Jüngster Doktor im Deutschen Reich, Spätheimkehrer, Studienrat und Präsident des NATO-Parlaments: Georg Kliesing, geboren am 10.02.1911 in Bad Honnef, gehörte dem Bundestag von 1953 bis 1976 für die CDU an. Er starb am 19.07.1992 in Bad Honnef.
Kurzprofil
- Geboren: 10. Februar 1911 in Bad Honnef
- Gestorben: 19. Juli 1992
- Beruf: Oberstudienrat a. D.
- Partei: CDU
- Bundestag: 1953 bis 1976 (2. bis 7. Wahlperiode), teils direkt, teils über die Landesliste
- Religion/Familie: katholisch, verheiratet, 2 Kinder
Studium
Kliesing war der Sohn eines Volksschullehrers. Nach dem Abitur 1928 studierte er in Bonn Philosophie, Recht, Geschichte und Germanistik und wurde mit 21 Jahren bei Max Braubach promoviert, als jüngster Doktor im Reich. Nach den Examen 1933 und 1936 war er Studienassessor in Bonn. Seit 1930 war er im Windthorstbund und im Zentrum und trat 1932 als Wahlkampfredner auf.
Krieg und Gefangenschaft
1939 wurde er eingezogen, erlebte die Feldzüge in Polen und Frankreich und wurde 1941 in Russland verwundet. Die Amerikaner nahmen ihn gefangen und übergaben ihn den Sowjets. Erst im Sommer 1949 kehrte er zurück und wurde wieder Lehrer. 1953 gründete er den Verband der Heimkehrer mit und setzte sich für die Rückkehr der Gefangenen ein.
Partei
1949 trat Kliesing der CDU bei. Er führte von 1951 bis 1961 den Stadtverband Bad Honnef und von 1960 bis 1966 den Kreisverband Siegkreis, saß ab 1958 im Landesvorstand und leitete zeitweise den Bundesausschuss für Verteidigungsfragen. Im Siegkreis erreichte er 1961 59,1, 1965 61,8 und 1969 54,8 Prozent.
Europa und NATO
Ab November 1958 vertrat Kliesing die Bundesrepublik im Europarat als Nachfolger von Franz Meyers. Von 1968 bis 1970 führte er die Christdemokraten im Europarat und in der WEU, deren Verteidigungsausschuss er von 1962 bis 1966 leitete. In der Nordatlantischen Versammlung war er 1963 und 1964 Präsident.
Im Plenum
Die Protokolle zählen 229 Reden mit 68.400 Wörtern. In der ersten am 28. Juni 1955 führte er die Zuhörer von den geistigen Höhenpfaden Adolf Arndts hinab in die Niederungen der Praxis. Die letzte am 10. Juni 1976 warf der Regierung Desinteresse an der Aufklärung einer Angelegenheit vor. Von 295 Abstimmungen versäumte er 13; am 11. Mai 1973 stimmte er gegen die Fraktionsmehrheit für den Beitritt zur UN-Charta. 1965 erhielt er das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern.
Stammdaten
Die Stammdaten nennen ihn Oberstudienrat a. D., katholisch, verheiratet, zwei Kinder. Die Ämter im Europarat und in der NATO-Versammlung fehlen dort.
Mandate im Überblick
Kliesing zog 1953 und 1957 über die Landesliste ein und gewann dann den Siegkreis viermal, zuletzt 1972 mit 52,6 Prozent:
- 2. Wahlperiode (06.10.1953 bis 06.10.1957): Landesliste Nordrhein-Westfalen, CDU/CSU-Fraktion
- 3. Wahlperiode (15.10.1957 bis 15.10.1961): Landesliste Nordrhein-Westfalen, CDU/CSU-Fraktion
- 4. Wahlperiode (17.10.1961 bis 17.10.1965): Direktmandat, CDU/CSU-Fraktion
- 5. Wahlperiode (19.10.1965 bis 19.10.1969): Direktmandat, CDU/CSU-Fraktion
- 6. Wahlperiode (20.10.1969 bis 22.09.1972): Direktmandat, CDU/CSU-Fraktion
- 7. Wahlperiode (13.12.1972 bis 13.12.1976): Direktmandat, CDU/CSU-Fraktion
Stand: 17.10.2026
Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).