Aprilscherzsammelstelle 2018

April, April: Wie auch in den Jahren zuvor gibt es hier wieder die Aprilscherzsammelstelle. Vorschläge können gerne als Kommentar zu diesem Beitrag gepostet werden!

Aprilscherze im Web

Tipps, wie man andere in den April schicken kann

  • 25 Ideen, andere in den April zu schicken
  • Aprilscherzideen bei Netzwelt
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Übersichtsseiten mit Aprilscherzen 2018

Übersichtsseiten mit Aprilscherzen – die Klassiker

Weitere interessante Links zum Thema

  • Der Aprilscherz in der Krise

10 Fakten zum 21. Januar

  1. Heute ist Weltknuddeltag (in den USA „National Hug Day“) – also, alle einmal in den Arm nehmen.
    Während der Weltknuddeltag schon als etabliert gilt, ist es der Jogginghosentag noch nicht. Dieser ist aber auch heute.
    Ines hat heute Namenstag.
  2. 1525 gründet sich in Zürich die erste Täufergemeinde. Die Täufer sind ein radikalerer Flügel der Reformation, der Forderungen nach Glaubensfreiheit,  Trennung von Kirche und Staat und Gütergemeinschaft der Mitglieder untereinander erhebt. Die Täuferbewegung breitet sich in einigen Teilen Europas aus, ist an sich sehr pazifistisch, radikalisiert sich aber in ein einigen Gebieten, wie z.B. im Täuferreich von Münster. Wenn Sie sich dem Thema auf spannende Art nähern wollen, sei ihnen der Roman Kristus empfohlen. Mennoniten, Hutterer, Amische und einige evangelische Freikirchen berufen sich auf die Täufer.
  3. Der abgesetzte französische König Ludwig XVI., wird 1793 in Paris nach seiner Verurteilung wegen „Verschwörung gegen die öffentlichen Freiheit und der gesamten Sicherheit des Staates“ auf dem Place de la Revolution in Paris als Bürger Louis Capet im Rahmen der französischen Revolution guillotiniert.
  4. Die erste Rallye Monte Carlo startet heute im Jahre 1911.
  5. Die DKP-DRP fusioniert 1950 mit der Nationaldemokratischen Partei (NDP) zur Deutschen Reichspartei (DRP). Diese wird später vom Bundesverfassungsgericht verboten.
  6. 1976 starten in London und Paris zeitglich zwei Concord-Flugzeuge und läuten die vorerst kurze Episode des kommerziellen Überschall-Passagierverkehrs ein.
  7. Die chinesische Mauer wird 1980 unter Denkmalschutz gestellt.
  8. Krise: 2008 verliert der DAX aufgrund der Rezessionssorgen 523,98 Punkte, entsprechend 7,2% seines Werts.
  9. Felix Hoffmann, der Erfinder des Aspirin, kommt 1868 auf die Welt.
  10. Paul Allen, einer der Mitgründer von Microsoft, wird 1953 geboren.

Der Untergang von HTC?

Der UntergangNein, so schlecht wie Blackberry geht es HTC noch nicht – aber dennoch muss man sich Sorgen um den taiwanesischen Smartphone Pionier machen, waren die HTC-Zahlen für Q2/2013 doch ein Desaster.

HTC ist gleich von vier Seiten unter Druck:

Im Android High-End Segment führt derzeit für die Käufermassen kein Weg am Samsung Galaxy 4 vorbei – auch wenn das als Murats BMW unter den Smartphones deutlich schlechter ist als das in sich sehr stimmige HTC One. Und auch die Sony Experia Modelle graben HTC hier wertvolle Marktanteile ab.

Im Segment der günstigen Androiden greifen neben Samsung viele weitere Hersteller an, besonders hervorzuheben sind ZTE, LG, Huawei und Lenovo.

Das Windows Phone Segment – hier war man ein Vorreiter – hat HTC nahezu kampflos Nokia überlassen – die Finnen dominieren dieses Marktsegment mit mehr als 80% Anteil. Überhaupt hat Nokia im besagten Quartal ungefähr so viele Lumias verkauft wie HTC Androiden und Windows Phones zusammen.

