Fotografie: Latticed window at Lacock Abbey von William Henry Fox Talbot

William Henry Fox Talbot entwickelte als einer der ersten ein Verfahren, mit dem sich halbwegs lichtechte und dauerhafte Fotografien herstellen ließen – und vor allem: Er machte es öffentlich zugänglich. Es war weder das allererste Verfahren überhaupt noch das erste, das angekündigt wurde. Aber es war das erste, das praktisch nutzbar und reproduzierbar war.

Als Anfang Januar 1839 in Paris die Daguerreotypie von Louis Daguerre bekannt gemacht wurde – ohne technische Details –, meldete sich Talbot umgehend zu Wort und reklamierte Priorität. Er verwies auf eigene Experimente, die bereits 1834 begonnen hatten. Am 25. Januar 1839 zeigte er bei einem „Friday Evening Discourse“ in der Royal Institution mehrere Papierfotografien aus dem Jahr 1835. Kurz darauf informierte er die Royal Society zunächst allgemein, dann detaillierter über sein Verfahren. Daguerre hingegen ließ bis Mitte August 1839 keine brauchbaren Details durchsickern – wobei sich bereits im Frühjahr abzeichnete, dass beide Verfahren grundlegend verschieden waren.

Talbots frühes Verfahren – das „salted paper“ oder auch „photogenic drawing“ – war chemisch ebenso simpel wie genial. Er tränkte gewöhnliches Schreibpapier in eine schwache Kochsalzlösung (Natriumchlorid), ließ es trocknen und bestrich eine Seite anschließend mit einer starken Silbernitratlösung. Dadurch entstand eine lichtempfindliche Schicht aus Silberchlorid, die sich bei Lichteinwirkung dunkel färbte.

Das Entscheidende: Es handelte sich um ein sogenanntes „printing-out“-Verfahren. Das Bild entstand direkt während der Belichtung und musste so lange im Licht bleiben, bis der gewünschte Dunkelungsgrad erreicht war. Bei Fotogrammen – also Schattenbildern von aufgelegten Objekten – funktionierte das relativ einfach in der Sonne. Wollte man jedoch mit einer Kamera arbeiten, waren Belichtungszeiten von ein bis zwei Stunden nötig, sofern man mehr als bloße Silhouetten vor hellem Himmel wollte.

Andere hatten zuvor mit Silbersalzen experimentiert – etwa Thomas Wedgwood oder Nicéphore Niépce. Sie konnten Schatten- und Kamerabilder erzeugen, scheiterten aber an einem entscheidenden Punkt: der Fixierung. Ihre Bilder schwärzten sich im Tageslicht unaufhaltsam weiter, bis nichts mehr zu erkennen war. Talbots eigentliche Leistung bestand darin, chemische Wege zur Stabilisierung zu entwickeln. Seine Bilder wurden so weitgehend unempfindlich gegenüber weiterem Licht, dass man das im Kameranegativ entstandene Bild in direktem Sonnenlicht auf ein weiteres Blatt Salzpapier kopieren konnte – und damit erstmals zuverlässig ein Positiv aus einem Negativ erzeugte.

Und genau hier liegt der eigentliche Durchbruch: Nicht nur ein Bild festhalten – sondern es reproduzierbar machen.

Die Idee des Negativ-Positiv-Verfahrens war geboren.

Hier noch ein Bild eines der Negative von Talbott, das im August 1835 entstand:

Und hier habe ich Gemini einen der Abzüge (siehe ganz oben) optimieren lassen:

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