American Solidarity Party: Geschichte, Programm und christliche Sozialpolitik in den USA

Abstrakte redaktionelle Illustration zu Geschichte und politischen Ideen von American Solidarity Party, ohne offizielles Parteilogo.

Gegen Abtreibung und gegen die Todesstrafe, für eine allgemeine Gesundheitsversorgung und für ein traditionelles Eheverständnis: Die American Solidarity Party passt schlecht in die vertrauten Schubladen der US-Politik. Ihre Anhänger wollen sich nicht entscheiden müssen, welcher Teil ihrer Überzeugungen bei einer Wahl unter den Tisch fällt. Sie versuchen, aus christlicher Sozialethik ein eigenständiges politisches Angebot zu machen.

Die ASP ist eine kleine Partei. Ihr Interesse liegt weniger in der Aussicht, kurzfristig das Weiße Haus zu übernehmen, als in einer ungewöhnlichen Verbindung von Positionen. Sie zeigt, dass religiös geprägte Politik nicht zwangsläufig wirtschaftsliberal sein muss und sozialstaatliche Forderungen nicht automatisch mit gesellschaftspolitischem Liberalismus einhergehen.

Eine amerikanische Variante der Christdemokratie

Die organisatorischen Anfänge liegen 2011. Zunächst trat die Initiative als Christian Democracy Party-USA auf; später nahm sie den Namen American Solidarity Party an. Präsidentschaftskandidat Michael Maturen erläuterte diese Herkunft in einem Interview von 2016. Die katholische Soziallehre war eine wichtige Inspiration. Mitgliedschaft sollte nach seiner Darstellung jedoch auch Menschen anderer Religionen und Menschen ohne christlichen Glauben offenstehen, sofern sie die Grundprinzipien teilten.

Christdemokratie meint hier eine politische Tradition mit eigenem Menschenbild: Der Mensch gilt als Person mit unverlierbarer Würde, zugleich als soziales Wesen, das Familie, Nachbarschaft und verlässliche Institutionen braucht. Daraus lässt sich weder ein möglichst allmächtiger Staat noch ein Markt ableiten, der jede soziale Frage selbst lösen soll. Eine amerikanische Kopie der deutschen CDU ist die ASP dennoch nicht. Ihre Positionen müssen an ihrem eigenen Programm gemessen werden.

Aus einer kleinen Initiative wird eine Wahlpartei

Nach der eigenen Organisationsgeschichte erfolgte 2016 die formale Gründung als Körperschaft. Im selben Jahr trat Mike Maturen als Präsidentschaftskandidat an. 2020 folgte das Team Brian Carroll und Amar Patel. Die Partei nennt für dieses Ticket 42.305 Stimmen. Das war gegenüber der ersten Kampagne ein Zuwachs, gemessen an den großen Parteien aber weiterhin eine sehr kleine Größenordnung.

2024 war Peter Sonski der Präsidentschaftsbewerber. Ein Bericht über seinen Besuch am Holy Cross College zeigt, wie eng auch diese Kandidatur mit der Vermittlung politischer Grundideen verbunden war: Solidarität, Subsidiarität und die Verantwortung des Gemeinwesens standen im Mittelpunkt. Die Präsidentschaftskampagnen dienten damit auch dazu, eine politische Sprache bekannt zu machen, die in den USA weniger vertraut ist als in Teilen Europas.

Solidarität und Subsidiarität gehören zusammen

Solidarität bedeutet in diesem Denken, dass Menschen füreinander Verantwortung tragen und Bedürftigkeit nicht einfach als persönliches Versagen abgetan werden darf. Subsidiarität ergänzt diesen Gedanken: Aufgaben sollen möglichst dort gelöst werden, wo die Betroffenen selbst handeln können. Größere Institutionen sollen helfen, wenn kleinere Gemeinschaften dazu nicht ausreichen. Maturen erläuterte das am Beispiel örtlicher Hilfseinrichtungen. Das ist kein pauschales Argument gegen staatliche Leistungen.

