Meinung: “Das geht mal gar nicht” ist kein Diskussionsbeitrag

Dieser Blödsinn kommt mir mittlerweile so oft unter, dass ich etwas darüber sagen muss: Jemand macht eine kontroverse Aussage in einem öffentlichen, sozialen Medium (Facebook, Twitter etc.) und die Reaktionen lauten wie folgt:

  • Voll daneben
  • Big oof
  • Dümmster Beitrag ever
  • Das geht ja mal gar nicht

Glückwunsch! Ihr seid jetzt schon nutzloser als der Verfasser der anstößigen Aussage. Ihr sagt mit diesen undurchdachten Reaktionen nur “Diese Aussage deckt sich nicht mit meinem Verständnis von Moral”. OK, damit komme ich klar.

Es wäre schön zu erfahren warum dem so ist, denn nur so entsteht Diskurs und tatsächlicher Meinungsaustausch. Ob ihr es glaubt oder nicht; Der unglückselige Pinselschwinger, den ihr so unzureichend kritisiert, könnte tatsächlich etwas lernen, wenn ihr ihm nur an dem Denkprozess teilhaben ließet, der ihm eure Antipathie eingebracht hat.

Ich weiß, dass ihr (wie wir alle) denkt, eure Position sei so vernünftig und offensichtlich, dass jeder, der das anders sieht, sowieso nicht zu retten ist. Stimmt aber nicht. Unsere Positionen entscheiden sich aus so vielen Faktoren, dass ihr euch selbst gegenüber unehrlich seid, wenn ihr direkt vermutet, dass schiere Dummheit oder ideologisch-politischer Extremismus hinter der Aussage eures Gegenüber steht.

Tut euch und eurem Umfeld einen Gefallen und fangt an, eure Positionen in Worte zu fassen, lasst den Ersteller elaborieren anstatt ihn direkt zum Buhmann zu degradieren.

Fordert heraus, anstatt anzuprangern. Lasst Andere von euch lernen… und vielleicht lernt ihr ja auch das Eine oder Andere. Vielleicht öffnet sich auch für euch ein Blickwinkel, den ihr zuvor noch nie bedacht habt.

Mir passiert das ständig und ich wachse daran.

Dies ist ein Gastbeitrag von Jo Voorhees. Auf twitter findet man ihn unter @TheKrachMensch

Dokumentiert: Der Hass Tweet von Sebastian Pertsch

Sebastian Pertsch auf twitter:

Kann man diese rechten Arschlöcher nicht mal ausbürgern, für ein Jahr nach Mali schicken, zurückholen, in ein Asylheim stecken und anzünden?

Köpfe: Krishna Goineau

Krishna Goineau, auch unter dem Pseudonym Jerry Latex aktiv, ist ein ehemaliger Musiker. Bekannt wurde er in seiner Rolle als Sänger der Band Liaisons Dangereuses.

Goineau lebte in den 1970er Jahren in Barcelona. Im Alter von 15 Jahren begegnete er Javier Hernando und gründete mit diesem 1979 die Post-Punk-Gruppe Xeerox. 1981 zog er nach Düsseldorf und anschließend nach Berlin. Er wurde Sänger der Liaisons Dangereuses und gab dem Hit “Los niños del parque” seine unverwechselbare Note.

Ende der 1980er lebte Goineau in Brüssel und war Sänger und Keyboarder der Projekte Metropakt und Velodrome, die er zusammen mit Jordi Guber (Jorge Gubert) realisierte. Außerdem war er Sänger der 1986 in Frankfurt am Main gegründeten Band Micro Chip League (MCL) um Alexander Henninger.

Reductio ad Hitlerum

Die “Reductio ad Hitlerum” (Rückführung auf Hitler, Reduzierung auf Hitler) ist ein Mittel in Diskussionen, um Argumente in einfacher Weise zu diskreditieren.

  • Hitler hatte keinen Führerschein, Hitler war abgrundtief schlecht – alle Menschen ohne Führerschein sind abgrundtief schlecht.
  • Hitler war Vegetarier, Hitler war Nazi – alle Vegetarier sind Nazis

Der Begriff geht auf den Philosophen Leo Strauss zurück, der 1953 schrieb:

Unfortunately, it does not go without saying that in our examination we must avoid the fallacy that in the last decades has frequently been used as a substitute for the reductio ad absurdum: the reductio ad Hitlerum. A view is not refuted by the fact that it happens to have been shared by Hitler.

