Todesstrafe: Zersägen

Die Bezeichnung dieser Methode der Todesstrafe spricht eigentlich für sich.

Den meisten Schilderungen ist gemein, dass die Personen kopfüber mit auseinandergespreizten Beinen aufgehängt und dann zersägt wurden. Dies wird z.B. in der Geschichte über Simon den Zeloten, z.B. explizit beschrieben.

Seltener sind Fällen beschrieben, bei denen das Sägen durch die Mitte (quer) erfolgte. Dies ist z.B. bei den Zersägeberichten zur Zeit des römischen Kaiser Caligula der Fall (s.u). Diese Form des Zersägens ähnelt dann dem chinesischen Hüftschneiden.

In der europäischen Kultur wird das Zersägen meist im Zusammenhang mit Heiligenlegenden erwähnt.

Zersägen im alten Rom

Diese Hinrichtungsmethode war im Römischen Reiches eher unüblich, wurde jedoch ausgiebig während der Herrschaft Caligulas angewandt. Caligula soll bei solchen Hinrichtungen zugesehen haben, während er aß.

Bild: Illustration aus Benoît de Sainte-Maures Trojaroman (um 1350); die Zersägung des Jesaja.

Todesstrafe: Estrapade

Die Estrapade ist eigentlich eine Foltermethode, die aber oftmals – versehentlich oder auch geplant – zum Tode führte.

Man spricht auch vom Schleudern, beim entsprechenden Gerät vom Wippgalgen. Die Arme des Opfers werden meist auf dem Rücken an Seile gebunden. Dann wird der Deliquent hochgezogen und dann plötzlich fallen gelassen, ohne dass der Körper den Boden berührt. Dies führte zum Auskugeln der Schultern, was extrem schmerzhaft ist. Manchmal wurden Gewichte an den Füßen des Opfers befestigt, was dann zum Abreißen der Gliedmaßen und auch zum Tod führen konnte.

Diese Foltermethode war bei der Inquisition weit verbreitet; in Paris wurde diese Strafe an desertierenden Soldaten und Protestanten auf dem „Place de l’Estrapade“ vollstreckt. 1776 wurde die Strafe von Ludwig XVI. abgeschafft.

Opfer

  • Pierre de Torrenté wurde so gefoltert, bevor er 1481 in der Schweiz wegen Hexerei verbrannt wurde.
  • Michée Chauderon, eine Wäscherin aus Savoyen die als Heilerin tätig war und auch als Hexe bezeichnet wurde, wurde ebenfalls dieser Folter unterzogen, bevor sie 1652 in Genf (Schweiz) wegen Hexerei gehängt und verbrannt wurde.
  • Der Häftling Manadel al-Jamadi starb im November 2003 im irakischen Gefängnis Abu Ghraib nach einem Verhör, bei dem er von CIA-Agenten und einem privaten Militärauftragnehmer mit einer Art Wippgalgen gefoltert wurde.

Plätze und Straßen

Es gibt zahlreiche Plätze und Straßen, an deren Namen man erkennen kann, dass hier einmal eine Estraßpade stand. z.B. in Paris (s.o.), Toulose und Loudun.

Todesstrafe: Taillenschnitt

Der Taillenschnitt, auch Hüftschnitt, war eine Form der Hinrichtung, die im alten China verwendet wurde.

Der Verurteilte wurde dabei von einem Henker an der Taille in zwei oder seltener auch mehr Teile geschnitten.

Das Tailleaufschneiden tauchte erstmals während der Zhou-Dynastie (ca. 1046 v. Chr. – 256 v. Chr.) auf.

Oftmals wurde mehr als ein Schnitt ausgeführt: Gao Qi, ein Dichter der Ming-Dynastie, wurde vom Hongwu-Kaiser dazu verurteilt, wegen seiner politisch satirischen Schriften in acht Teile geschnitten zu werden.

Als Yu Hongtu (俞鴻圖), der Erziehungsadministrator von Henan, 1734 zum Tode durch einem Hüftschnitt verurteilt und zerteilt worden war, blieb er lange genug am Leben, um das chinesische Schriftzeichen cǎn (慘; „elend, schrecklich“) siebenmal mit seinem eigenen Blut zu schreiben, bevor er starb. Nachdem er dies gehört hatte, soll der Kaiser diese Form der Hinrichtung abgeschafft haben.

In der modernen chinesischen Sprache hat sich „Hüftschlag“ zu einer Metapher für den Abbruch eines laufenden Projekts entwickelt, insbesondere auch für das Absetzen von Fernsehprogrammen.