Der damalige Parteivorsitzende Amar Patel erklärte diese Verbindung in einem Interview mit Patheos. Zur philosophischen Grundlage zählte er neben Personalismus und Solidarität auch die Vorstellung breit gestreuten Eigentums. Der Einzelne soll nicht bloß Empfänger von Hilfe sein, sondern möglichst selbst wirtschaftliche und gesellschaftliche Handlungsmacht besitzen.

Lebensschutz über die Abtreibungsfrage hinaus

Die Partei verbindet ihre Ablehnung von Abtreibung mit dem Einsatz gegen Todesstrafe, Folter und Euthanasie. In ihrer öffentlichen Selbstdarstellung gehört dazu ausdrücklich auch der Zugang zu Gesundheitsversorgung, Wohnraum und einem menschenwürdigen Lebensunterhalt. Die Grundidee lautet: Wer menschliches Leben schützen will, muss auch die Bedingungen seines Fortbestehens ernst nehmen.

Diese Verbindung erklärt, weshalb die ASP mit beiden großen Parteien zugleich Berührungspunkte und Konflikte hat. Ihre Anhänger können republikanische Positionen zum ungeborenen Leben teilen und sich dennoch gegen Kürzungen sozialer Hilfen wenden. Umgekehrt können sie demokratische Forderungen nach sozialer Absicherung unterstützen und deren Abtreibungspolitik entschieden ablehnen. Die ASP versteht diese Kombination als Konsequenz eines gemeinsamen Prinzips, nicht als zufällige Mischung.

Gesundheit und Familie: soziale Unterstützung, konservative Grenzen

Das veröffentlichte Parteiprogramm verlangt eine allgemeine Gesundheitsversorgung. Bei der konkreten Organisation lässt es unterschiedliche Wege zu, darunter öffentliche Finanzierung und gemeinschaftliche Versorgungsmodelle. Zugleich fordert es rechtliche Beschränkungen von Abtreibung und einen Schutz des Lebens ab der Empfängnis. Diese Position ist als politische und ethische Forderung der Partei zu verstehen.

Gesellschaftspolitisch vertritt die ASP ein deutlich konservatives Familienbild. Sie definiert die Ehe als Verbindung eines Mannes und einer Frau und fordert Änderungen jener Gesetze und Entscheidungen, die davon abweichen. Dazu gehören im Programm auch gleichgeschlechtliche Ehen und die verschuldensunabhängige Scheidung. Hier liegt ein grundlegender Konflikt mit liberalen Vorstellungen von Selbstbestimmung und rechtlicher Gleichstellung. Die sozialen Forderungen der Partei beseitigen diesen Gegensatz nicht.

Eigentum verteilen statt nur Einkommen umverteilen

Ein charakteristischer Begriff ist Distributismus. Gemeint ist eine Wirtschaftsordnung, in der produktives Eigentum möglichst breit verteilt ist. Kleine Unternehmen, Familienbetriebe und gemeinschaftliche Eigentumsformen sollen gegenüber hoch konzentrierter Wirtschaftsmacht gestärkt werden. In Patels Darstellung ist das ausdrücklich eine Alternative zu einer Wirtschaft, in der die meisten Menschen kaum Einfluss auf ihre Arbeitsbedingungen und Produktionsmittel besitzen.

Das unterscheidet den Ansatz sowohl von einem reinen Verstaatlichungsprogramm als auch von der Vorstellung, jede Konzentration privaten Eigentums sei unproblematisch. Eigentum bleibt erwünscht, aber seine Verteilung wird zur politischen Frage. Daraus ergibt sich ein anspruchsvoller Prüfmaßstab: Eine Maßnahme wäre nicht schon deshalb gut, weil sie das Wachstum erhöht. Entscheidend wäre auch, ob sie Familien, Arbeitnehmern und lokalen Gemeinschaften mehr Eigenständigkeit verschafft.

