Um die Honigbiene ranken sich viele Schlagzeilen, vom Bienensterben bis zur Asiatischen Hornisse. Eine Kleine Anfrage (Drucksache 20/8214) vom 5. September 2023 wollte wissen, wie es um die Völker in Deutschland steht und warum so viel Honig importiert wird. Die Antwort der Bundesregierung (Drucksache 20/8388) vom 18. September 2023 zeichnet ein differenziertes Bild: Den Honigbienen geht es zahlenmäßig gut, vielen Wildbienen nicht.
Immer mehr Bienenvölker
Beantwortet hat die Anfrage das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL). Nach Angaben des Deutschen Imkerbundes für 2012 bis 2015 und der Länder ab 2016 hat sich die Zahl der Honigbienenvölker so entwickelt:
- 2012: 698.714
- 2013: 652.710
- 2014: 741.461
- 2015: 771.851
- 2016: 807.379
- 2017: 859.375
- 2018: 879.197
- 2019: 915.902
- 2020: 950.755
- 2021: 982.390
- 2022: 995.954
Nach einem Rückgang 2013 ging es also jedes Jahr nach oben, insgesamt um fast 300.000 Völker oder gut 40 Prozent. Weltweit ist die Zahl laut Statistik der Welternährungsorganisation FAO ebenfalls generell steigend, allerdings mit sehr großen regionalen Unterschieden: Manche Länder verzeichnen starke Zuwächse, andere hohe Rückgänge in den letzten 50 Jahren. Als mögliche Ursachen nennt die Antwort biotische und abiotische Faktoren, politische Konflikte wie den Krieg in der Ukraine, wirtschaftliche und gesellschaftliche Faktoren sowie den Klimawandel, insbesondere Wetterextreme.
Winterverluste ohne große Auffälligkeiten
Die Winterverluste werden im Projekt Deutsches BienenMonitoring (DeBiMo) erfasst. Für den Winter 2022/2023 lagen bei Beantwortung noch keine Daten vor. Für die Vorjahre nennt die Antwort: 18,3 Prozent (2021/2022), 12,6 Prozent (2020/2021), 14,1 Prozent (2019/2020), 11,5 Prozent (2018/2019) und 12,6 Prozent (2017/2018). Die Fachleute des Julius Kühn-Instituts (JKI) sehen darin keine größeren Auffälligkeiten, im Mittel seien die Werte ähnlich.
Wildbienen: mehr als die Hälfte auf der Roten Liste
Anders sieht es bei den Wildbienen aus, die mit der Honigbiene als Nutztier wenig gemein haben. Nach der Roten Liste von 2011 sind in Deutschland 561 Wildbienenarten etabliert. 228 Arten gelten als gefährdet, das sind 40,9 Prozent der 557 bewerteten Arten. 39 Arten sind ausgestorben oder verschollen, 26 weitere extrem selten. Damit stehen 293 Arten oder 52,6 Prozent auf der Roten Liste im engeren Sinne. Zwischen 1980 und 2011 nahmen die Bestände von 232 Arten ab, nur bei 10 Arten gab es Zunahmen.
Bei den Hummeln, einer Gattung der Wildbienen, sind von 41 Arten 12 gefährdet, 3 ausgestorben oder verschollen. 16 Arten (39 Prozent) stehen auf der Roten Liste. Von 561 etablierten Wespenarten sind 206 gefährdet, insgesamt 258 Arten (46,2 Prozent) stehen auf der Roten Liste. Die heimische Hornisse ist laut Roter Liste mäßig häufig und ungefährdet.
Zur Entwicklung in den letzten zehn Jahren hat die Bundesregierung keine Informationen. Neue bundesweite Rote Listen für Bienen und Wespen sind in Planung, sollen aber nicht vor 2026 vorliegen. Die Zahlen sind also schon recht alt.
Was gefördert wird
Über die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) gibt es im deutschen Strategieplan ein Sektorprogramm „Imkereierzeugnisse“. Es unterstützt die überwiegend hobbymäßig betriebene Imkerei, etwa bei der Bienengesundheit, bei Erzeugung und Vermarktung und durch angewandte Forschung zu Honigqualität und zur Zucht resistenter Völker. Im Vordergrund stehen inzwischen Erhalt und Zucht gesunder Bienenvölker. Ziel bleibt ein möglichst großer Bienenbestand.
