen, dass in unserem Land so etwas nicht passiert. Kein Mensch in diesem Land sollte so etwas durchmachen müssen. Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden, keine Frage. Das sind Aufrufe zu Gewalt und Hass und müssen dementsprechend hart bestraft werden.

Was jedoch übel aufstößt ist die Tatsache, dass es sich hierbei um eine Frau handelt, die selbst so viele Attribute verkörpert, mit denen die Amadeu Antonio-Stiftung ihre Gegner im Netz verallgemeinert beschreibt. Sie wird jedoch – wie das so oft in unserem Land abläuft – als Engel dargestellt, weil sie eine bestimmte politische Richtung vertritt, in der man aus Sicht vieler nur Opfer, nicht Täter, sein kann. Und genau in dieser Rolle fühlt sich Jasmina Kuhnke aka Quattromilf pudelwohl. Sie kann asozial, beleidigend & bedrohend mit ihrer gesamten Anhängerschaft sein, am Ende ist sie immer das Opfer. Viele Medien & die Amadeu-Antonio-Stiftung übernehmen diese Rolle für sie ohne weitere Kritik. Dabei ist Kritik in diesem Falle bitter nötig. Denn Jasmina Kuhnke zieht die politische Gegenseite mit ähnlichen Attributen an. Sie haben ähnliches Niveau. Die beiden Seiten des Hufeisens werden sich nie berühren, aber sie bleiben auf derselben Höhe und bleiben nah beieinander, fern von der Mitte.

Es ist in Ordnung, von der Mitte aus ein wenig nach links und rechts zu gehen. Aber sobald die extremistische Linie überquert ist, sollte man stark hinterfragt werden. Menschenfeindliche Sprache im Netz. Kein Twitter-Account mit ähnlicher Reichweite perfektioniert diese Beschreibung besser als Jasmina Kuhnke aka Quattromilf. Sie will Rassismus mit Rassismus bekämpfen. Extremismus mit Extremismus. Hass mit Hass. Und ist für die Spaltung im Land mitverantwortlich. Man kann das einfach nicht gut meinen. Und auch nicht gut finden. Und man muss das verdammt nochmal kritisieren dürfen, ohne dafür als Rechtsextremist o.ä. betitelt zu werden, weil es einem nicht
passt. Es muss möglich sein, Menschen – egal für welche politische Richtung sie stehen – sachlich zu kritisieren. Ohne dafür als Nazi, Rechtsextremist o.ä. zu gelten. Menschen, die selbst behaupten, dass sie den Rassismus bekämpfen, sich für Menschenrechte einsetzen, Feminismus perfekt verkörpern und, und, und müssen eigentlich vor allem stark hinterfragt werden. Vor allem, wenn sie so in der Öffentlichkeit stehen und immer im Mittelpunkt stehen wollen, wie Jasmina Kuhnke. Sie müssen dann nämlich Vorbilder sein. Und Jasmina Kuhnke kann für einen normal denkenden Menschen, der sich mit ihr richtig beschäftigt hat, kein Vorbild sein. Sie steht für so viel negative Energie und Spaltung in diesem Land. Die Medien dürften ihr eigentlich – unabhängig von dem was sie derzeit erfährt – keine Plattform geben.

Es gibt so viele Menschen, die das, was sie vorgibt zu sein, wirklich sind. Aber diese Menschen haben keine Beachtung bekommen oder Unterstützung erfahren. Diese Menschen haben keinen Schutz bekommen, obwohl sie brutal angegangen werden und um ihr Leben fürchten müssen. Aber in diesem Land kriegst du das Gesamtpaket nur, wenn du das im Gegenzug geforderte Gesamtpaket an Profil mitbringst. Das sagt so ziemlich viel über unser Land aus. Dieses Land ist ungerecht geworden. Undemokratisch. Subjektiv. Menschen werden nicht mehr gleich behandelt. Aufgrund ihrer Meinung. Und wenn das so weitergeht, wird dieses Land bald Zustände haben, die vor wenigen Jahren noch undenkbar waren. Allein die inflationäre Anwendung von Wörtern, die wir aufgrund der Vergangenheit nur bei denen messerscharf anwenden dürften, auf die sie wirklich zutreffen, ist eine Katastrophe. Weil wir damit verharmlosen. Und unsere Vergangenheit dürfen wir nicht verharmlosen. Wir haben eine Verantwortung gegenüber diesem Land und den darin lebenden Menschen. Und dieser werden wir aktuell auf kaum einer Ebene gerecht.

Ich hoffe dennoch, dass Jasmina Kuhnke aus ihren Fehlern lernt. Wer sich und seine Familie schützen möchte, sollte mehr darüber nachdenken, was er im Netz verbreitet und damit auslöst. Sie sollte Reue zeigen. Das ist das mindeste, was sie den Menschen zeigen sollte, die sie unterstützt haben. Ich wünsche Ihr nur das Beste. Damit meine ich auch, dass sie ein besserer Mensch werden sollte.

P.S: Ich wurde selbst sehr oft von rechtem, linkem & islamistischem Extremismus bedroht. Weil ich versuche über viele Dinge aufzuklären. Vor allem auch über Islamismus in Deutschland. Übelste Morddrohungen. Ich war auch bei der Polizei und bekam keine annähernd angemessene Hilfe. Mir wurde eher abgeraten, etwas zu tun. Also musste ich mich selbst schützen. Aber das hat niemanden interessiert. Nur mal so.

Manaf Hassan

Der Anwalt, Journalist, Autor und Publizist Manaf Hassan kommt aus Berlin. Der Deutsch-Syrer ist u.a. auf twitter aktiv.

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