Independent Party of Connecticut: Geschichte, Programm und der Streit um politische Eigenständigkeit

Abstrakte Flusslinien, verbundene Papierflächen und geometrische Stadtformen als Sinnbild von Connecticut und eigenständiger Politik.

79 zu 79 Stimmen: So knapp war 2022 eine Entscheidung, die weit über eine kleine Parteiversammlung hinausreichte. Sollte die Independent Party of Connecticut erneut einen republikanischen Gouverneursbewerber unterstützen – oder endlich mit einem eigenen Gesicht antreten? Der Streit brachte ihr Aufmerksamkeit, einen Prozess und eine schmerzhafte Lektion über das Wahlrecht.

Die Szene erzählt viel über diese Partei. Sie will eine eigenständige Kraft sein, arbeitet aber regelmäßig mit Menschen zusammen, die bereits einer der beiden großen Parteien angehören. Was wie ein Widerspruch klingt, ist in Connecticut eine politische Strategie: Eine zusätzliche Parteilinie auf dem Wahlzettel kann Stimmen sammeln und Einfluss verschaffen.

Eine Organisation mit kommunalen Wurzeln

Die Geschichte der heutigen Organisation beginnt im Wesentlichen in den frühen 2000er-Jahren. Der Supreme Court von Connecticut zeichnete sie in einem Urteil nach: 2003 gründeten Michael Telesca und Mitstreiter in Waterbury eine lokale Independent Party. Sie trat bei Kommunalwahlen an; 2004 folgten förmliche Parteiregeln.

In Danbury bestand bereits eine andere Gruppe unter ähnlichem Namen, angeführt von Robert Fand. Aus dem Nebeneinander entstand zunächst Zusammenarbeit, später ein hartnäckiger Konflikt. Gerade für kleine Parteien ist der Name auf dem Wahlzettel ein wertvolles Gut: Er entscheidet darüber, wer unter einem bekannten Etikett antreten kann.

2008 arbeiteten die Gruppen daran, Ralph Nader in Connecticut auf den Präsidentschaftswahlzettel zu bringen. Sein Ergebnis von mehr als einem Prozent verhalf der Organisation zum entsprechenden Minor-Party-Status. Die kommunale Bewegung erhielt dadurch eine landesweite Bedeutung.

Der Schritt zur Gouverneurswahl

2010 kandidierte Tom Marsh für das Gouverneursamt. Er erreichte 17.629 Stimmen und übersprang damit die Einprozentmarke. Wie CT Mirror in seinem historischen Überblick erläutert, sicherte das der Partei eine eigene Linie für die folgende Gouverneurswahl, ohne erneut Unterschriften sammeln zu müssen.

Damit bekam die Frage nach gemeinsamen Kandidaten besonderes Gewicht. Eine kleine Partei muss nicht zwangsläufig einen unbekannten Bewerber gegen zwei große Wahlkampfapparate stellen. Sie kann auch einen ohnehin aussichtsreichen Kandidaten unterstützen und ihren eigenen Namen auf dem Wahlzettel behalten.

Dieser Weg bietet Chancen, verlangt aber eine klare Antwort auf eine unbequeme Frage: Was unterscheidet die kleine Partei noch von ihrem jeweiligen Partner? Eine zusätzliche Wahllinie ist zunächst eine organisatorische Möglichkeit. Ein eigenes politisches Profil entsteht erst durch erkennbare Bedingungen und Ziele.

Wie gemeinsame Nominierungen funktionieren

Connecticut erlaubt unter den gesetzlichen Voraussetzungen, dass derselbe Bewerber für mehrere Parteien auftritt. Die Regeln für Nominierungen und Parteien bilden dafür die Grundlage. Die Stimmen auf den verschiedenen Parteilinien werden für den Kandidaten zusammengezählt. Wähler können also denselben Menschen unterstützen und zugleich ein unterschiedliches parteipolitisches Signal geben.

