Friseur aus Trautenau, Sozialdemokrat in der Tschechoslowakei, Soldat mit schwer verwundeter Hand, nach dem Krieg Organisator der Umsiedlung sozialdemokratischer Familien ins Filstal, Kreisrat, Landtagsabgeordneter und Fürsprecher der Kriegsopfer: Karl Riegel, geboren am 17.07.1915 in Trautenau, gehörte dem Bundestag von 1961 bis 1969 an. Er starb am 14.09.2001 in Göppingen.
Kurzprofil
- Geboren: 17. Juli 1915 in Trautenau
- Gestorben: 14. September 2001
- Beruf: Angestellter
- Partei: SPD
- Bundestag: 1961 bis 1969 (4. bis 5. Wahlperiode), über die Landesliste
- Religion/Familie: verheiratet, 2 Kinder
Trautenau
Von 1929 bis 1932 lernte Riegel nach verfügbaren Angaben Friseur und arbeitete meist in diesem Beruf. 1929 trat er der Sozialistischen Arbeiterjugend bei, 1936 der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakei. Ab 1937 diente er in der tschechoslowakischen Armee, später auf deutscher Seite; 1942 wurde seine rechte Hand schwer verwundet. Die Stammdaten führen ihn als Angestellten, verheiratet, mit zwei Kindern.
Filstal
Nach dem Krieg holte Riegel sozialdemokratische Familien aus dem Kreis Trautenau ins Filstal. Ab 1946 arbeitete er beim Arbeitsamt Esslingen. Von 1950 bis 1961 führte er die SPD Göppingen, 1951 gründete er die Seliger-Gemeinde mit. Von 1947 bis 1973 saß er im Kreistag, ab 1950 im Landtag, bis er am 10. November 1961 sein Landtagsmandat niederlegte.
Kriegsopfer
Sein Mandat umfasste 445 Sitzungen; die Protokolle zählen 32 Reden mit 4.771 Wörtern. Am 22. März 1962 fragte er, ob Zwangsräumungen pensionierter Bahn- und Postbediensteter nicht der Fürsorgepflicht widersprächen. Wolfgang Rutschke (FDP) hielt er 1963 vor, seine Ausführungen entsprächen nicht der Würde des Opfers, das die Kriegsopfer gebracht hätten.
Briefmarke
Am 11. Februar 1965 fragte Riegel den Postminister nach der neuen Dauermarke, die man Rabattmarke nenne. Sie enthalte ein Vexierbild, in dem man ohne Lupe die Gesichtszüge Hitlers erkenne. Solche Mätzchen schadeten im Ausland; die Ausgabe solle man beenden. Zugleich wünschte er den Philatelisten mehr Einfluss im Kunstbeirat.
Tanklaster
1967 kam Riegel mehrmals auf Tanklastwagen zurück, nachdem in seinem Wahlkreis einer explodiert war und zwei Menschen starben. Ob die akkordähnlichen Arbeitsbedingungen der Fahrer dazu beitrügen, wollte er wissen. Am 7. Dezember 1967 gab er für die SPD eine Erklärung zur Rentenanpassung ab: Erklärungen zu Protokoll zu geben, sei ihm zuwider.
Klinik am Eichert
An allen 48 namentlichen Abstimmungen nahm Riegel teil, 34-mal mit Ja, 13-mal mit Nein und einmal mit Enthaltung, ohne von der SPD abzuweichen. Von 1970 bis 1977 leitete er die Arbeitsamtsdienststelle Esslingen. Jahrzehntelang warb er für ein neues Krankenhaus in Göppingen; die Klinik am Eichert wurde 1979 eröffnet, 2007 benannte der Landkreis einen Weg dort nach ihm.
Mandate im Überblick
Riegel kam zweimal über die Landesliste der SPD Baden-Württemberg in den Bundestag:
- 4. Wahlperiode (17.10.1961 bis 17.10.1965): Landesliste Baden-Württemberg, SPD-Fraktion
- 5. Wahlperiode (19.10.1965 bis 19.10.1969): Landesliste Baden-Württemberg, SPD-Fraktion
Stand: 18.10.2026
Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).