Todesstrafe: Lingchi

Beim Lingchi handelt es sich um eine in China praktizierte Form der Todesstrafe. Es handelt sich dabei um das sukzessive Abtrennen von Körperteilen. Die Strafe heißt wortwörtlich übersetzt „Schlechtbehandlung langsam“, besser übersetzt mit „langsamer Tod“ oder „schleichender Tod“.

Es war eine Form der Folter und Hinrichtung, die in China von etwa 900 bis zu ihrem Verbot im Jahr 1905 angewendet wurde. Sie wurde auch in Vietnam und Korea angewendet. Bei dieser Form der Hinrichtung wurden mit einem Messer methodisch Teile des Körpers über einen längeren Zeitraum entfernt, was schließlich zum Tod führte.

Lingchi war für Verbrechen reserviert, die als besonders abscheulich angesehen wurden, wie z.B. Verrat. Einige Westler wurden auf diese Weise hingerichtet.

Erst mit der der Revision des chinesischen Strafgesetzbuchs von Shen Jiaben wurde diese Strafe im Jahr 1905 abgeschafft.

 

Todesstrafe: Erschießen

Das Erschießen bzw. die Erschießung ist eine der gängigsten Methoden der Todesstrafe. Im militärischen Bereich wird sie auch als Füsilierung oder Füsillade (von französisch fusil „Gewehr“) bezeichnet. Umgangssprachlich spricht man auch vom „an die Wand stellen“, wenn von der Erschießung die Rede ist.

 

Todesstrafe: in den Weltraum schicken

Im Weltraum ist der Mensch nicht lebensfähig. So könnte man sie rein theoretisch ohne Raumanzug in den Weltraum schicken, um sie hinzurichten.

Bisher sind Menschen noch nicht auf diese Weise hingerichtet worden und wohl überhaupt noch nicht noch nicht auf diese Art zu Tode gekommen.

In Science Fiction Filmen und Serien werden Todesstrafen häufig durch das Schicken durch die Luftschleuse in den Weltraum vollstreckt. So wird in „The Expanse“ z.B. Klaes Ashford auf diese Weise getötet.

 

Todesstrafe: Little Ease

Little Ease ist eigentlich eine Foltermethode, die aber auch zum Tode führen kann und dann auch – wenn auch nur selten – mit diesem Ziel als Methode der Todesstrafe eingesetzt wurde.

Der Gefangene wird in eine sehr kleine Zelle oder ein Loch eingesperrt, in dem er weder stehen noch liegen konnte. So waren die Little Eases im Tower von London 45 cm breit, 120 cm hoch und 60 cm tief.

So wurde Guy Fawkes 50 Tage in so einer Zelle gefoltert, bis er seine Mitverschwörer verriet.

Edmund Campion (1540–1581) wurde in einem in einem anderen Little Ease des Tower of London vier Tage gefoltert, bis er dem katholischen Glauben abschwor.

Todesstrafe: Schmäuchen

Schmäuchen ist eine heute kaum noch bekannte, aber früher gar nicht so unübliche Form der Todesstrafe und zwar durch Schmauch, einen heißen feuchten Rauch.

Der Adelung von 1793 schreibt:

Schmäuchen, verb. reg. welches das Activum des vorigen ist, Schmauch hervor bringen, und noch häufiger, den Schmauch an etwas gehen lassen. In einigen Gegenden sagt man Fleisch schmäuchen, für räuchern. In der Bienenzucht schmäucht man die Bienen, wenn man sie mit Schmauch aus dem Stocke treibt; die Jäger schmäuchen einen Fuchs aus seinem Loche, wenn sie ihn mit Schmauch aus demselben vertreiben; ehedem schmäuchte man auch gewisse Arten von Missethätern zu Tode. Im Oberdeutschen schmaucht man das Fleisch in einem Topfe, wenn man es in Obersachsen dämpft, und in Nieders. stövet. So auch das Schmäuchen.
Anm. Im Nieders. smöken. Es ist eben so von schmauchen unterschieden, wie räuchern, ehedem räuchen, von rauchen, säugen von saugen, säufen von saufen u.s.f. Die breitere Oberdeutsche Mundart gebraucht auch statt dieses Activi ihr schmauchen.

Wurde oft bei Brandstiftern verwendet. Oft wurden diese zuerst mit Rauch von nassem Holz gefoltert und dann verbrannt.

Das Schmäuchen – auch Schmeuchen – wurde auch oft unterbrochen, um es besonders qualvoll zu gestalten.

Spannend ist übrigens die Verwandtschaft des Wortes zum englischen Smoke und dem deutschen Schwelen.

Todesstrafe: Ausdärmen

Ausdärmen ist eine historische Form der Todesstrafe. Der Tod tritt durch das Herausreißen oder Schneiden der Gedärme bei lebendigem Leibe ein.

Die Methode ist aus der Heiligenlegende des Erasmus von Antiochia (hingerichtet 303) bekannt.

