Sohn eines Glasbläsers und einer Heimarbeiterin, Staatsrechtler in Jena, Fachmann für die Staatsbürgerschaft der DDR, Abgeordneter der letzten Volkskammer und der PDS im Bundestag, der im Februar 1992 aus dem Leben schied: Gerhard Riege, geboren am 23.05.1930 in Gräfenroda, gehörte dem Bundestag von 1990 bis 1992 an. Er starb am 15.02.1992 in Geunitz.
Kurzprofil
- Geboren: 23. Mai 1930 in Gräfenroda (Thüringen)
- Gestorben: 15. Februar 1992
- Beruf: Professor für Staatsrecht
- Partei: PDS/LL
- Bundestag: 1990 bis 1992 (11. bis 12. Wahlperiode), teils direkt, teils über die Landesliste
- Religion/Familie: verheiratet, 3 Kinder
Jena
Riege machte 1949 nach verfügbaren Angaben in Jena Abitur und studierte dort Rechtswissenschaft. 1957 wurde er mit einer Arbeit über das Vertretungssystem der Volksdemokratien promoviert, sieben Jahre später habilitierte er sich über die Staatsbürgerschaft der DDR, 1965 wurde er Professor für öffentliches Recht. Die Stammdaten führen ihn als Professor für Staatsrecht, verheiratet, mit drei Kindern.
Volkskammer
1946 trat Riege der SED bei und blieb in der PDS. Für den Kulturbund saß er im Bezirkstag Gera, 1990 für die PDS in der Volkskammer, aus der er im Oktober in den Bundestag kam. Anfang 1990 schrieb er an einem Entwurf für eine Thüringer Verfassung mit. Im Februar 1990 wählte ihn die Universität zum Rektor; wegen Formfehlern musste die Wahl wiederholt werden, er trat nicht wieder an.
Gruppe
Sein Mandat umfasste 86 Sitzungen; die Protokolle zählen 15 Reden mit 8.739 Wörtern und einen Zwischenruf. In der ersten Rede am 24. Oktober 1990 lehnte er die Empfehlung ab, die PDS nur als Gruppe anzuerkennen. Finanziell werde man gestellt wie eine Gruppe der Koalition; die sei man noch nicht, der Vorgriff sei wohl etwas weit.
Zeiss
Am 21. Februar 1991 sagte Riege, er komme aus Jena: Von rund 27.000 Beschäftigten bei Zeiss sollten im günstigen Fall 5.000 bleiben, im ungünstigen 2.750, und die Wegfallenden seien keine Arbeitsunwilligen. Am 15. März beklagte er, Norbert Geis (CSU), Johannes Gerster (CDU) und ein weiterer Unionsabgeordneter hätten ihn in der Haushaltsdebatte in einem nie erlebten Maß diffamiert.
Stasi
Von 1954 bis 1960 war Riege nach verfügbaren Angaben Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit; Joachim Gauck nannte das eher bedeutungslos. Seine Partei warf ihm Unaufrichtigkeit vor. Am 15. Februar 1992 nahm er sich in seinem Garten das Leben. In seinem Abschiedsbrief schrieb er von Angst vor dem Hass, der ihm im Bundestag entgegenschlage.
Abstimmungen
An allen 20 namentlichen Abstimmungen seiner Mandatszeit nahm Riege teil, zwölfmal mit Ja, sechsmal mit Nein und zweimal mit Enthaltung. Dreimal wich er von der Mehrheit seiner Gruppe ab, im Juni 1991 mit einem Ja zum Konsensantrag zur Hauptstadtfrage. Der Thüringer Landtagspräsident Gottfried Müller (CDU) mahnte nach seinem Tod einen gerechteren Umgang mit der Vergangenheit an. Riege wurde 61 Jahre alt.
Mandate im Überblick
Riege kam 1990 aus der Volkskammer und dann über die Landesliste der PDS Thüringen in den Bundestag:
- 11. Wahlperiode (03.10.1990 bis 20.12.1990): von der Volkskammer in den Bundestag gewählt, Gruppe der Partei des Demokratischen Sozialismus
- 12. Wahlperiode (20.12.1990 bis 15.02.1992): Landesliste THÜ, Gruppe der Partei des Demokratischen Sozialismus/Linke Liste
Stand: 18.10.2026
Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).