Midterms 2026 in Louisiana: Plötzlich Spannung im Senat – und eine neue Landkarte

Abstrakte Louisiana-Collage mit Mississippi-Delta, Zypressen und einem gefalteten Wahlzettel in Blaugrün, Ocker und Terrakotta.

Louisiana schien für die Republikaner eine überschaubare Aufgabe zu werden: einen Senatssitz verteidigen, bei den Kongresswahlkreisen vielleicht sogar einen hinzugewinnen. Wenige Tage vor der Wahl ist zumindest der erste Teil dieser Rechnung nicht mehr ganz so bequem. Eine neue Umfrage meldet Gleichstand zwischen Julia Letlow und Jamie Davis. Zugleich müssen die Wähler ein ziemlich ungewöhnliches Regelwerk durchschauen: Der Senat wird anders gewählt als das Repräsentantenhaus.

Stand: 31. Oktober 2026. Gewählt wird am 3. November. Bei den Wahlen zum US-Repräsentantenhaus sind Stichwahlen am 12. Dezember möglich.

Was in Louisiana gewählt wird

Auf dem Spiel stehen ein Sitz im US-Senat und sämtliche sechs Sitze im US-Repräsentantenhaus. Der bisherige Senator Bill Cassidy hat die republikanische Vorwahl verloren. Für ihn wird also auf jeden Fall jemand anderes nach Washington ziehen. Der zweite Senator des Staates, John Kennedy, steht diesmal nicht zur Wahl.

Beim Senat haben die Parteien ihre Bewerber bereits ausgewählt; am 3. November gewinnt, wer die meisten Stimmen erhält. Für das Repräsentantenhaus gilt 2026 dagegen wieder die offene Vorwahl, die häufig „Jungle Primary“ genannt wird: Alle Kandidaten stehen gemeinsam auf dem Stimmzettel. Wer die absolute Mehrheit erreicht, ist gewählt. Andernfalls treten die beiden Erstplatzierten am 12. Dezember erneut an – auch wenn sie derselben Partei angehören. Die Wahlbehörde erläutert die Sonderregelung für die Kongresswahl; ihre Beschreibung des neuen Parteivorwahlsystems erklärt das Verfahren beim Senat.

Senat: Letlow hat Trump, Davis hat plötzlich eine Chance

Julia Letlow, Republikanerin, sitzt bislang für den fünften Wahlkreis im Repräsentantenhaus. Sie bewirbt sich mit Donald Trumps ausdrücklicher Unterstützung um den Senatssitz. Auf ihrer Kampagnenseite stellt sie ihre Arbeit für Familien, Landwirtschaft, Schulen und Polizei heraus und wirbt mit konservativer Führung. Ihr Weg zur Nominierung führte über eine republikanische Stichwahl gegen John Fleming; Cassidy war zuvor ausgeschieden.

Jamie Davis, Demokrat, ist Landwirt aus Tensas Parish und war dort Mitglied des lokalen Verwaltungsgremiums. Er versucht, den Wahlkampf auf Lebenshaltungskosten, Gesundheitsversorgung und die Sorgen ländlicher Gemeinden zu ziehen. In seinen Antworten an WWNO/WRKF fordert er unter anderem Schutz für Medicaid und ländliche Krankenhäuser, mehr Küstenschutz und stärkere Mitsprache der Gemeinden bei großen Industrieprojekten. Enteignungen für CO₂-Pipelines lehnt er ab; für neue Rechenzentren verlangt er zunächst ein Moratorium. Das sind Themen, die in Louisiana auch außerhalb klassischer demokratischer Milieus Streit auslösen können.

Die amtliche Kandidatenabfrage für den 3. November führt für den Senat ausschließlich Jamie Davis und Julia Letlow. Ein unabhängiger Bewerber oder Kandidat einer kleineren Partei steht hier nicht zur Auswahl. Das ist gerade bei Louisiana wichtig: Namen aus früheren Bewerberlisten oder Vorwahlberichten gehören nicht automatisch auf den Stimmzettel im November.

Umfragen: Gleichstand, aber mit einem entscheidenden Zusatz

Die jüngste veröffentlichte Erhebung stammt von Hart Research Associates. Befragt wurden am 28. und 29. Oktober 502 wahrscheinliche Wähler, per Festnetz, Mobiltelefon und Textnachricht mit anschließendem Onlinefragebogen. Das Original-Memo vom 30. Oktober weist 45 Prozent für Davis, 45 Prozent für Letlow und 10 Prozent Unentschlossene aus; die angegebene Fehlermarge beträgt ±4,5 Prozentpunkte.

