Ein Jahr vor dem großen Regierungsumzug pendelten schon Hunderte Beschäftigte der Bundesministerien zwischen Rhein und Spree. Die Fragesteller hakten im September 1998 zum zweiten Mal nach, wie viele es sind und was das kostet (Kleine Anfrage, Drucksache 13/11434). Die Bundesregierung beantwortete die Kleine Anfrage durch das Bauministerium mit Schreiben vom 30. September 1998 (Antwort, Drucksache 13/11457).
Warum es eine zweite Anfrage gab
Laut den Fragestellern hatte die Regierung schon die erste Anfrage im August nicht beantwortet und auf einen Bericht an die Personal- und Sozialkommission des Ältestenrats verwiesen. Dauerhaftes Pendeln halten die Fragesteller aus Kosten-, Umwelt- und Logistikgründen für unvertretbar. Sie nennen auch eine Zahl: 111 316 Shuttleflüge zwischen Berlin und Bonn im Jahr 1997.
Die Zahlen
Wegen getrennter Wohn- und Arbeitsorte pendelten laut Antwort 528 Bedienstete oberster Bundesbehörden. Am meisten beim Innenministerium (109), dann beim Wirtschaftsministerium (82) und beim Auswärtigen Amt (50). Darunter waren viele Berliner, die in Bonn arbeiteten und denen man einen Zwischenumzug an den Rhein nicht zumuten wollte. 73 pendelten schon länger als zwei Jahre, 109 sogar länger als vier.
Umgezogen waren nach den Sonderregeln für den Umzug bis dahin erst 215 Bedienstete: 214 nach Berlin, einer nach Bonn.
Was offen blieb
- Shuttle-Kosten pro Flug: werden nicht veröffentlicht. Der Vertrag mit der Arbeitsgemeinschaft Deutsche BA/Germania enthalte betriebsinterne Daten.
- Reisen mit Bahn, Auto oder anderen Airlines 1997: Die Auswertung aller Reisekostenabrechnungen wäre zu aufwendig.
- Pendelkosten 1991 bis 1998: liefen über die allgemeinen Haushaltsansätze, eine Aufschlüsselung sei ebenfalls zu aufwendig.
Gezahlt wurden Trennungsgeld und Reisebeihilfen für Familienheimfahrten nach der Trennungsgeldverordnung.
Die Prognose
Den Höhepunkt erwartete die Regierung in der zweiten Hälfte 1999, wenn die meisten Behörden umziehen. Für die Strecke Arbeitsort Berlin, Wohnort Bonn rechnete sie mit 4 380 Familienheimfahrten im vierten Quartal 1999, danach wieder sinkend. Freitags und montags kämen jeweils etwa 450 Dienstreisende dazu. Bewältigen wollte man das mit Flugzeug und Bahn und indem Reisen auf Sonntagabend statt Montag früh verteilt werden. Nach 2000 erwartete die Regierung deutlich weniger Heimfahrten.
Späterer Stand
Gependelt wird bis heute, weil das Berlin/Bonn-Gesetz zwei Regierungsstandorte festschreibt. Laut Teilungskostenbericht gab es 2023 noch 11 202 teilungsbedingte Dienstreisen zwischen beiden Städten für zusammen 5,2 Millionen Euro, berichtete die Berliner Tageszeitung unter Berufung auf den Spiegel. Die Teilung insgesamt kostete demnach 9,1 Millionen Euro.
Einordnung
Der Umzug nach Berlin beschäftigte den Bundestag jahrelang. Bei uns gibt es dazu den Umbau des BMI-Leitungsbereichs im Spreebogen und die Alliiertenwohnungen für den Regierungsumzug.
Quellen
- Kleine Anfrage, Drucksache 13/11434 vom 11.09.1998
- Antwort der Bundesregierung, Drucksache 13/11457 vom 02.10.1998
- Berliner Tageszeitung, 22.03.2024: Wieder deutlich mehr Dienstreisen zwischen Bonn und Berlin
Hinweis: Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt und anhand der verlinkten Drucksachen geprüft.
Stand: 23.10.2026
