Die Behauptung, dass die Federal Reserve (FED) den Rothschilds gehört, ist eine weit verbreitete Verschwörungstheorie, die sich seit Jahrzehnten hält. Sie ist Teil eines größeren Narrativs über eine vermeintliche geheime Kontrolle des globalen Finanzsystems durch eine kleine Elite.
Herkunft der Theorie
Diese Theorie geht auf die Kritik an privaten Banken und Zentralbanken zurück, insbesondere in den USA. Die Federal Reserve, gegründet 1913, ist eine unabhängige Institution mit einem komplexen Eigentümer- und Kontrollsystem. Sie besteht aus zwölf regionalen Federal Reserve Banken, die technisch gesehen von Mitgliedsbanken gehalten werden, aber unter staatlicher Aufsicht stehen.
Bereits in den 1920er Jahren wurde behauptet, dass eine kleine Gruppe wohlhabender Bankiers – darunter die Familie Rothschild – hinter der Gründung der FED stehe, um das Geldsystem der USA zu kontrollieren. Diese Behauptung wurde später in Büchern, Zeitungsartikeln und vor allem im Internet immer wieder aufgegriffen.
Kern der Verschwörungstheorie
Die Theorie besagt, dass die Rothschilds über ein Netz aus Banken und Finanzinstitutionen die FED indirekt kontrollieren und damit die Geldpolitik der USA sowie große Teile der Weltwirtschaft steuern. Diese Annahme stützt sich auf folgende Behauptungen:
- Die FED sei eine private Institution, die von Bankiers und nicht von der US-Regierung kontrolliert werde.
- Die Rothschilds hätten über Banken wie Goldman Sachs oder JPMorgan Einfluss auf die FED.
- Die FED drucke Geld aus dem Nichts und verleihe es mit Zinsen, wodurch sie die Wirtschaft manipulieren könne.
- Politiker seien nur Marionetten, während die wahre Macht in den Händen der Rothschilds oder anderer Eliten liege.
Faktencheck und Widerlegung
Die Theorie ist aus mehreren Gründen falsch oder stark vereinfacht:
- Die FED ist nicht im Privatbesitz: Zwar sind die zwölf regionalen Federal Reserve Banken technisch von Mitgliedsbanken gehalten, aber sie unterliegen strenger staatlicher Regulierung und müssen sich der US-Regierung gegenüber verantworten.
- Kein Beweis für Rothschild-Beteiligung: Es gibt keine glaubwürdigen Beweise dafür, dass die Rothschilds Einfluss auf die FED haben oder hatten. Die Familie ist zwar historisch eine bedeutende Bankiersdynastie, aber ihr direkter Einfluss auf Zentralbanken ist unbewiesen.
- Die US-Regierung ernennt den Vorsitzenden: Der Präsident der Vereinigten Staaten nominiert den Vorsitzenden der FED, der dann vom Senat bestätigt werden muss. Die Geldpolitik wird von einem öffentlichen Gremium beschlossen.
- Geldschöpfung ist staatlich reguliert: Die Geldpolitik der FED unterliegt wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen, die verhindern sollen, dass eine einzelne Gruppe unbegrenzt Profite daraus zieht.
Warum hält sich die Theorie?
- Misstrauen gegenüber Banken und Eliten: Nach Finanzkrisen (wie 2008) wachsen Skepsis und Misstrauen gegenüber Zentralbanken und globalen Finanzinstitutionen.
- Antisemitische Untertöne: Die Theorie bedient oft antisemitische Stereotype, indem sie eine jüdische Familie mit globaler Finanzkontrolle verknüpft.
- Vereinfachung komplexer Sachverhalte: Geldpolitik ist kompliziert – Verschwörungstheorien bieten einfache Erklärungen für wirtschaftliche Ungleichheit.
Fazit
Die Idee, dass die Rothschilds die Federal Reserve kontrollieren, ist eine Verschwörungstheorie ohne Beweise. Sie entspringt einer Mischung aus Finanzkritik, Antisemitismus und Misstrauen gegenüber Institutionen. Während es berechtigte Fragen zur Rolle der Zentralbanken gibt, bietet diese Theorie keine fundierte Grundlage und wird meist in populistischen oder extremistischen Kreisen verbreitet.
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