Insbesondere ist HTC aber sein eigener größter Gegner.

Das fängt schon beim aktuellen Flaggschiff HTC One an, das vielleicht sogar das aktuell beste Android Smartphone auf dem Markt ist. Getrübt wurde der Markteintritt aber durch Probleme bei der Produktion sowohl hinsichtlich der Kapazität als auch der Qualität, wodurch viele Chancen vertan wurden.

Zudem ist die gesamte Produktpalette unübersichtlich. HTC One, One mini, One SV, One X+, One XL, One X, One S, One V, Desire X, Desire C, Desire S, Desire Z, Desire HD, Desire, Sensation XL, Sensation X, Windows Phone 8X, Windows Phone 8S, Windows Phone 8XT… erkennen Sie auf einen Blick, welches hier die Einsteigermodelle und welches die Top-Smartphones sind? Wenn man nicht so im Fokus der Medien steht wie Samsung, sollte man hier für mehr Transparenz sorgen. Nokia macht es hier besser – mit dem Lineup Lumia 520, 620, 625, 820, 920, 925, 928 und 1020 ist direkt klar, wie die jeweiligen Modelle positioniert sind. Immerhin – hier scheint HTC gelernt zu haben – rund um das HTC One entsteht mit dem Grundmodell und dem mini und dem max eine transparente Familie.

In diesem Zusammenhang ist auch das Fehlen einer einheitlichen Designsprache zu nennen – auch anders als z.B. bei Nokia oder jetzt auch Sony fehlt dieser „Oh, ein HTC“ Effekt. Aber auch hier scheint man mit der One Familie auf dem richtigen Wege zu sein.

Ein weiteres Problem ist, dass HTC für viele Smartphones nur wenige Updates zur Verfügung stellte. So wurden weitere Android-Updates für das ehemalige Flaggschiff Desire HD zunächst versprochen, dann aber zurückgezogen. Hierdurch ist Vertrauen bei den Kunden verloren gegangen, das erst wieder gewonnen werden muss.

Auch wenn sich jetzt vieles zum Guten wendet bleibt die Frage, warum man sich ein HTC Smartphone kaufen sollte. Das HTC One ist wie erwähnt im großen und ganzen das bessere Android Flaggschiff – aber wohl nicht gut genug, um hier für den Massengeschmack gegen Samsung bestehen zu können. Übrigens habe ich dabei den subjektiven Eindruck, dass gerade die Ultrapixel Kamera ein Problem des HTC One ist. Auch wenn diese ähnlich gute Bilder macht wie die des S4 (und nachts sogar bessere), sehen viel Kunden nur 4,3 Megapixel gegen 16 Megapixel… aber das nur am Rande.

Ähnlich die Situation bei den Windows Phone Modellen von HTC. Hier war man einmal Vorreiter, hat es aber nicht verstanden, diese Position zu halten. Exklusive Apps und innovative Features finden sich in den Nokia Lumias. Dabei würde gerade Windows Phone HTC die Möglichkeit geben, Akzente zu setzen. Statt – wie es Gerüchte besagen – in Erwägung zu ziehen, keine weiteren Windows Phone Devices mehr zu bringen, sollte man hier mehr Engagement zeigen. Wobei andererseits aber auch verständlich ist, dass man in der Krise seine Kräfte konzentrieren will.

HTC also vor dem Untergang? Ich glaube nicht. Das HTC One und seine Ableger gehen in die richtige Richtung. Gelingt es HTC, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen, eine klarere Produktlinie aufzubauen, die alle Marktsegmente abdeckt und Alleinstellungsmerkmale zu liefern (nein, keine Ultrapixel…) dürfte der Turnaround wahrscheinlich sein.

Ich jedenfalls drücke die Daumen, denn gerade mit meinem HTC Radar war ich immer sehr zufrieden und es wäre schade, würde dieser Smartphone Pionier verschwinden.

