Seit meiner ersten Liste dazu sind Dutzende Bonn-Bücher erschienen.
Das große Thema ist die Bonner Republik: Romane spielen im Regierungsviertel der 1950er bis 1990er Jahre, Sachbücher arbeiten die Hauptstadtzeit auf. Dazu kommen Beethoven, Haribo und eine ganze Reihe neuer Bonn-Krimis. Der neueste Titel ist Mirko Bonnés Roman „Kanzlerkino“ vom August 2026. Die Zeit vor 1949 steht in Teil 1, die Bücher bis 2013 stehen in Teil 2.
Bernd Vomturm ist aus der DDR geflohen und macht im Bonner Regierungsviertel Karriere als „Mann fürs Glas“. Er ist für die Fassaden des Kanzlerbungalows zuständig und kommt so Kanzler Viktor Breugel nahe, einem Kinonarren aus der Pfalz, der seine Politik wie einen Film inszeniert. Der Roman spielt 1994, als aus der Bonner die Berliner Republik wird. Die taz verglich ihn mit Koeppens „Treibhaus“. FAZ, taz und Welt lobten das Buch, der Deutschlandfunk war deutlich kritischer.
Mehlem 1935: SA-Leute töten den jüdischen Metzger Josef Levy. Die Zentrumspolitiker Arthur Weber und Joseph Roth begreifen, dass die Nazis nicht mehr aufzuhalten sind.
Die Liberale Catharina Cornelius wird unerwartet Außenministerin und Vizekanzlerin. Schauplatz ist das Bonn der späten 1970er mit Koalitionspoker, Bundestag und dem Sturz des Schahs, eine erfundene Variante der Bonner Republik.
Bonn 1920: Hans Riegel und Gertrud gründen in ihrer Küche die spätere Firma Haribo, Gertrud liefert die Süßigkeiten mit dem Fahrrad aus. 2025 folgte Band 2, „Haribo – Goldene Zeiten brechen an*“.
Auguste Adenauer, die zweite Frau Konrad Adenauers, blickt 1948 im Bonner Johannes-Hospital auf ihr Leben zurück: Köln, Rhöndorf, Gestapo-Haft. Bonn ist hier die Rahmenhandlung.
Bonn 1790: Die Wirtstochter Babette Koch versammelt im Zehrgarten am Markt einen Kreis kunstsinniger Männer und fühlt sich zu ihrem Jugendfreund Ludwig van Beethoven hingezogen.
Bonn im November 1972, nach der Bundestagswahl. Hilde Kessel betreibt die Politikerkneipe „Rheinblick“ und gerät in die Intrigen der Koalitionsverhandlungen. Auf dem Venusberg soll eine Logopädin derweil Willy Brandts Stimme wiederherstellen.
1868 reist die Engländerin Paula Cooper zu ihrem todkranken Onkel nach Bonn und stößt auf ein Familiengeheimnis. Ein historischer Roman voller Rheinromantik.
Erzählungen aus der Kindheit eines Kanzlersohns auf dem Venusberg in den 1970ern, mit Hund Gabor, dem Nachbarn Lübke und Herbert Wehner. Es war das literarische Debüt des Schauspielers.
Harald Gesterkamp und Monika Littau haben Gedichte und Kurzprosa über Bonn gesammelt, „von A (wie Beethoven) bis Z (wie Westerwelle)“. Die Texte stammen aus einem offenen Aufruf des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller.
Krimis
Bonn-Krimis erscheinen überwiegend in Regionalverlagen. Einige große Verlage haben aber inzwischen auch Bonn entdeckt, vor allem die Bonner Republik als Kulisse.
Beethovens 200. Todestag fällt auf Karneval, am Aschermittwoch liegt ein Toter vor dem Beethoven-Denkmal. Weil die Bonner Polizei mit Noroviren ausfällt, ermittelt der ortsfremde Kommissar Mütze zwischen Beethovenhaus und Oper.
Im neunten Band der Reihe um die Kunsthistorikerin Anna Bentorp führt ein Kirchenraub bei Bonn aus dem Jahr 1801 zu Skelettfunden in einer Kapelle. Die Idee entstand an der Doppelkirche Schwarzrheindorf in Beuel. Im neuen Fall wird in einer „Geistervilla nahe Bonn“ ein Skelett gefunden.
Kristina Hortenbach: Ein Fall für Rosa Reich (2023 und 2024)
Cosy Crime: Eine pensionierte Lehrerin wird Gartengestalterin und findet auf einem Gut bei Bonn Knochen („Um die Hecke gebracht*“). Im zweiten Band, „Grün ist der Tod*“, liegt ein Golfspieler tot auf einem Bonner Golfplatz.
Im April 2016 wird in einem Bonner Hotel eine Leiche gefunden, es geht um NS-Raubkunst. Rückblenden führen in den Regierungssitz Bonn der 1960er Jahre. Der zweite Fall um Lennard Lomberg spielt vor allem in Bonn und Granada.
Bonn 1953, Bundestagswahlkampf, das BKA ist im Aufbau. Kommissar Philipp Gerber soll Herbert Wehner vor Rechtsextremen schützen. Der Roman eröffnet eine Reihe, deren fünfter Band „Schwarzer Samstag“ (2026) wieder in Bonn beginnt.
„Kottenforst“ habe ich 2013 hier besprochen, die ersten drei Bände der Reihe gibt es nur noch gebraucht. Von Alexa Thiesmeyer gibt es außerdem „Bonner Verrat*“ (Gmeiner 2019), in dem ein Klassentreffen zu DDR-Spionage in der Hauptstadt Bonn führt. Wer es kurz mag: „Mörderisches Bonn*“ von Andreas J. Schulte (Gmeiner 2017) enthält elf Kurzkrimis zwischen Marktplatz, Rheinaue und Kottenforst.
Sachbücher
Zum 70. Jahrestag der Bonner Republik 2019 und zum Beethovenjahr 2020 ist besonders viel erschienen.
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