Der Zusatz gehört direkt daneben: Auftraggeber war die Kampagne von Jamie Davis. Die Umfrage ist damit eine veröffentlichte Wahlkampfstudie, keine unabhängige Medienumfrage. Sie zeigt einen möglichen engen Wettbewerb, beweist aber noch keinen Umschwung. Eine frühere Hart-Erhebung vom 17. bis 19. September hatte Letlow mit 48 zu 44 Prozent vorne gesehen, ebenfalls im Auftrag von Davis, bei 500 wahrscheinlichen Wählern und ±4,5 Punkten Fehlermarge. Diese älteren Angaben dokumentiert Ballotpedia.

Inside Elections führt das Senatsrennen beim Abruf weiterhin als Likely Republican, also mit einem deutlichen republikanischen Vorteil. Das ist eine analytische Einstufung, kein Umfragewert. Beides passt zusammen: Letlow bleibt Favoritin, Davis hat einen Anlass, auf eine Überraschung zu hoffen.

Die Wahlkreiskarte wurde noch einmal umgebaut

Auch beim Repräsentantenhaus lohnt der Blick auf das Kleingedruckte. Der Supreme Court verwarf am 29. April in Louisiana v. Callais die zuvor verwendete Karte mit einem zusätzlichen Wahlkreis mit schwarzer Bevölkerungsmehrheit als unzulässige Grenzziehung nach rassischen Kriterien. Danach wurden die Wahlkreise neu zugeschnitten und die Kongressvorwahlen verschoben.

Die politische Folge ist erheblich: Inside Elections bewertet nun fünf Wahlkreise als sicher republikanisch und nur den zweiten als sicher demokratisch. Besonders der sechste Wahlkreis hat seinen Charakter verändert. Der bisherige demokratische Abgeordnete Cleo Fields bewirbt sich nicht erneut um diesen Kongresssitz. Die republikanische Aussicht auf einen zusätzlichen Sitz kommt hier also wesentlich aus der neuen Landkarte.

Alle Kandidaten in den sechs Kongresswahlkreisen

Die folgende Übersicht übernimmt Namen und Parteizugehörigkeiten aus der amtlichen Kandidatenabfrage. „No Party“ bezeichnet dort eine Kandidatur ohne Parteizugehörigkeit. Weil alle gemeinsam antreten, können in einem Wahlkreis mehrere Demokraten und mehrere Republikaner auf dem Stimmzettel stehen.

LA-01: Randall Arrington und Amtsinhaber Steve Scalise treten für die Republikaner an, Lauren Jewett für die Demokraten. Dazu kommt E. „Liddy“ Glass ohne Parteizugehörigkeit. Der Wahlkreis gilt als sicher republikanisch.

LA-02: Amtsinhaber Troy A. Carter Sr. ist Demokrat, Peter Williams Republikaner. Lisa Ballay kandidiert für die Libertarian Party. Walter „Rocky“ Beach und Renada „Honey“ Collins stehen jeweils als No Party auf dem Stimmzettel. Dies ist der einzige der sechs Wahlkreise, den Inside Elections als sicher demokratisch einstuft.

LA-03: Bei den Republikanern treten Amtsinhaber Clay Higgins und Kate Cotten an. Die Demokraten sind John Day, Priscilla Gonzalez und Caleb „With a C“ Walker. Tia LeBrun kandidiert ohne Parteizugehörigkeit. Die Einstufung lautet sicher republikanisch.

LA-04: Amtsinhaber Mike Johnson, Gordon Heslop und Mike Nichols sind die republikanischen Bewerber; Conrad Cable und Matt Gromlich die demokratischen. Auch dieser Wahlkreis gilt als sicher republikanisch.

LA-05: Letlows Wechsel in das Senatsrennen hinterlässt ein offenes Feld mit neun Namen. Für die Republikaner kandidieren Stewart Cathey Jr., Misti Cordell, Oscar „Omar“ Dantzler, Michael Echols, Gabe Firment und Austin Magee. Auf demokratischer Seite stehen Dan McKay, Patricia „Pat“ Moore und Antonio Wilson. Der Wahlkreis ist sicher republikanisch eingestuft. Welche Person sich durchsetzt, ist damit allerdings noch lange nicht entschieden; das große Feld macht die Frage nach einer Stichwahl besonders interessant.

LA-06: Hier stehen sogar zehn Namen zur Auswahl. Die Republikaner sind Monique Appeaning, Larry Davis III, Rick Edmonds, Michael Mebruer, Blake Miguez und Stephen Wagley. Für die Demokraten kandidieren Chauna Banks, Patrick „Pat“ Forbes und Lindsay „Rubia“ Garcia; Rufus Craig für die Libertarian Party. Auch dieser nun offene Sitz gilt nach dem Neuzuschnitt als sicher republikanisch. Die Einstufung beschreibt die Chancen der Partei, nicht den Ausgang des Wettbewerbs zwischen den sechs Republikanern.

Für diese sechs offenen Kongressvorwahlen liegt dieser Übersicht keine aktuelle, ausreichend dokumentierte öffentliche Umfrage zugrunde, aus der sich die Reihenfolge sämtlicher Bewerber seriös ableiten ließe. Die Parteibewertungen ersetzen eine solche Erhebung nicht.