Bild (c) Allposters

Die Krise, Arbeitslosigkeit und der Euro

Flaming CrisisSeit 2007 ist Europa in der Krise und aktuell wurden neue Rekordarbeitslosenzahlen gemeldet. Ich habe einmal ausgewertet, wie sich die Arbeitslosenquote seitdem in Europäischen Staaten verändert hat. Die Länder habe ich dabei in Gruppen zusammengefasst:

  • EU-Staaten mit dem Euro als Zahlungsmittel sowie Bosnien und Herzegowina (die Konvertible Mark ist fest an den Euro gekoppelt) und Montenegro (hat den Euro als Zahlungsmittel).
  • EU-Staaten ohne Euro, die sich dem Wechselkursmechanismus II (WKM II) unterworfen haben.
  • EU-Staaten ohne Euro, die  sich nicht dem WKM II unterworfen haben.
  • Europäische Staaten, die nicht in der EU sind und nicht den Euro als Zahlungsmittel haben.
  • Eine Vergleichsgruppe nicht Europäischer Staaten (im engeren Sinne).

Betrachtet man die Veränderung der Arbeitslosigkeit der einzelnen Gruppen in Prozentpunkten zwischen 2006 (vor der Krise) und 2012 hat man folgendes Ranking:

  1. 6,4 Prozentpunkte Anstieg in der WKM II Gruppe
  2. 3,6 Prozentpunkte Anstieg in der Euro Gruppe
  3. 1,0 Prozentpunkte Anstieg bei den EU-Ländern ohne Euro und ohne WKM II
  4. Keine Veränderung bei den Europäischen Ländern, die nicht in der EU sind
  5. 0,4 Prozentpunkte Rückgang bei der internationalen Vergleichsgruppe

Ranking nach durchschnittlicher Arbeitslosigkeit in den Gruppen 2006:

  1. 11,9% Europäische Länder, die nicht in der EU sind
  2. 9,9% Euro Gruppe
  3. 8,5% EU ohne Euro und ohne WKM II
  4. 6,3% Internationale Vergleichsgruppe
  5. 5,5% WKM II Gruppe

Ranking nach durchschnittlicher Arbeitslosigkeit in den Gruppen 2012:

  1. 13,5% Euro Gruppe
  2. 11,9% WKM II Gruppe
  3. 11,9% Europäische Länder, die nicht in der EU sind
  4.  9,6% EU ohne Euro und ohne WKM II
  5.  5,9% Internationale Vergleichsgruppe

Für mich sind diese Zahlen ein Beleg dafür, dass die Euro/WKM II Mechanismen ein bedarfsgerechtes Krisenmanagement eben erschweren. Genauer dargelegt habe ich das in meiner Euro Parabel von den Großmüttern und der Marmelade.

Hier noch die detaillierten Zahlen:


WKM II
2006 2012 Änderung
Litauen 5,2% 13,3% 8,1%
Lettland 7,3% 14,9% 7,6%
Dänemark 3,9% 7,5% 3,6%
Mittelwert 5,5% 11,9% 6,4%
Euro
2006 2012 Änderung
Spanien 8,5% 25,0% 16,5%
Griechenland 8,9% 24,3% 15,4%
Irland 4,5% 14,7% 10,2%
Portugal 8,6% 15,9% 7,3%
Zypern 4,6% 11,9% 7,3%
Estland 5,9% 10,2% 4,3%
Italien 6,8% 10,7% 3,9%
Frankreich 9,2% 10,2% 1,0%
Niederlande 4,4% 5,3% 0,9%
Luxemburg 4,6% 5,1% 0,5%
Finnland 7,7% 7,7% 0,0%
Montenegro* 19,0% 19,0% 0,0%
Bosnien
Herzegowina**
45% 45% 0,0%
Malta 6,9% 6,4% -0,5%
Österreich 4,8% 4,3% -0,5%
Belgien 8,3% 7,6% -0,7%
Deutschland 10,3% 5,5% -4,8%
Mittelwert 9,9% 13,5% 3,6%
EU, nicht WKM II
2006 2012 Änderung
Ungarn 7,5% 10,9% 3,4%
Bulgarien 9,0% 12,3% 3,3%
Slowenien 6,0% 8,9% 2,9%
Großbritannien 5,4% 7,9% 2,5%
Schweden 7,1% 8,0% 0,9%
Slowakei 13,5% 14,0% 0,5%
Tschechische
Republik
7,1% 7,0% -0,1%
Rumänien 7,3% 7,0% -0,3%
Polen 13,9% 10,1% -3,8%
Mittelwert 8,5% 9,6% 1,0%
Europa, nicht EU, kein
Euro
2006 2012 Änderung
Kroatien 11,4% 15,9% 4,5%
Island 3,0% 5,0% 2,0%
Serbien
21,0% 22,0% 1,0%
Norwegen 3,4% 3,2% -0,2%
Schweiz 3,3% 2,9% -0,4%
Liechtenstein 3,2% 2,4% -0,8%
Albanien
13,8%
13,0%
-0,8%
Mazedonien
36,0%
31,0%
-5,0%
Mittelwert 11,9% 11,9% 0,0%
Andere
2006 2012 Änderung
Türkei 8,7% 8,1% -0,6%
USA 4,6% 8,1% 3,5%
Japan 4,1% 4,3% 0,2%
Australien 4,80% 5,20% 0,4%
Kanada 6,3% 7,3% 1,0%
Russland
7,2%
6,0%
-1,2%
Brasilien
10%
6,0%
-4,0%
Mexiko
3,6%
4,8%
1,2%
Südkorea
3,5%
3,3%
-0,2%
Indonesien
10,3%
6,2%
-4,1%
Mittelwert
6,3%
5,9%
-0,4%

Bild: (c) Allposters.de

Meinung: Die Großmütter und die Marmelade – eine Euro-Parabel

Oma Meier, Oma Huber und Oma Jensen waren Nachbarinnen. Nicht nur das, sie waren auch begeisterte Marmeladenköchinnen. Jedes Jahr, wenn die Erdbeeren die richtige Reife hatten, begannen sie, in vielen kleinen Töpfen Erdbeermarmelade zu kochen. Leider dauerte das immer sehr lange und das Hantieren mit den vielen kleinen Töpfen war sehr umständlich. Längst waren sie nicht so schnell wie ihre Cousine, Grandma Washington.

Daher beschlossen die drei, sich einen Schnellkochtopf zu kaufen. Keinen zu großen. Sondern einen, den sie gut im Griff hatten und bei dem Sie den Druck gut regulieren konnten. Und sollte doch etwas schief gehen, war es nicht schlimm – sooo viele Erdbeeren passten nun auch nicht hinein, so dass sich der Verlust in Grenzen hielt. Und es war kein Problem, sich untereinander mit Erdbeeren auszuhelfen. Das Marmeladekochen fiel ihnen viel leichter und die drei Großmütter waren glücklich. Auch als sich Ihnen noch Oma Schultze anschloss, ging alles gut.

Eines Tages jedoch kamen Grand-Mère Dubois und Nonna Antonelli bei den Marmeladenköchinnen vorbei. Sie brachten vor, dass ja alles schön und gut sei, wie es ist, doch Grandma Washington sei immer noch die größte Marmeladenköchin der Welt und das müsse doch nicht sein. Solle man sich nicht mit weiteren Großmüttern zusammentun und einen riesigen gemeinsamen Schnellkochtopf kaufen? Man könne dann genau so gut Marmelade machen wie Grandma.

Gesagt getan, man rief viele weitere Großmütter dazu und beschloss, sich zusammen zu tun. Fast alle waren begeistert. Nur wenige wie Granny Major und Bedstemor Høeg hatten Bedenken und blieben bei ihren eigenen Schnellkochtöpfen.

Die anderen kauften sich einen riesigen Schnellkochtopf, groß genug, um die Erdbeerernte von allen Großmüttern an einem Tag auf einmal zu Marmelade zu verkochen.