Ausdärmen galt bei den Germanen als Todesstrafe für Baumschäler und Pflugräuber.

Im englischen Recht wurde das Ausdärmen als Teil einer Hinrichtungsart praktiziert, die wegen Hochverrats vollstreckt wurde und aus Hängen, Ausweiden und anschließendem Vierteilen bestand.

Bild: Nicolas Poussin; Martyrium des hl. Erasmus, Rom, Vatikanische Museen

10 Fakten über die Abschaffung der Todesstrafe – Art. 102 Grundgesetz

  1. Artikel 102 GG lautet:
    Die Todesstrafe ist abgeschafft.
  2. Der Artikel befindet sich 1949 im Grundgesetz und wurde seitdem auch nicht mehr geändert.
  3. In der deutschen Verfassungstradition hat das Verbot der Todesstrafe nur in der Paulskirchenverfassung von 1849 ein Vorbild, in der es in § 139 hieß:
    Die Todesstrafe, ausgenommen wo das Kriegsrecht sie vorschreibt, oder das Seerecht im Fall von Meutereien sie zuläßt, so wie die Strafen des Prangers, der Brandmarkung und der körperlichen Züchtigung, sind abgeschafft.
  4. Ob die Todesstrafe abgeschafft werden soll, wurde vom Verfassungsgeber kontrovers diskutiert. Der derzeitige Artikel geht in erster Linie auf einen Vorschlag der rechten DP zurück, die damit verhindert wollte, dass Kriegsverbrecher hingerichtet werden.
  5. Die Todesstrafe iSd Art. 102 ist die nach einer richterlichen Entscheidung verhängte Strafe. Diskutiert wird aber, ob andere Maßnahmen wie z.B. der finale Rettungsschuss unter Artikel 102 fallen, was aber zu verneinen ist.Gemeint ist auch der tatsächliche Tod und nicht ein konstruierter „sozialer Tod“ o.ä. Damit kann ein Verbot der lebenslangen Freiheitsstrafe nicht aus Art. 102 hergeleitet werden, was verschiedentlich versucht wird.
  6. Diskutiert wird immer wieder, ob Artikel 102 abgeschafft werden, also die Todesstrafe wieder eingeführt werden könnte. Nach hier vertretener Ansicht wäre das auf jeden Fall grundsätzlich in einer ganz neuen Verfassung nach Artikel 146 GG möglich, völkerrechtliche Bedenken einmal außen vorgelassen (s.u.). Die herrschende Meinung lehnt die Einführung der Todesstrafe in diesem Grundgesetz ab. Dem ist zunächst zu entgegnen, dass sich der Verfassungsgeber gezielt dagegen entschieden hat, die Abschaffung der Todesstrafe in Artikel 2 GG aufzunehmen, so ist die Abschaffung an sich der Ewigkeitsgarantie des Art. 79 Abs. 3 nicht unterworfen. Die Frage ist weiter, ob Artikel 102 nur eine Klarstellung und Erweiterung von Artikel 1 und 2 GG ist und damit das Verbot der Todesstrafe schon aus den dort normierten Grundrechten herzuleiten ist, was kontrovers diskutiert werden kann. Letztlich dürfte aber aufgrund der Verfassungsentwicklung und -praxis eine Wiedereinführung der Todesstrafe im Rahmen dieses Grundgesetzes inzwischen nach der herrschenden Meinung ausgeschlossen sein.
  7. Unabhängig von Art. 102 GG hat sich Deutschland durch das 2. Fakultativprotokoll zum Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte (IPbpR) vom 15. Dezember 1989 sowie durch die Protokolle zur EMRK Nr. 6 vom 28. April 1983 sowie Nr. 13 vom 3. Mai 2002 zur Abschaffung der Todesstrafe völkerrechtlich verpflichtet.
  8. Verfassungsrechtlich fraglich ist, ob Artikel 102 es dem deutschen Staat untersagt, der Verhängung und Vollstreckung der Todesstrafe durch einen anderen Staat z.B. durch Auslieferung oder Abschiebung beizutragen. Dies ist zu verneinen, wenngleich die wohl herrschende Meinung dies anders sieht. Ob sich solch ein Verbot aus Artikel 1 GG ergibt – was nach hier vertretener Auffassung ebenfalls verneint wird, kann dahinstehen, da dieses Verbot inzwischen einfachgesetzlich geregelt ist.
  9. Mehr Hintergründe über die Entwicklung der Todesstrafe im Nachkriegsdeutschland finden Sie hier.
  10. Eine Änderung von Art. 102 GG wird derzeit nicht ernsthaft diskutiert, die Regelung ist auch hinreichend klar, so dass kein Handlungsbedarf besteht.