Köpfe: Klaus Konrad

Verwaltungsjurist in der Kreisverwaltung Eutin, Umweltpolitiker der SPD und im Alter vor Gericht wegen eines Massakers in der Toskana: Klaus Konrad, geboren am 22.12.1914 in Charlottenburg, gehörte dem Bundestag von 1969 bis 1980 an. Er starb am 15.08.2006 in Scharbeutz.

Kurzprofil

  • Geboren: 22. Dezember 1914 in Berlin-Charlottenburg
  • Gestorben: 15. August 2006
  • Beruf: Kreisverwaltungsdirektor a. D.
  • Partei: SPD
  • Bundestag: 1969 bis 1980 (6. bis 8. Wahlperiode), teils direkt, teils über die Landesliste
  • Religion/Familie: evangelisch, verheiratet, 3 Kinder

Krieg

Konrad studierte Recht in Berlin, legte 1937 und 1941 die Staatsexamen ab und wurde 1942 Regierungsassessor. 1933 trat er der SA bei, zum 1. Mai 1937 der NSDAP, Mitgliedsnummer 5.712.736. Im Krieg war er Oberleutnant der Reserve und Regimentsadjutant, 1943 wurde er Oberstabsintendant bei der Luftwaffe. 1944 war er einer von drei Stabsoffizieren des Infanterie-Regiments 274, das für das Massaker in San Polo verantwortlich gemacht wird.

Eutin

Ab 1947 arbeitete Konrad als Hilfsarbeiter, dann als Anwaltsassessor, 1949 wurde er Rechtsanwalt, 1954 Notar in Eutin, 1956 Kreisverwaltungsrat. 1949 trat er der SPD bei und führte von 1956 bis 1970 den Kreisverband Eutin. Von 1951 bis 1959 saß er in der Stadtvertretung, von 1951 bis 1956 im Kreistag und von 1962 bis 1969 im Landtag, wo er den Ausschuss für Volksgesundheit und später den Verfassungsausschuss leitete.

Umwelt

Die Protokolle zählen 46 Reden mit 26.467 Wörtern und 215 Zwischenrufe. In der ersten am 16. Dezember 1970 begann er mit Robert Koch, der die Umweltprobleme prophetisch vorhergesagt habe. In der letzten am 24. April 1980, 3.482 Wörter lang, ging es um die Antwort der Regierung auf eine Große Anfrage zur Umweltpolitik, die von allen Fraktionen getragen werde. An allen 90 namentlichen Abstimmungen nahm er teil, stets mit seiner Fraktion.

San Polo

Die deutschen Behörden ermittelten 1969 bis 1972 gegen Konrad, werteten seine Rolle aber als verjährten Totschlag. Seit 2004 ermittelte die italienische Militärstaatsanwaltschaft wegen Mordes, 2005 nahm auch die deutsche Justiz die Ermittlungen wieder auf. Im Januar 2006 begann in La Spezia das Verfahren, dem er wegen seines Alters fernblieb. Er bestritt eine Beteiligung an den Erschießungen und räumte nur ein, bei Folterungen anwesend gewesen zu sein. Am 6. Februar 2006 ließ die SPD Schleswig-Holstein seine Mitgliedschaft ruhen. Ab 1975 hatte er den Kreisverband Ostholstein geführt, 1993 war er Ehrenkreisvorsitzender geworden; 2004 trat er von den Ehrenämtern zurück.

Stammdaten

Die Stammdaten nennen ihn Kreisverwaltungsdirektor a. D., evangelisch, verheiratet, drei Kinder. SA- und NSDAP-Mitgliedschaft sowie das Landtagsmandat fehlen dort. Das Handbuch gibt als Todeszeitpunkt August 2004 an, die Stammdaten den 15.08.2006.

Mandate im Überblick

Konrad kam 1969 und 1976 über die Landesliste Schleswig-Holstein, 1972 gewann er Segeberg – Eutin mit 49,2 Prozent:

  • 6. Wahlperiode (20.10.1969 bis 22.09.1972): Landesliste Schleswig-Holstein, SPD-Fraktion
  • 7. Wahlperiode (13.12.1972 bis 13.12.1976): Direktmandat, SPD-Fraktion
  • 8. Wahlperiode (14.12.1976 bis 04.11.1980): Landesliste Schleswig-Holstein, SPD-Fraktion

Stand: 17.10.2026

Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.