Und so kamen Sie eines Tages im Mai zusammen, und jeder hatte seine Erdbeeren dabei. Was sie dabei in ihrer Begeisterung nicht merken wollten: die Erdbeeren, die die Großmütter aus ihren verschiedenen Gärten zusammenbrachten, waren unterschiedlich reif. Die einen waren gerade richtig, andere setzten schon Schimmel an, während wieder andere noch grün waren. Man munkelt sogar, dass einige Großmütter schöne reife Erdbeeren oben in ihre Körbchen legten und darunter nur Holzwolle und schlechte Früchte. Aber so genau sah niemand hin.

So landeten alle Erdbeeren (und Holzwolle?) in dem riesigen Schnellkochtopf. Doch schon bald begannen die Probleme. Die verschiedenen Früchte passten einfach nicht zusammen. Im Topf rumpelte es und brodelte es und es baute sich ein gewaltiger Druck auf. Doch die Großmütter kannten sich mit so einem großen Schnellkochtopf nicht aus und waren sich nicht einig, was sie machen sollten – mehr Hitze oder weniger? Druck ablassen oder mehr Druck aufbauen? Und während Sie so diskutierten, die einen am Temperaturregler zerrten und die anderen am Druckventil, die einen nach links, die anderen nach rechts, gab es eine gewaltige Detonation…

Ich habe immer nach dem passenden Bild gesucht, die beiden wesentlichen Grundprobleme des Euro zu veranschaulichen: die unterschiedlich weit entwickelten nationalen Wirtschaften (Erdbeeren) und die Unmöglichkeit, diese nationalen Wirtschaften durch Wechselkursanpassungen zu steuern (riesiger Schnellkochtopf). Wenn nun – wie 2012 – gesagt wird, wir hätten eine Schuldenkrise und keine Euro-Krise, ist das zwar im Grundsatz richtig. Doch die gemeinsame Währung hat Europa zahlreiche Regelungsinstrumente genommen, auf nationale Wirtschaftsprobleme zu reagieren. Vielmehr wirken sich durch die gemeinsame Währung  nationale wirtschaftliche Probleme direkt auf den gesamten Euro-Raum aus. Insoweit war die Schuldenkrise 2012 sehr wohl eine Euro-Krise.

Auch in Hinblick auf die Wirtschaftslage im Italien des Jahres 2019 ist diese Parabel wieder aktuell.

Bismarck, Würste und der ESM

Je weniger die Leute wissen, wie Würste und Gesetze gemacht werden, desto besser schlafen sie!

(Otto von Bismarck)

Das Melderecht

Wie wahr dieser Ausspruch immer noch ist, konnte man gerade wieder einmal daran erkennen, wie das aktuelle Melderecht durch den Bundestag gerutscht ist. Obwohl es eine gravierende Änderung die Datenweitergabe durch die Ämter an Dritte betreffend enthielt, stimmte der Bundestag dem Gesetz zu:

Jetzt will es keiner gewesen sein und es wird eilig zurückgerudert. Dieses Beispiel zeigt aber schön, dass die Bundestagsabgeordneten hier gar nicht verstanden haben, worüber sie eigentlich abgestimmt haben. Eine ausführliche Zusammenfassung dazu gibt es bei Abgeordnetenwatch.

Immerhin fiel dieser eklatante Eingriff der Öffentlichkeit auf.

Das Telekommunikationsgesetz

Anders bei einem Randthema, einer kleinen Änderung im Telekommunikationsgesetz. Hier  sollte eine generelle Preisansagepflicht bei Call-by-Call Verbindungen eingeführt werden, was für sich ja eine mehr als sinnvolle Sache ist. Allein wurde vergessen, hierfür eine technische Übergangsfrist einzuräumen, was bei allen Gesetzen, die technische Änderungen für Anbieter bedingen, üblich ist.