Für Bestäuber insgesamt verweist die Antwort auf Blühflächen, weniger Pflanzenschutzmittel, Biotopschutz, Agrarumweltmaßnahmen und den Ausbau des Ökolandbaus. Bei der Vielfalt der Anbaukulturen nennt sie die Öko-Regelungen: Betriebe müssen dafür auf ihren Ackerflächen mindestens fünf Kulturen und auf mindestens 10 Prozent der Fläche Leguminosen anbauen. Ergänzend gibt es Förderung über die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK).
Warum Deutschland Honig importiert
Der Selbstversorgungsgrad mit Honig liegt bei 40 Prozent. Der Grund ist die Struktur der Imkerei: Rund 99 Prozent der Imkerinnen und Imker betreiben sie als Hobby, nur etwa 1 Prozent beruflich. Gleichzeitig ist Deutschland mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von rund 1 Kilogramm Honig Spitzenreiter in Europa. Eine Steigerung der Eigenversorgung ist laut Antwort nur sehr begrenzt möglich, Importe sind daher unabdingbar. Die Förderung von Jungimkern und Berufseinsteigern liegt in der Zuständigkeit der Länder.
Zur Ukraine schreibt die Bundesregierung, die Unterstützung der ukrainischen Land- und Ernährungswirtschaft bleibe wichtig. Gemeinsam mit europäischen Partnern setze sie sich für den Ausbau der sogenannten „Solidarity Lanes“ zu dauerhaften Exportrouten ein.
Klimawandel und Monitoring
Das JKI nennt als wichtigste Klimafaktoren Temperatur, Niederschläge, Extremwetterschäden und das Auftreten von Krankheiten und Schädlingen. Diese Faktoren wirken oft zusammen, etwa wenn Hitze und schwankender Regen das Nahrungsangebot an Nektar und Pollen verändern. Langfristig könne der Klimawandel eine zusätzliche Belastung sein.
Für Honigbienen gibt es mit DeBiMo und TrachtNet abgestimmte Monitoringprogramme. Bei Wildbienen ist das Bild zersplittert. Seit 2019 entwickelt das Verbundprojekt MonViA standardisierte Methoden für Honig- und Wildbienen, seit 2022 werden sie bundesweit im Feld getestet. Belastbare Aussagen über Bestandsentwicklungen lassen sich daraus noch nicht ableiten.
Beutenkäfer und Asiatische Hornisse
Der Kleine Beutenkäfer ist nach amtlicher Kenntnis in Deutschland noch nie aufgetreten. Die Asiatische Hornisse ist dagegen ein Thema. Sie erbeutet unter anderem Wild- und Honigbienen und ist deshalb ein Räuber, kein Parasit, eine Impfung ist somit ausgeschlossen. Seit dem 3. August 2016 steht sie auf der EU-Liste invasiver Arten. In Deutschland gilt sie als nicht etabliert. Seit dem Erstnachweis 2014 gab es 14 Meldungen an die EU-Kommission aus Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland, davon neun Sichtungen einzelner oder weniger Tiere und fünf Nester. Ob bestimmte Unterarten der Honigbiene weniger anfällig sind, weiß die Bundesregierung nicht.
Einordnung
Die Antwort räumt mit einem verbreiteten Missverständnis auf: Die Honigbiene ist in Deutschland zahlenmäßig nicht bedroht, die Zahl der Völker wächst seit Jahren. Das eigentliche Problem liegt bei den Wildbienen, von denen mehr als die Hälfte auf der Roten Liste steht, allerdings auf Datenbasis von 2011. Beim Honig bleibt Deutschland trotz wachsender Völkerzahl auf Importe angewiesen, weil fast nur Hobbyimker produzieren.
Mehr zu Insekten in der Landwirtschaft steht in unseren Beiträgen zu Insekten als Futter- und Lebensmittel und zur Schilf-Glasflügelzikade.
Quellen
- Kleine Anfrage, Drucksache 20/8214
- Antwort der Bundesregierung, Drucksache 20/8388 vom 18.09.2023
- Wikipedia: Asiatische Hornisse
Stand: 22.10.2026
