Köpfe: Wilhelm Dröscher

Man nannte ihn den guten Menschen von Kirn, und er starb mitten auf einem Parteitag: Wilhelm Dröscher, geboren am 07.10.1920 in Kirn, Amtsbürgermeister an der Nahe, saß von 1957 bis 1971 für die SPD im Bundestag und führte danach die rheinland-pfälzische SPD gegen Helmut Kohl. Er starb am 18.11.1977 in Hamburg.

Kurzprofil

  • Geboren: 7. Oktober 1920 in Kirn
  • Gestorben: 18. November 1977
  • Beruf: Amtsbürgermeister a. D.
  • Partei: SPD
  • Bundestag: 1957 bis 1971 (3. bis 6. Wahlperiode), stets direkt gewählt
  • Religion/Familie: evangelisch, verheiratet, 6 Kinder

Sohn einer jüdischen Mutter

Dröschers Vater, ein evangelischer Kirner, hatte im Ersten Weltkrieg als Besatzungssoldat in Polen ein Sägewerk geleitet und 1919 in Suwałki eine Jüdin geheiratet. Im Nationalsozialismus galten die vier Kinder als Halbjuden; die Mutter überlebte, weil sie mit einem Nichtjuden verheiratet war. Wilhelm machte eine kaufmännische Lehre und arbeitete bei den Kirner Hartsteinwerken. In der Wehrmacht, in der er ab 1939 diente, blieb er wegen seiner Herkunft zunächst von Führungsaufgaben ausgeschlossen, bis er 1943 mit einer Sondergenehmigung zum Offizier befördert wurde. Er wurde mehrfach verwundet und geriet in Gefangenschaft.

Von der KPD zur SPD

Nach dem Krieg arbeitete Dröscher in einem Sägewerk. 1946 trat er der KPD bei und saß für sie im Kirner Stadtrat, 1949 wechselte er zur SPD. Im selben Jahr wurde er Amtsbürgermeister von Kirn-Land und blieb es bis 1967; an der Verwaltungsakademie bildete er sich nebenher weiter. Er führte den Kreisverband Kreuznach, den Unterbezirk Nahe-Hunsrück und ab 1967 den Bezirk Rheinland-Hessen-Nassau.

Bonn und Straßburg

Nach zwei Jahren im Landtag kam Dröscher 1957 in den Bundestag. Ab Dezember 1965 gehörte er zugleich dem noch indirekt gewählten Europäischen Parlament an. 1970 übernahm er den Vorsitz der SPD Rheinland-Pfalz. Bei den Landtagswahlen 1971 und 1975 unterlag er als Spitzenkandidat Helmut Kohl, bis Ende 1975 führte er die Opposition im Landtag.

Schatzmeister und Europäer

1973 kam Dröscher in Vorstand und Präsidium der SPD, 1974 wurde er Präsident des Bundes der Sozialdemokratischen Parteien der Europäischen Gemeinschaft, 1975 Schatzmeister der Bundespartei. Er starb mit 57 Jahren während des Hamburger Parteitags. Eine Woche später gründete die SPD die Wilhelm-Dröscher-Stiftung, 1982 stiftete sie auf Anregung von Willy Brandt und Peter Glotz den Wilhelm-Dröscher-Preis. Mit seiner Frau Lydia hatte er sechs Kinder; sein Sohn Peter Wilhelm saß später im Landtag. Die Stammdaten nennen ihn evangelisch.

Mandate im Überblick

Viermal gewann Dröscher seinen Wahlkreis an der Nahe direkt; im Oktober 1971 legte er das Mandat nieder, um in den Mainzer Landtag zu wechseln:

  • 3. Wahlperiode (15.10.1957 bis 15.10.1961): Direktmandat, SPD-Fraktion
  • 4. Wahlperiode (17.10.1961 bis 17.10.1965): Direktmandat, SPD-Fraktion
  • 5. Wahlperiode (19.10.1965 bis 19.10.1969): Direktmandat, SPD-Fraktion
  • 6. Wahlperiode (20.10.1969 bis 12.10.1971): Direktmandat, SPD-Fraktion

Stand: 17.10.2026

Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).

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