Als ich in Berlin mit einigen Abgeordneten darüber sprach, reichten die Redaktionen von „Da haben die Anbieter halt Pech gehabt.“ über „Verstehe ich nicht.“ bis „Stimmt, das haben wir übersehen, aber das Fass können wir nicht mehr aufmachen.“

Das Gesetz passierte dann den Bundestag und den Bundesrat. Erst das Bundesverfassungsgericht korrigierte den Fehler (1 BvR 367/12).

Was ich hier noch bedenklicher finde: zahlreiche Bundestagsabgeordnete wussten, dass sie hier etwas beschließen, was so nicht rechtmäßig ist und tun es trotzdem.

ESM und Fiskalpakt

Bei den beiden vorgenannten Beispielen ging es um sehr simple Sachverhalte, die jeder halbwegs gebildete Mensch nach wenigen Minuten Einarbeitungszeit verstehen kann. Warum die Bundestagsabgeordneten das nicht gesehen haben, will ich jetzt nicht weiter kommentieren.

Kommen wir aber zu anderen Beschlüssen, deren Tragweite und Komplexität ungleich größer sind: ESM und Fiskalpakt. Auch hier haben die Abgeordneten mit überwältigender Mehrheit zugestimmt.

Ich will und kann hier nicht beurteilen, ob ESM und Fiskalpakt zur Lösung der Euro-Krise wirksam beitragen können, ich bezweifele dies zumindest sehr.

Große Zweifel habe ich allerdings, ob die – meisten – Abgeordneten überhaupt verstanden haben, worum es hier geht. Hierzu möchte ich aus einer Pressemitteilung des FDP-Abgeordneten Frank Schäffler zitieren:

Die Bundesregierung hat wesentliche Vorarbeiten über die beabsichtigte Handhabung dieser Verträge in der ökonomischen Wirklichkeit erst in den letzten Tagen dem Bundestag zugeleitet, obwohl diese wesentlichen Entscheidungsunterlagen schon vor Wochen fertiggestellt und zwischen den zukünftigen Vertragspartner verabredet worden waren. Die Mehrzahl der Abgeordneten hatte keine Möglichkeit, diese z. T. erst in englischer Sprache übermittelten Unterlagen zu prüfen und zu bewerten. Das widerspricht den Anforderungen des Bundesverfassungsgerichts an eine ordnungsgemäße Gesetzgebung.

(zur vollständigen Pressemitteilung vom 29.06.2012)

Ich denke, dem ist nicht viel hinzuzufügen. Bedenklich finde ich hier, dass viele Abgeordnete Gesetzen zugestimmt haben, obwohl sie nicht wissen konnten, was sie hier eigentlich verabschieden.

Epilog 1 – Falsche Gerichtsschelte

Wenn nun die Zustimmungsgesetze zu ESM und Fiskalpakt vor dem Bundesverfassungsgericht verhandelt werden, finde ich ich es bedenklich, dass in diesem Zusammenhang der FDP Politiker Alexander Graf Lambsdorff an der Kompetenz des Gerichts zweifelt, hierüber entscheiden zu können.

Ihm ist zu entgegnen, dass

  • …das Bundesverfassungsgericht eben nicht darüber entscheidet, ob die Maßnahmen ökonomisch sinnvoll sind, sondern darüber, ob die Zustimmungsgesetze verfassungsgemäß sind.
  • …wohl eher zu fragen ist, ob die Abgeordneten wirklich wussten, worüber sie hier entschieden haben.

Ich persönlich habe mehr Vertrauen in die in akademischer Ruhe getroffene Entscheidung aus Karlsruhe als in die von Kadavergehorsam getriebenen und im Schweinsgalopp verabschiedeten Zustimmungsbeschlüsse der Abgeordneten.

Epilog 2 – es geht um die Wurst

Wenn Sie nun schon wegen der Gesetze nicht mehr ruhig schlafen können, sollten Sie wenigstens Ihre Wurst selber machen.

Guten Appetit.

Nachträgliche Leseempfehlung: Einige Gedanken über den Euro

Versailles 2.0

Lesenswert dazu: Bis Deutschland die Nerven verliert (Jan Fleischhauer in SPON).