Fotografie: The Valley of the Shadow of Death

Ein Foto einer kargen Schlucht, übersät mit Kanonenkugeln, die von den russischen Verteidigungsstellungen abgefeuert wurden. Roger Fenton nahm dieses Bild am 24. April 1855 südöstlich von Sewastopol während des Krimkriegs auf – genau dort, wo kurz zuvor noch Geschosse einschlugen. Er wollte ursprünglich an einer anderen Stelle fotografieren, musste aber weichen, weil die russische Artillerie genau auf diesen Punkt feuerte. „Es war klar, dass die Feuerlinie genau über die Stelle ging, die ich gewählt hatte“, schrieb Fenton. Also rückte er rund 100 Meter ab – und konnte dann in relativer Sicherheit arbeiten, auch wenn weiterhin genug Kugeln um ihn herum einschlugen.

Das Foto trägt den Titel „The Valley of the Shadow of Death“ – eine Anspielung auf Psalm 23 („…though I walk through the valley of the shadow of death…“). Es zeigt mit fast dokumentarischer Nüchternheit, wie kahl und lebensfeindlich das Gelände war, in dem Schlachten wie Balaklawa oder Inkerman ausgetragen wurden.

Fenton (1819–1869) gilt als einer der ersten Kriegsfotografen überhaupt. Er reiste im Auftrag der britischen Regierung auf die Krim, um Bilder zu liefern, die den Krieg einerseits dokumentieren, andererseits aber auch nicht zu schockierend wirken sollten. Seine Aufnahmen – meist Albuminabzüge auf Papier – sind damit frühe Beispiele zwischen Kriegsbericht und Propaganda.

Dieses Originalfoto (Maße etwa 35 × 26 cm) befindet sich heute in der Royal Collection und wurde einst von Edward VII, damals noch Prince of Wales, erworben. Es gehört zu den bekanntesten Aufnahmen des 19. Jahrhunderts – und zu den ersten, die die tödliche Leere des Schlachtfelds zeigen, noch bevor der moderne Kriegsjournalismus überhaupt existierte.

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