Auf manchen Flugrouten wird in der Kabine Insektenspray versprüht, damit keine krankheitsübertragenden Insekten eingeschleppt werden. Eine Kleine Anfrage (Drucksache 16/12336) vom 18. März 2009 fragte, wie gefährlich das für Passagiere ist und warum eine schonendere Methode kaum genutzt wird. Die Antwort der Bundesregierung (Drucksache 16/12790) kam mit Schreiben des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung vom 24. April 2009.
Worum es ging
Die Fragesteller beschrieben das sogenannte in-flight spraying: Vor der Landung werden in Gegenwart von Passagieren und Crew Kurzzeitinsektizide in der Kabine versprüht. Es habe wiederholt Beschwerden von Fluggästen gegeben. Eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts ITEM habe 2004 ein Gesundheitsrisiko bestätigt, während die WHO die Wirkstoffe weiter als unbedenklich einstufe.
Als Alternative nannten die Fragesteller die 2005 vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) entwickelte Preembarkation-Methode. Dabei wird die noch leere Kabine am Startflughafen besprüht, und bis zum Boarding hat sich der Wirkstoff niedergeschlagen. Trotz voller Wirksamkeit werde sie in vielen Ländern nicht anerkannt.
Wo gesprüht werden muss
Ob ein Flugzeug von Insekten befreit werden muss, entscheidet laut Antwort der Staat des Zielflughafens. Nach Kenntnis der Bundesregierung war eine Landung nur nach vorheriger Desinsektion in Australien, Neuseeland und Indien zulässig. Die Informationen seien aber begrenzt, weil die nationalen Gesundheitsbehörden zuständig sind.
Für Deutschland gilt: Grundsätzlich muss keine Airline vor der Landung eine Desinsektion durchführen. Im Einzelfall kann das zuständige Gesundheitsamt des Flughafens das bei Flügen aus Endemiegebieten anordnen. Deutsche Fluggesellschaften betreiben nach Kenntnis der Regierung kein in-flight spraying.
Das Gesundheitsrisiko
- Die Bundesregierung schloss sich der Bewertung des BfR an, dass das in-flight spraying ein Gesundheitsrisiko für die Kabineninsassen darstellt. Die Antwort lautete: „Ja“.
- Wie viele Passagiere Beschwerden bekommen, wisse die Regierung nicht.
- Eine Pflicht, Fluggäste vorab zu informieren, gibt es nicht.
- Die WHO stützt sich auf einen Bericht von 2005, wonach keine systemische Gefahr für Passagiere, Kinder und Bordpersonal besteht.
Warum die deutsche Methode nicht fliegt
Die in Deutschland entwickelte Preembarkation-Methode kam bei Abflügen aus Deutschland nicht zum Einsatz, weil die angeflogenen Zielländer mit Desinsektionspflicht sie nicht zugelassen hatten. Gründe dafür kannte die Regierung nicht. Sie verwies aber darauf, dass die WHO die Methode nicht offiziell als anerkannte Methode veröffentlicht hat. Eine breitere Anwendung gehe nur über die WHO.
Seit Mitte der 1990er Jahre habe sich die Bundesregierung bei der WHO für risikoärmere Verfahren eingesetzt. 1995 meldete sie Bedenken an, 1997 folgte eine Expertenkonferenz im Umweltbundesamt, dazu kamen Forschungsvorhaben, deren Ergebnisse 2004 und 2006 veröffentlicht und vom BfR an die WHO weitergegeben wurden.
Chemikalienfreie Methoden wie Luftströme an den Flugzeugtüren befürwortete die Regierung grundsätzlich. Praktisch sei das bisher an Logistik und Infrastruktur gescheitert. Bei einem 90-minütigen Stopp eines großen Flugzeugs würden neben den Passagiertüren mindestens vier weitere Türen geöffnet, etwa für Catering und Reinigung.
Einordnung
Bemerkenswert ist das klare „Ja“ zum Gesundheitsrisiko, verbunden mit dem Eingeständnis, dass Deutschland daran wenig ändern kann. Mehr zum Begriff erklärt Wikipedia. Um Belastungen an Bord geht es auch in unserem Beitrag zum Treibstoffschnellablass.
Quellen
- Kleine Anfrage, Drucksache 16/12336 vom 18.03.2009
- Antwort der Bundesregierung, Drucksache 16/12790 vom 28.04.2009
- Desinsektion, Wikipedia
Hinweis: Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt und anhand der verlinkten Drucksachen geprüft.
Stand: 23.10.2026