Unabhängige: Vier Namen, aber kein gemeinsames Lager

Mit Glass, Beach, Collins und LeBrun treten vier parteilose Kandidaten für das Repräsentantenhaus an. Dazu kommen die beiden Libertären Ballay und Craig. Sie sind jeweils ausdrücklich in der Wahlkreisübersicht berücksichtigt. Parteilose und Mitglieder einer kleineren Partei sind dabei nicht dasselbe.

Glass und Beach arbeiten unter dem gemeinsamen Auftritt No More Party. Dort richten sie ihre Kritik besonders gegen die Macht der beiden großen Parteien und Hürden beim Zugang zum Stimmzettel. Aus dem Etikett „No Party“ lässt sich trotzdem kein einheitliches Programm aller vier Parteilosen ableiten. Im offenen Wahlverfahren können ihre Stimmen auch für die Frage wichtig werden, ob ein anderer Bewerber sofort über die Mehrheitsschwelle kommt. Eine belastbare Prognose über ihre jeweiligen Stimmenanteile fehlt.

Zehn Verfassungsänderungen – und weitere Wahlen

Eine Gouverneurswahl findet 2026 nicht statt; Jeff Landrys reguläre nächste Wahl ist 2027. Auf dem November-Stimmzettel stehen je nach Wohnort außerdem Richterwahlen, kommunale Ämter, eine Nachwahl zum Landesrepräsentantenhaus sowie Entscheidungen über Sitze in der Versorgungsaufsicht Public Service Commission und im Bildungsgremium BESE. Dazu kommen örtliche Steuer-, Anleihe- und Satzungsfragen. Einen Überblick gibt das amtliche Wahlmerkblatt.

Landesweit werden zehn Verfassungsänderungen zur Abstimmung gestellt. Die überparteiliche Erläuterung des Public Affairs Research Council beschreibt die Vorlagen und Argumente beider Seiten:

  1. Veteranen-Hinterbliebene: Eine besondere Grundsteuervergünstigung soll nach dem Tod eines anspruchsberechtigten Veteranen einmalig auf ein neues Eigenheim des überlebenden Ehepartners übertragbar werden.
  2. Kommunale Grundsteuersätze: Kommunen sollen einen niedrigeren Satz länger beibehalten können, ohne die Möglichkeit einer späteren Rückkehr zum zulässigen Höchstsatz zu verlieren.
  3. Kaution nach Verurteilungen: Bei bestimmten schweren Straftaten gegen Kinder soll eine Freilassung gegen Kaution nach der Verurteilung ausgeschlossen sein.
  4. Gouverneursamtszeiten: Wer mehr als eineinhalb Amtszeiten absolviert hat, soll dauerhaft von einer erneuten Wahl ausgeschlossen sein. Bisher ist eine Rückkehr nach einer Unterbrechung möglich. Grundlage ist HB 225, Act 414.
  5. Pensionsverpflichtungen: Einmalige Staatsmittel sollen flexibler zur Deckung ungedeckter Pensionsverpflichtungen eingesetzt werden können, statt zwingend zuerst die ältesten Verpflichtungen zu bedienen.
  6. Ältere Hauseigentümer: Zusätzliche örtliche Grundsteuervergünstigungen für anspruchsberechtigte Eigentümer ab 65 Jahren sollen ermöglicht werden.
  7. Trinkwasserleitungen: Öffentliche Mittel sollen ausdrücklich für die Erfassung und Erneuerung belasteter Hausanschlussleitungen auf Privatgrundstücken eingesetzt werden dürfen.
  8. Enteignungen: Als ausländische Gegner eingestufte Staaten und ihre Beauftragten sollen keine Grundstücke enteignen dürfen.
  9. Einkommensgrenze für Bewertungsstopps: Für berechtigte Eigenheimbesitzer soll die Grundgrenze von 100.000 auf 150.000 Dollar steigen. Es geht um das Einfrieren des steuerlichen Immobilienwerts, nicht um einen allgemeinen Steuererlass. Die Einzelheiten erläutert Invest in Louisiana.
  10. Sanierte Problemimmobilien: Parishes sollen Grundsteuervergünstigungen für die Wiederherstellung zuvor verfallener oder verwahrloster Immobilien anbieten können.

Damit reicht der Wahltag weit über die Mehrheiten in Washington hinaus. In Louisiana wird zugleich über Grundstücke, Wasserleitungen, Altersvorsorge und die Frage entschieden, ob ein ehemaliger Gouverneur überhaupt noch einmal antreten dürfte.

Mehr Hintergrund zum Staat am Mississippi bietet unser Artikel 10 Fakten über Louisiana.


AI-Transparenz: Dieser Artikel wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz recherchiert und verfasst. Auch das Artikelbild wurde mit KI erstellt. Die verwendeten Quellen sind im Text verlinkt; der Stand der Informationen ist oben angegeben.

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