Die Independent Party nutzt diese Möglichkeit. 2018 unterstützte sie beispielsweise den Republikaner Bob Stefanowski bei der Gouverneurswahl. Eine solche gemeinsame Nominierung bedeutet weder eine Verschmelzung der Parteien noch automatisch einen Wechsel der Parteimitgliedschaft des Bewerbers.

Auch aus Sicht eines Kandidaten ist die zusätzliche Linie interessant. Er kann damit Menschen ansprechen, die seine Person oder einzelne Positionen unterstützen, aber ihr Kreuz nicht unter dem Namen seiner großen Partei setzen möchten. Wie viele dieser Stimmen tatsächlich zusätzlich gewonnen werden, lässt sich aus dem bloßen Ergebnis auf der kleinen Parteilinie allerdings nicht ablesen.

Der Streit zwischen Waterbury und Danbury

Über Jahre war umstritten, welche Gruppe innerhalb der Partei die maßgeblichen Nominierungen vornehmen durfte. 2016 benannten die Lager für die US-Senatswahl verschiedene Bewerber. Weil sie sich nicht einigten, blieb ihre Parteilinie für dieses Amt unbesetzt.

2019 bestätigte der Supreme Court die Rechtsposition der Waterbury-Gruppe und die Bedeutung der 2010 eingereichten Parteiregeln. Der Bericht von CT Mirror über das Urteil beschreibt, wie damit die Kontrolle über die landesweiten Nominierungen geklärt wurde.

Die Episode zeigt eine Schwäche, die kleine Parteien besonders treffen kann. Ihre Arbeit hängt oft von wenigen Aktiven ab. Wenn sich diese über Zuständigkeiten zerstreiten, fehlen nicht nur Zeit und Geld für die politische Arbeit. Im Extremfall verschwindet auch die Möglichkeit, überhaupt einen Kandidaten anzubieten.

2022: Die Entscheidung für Rob Hotaling

Bei der Gouverneursnominierung 2022 kam es erneut zum Konflikt. Nach der Auszählung einschließlich weiterer Präferenzen lagen Stefanowski und der eigene Parteibewerber Rob Hotaling gleichauf. Die Parteiführung erklärte Hotaling zum Nominierten. Stefanowski versuchte daraufhin, Hotaling und dessen Mitbewerber Chip Beckett gerichtlich vom Wahlzettel entfernen zu lassen.

Das Gericht wies den Antrag zurück. Es betonte den gesetzlichen Handlungsspielraum kleiner Parteien bei ihren Nominierungen, obwohl deren Vorgehen möglicherweise nicht vollständig den eigenen Regeln entsprochen hatte. Connecticut Public dokumentierte die Entscheidung und die unterschiedlichen Bewertungen der Beteiligten.

Hotaling und Beckett erhielten schließlich 12.400 Stimmen. Das amtliche Wahlergebnis entspricht rund 0,98 Prozent. Für eine kleine Partei war das mehr als eine symbolische Zahl: Es lag knapp unter der rechtlich wichtigen Schwelle.

Was ein Prozent bedeutet – und was nicht

Der Minor-Party-Status ist in Connecticut auf das jeweilige Amt bezogen. Nach § 9-372 muss ein Kandidat unter der betreffenden Parteibezeichnung bei der vorangegangenen regulären Wahl mindestens ein Prozent der Stimmen für dieses Amt erhalten haben.

Wer darunter bleibt, verliert deshalb nicht automatisch jede andere Wahllinie seiner Partei. Im konkreten Fall betraf die Unterschreitung den Zugang zur nächsten Gouverneurswahl ohne erneute Petition. Die Partei als politische Organisation verschwand dadurch nicht.

Diese Unterscheidung erklärt die vorsichtige Strategie vieler kleiner Parteien. Ein eigenständiger Wahlkampf kann ihr Profil schärfen, aber auch den gesicherten Zugang zum nächsten Wahlzettel kosten. Die gemeinsame Nominierung eines bekannten Bewerbers kann diesen Zugang erhalten, während der eigene Name politisch in dessen Schatten gerät.

