Schriftsetzer, sudetendeutscher Sozialdemokrat, Redakteur in Prag, Exilant in Schweden, Chefredakteur in Stuttgart und Flüchtlingspolitiker im Europarat: Ernst Paul, geboren am 27.04.1897 in Steinsdorf in Böhmen, gehörte dem Bundestag von 1949 bis 1969 an. Er starb am 11.06.1978 in Esslingen.
Kurzprofil
- Geboren: 27. April 1897 in Steinsdorf
- Gestorben: 11. Juni 1978
- Beruf: Journalist
- Partei: SPD
- Bundestag: 1949 bis 1969 (1. bis 5. Wahlperiode), über die Landesliste
- Religion/Familie: verheiratet
Prag
Paul lernte Schriftsetzer und gehörte laut Handbuch seit 1913 der deutschen Sozialdemokratie in Böhmen an, aus der die Deutsche Sozialdemokratische Arbeiterpartei in der Tschechoslowakei hervorging. Von 1919 bis 1926 führte er den Sozialistischen Jugendverband, von 1925 bis 1938 war er Redakteur des Sozialdemokrat in Prag. Die Republikanische Wehr leitete er erst als Geschäftsführer, ab 1936 als Vorsitzender; später wurde er Parteisekretär und Vorstandsmitglied.
Schweden
1939 war Paul in Schweden und kehrte nach dem deutschen Einmarsch in Prag nicht zurück. Er wurde ausgebürgert und leitete die sudetendeutsche sozialdemokratische Emigration, eng verbunden mit Wenzel Jaksch, der später ebenfalls im Bundestag saß. Von 1945 bis 1948 war er Schatzmeister des Hilfskomitees für sudetendeutsche Flüchtlinge.
Stuttgart
1948 kam Paul nach Deutschland. Von 1949 bis 1951 war er Chefredakteur der Allgemeinen Zeitung in Stuttgart und Mannheim, danach freier Journalist; zeitweise führte er die Seliger-Gemeinde. Die Stammdaten führen ihn als Journalisten, verheiratet. Fünfmal, von 1949 bis 1969, wählte er in der Bundesversammlung mit.
Jugendschutz
Sein Mandat umfasste 1.122 Sitzungen; die Protokolle zählen 36 Reden mit 17.604 Wörtern und keinen Zwischenruf. In der ersten am 18. Oktober 1950 beantragte er namens der SPD, das Jugendschutzgesetz an den Ausschuss zurückzuverweisen. Jugendliche sollten nicht nur bei Dunkelheit geschützt werden, und das Herumtreiben dürfe man nicht so definieren, dass bei Kontrollen Missstände entstünden.
Europarat
Laut Handbuch leitete Paul von 1958 bis 1966 im Europarat den Ausschuss für Bevölkerung und Flüchtlinge und war von 1962 bis 1967 Sprecher der deutschen Delegation in der Westeuropäischen Union. Seine letzte Wortmeldung am 7. Mai 1969 war eine Frage nach einem Sozialabkommen mit Schweden, wo es viele Rentner beider Länder gebe; nachgefragt, was die Regierung unter bald verstehe.
Abstimmungen
Weil die Daten der ersten beiden Wahlperioden als unzuverlässig gelten, bleiben sie hier außen vor. In den 62 namentlichen Abstimmungen der dritten bis fünften Wahlperiode wich Paul kein einziges Mal von der SPD ab. 1977 erschienen seine Erinnerungen Gegen den Krieg, für die Demokratie. 1969 schied er mit 72 Jahren aus und starb mit 81 Jahren.
Mandate im Überblick
Paul zog von 1949 bis 1965 fünfmal über die Landesliste der SPD in Württemberg-Baden und Baden-Württemberg in den Bundestag ein:
- 1. Wahlperiode (07.09.1949 bis 07.09.1953): Landesliste Württemberg-Baden, SPD-Fraktion
- 2. Wahlperiode (06.10.1953 bis 06.10.1957): Landesliste Baden-Württemberg, SPD-Fraktion
- 3. Wahlperiode (15.10.1957 bis 15.10.1961): Landesliste Baden-Württemberg, SPD-Fraktion
- 4. Wahlperiode (17.10.1961 bis 17.10.1965): Landesliste Baden-Württemberg, SPD-Fraktion
- 5. Wahlperiode (19.10.1965 bis 19.10.1969): Landesliste Baden-Württemberg, SPD-Fraktion
Stand: 18.10.2026
Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).