Alabama gilt als republikanisches Stammland. Trotzdem lohnt sich am Wahlabend ein zweiter Blick: Ein demokratischer Abgeordneter kämpft unter neuen Wahlkreisgrenzen um seinen Sitz. Ein früherer Senator versucht ein Comeback als Gouverneur. Und eine frische Umfrage lässt dessen Anhänger plötzlich hoffen.
Stand: 31. Oktober 2026. Gewählt wird am 3. November 2026.
Der Ausgangspunkt bleibt klar: Die Republikaner gehen in Alabama mit erheblichen Vorteilen ins Rennen. Doch zwischen einem grundsätzlich roten Bundesstaat und sieben sicher roten Kongresswahlkreisen liegt ein Unterschied. Genau dort spielt sich einer der interessanteren Kämpfe dieser Midterms ab.
Was in Alabama gewählt wird
Auf Bundesebene werden ein Sitz im US-Senat und alle sieben Sitze im Repräsentantenhaus vergeben. Senator Tommy Tuberville kandidiert für das Gouverneursamt und hinterlässt damit einen offenen Senatssitz. Der andere Sitz, den Katie Britt hält, steht 2026 nicht zur Wahl.
Hinzu kommen der Gouverneur, weitere landesweite Ämter, sämtliche 35 Sitze im Staatssenat und 105 Sitze im Repräsentantenhaus von Alabama sowie Gerichts-, Schulaufsichts- und lokale Wahlen. Außerdem stehen vier landesweite Verfassungsänderungen auf dem Stimmzettel. Die Wahlbehörde bündelt die amtlichen Unterlagen; die konkrete Auswahl lokaler Ämter und Vorlagen hängt vom Wohnort ab.
Der zweite Wahlkreis: Neue Grenzen, offener Ausgang
Für Shomari C. Figures, den demokratischen Abgeordneten im zweiten Kongresswahlkreis, ist diese Wahl auch ein Kampf gegen die Landkarte. 2024 gewann er unter gerichtlich angeordneten Grenzen. Nun kommt eine andere Karte zum Einsatz: Der Supreme Court setzte am 2. Juni eine untergerichtliche Sperre gegen den Plan von 2023 aus. Damit konnte Alabama diese Grenzen für 2026 verwenden. Es war eine vorläufige gerichtliche Entscheidung, kein endgültiger Abschluss des Rechtsstreits.
Die politische Wirkung ist erheblich: Der neue Zuschnitt begünstigt die Republikaner in sechs der sieben Wahlkreise. Besonders Figures verliert damit einen wichtigen Teil seiner bisherigen Ausgangsbasis. Sein Gegner ist der republikanische Staatsabgeordnete Rhett Marques. Der Wahlkreis umfasst unter anderem Montgomery, Dothan und Teile der Wiregrass-Region im Südosten.
Eine sichere republikanische Übernahme ergibt sich daraus allerdings nicht. Remington Research Group ermittelte vom 23. bis 25. Oktober bei 642 wahrscheinlichen Wählern 48 % für Marques und 46 % für Figures. Die angegebene Fehlermarge beträgt ±4 Prozentpunkte. Remington ist ein republikanisch ausgerichtetes Institut; aus dem veröffentlichten Begleitbericht gehen Auftraggeber und Erhebungsmodus nicht hervor. Der Abstand ist jedenfalls zu klein, um daraus einen belastbaren Sieger abzuleiten.
Auch die Wahlbeobachter sehen hier einen echten Wettbewerb. Inside Elections gibt Marques mit „Tilt Republican“ einen leichten Vorteil. Sabato’s Crystal Ball stufte das Rennen Ende Oktober dagegen als „Toss-up“, also offen, ein. Solche Bewertungen berücksichtigen mehr als einzelne Umfragen. Sie zeigen aber, warum ausgerechnet dieser Sitz für die Mehrheitsfrage in Washington interessant ist.
Alle Kandidaten für das Repräsentantenhaus
Die folgende Übersicht nennt alle vorgedruckten Kongresskandidaten nach den amtlichen Zertifizierungen der Demokraten und Republikaner. Die Namen folgen den dort angegebenen Stimmzettelnamen. Die zusätzlich dokumentierte Write-in-Kandidatur steht gesondert dabei.