Leider ist es nicht selbstverständlich, dass wir bei unserer Prüfung den Irrtum vermeiden müssen, der in den letzten Jahrzehnten häufig als Ersatz für die “Reductio ad Absurdum” verwendet wurde: die “Reductio ad Hitlerum”. Eine Ansicht wird nicht dadurch widerlegt, dass sie auch von Hitler geteilt wurde.

Thomas Fleming griff dies im Jahr 2000 auf:

Leo Strauss called it the “Reductio ad Hitlerum”. If Hitler liked neoclassical art, that means that classicism in every form is Nazi; if Hitler wanted to strengthen the German family, that makes the traditional family (and its defenders) Nazi; if Hitler spoke of the “nation” or the “folk”, then any invocation of nationality, ethnicity, or even folkishness is Nazi.

Leo Strauss nannte es “Reductio ad Hitlerum”. Wenn Hitler klassizitische Kunst mochte, bedeutet das, dass der Klassizismus in jeder Form Nazi ist; wenn Hitler die deutsche Familie stärken wollte, macht das die traditionelle Familie (und ihre Verteidiger) zu Nazis; wenn Hitler von der “Nation” oder dem “Volk” sprach, dann ist jede Anrufung von Nationalität, Ethnizität oder gar Volksnähe Nazi.

Eine einfachere Bezeichnung für diese Argumentationsmethode ist weghitlern.

Liste: Die Serienmörder in Mindhunter

Hier finden Sie eine Liste der Serienmörder, die in der Netflix Serie Mindhunter vorkommen.

Paul Bateson

Darrell Gene Devier*

William Henry Hance

Elmer Wayne Henley

Edmund “Ed” Kemper

Charles Manson**

William Pierce Jr.

Dennis Rader

Montie Rissell

Richard Speck

Tex Watson

Wayne Williams

* Nur ein Mord.
** Nicht selbst gemordet

Der Mitteldeutschland tweet von @saefken

“Sie bezeichnen alle Mitteldeutschen…” – Nein! Wenn sich irgendein Bundesland mit Fug und Recht als Mitteldeutschland bezeichnen kann, dann ist es Hessen, aber ganz sicher nicht die Heimat von Mändy, Mariö und Rönny.

Christian Saefken, berüchtigt auf twitter, hat wieder einmal zugeschlagen. Ich behaupte – solange solche tweets noch so viele Likes bekommen, ist es noch ein weiter Weg zur inneren Einheit Deutschlands.

Dokumentiert: “Wir sind die Menschen” von Heinz-Rudolf Kunze

Heinz-Rudolf Kunze hat bei einem Auftritt in Teltow passende Worte zur politischen Lage in Deutschland Ende 2019 gefunden. Gerne dokumentiere ich diese, sind sie doch ein wohltuender Kontrast zu Grönemeyer.

Wir sind die Menschen, denen beim Wort “Volk” eher das das Wort “Pack” einfällt als das Wort Volksgemeinschaft.

Wir sind die Menschen die mit Jimi Hendrix und David Bowie aufgewachsen sind und nicht mit den Finstertaler Zipfellutschern und DJ Hirni.

Wir sind die Menschen die offen sind für die Welt, nicht offen wie ein Scheunentor, das wäre unklug und würde hier zu einem Bürgerkrieg führen. Sondern offen in einem Sinne von neugierig und gastfreundlich. Weil auch wir überall, wo wir nicht zu Hause sind, Gäste sind und uns dementsprechend zu benehmen haben.

Wir sind die Menschen, die nicht verbockt und miefig unter sich bleiben wollen und weder etwas gegen Fremde haben die bei uns zu Gast sein wollen noch gegen Fremde, die zu uns kommen, um irgendwann nicht mehr Fremde zu sein, sondern zu uns gehören wollen, indem sie alle Spielregeln akzeptieren, die hier bei uns gelten. Weil solche Menschen unser Gemeinwesen bereichern, ob es sich rechnet oder nicht, und uns nebenbei vor dem Aussterben retten.

Wir sind die Menschen, die zutiefst davon überzeugt sind, dass das beste Heilmittel gegen Engstirnigkeit, Dummheit, Angst und Hass Bildung ist. Und wir sind entsetzt über die fast schon systematische Verblödung unserer Kinder in den öffentlichen Schulen, bei denen leistungsfeindliche kindungerechte sogenannte Pädagogen den Ton angeben und nicht Lehrer, die diesen Namen verdienen.