Weshalb „Mitte“ als Beschreibung zu kurz greift

In einem Gespräch mit dem Magazin Comment beschrieb Parteifunktionär Allen Mickle die ASP bei gesellschaftlichen Fragen eher rechts der Mitte, bei wirtschaftlichen Fragen und staatlichen Eingriffen eher links davon. Zugleich wehrte er sich gegen die Vorstellung einer bloßen Mittepartei. Es gehe um eigene Grundsätze, nicht darum, zwischen den Positionen von Demokraten und Republikanern jeweils den Mittelwert zu bilden.

Diese Unterscheidung ist hilfreich. Eine kleine Partei kann in einzelnen Fragen sehr entschieden auftreten und trotzdem in das übliche Links-rechts-Schema schlecht hineinpassen. Die ASP versucht, solche Entscheidungen aus ihrem Menschenbild zu begründen. Ob man diese Begründungen überzeugend findet, hängt nicht zuletzt davon ab, welche Bedeutung man religiösen Vorstellungen für allgemein verbindliche Gesetze beimisst.

Einwanderung, Frieden und Verantwortung für die Umwelt

Schon Maturen verband 2016 die Forderung nach geordneten Grenzen mit der Suche nach einem rechtlichen Weg für Menschen ohne regulären Aufenthaltsstatus. Er setzte auf Diplomatie und Zurückhaltung beim Einsatz militärischer Gewalt. Das war keine Erklärung eines absoluten Pazifismus: Eine Reaktion auf einen Angriff schloss er nicht aus. Solche Aussagen beschreiben die damalige Kandidatur und dürfen nicht ungeprüft als Detailprogramm jeder späteren Führung gelesen werden.

Umweltverantwortung gehört ebenfalls zum Selbstverständnis. Die ASP verbindet den Schutz von Luft, Wasser und Lebensgrundlagen mit dem Gedanken, dass Menschen für ihre Mitmenschen und kommende Generationen verantwortlich sind. Interessant ist daran die Begründung: Umweltschutz erscheint als Verpflichtung gegenüber dem gemeinsamen Lebensraum. Er steht damit im Zusammenhang mit der sozialen und familienpolitischen Argumentation der Partei.

Aufbauarbeit statt Durchbruch

Die ASP existiert nicht nur als Erinnerung an frühere Präsidentschaftskandidaten. Ein Beschluss ihres Nationalkomitees vom Juli 2026 regelte die Vorbereitung weiterer Parteitage und Delegiertenwahlen. Die Organisation verfügt über eine nationale Führung und regionale Gliederungen. Damit ist fortgesetzte Parteiarbeit belegt; daraus folgt noch keine große Wählerbasis.

Die Präsidentschaftswahl bietet Aufmerksamkeit, der langfristige Aufbau einer Partei verlangt dagegen viele unspektakuläre Schritte: Mitglieder gewinnen, Kandidaten finden, lokale Themen bearbeiten und Vertrauen erwerben. Gerade für eine Organisation mit ungewöhnlicher Programmkombination ist das schwierig. Menschen können einem Teil ihrer Positionen zustimmen und einen anderen entschieden ablehnen. Eine rechnerische Schnittmenge aus Unzufriedenen ist noch keine stabile politische Mehrheit.

Die American Solidarity Party macht somit eine bestimmte Leerstelle im amerikanischen Parteiensystem sichtbar. Sie bietet christlich geprägten Wählern eine eigenständige Verbindung von Lebensschutz, sozialer Verantwortung und gemeinschaftsorientierter Wirtschaftspolitik an. Ihre Bedeutung lässt sich daran erklären, ohne ihre Größe zu überzeichnen oder ihre umstrittenen gesellschaftspolitischen Forderungen auszublenden.

AI-Transparenz: Dieser Artikel wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz recherchiert und geschrieben. Quellen sind im Text verlinkt; Parteipositionen werden als solche wiedergegeben. Das abstrakte Artikelbild wurde ebenfalls mit KI erstellt und ist kein offizielles Parteilogo. Recherchestand: 2. November 2026.

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