Köpfe: Willi Hoss

Kommunist, Schweißer bei Daimler-Benz, aus der IG Metall ausgeschlossener Betriebsrat, Mitgründer der Grünen und Fraktionssprecher: Willi Hoss, geboren am 27.04.1929 in Vaals in den Niederlanden, saß von 1983 bis 1985 und von 1987 bis 1990 für die Grünen im Bundestag. Er starb am 20.02.2003 in Stuttgart.

Kurzprofil

  • Geboren: 27. April 1929 in Vaals
  • Gestorben: 20. Februar 2003
  • Beruf: Hochdruckschweißer
  • Partei: DIE GRÜNEN/BÜNDNIS 90
  • Bundestag: 1983 bis 1990 (10. bis 11. Wahlperiode), über die Landesliste
  • Religion/Familie: verheiratet, 2 Kinder

Herkunft

Hoss‘ Eltern, der Bäcker Wilhelm Lambert Hoss und die Niederländerin Katharina Emmen, waren 1928 in der Weltwirtschaftskrise nach Vaals gezogen und kehrten 1937 nach Oberhausen zurück. 1943 verließ Hoss die Volksschule, nach dem Krieg arbeitete er als Landarbeiter.

KPD und DKP

1945 trat Hoss der KPD bei und besuchte von 1949 bis 1951 die Parteihochschule Karl Marx in Kleinmachnow. Nach dem Verbot 1956 lernte er in einem Lehrgang Schweißen und betrieb verdeckte Parteiarbeit in Betrieben; nach zwei Entlassungen im Düsseldorfer Raum stellte ihn Daimler-Benz in Untertürkheim 1959 ein. Der 1968 gegründeten DKP trat er bei, schloss sich aber der Kritik am Ende des Prager Frühlings an und wurde 1970 ausgeschlossen.

Betriebsrat

Anfang der siebziger Jahre trat Hoss mit einer eigenen Liste, der Plakat-Gruppe, zur Betriebsratswahl an und erhielt 1972 mit seinem Kollegen Mühleisen 28 Prozent. Die IG Metall schloss ihn wegen gewerkschaftsschädigender Aktivitäten aus; Heinrich Böll und andere Schriftsteller protestierten dagegen. Ab 1979 saß er im verhandlungsführenden Betriebsausschuss.

Bundestag

1979 gehörte Hoss zu den Gründern der Grünen. 1983 zog er in den Bundestag ein, schied aber am 12.04.1985 nach dem Rotationsprinzip aus, das er abgelehnt, aber respektiert hatte, und kehrte zu Daimler-Benz zurück. 1987 wurde er wiedergewählt, ab dem 15.01.1990 war er einer der drei Sprecher der Fraktion. Für 1990 stellte ihn die Partei nicht mehr auf. Die Plenarprotokolle verzeichnen 76 Reden, 87 Zwischenrufe und 191 namentliche Abstimmungen.

Amazonien

Ab 1991 arbeitete Hoss für Indigene im brasilianischen Regenwald, gründete die Initiative Armut und Umwelt in Amazonien und 1994 den Verein POEMA Stuttgart, der 2008 den Stuttgarter Friedenspreis erhielt. Dabei arbeitete er mit Managern von Daimler zusammen. 2001 trat er mit seiner Frau wegen des Afghanistan-Einsatzes aus der Partei aus.

Familie

Hoss war zweimal verheiratet und hatte zwei Kinder. Die Schauspielerin Nina Hoss ist seine Tochter aus der Ehe mit der Schauspielerin und Intendantin Heidemarie Hoss-Rohweder. Er liegt auf dem Waldfriedhof Stuttgart.

Stammdaten

Die Stammdaten nennen Hoss Hochdruckschweißer, ohne Angaben zur Religion, verheiratet mit zwei Kindern, und verzeichnen Mandate vom 29.03.1983 bis zum 12.04.1985 und vom 18.02.1987 bis zum 20.12.1990. Seine Zeit in KPD und DKP führen sie nicht auf.

Mandate im Überblick

Hoss zog zweimal über die baden-württembergische Landesliste der Grünen in den Bundestag ein:

  • 10. Wahlperiode (29.03.1983 bis 12.04.1985): Landesliste Baden-Württemberg, Fraktion Die Grünen
  • 11. Wahlperiode (18.02.1987 bis 20.12.1990): Landesliste Baden-Württemberg, Fraktion Die Grünen, Fraktion Die Grünen/Bündnis 90

Stand: 17.10.2026

Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).

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