- AL-01: Jerry Carl (Republikaner) gegen Clyde Jones (Demokraten). Der Sitz wird durch Barry Moores Senatskandidatur frei; Carl war bereits Kongressabgeordneter. Klar republikanisch eingestuft.
- AL-02: Amtsinhaber Shomari C. Figures (Demokraten) gegen Rhett Marques (Republikaner). Das zentrale umkämpfte Kongressrennen des Bundesstaates.
- AL-03: Amtsinhaber Mike Rogers (Republikaner) gegen Lee McInnis (Demokraten). Klar republikanisch eingestuft.
- AL-04: Amtsinhaber Robert B. Aderholt (Republikaner) gegen Amanda N. Pusczek (Demokraten). Hinzu kommt Lee Jeh Cobb mit einer Write-in-Kampagne. Klar republikanisch eingestuft.
- AL-05: Amtsinhaber Dale W. Strong (Republikaner) gegen Andrew Sneed (Demokraten). Klar republikanisch eingestuft.
- AL-06: Amtsinhaber Gary Palmer (Republikaner) gegen Maurice Mercer (Demokraten). Klar republikanisch eingestuft.
- AL-07: Amtsinhaberin Terri Sewell (Demokraten) gegen Ammie Akin (Republikaner). Klar demokratisch eingestuft.
Die Einordnungen der weniger umkämpften Wahlkreise stammen ebenfalls von Inside Elections. Für diese sechs Rennen liegt mir keine aktuelle öffentliche Wahlkreisumfrage vor, die eine ähnlich konkrete Momentaufnahme wie im zweiten Bezirk erlaubt. Ein Rating ersetzt keine Befragung.
Der Senat: Moore gegen Wess
Für Tubervilles Sitz kandidieren Barry Moore für die Republikaner und Everett Wess für die Demokraten. Moore bringt Erfahrung aus dem Repräsentantenhaus und Donald Trumps Unterstützung mit. Wess ist Anwalt und früherer kommunaler Richter. Er setzt unter anderem auf die Belastung durch steigende Lebenshaltungskosten. Beide gewannen im Juni die Stichwahlen ihrer Vorwahlen.
Moore bleibt Favorit. In der Cygnal-Umfrage für Alabama Daily News und Gray Television vom 16. und 17. Oktober lag er bei rund 50 %, Wess bei 35 %. Befragt wurden 500 wahrscheinliche Wähler; die veröffentlichte Fehlermarge beträgt ±4,38 Prozentpunkte.
Die jüngere Blueprint-Befragung vom 22. bis 24. Oktober fällt für die Demokraten günstiger aus: 47,8 % für Moore, 39,5 % für Wess, 12,7 % unentschieden. Sie umfasst 695 wahrscheinliche Wähler, wurde per SMS-Einladung zu einer Onlinebefragung erhoben und gewichtet; angegeben sind ±3,72 Prozentpunkte. Veröffentlicht wurde sie von der demokratisch ausgerichteten Beratungsfirma Chism Strategies, nach eigenen Angaben ohne Finanzierung durch eine externe Kampagne oder Organisation. Inside Elections bewertet den Senatssitz weiterhin als „Solid Republican“.
Die Unabhängigen: Im Kongress kaum sichtbar, im Land durchaus vorhanden
Auf den vorgedruckten Stimmzetteln für Senat und Repräsentantenhaus fehlen unabhängige Bewerber und Kandidaten kleiner Parteien. Eine Besonderheit gibt es im vierten Kongresswahlkreis: Lee Jeh Cobb wird bei der Bundeswahlkommission FEC als Write-in-Bewerber geführt. Sein Komitee heißt „Committee to Write In Lee Cobb“. Wer ihn unterstützen will, muss seinen Namen eintragen; er gehört nicht zu den vorgedruckten Kandidaten. Die FEC-Meldung dokumentiert die Kampagne, sie ist keine Stimmzettelzulassung.
Für das Staatsparlament sieht die Lage anders aus. Die amtliche Zertifizierung unabhängiger Kandidaten nennt sechs Bewerber: Jesse Battles für Staatssenatsbezirk 10 und Jodie Woodrow Minor, Jr. für Bezirk 21. Für das Repräsentantenhaus von Alabama kandidieren Trent Ford und Angelo „Doc“ Mancuso beide in Bezirk 7, Joseph Cleveland in Bezirk 35 und Elaine Beech in Bezirk 65. Diese Bezirke gehören zum Landesparlament, nicht zum US-Kongress.
