Tochter eines sozialdemokratischen Arbeitersportfunktionärs, Verlagskauffrau, Kriegswitwe, Sekretärin und Vertraute Kurt Schumachers, Parlamentarische Geschäftsführerin und vier Jahre Präsidentin des Bundestages: Annemarie Renger, geboren am 07.10.1919 in Leipzig, gehörte dem Bundestag von 1953 bis 1990 an. Sie starb am 03.03.2008 in Remagen-Oberwinter.
Kurzprofil
- Geboren: 7. Oktober 1919 in Leipzig
- Gestorben: 3. März 2008
- Beruf: Präsidentin DBT a. D., Vizepräsidentin DBT a. D.
- Partei: SPD
- Bundestag: 1953 bis 1990 (2. bis 11. Wahlperiode), über die Landesliste
- Religion/Familie: verwitwet, 1 Kind
Wildung
Renger war nach verfügbaren Angaben eines von sieben Kindern des Tischlers und Sportfunktionärs Fritz Wildung. 1934 musste sie das Augustagymnasium in Berlin verlassen, weil ihr das Stipendium entzogen wurde, und machte eine Verlagslehre. Ihr Mann Emil Renger fiel 1944 in Frankreich. Die Stammdaten führen sie als Bundestagspräsidentin außer Dienst, verwitwet, ein Kind.
Schumacher
Ab dem 1. Oktober 1945 war Renger Privatsekretärin von Kurt Schumacher (SPD), dessen enge Vertraute und Lebensgefährtin sie bis zu seinem Tod 1952 blieb; daneben leitete sie das Büro des Parteivorstands in Hannover und Bonn. Von 1962 bis 1973 saß sie im Bundesvorstand der SPD, 1974 gehörte sie zu den Gründern des Seeheimer Kreises.
Präsidentin
Von 1969 bis 1972 war Renger Parlamentarische Geschäftsführerin der Fraktion. Am 13. Dezember 1972 wurde sie als erste Frau Präsidentin des Bundestages, nach verfügbaren Angaben weltweit die erste an der Spitze eines frei gewählten Parlaments. Nach der Wahl 1976 folgte ihr Karl Carstens (CDU), sie wurde Vizepräsidentin und blieb es bis 1990. 1979 unterlag sie Carstens bei der Wahl des Bundespräsidenten.
Oberländer
Ihr Mandat umfasste 2.162 Sitzungen; die Protokolle zählen 77 Reden mit 48.910 Wörtern,. In der ersten Rede am 10. Februar 1956 widersprach sie Minister Theodor Oberländer (CDU), der die jugendlichen Flüchtlinge aus der Sowjetzone aus der Debatte herausnehmen wollte; seine optimistische Darstellung zwinge zu einigen Worten.
Nikolaikirche
Die letzte Rede am 21. Juni 1990 hielt sie zum Staatsvertrag über die Währungsunion. Sie gehe nicht ohne Bewegung an dieses Pult, sagte sie. Ende Dezember sei sie, aus der Nikolaikirche kommend, mit einer Kerze in der Hand bei den Menschen auf der Straße gestanden, still, aber entschlossen, etwas Neues zu beginnen.
Abstimmungen
Die Abstimmungen bis 1957 werten wir nicht aus. In den 593 namentlichen Abstimmungen danach wich Renger 17-mal von der SPD ab, zehnmal von 1983 bis 1987 und siebenmal danach; im November 1983 enthielt sie sich mit Helmut Schmidt beim Antrag der SPD zur Nachrüstung. Ab 1985 war sie Präsidentin des Arbeiter-Samariter-Bundes. Sie starb mit 88 Jahren.
Mandate im Überblick
Renger kam zehnmal über die Landesliste der SPD in den Bundestag, bis 1965 in Schleswig-Holstein, ab 1969 in Nordrhein-Westfalen:
- 2. Wahlperiode (06.10.1953 bis 06.10.1957): Landesliste Schleswig-Holstein, SPD-Fraktion
- 3. Wahlperiode (15.10.1957 bis 15.10.1961): Landesliste Schleswig-Holstein, SPD-Fraktion
- 4. Wahlperiode (17.10.1961 bis 17.10.1965): Landesliste Schleswig-Holstein, SPD-Fraktion
- 5. Wahlperiode (19.10.1965 bis 19.10.1969): Landesliste Schleswig-Holstein, SPD-Fraktion
- 6. Wahlperiode (20.10.1969 bis 22.09.1972): Landesliste Nordrhein-Westfalen, SPD-Fraktion
- 7. Wahlperiode (13.12.1972 bis 13.12.1976): Landesliste Nordrhein-Westfalen, SPD-Fraktion
- 8. Wahlperiode (14.12.1976 bis 04.11.1980): Landesliste Nordrhein-Westfalen, SPD-Fraktion
- 9. Wahlperiode (04.11.1980 bis 29.03.1983): Landesliste Nordrhein-Westfalen, SPD-Fraktion
- 10. Wahlperiode (29.03.1983 bis 18.02.1987): Landesliste Nordrhein-Westfalen, SPD-Fraktion
- 11. Wahlperiode (18.02.1987 bis 20.12.1990): Landesliste Nordrhein-Westfalen, SPD-Fraktion
Stand: 18.10.2026
Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).