Das Programm: praktische Reformen und politische Mitte

In ihrem Programm beschreibt sich die Independent Party als Kraft für eine Zusammenarbeit der politischen Mitte. Sie fordert mehr Transparenz, stärkere Bürgerbeteiligung, Rangwahlverfahren und einen gleichberechtigten Zugang geeigneter Kandidaten zur öffentlichen Wahlkampffinanzierung.

Inhaltlich setzt sie auf bessere Finanzierung der Schulen durch den Staat, berufliche Ausbildung, leistungsfähige Bahnverbindungen und die Instandhaltung von Straßen. Mehr Wohnungen sollen vor allem dort entstehen, wo Infrastruktur bereits vorhanden ist. Hinzu kommen Klimaschutz, der Erhalt von Freiflächen und Landwirtschaft sowie eine Entlastung bei kommunalen Grundsteuern.

Diese Mischung verbindet öffentliche Investitionen mit einem Blick auf Belastungen für Haushalte und Gemeinden. Sie ist kein umfassender Gegenentwurf zur Marktwirtschaft. Ihr Anspruch liegt eher darin, praktische Probleme durch breitere politische Mehrheiten zu lösen.

Politische Arbeit zwischen den Wahlen

Die Partei beschränkt sich nicht auf Nominierungen. Ihre Liste unterstützter Gesetzesvorhaben von 2025 zeigt konkrete Schwerpunkte: einfacherer Wahlzugang, Rangwahl, berufliche Qualifizierung, bezahlbares Internet, Landwirtschaftsschutz und die Umwandlung geeigneter Gewerbeimmobilien in Wohnungen.

Das ist zunächst Interessenvertretung. Eine solche Liste beweist nicht, dass die Partei die betreffenden Gesetze selbst durchgesetzt hätte. Sie macht aber überprüfbar, welche Vorhaben sie unterstützt und ob ihre Kandidatenauswahl zu diesen Zielen passt.

Neue Führung, erkennbare Grenzen

Im Mai 2024 übernahm der Tierarzt und frühere kommunale Politiker Chip Beckett den Vorsitz von Michael Telesca. Die Mitteilung zum Führungswechsel betonte die Suche nach einer Alternative zu den etablierten Parteien.

Zugleich formulierte die Partei eine Grenze ihrer Offenheit: Bewerber sollen freie und faire Wahlen, Rechtsstaatlichkeit und den friedlichen Machtwechsel unterstützen, die Ereignisse vom 6. Januar 2021 ablehnen und amtlich bestätigte Wahlergebnisse akzeptieren. Die angestrebte Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg ist damit an demokratische Grundregeln gebunden.

Unabhängigkeit muss politisch erkennbar bleiben

Die Independent Party of Connecticut ist eine konkrete Organisation mit Führung, Programm und Nominierungsverfahren. Sie spricht nicht automatisch für sämtliche parteilosen Bürger. Ebenso wenig lässt sich jeder gemeinsam nominierte Mandatsträger als ausschließlich eigener Abgeordneter zählen.

Ihr Einfluss lässt sich deshalb nicht allein an gewonnenen Sitzen messen. Entscheidend ist auch, welche Themen sie bei gemeinsamen Kandidaten verankert und ob sie eine glaubwürdige Alternative anbieten kann, wenn Zusammenarbeit nicht genügt. Zwischen diesen beiden Möglichkeiten bewegt sich ihre Geschichte – vom kommunalen Aufbau bis zum knappen Patt einer Parteiversammlung.

Recherchestand: 1. November 2026.


AI-Transparenz: Dieser Artikel wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz recherchiert und verfasst. Auch das Artikelbild wurde mit KI erstellt. Die verwendeten Quellen sind im Text verlinkt.

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