Gouverneur: Tuberville trifft wieder auf Doug Jones
Tommy Tuberville will vom Senat ins Gouverneursbüro wechseln. Die bisherige Amtsinhaberin Kay Ivey kann wegen der Amtszeitbegrenzung nicht erneut antreten. Für die Demokraten kandidiert Doug Jones, ebenfalls ein früherer US-Senator. Es ist damit ein Rennen zweier Politiker, die im Bundesstaat längst bekannt sind.
Die Umfragen erzählen allerdings unterschiedliche Geschichten. Cygnal sah Tuberville am 16. und 17. Oktober bei 51,2 % und Jones bei 40,0 %. Es ist dieselbe landesweite Stichprobe mit 500 wahrscheinlichen Wählern und ±4,38 Prozentpunkten wie bei der oben genannten Senatsfrage.
Blueprint kam eine Woche später in der ersten Wahlfrage auf 45,2 % für Tuberville und 43,6 % für Jones. Nach einer zusätzlichen Frage an Unentschlossene, zu wem sie eher tendieren, ergeben sich 47,9 zu 44,9 %. Beide Varianten stehen im vollständigen Fragebogen mit Ergebnissen. Die Nachfassfrage ist keine zweite unabhängige Umfrage.
Jones hat damit einen Befund, auf den er seine Hoffnung stützen kann. Für die Behauptung, Alabama stehe vor einem sicheren Machtwechsel, reicht das nicht. Unterschiedliche Institute, Erhebungsverfahren und Wählermodelle liefern hier sehr unterschiedliche Abstände. Inside Elections führt das Gouverneursrennen weiterhin als klar republikanisch.
Bei weiteren wichtigen Landesämtern treten unter anderem John Wahl (Republikaner) und Phillip Ensler (Demokraten) für das separat gewählte Vizegouverneursamt an, Katherine Robertson (Republikaner) und Jeff McLaughlin (Demokraten) für das Amt des Attorney General sowie Caroleene Dobson (Republikaner) und Wayne Rogers (Demokraten) für den Secretary of State.
Vier Verfassungsfragen: Schulbezirke, Gebete und die Hymne
Die amtliche Erläuterung der vier landesweiten Vorlagen beschreibt folgende Änderungen:
- Amendment 1: Bei bestimmten vorzeitigen Vakanzen soll das Vizegouverneursamt durch eine Nachwahl besetzt werden. Hinzu kommen Regeln für die Festsetzung von Bezügen des Vizegouverneurs und bestimmter Parlamentsfunktionsträger sowie für die Genehmigung parlamentarischer Reisekosten.
- Amendment 2: Benachbarte County-Schulsysteme sollen sich nach einem geregelten Verfahren zusammenschließen können. Vorgesehen sind eine Folgenprüfung und die Veröffentlichung ihrer Ergebnisse. Ein schriftlicher Protest von mindestens 25 % der Wahlberechtigten eines betroffenen County-Schulsystems löst eine Abstimmung aus. Es geht nicht um eine automatische landesweite Zusammenlegung.
- Amendment 3: Öffentliche Schulen sollen den Treueschwur auf die Flagge zu Beginn jedes Schultages vorsehen und von Schülern initiierte und geleitete Gebete zulassen. Die Teilnahme der Schüler an beidem bleibt freiwillig.
- Amendment 4: An öffentlichen Schulen soll mindestens einmal wöchentlich die erste Strophe der Nationalhymne abgespielt oder in einer zugelassenen schulischen Darbietung aufgeführt werden.
Weitere örtliche Fragen und Ämter sind in den Musterstimmzetteln der Counties zu finden.
Wer den Bundesstaat jenseits der Wahlkarten kennenlernen möchte, findet hier unsere 10 Fakten über Alabama.
AI-Transparenz: Dieser Artikel wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz recherchiert und verfasst. Auch das Artikelbild wurde mit KI erstellt. Die verwendeten Quellen sind im Text verlinkt; der Stand der Informationen ist oben angegeben.
