Köpfe: Richard Freudenberg

Enkel des Firmengründers, fast vier Jahrzehnte Sprecher der Unternehmensleitung von Freudenberg in Weinheim, badischer Landtagsabgeordneter der DDP und Vordenker des Südweststaats: Richard Freudenberg, geboren am 09.02.1892 in Weinheim, vertrat von 1949 bis 1953 den Wahlkreis Mannheim-Land im Bundestag. Er starb am 21.11.1975 in Reutte in Tirol.

Kurzprofil

  • Geboren: 9. Februar 1892 in Weinheim
  • Gestorben: 21. November 1975
  • Beruf: Fabrikant
  • Partei: FDP
  • Bundestag: 1949 bis 1953 (1. Wahlperiode), stets direkt gewählt

Botaniker

Freudenberg war das siebte Kind von Hermann Ernst Freudenberg und wuchs mit neun Geschwistern in Weinheim auf. Nach dem Abitur 1911 studierte er Botanik in Bonn, verbrachte 1912 einen Studienaufenthalt in England, wo er das parlamentarische System kennenlernte, und begann in Berlin eine Doktorarbeit über Kreuzungsversuche mit Kohlpflanzen. Als 1914 der Krieg ausbrach und seine Brüder eingezogen wurden, bat ihn der Vater, ins Unternehmen einzutreten; am 01.09.1914 tat er das.

Unternehmer

1922 kam Freudenberg mit seinen Brüdern in die Unternehmensleitung, nach dem Tod des Vaters 1923 wurde er ihr Sprecher. Er trieb die Internationalisierung voran, 1929 entstand eine Gesellschaft in Boston. In der Weltwirtschaftskrise halbierte die Firma die Arbeitszeit, statt die mehr als 3500 Beschäftigten zu entlassen, und suchte den Ausweg in neuen Produkten: Aus Lederdichtungen für die Autoindustrie wurde 1932 der Simmerring. Nach dem Krieg folgten Vliesstoffe, Vileda und Bodenbeläge, 1960 eine Partnerschaft in Japan.

Dunkle Jahre

Zur Geschichte des Unternehmens gehören auch die Jahre nach 1933: Freudenberg übernahm die Schuhfirma Conrad Tack aus jüdischem Besitz und 1937 und 1938 weitere Firmen im Zuge der Arisierung. Im Krieg lieferte es an die Rüstung und ließ Schuhmaterial auf der Prüfstrecke im KZ Sachsenhausen testen; von 1940 bis 1945 arbeiteten 1845 Zwangsarbeiter in seinen Werken. 1936 wurden die Firmen in Kommanditgesellschaften umgewandelt; dieser Vertrag gilt bis heute.

Landtag

Politisch folgte Freudenberg seinem Vater ab 1919 in den Weinheimer Gemeinderat und saß bald darauf für die linksliberale Deutsche Demokratische Partei im Badischen Landtag in Karlsruhe. Das Erlebnis der englischen Demokratie hatte ihn geprägt.

Südweststaat

1949 zog Freudenberg als Unabhängiger in den Bundestag ein. Er setzte sich maßgeblich für die Vereinigung von Baden, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern ein und entwarf den Abstimmungsmodus, nach dem die Volksabstimmung im Dezember 1951 ausgezählt wurde: in vier Bezirken, von denen drei zustimmen mussten. So entstand 1952 Baden-Württemberg, obwohl in Südbaden eine Mehrheit dagegen stimmte.

Lebensabend

1962 gab Freudenberg mit 70 Jahren das Sprecheramt ab und führte bis 1972 den Gesellschafterausschuss. Er starb 1975 mit 83 Jahren in Tirol und wurde in Weinheim beigesetzt. Die Stammdaten führen ihn als Fabrikanten und ordnen ihn der FDP zu, obwohl er als Unabhängiger gewählt wurde; Religion und Familie nennen sie nicht.

Mandate im Überblick

Bei der ersten Bundestagswahl gewann Freudenberg den Wahlkreis Mannheim-Land direkt, als unabhängiger Kandidat; er blieb nur eine Wahlperiode:

  • 1. Wahlperiode (07.09.1949 bis 07.09.1953): Direktmandat, FDP-Fraktion, Fraktion der FDP (Gast), fraktionslos

Stand: 17.10.2026

Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).

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