Wir sind die Menschen, die sich Sorgen machen um die Zukunft, aber auch um die Gegenwart, denn wir haben schon genug Hysterien, Panikmachen und Aufregungsmoden miterlebt, die 68er, Nachrüstung, Waldsterben, Atomfurcht… Wir halten nichts von vorwiegend jugendlichen durchgeknallten Sekten, die sich aufführen wie im finsteren Mittelalter und mit veganem Schaum vor dem Mund am liebsten alle SUV-Fahrer kreuzigen möchten.

Zukunft ja, aber nicht mit tollwütigen Verboten, Reglementierungen und Zwängen, sondern mit kreativen Innovationen und Initiativen. Wir sind weder Moralpächter und Correctness Klugscheißer noch rechtsdrehende Ratten für die diesbezüglichen Fänger, wir sind die Bewohner dieses schönen Gegend.

Wir sind die Bürger.

Wir sind die Menschen.

In Europäischer Hand – Herkunft der Träger des Literaturnobelpreises

Während man bei den naturwissenschaftlichen Nobelpreisen eine starke USA-Lastigkeit sieht, ist der Literaturnobelpreis noch recht fest in europäischer Hand.

  • roter Balken: europäischer Preisträger
  • blauer Balken: nordamerikanischer Preisträger
  • lila Balken: südamerikanischer Preisträger
  • gelber Balken: asiatischer Preisträger
  • grüner Balken: afrikanischer Preisträger
  • weißer Balken: nicht vergeben

Liste: Die Literatur-Nobelpreisträgerinnen

Der Nobelpreis für Literatur wurde zwischen 1901 und 2019 bislang an 15 Frauen vergeben:

1909: Selma Lagerlöf

1926: Grazia Deledda

1928: Sigrid Undset

1938: Pearl S. Buck

1945: Gabriela Mistral

1966: Nelly Sachs

1991: Nadine Gordimer

1993: Toni Morrison

1996: Wisława Szymborska

2004: Elfriede Jelinek

2007: Doris Lessing

2009: Herta Müller

2013: Alice Munro

2015: Swetlana Alexijewitsch

2018: Olga Tokarczuk

 

Meinung: Warum man Sibel Schick durchaus unterstützen kann – und eine kleine Anmerkung zu Filterblasen und Meinungsfreiheit

Sibel Schick? Sibel Schick!

Sie “ist in der Türkei geboren und aufgewachsen, und wohnt seit 2009 in Deutschland. Sie ist Mitgründerin der anti­sexistischen Online-Plattform erktolia.org, auf der sie sich mit anderen Aktivist*innen gegen Sexismus in der Werbung und Sprache einsetzte, und gegen diskriminierende Gesetzgebungen protestierte und online Kampagnen organisierte. Seit 2016 arbeitet sie als freie Autorin (taz, Huffington Post) und Social-Media-Redakteurin.”

Damit ist Sibel in vielen Dingen sowas wie ein Gegenentwurf zu mir, der ich wohl von ihr eher in die “Alter weißer Mann” Schublade gesteckt würde. Dennoch folge ich ihr auf twitter – lohnt sich, da ich durch Ihre tweets eben einen Einblick in andere Welt erhalte und für Probleme sensibilisiert werde, die ich so nicht kenne. Und klar, Sibel folgt ihrer Agenda und ihren Schlussfolgerungen stimme ich in ihrer – wohl ihrem jugendlichen Alter und Zielgruppe geschuldeten – Radikalität längst nicht immer zu. Auf der anderen Seite ist sie auch jemand, der immer wieder über den Tellerrand schaut und dem Mainstream ihrer Filterblase nicht blind folgt. Und damit lohnt sich das Folgen gleich doppelt, da sie einen eben immer wieder überrascht.

Generell finde ich ja, dass man aus seinen eigenen Filterblasen ausbrechen sollte und gerade auch Menschen mit ganz anderen Meinungen folgen sollte, weswegen ich hier also eine ganz klare Empfehlung für @sibelschick ausspreche. Und wer nicht auf twitter ist, holt sich z.B. bei Amazon oder dem Buchhändler seines Vertrauens ihr Büchlein “Deutschland schaff ich ab”.

Sie hat sich jetzt übrigens entschieden, Soziologie zu studieren und dieses Vorhaben kann man jetzt bei Patreon unterstützen. Was ich getan habe, da die eigene Freiheit immer nur soviel wert ist, wie einem auch die Freiheit der anderen wert ist (oder so ähnlich).

Also, los.