Köpfe: Dr. Ernst Dörfler

Sein Buch über Natur und Landwirtschaft wurde in der DDR totgeschwiegen und gerade deshalb zum Kultbuch: Ernst Paul Dörfler, geboren am 15.05.1950 in Kemberg, Chemiker und Umweltschützer, gehörte nach der Einheit von Oktober bis Dezember 1990 als Abgeordneter von Grünen und Bündnis 90 dem Bundestag an.

Kurzprofil

  • Geboren: 15. Mai 1950 in Kemberg
  • Beruf: Dipl.-Chemiker
  • Partei: DIE GRÜNEN/BÜNDNIS 90
  • Bundestag: 1990 (11. Wahlperiode), von der Volkskammer gewählt
  • Religion/Familie: verheiratet, 2 Kinder

Chemiker an der Elbe

Dörfler wuchs auf einem Bauernhof in Meuro bei Bad Schmiedeberg auf und machte in Pretzsch an der Elbe Abitur. Von 1968 bis 1973 studierte er Chemie an der Technischen Hochschule Magdeburg und wurde später zum Dr. rer. nat. promoviert. Er arbeitete in Forschung und Lehre, im Werk für Fernsehelektronik in Oberschöneweide und von 1978 bis 1982 als Ökochemiker am Institut für Wasserwirtschaft. 1979 nahm er, ungewöhnlich für einen Mann in der DDR, ein Babyjahr für seine Tochter. An Studien über Nitrat und Pestizide arbeitete er mit; sie durften nicht veröffentlicht werden.

Zurück zur Natur?

1983 kündigte Dörfler, um als freier Autor zu arbeiten. Mit seiner damaligen Frau Marianne schrieb er das Buch Zurück zur Natur?, das 1986 erschien und mehrfach aufgelegt wurde. Es behandelte Wald, Acker und Wasser, die Grenzen des Wachstums und die Folgen der Überdüngung. Die staatlichen Medien schwiegen es tot, doch in Kirchen und Umweltgruppen wurde es viel gelesen. Weil er überall Vorträge hielt, ließ die Staatssicherheit ihn bis ins Privatleben abhören.

Grüne Partei und Volkskammer

Im November 1989 gründete Dörfler mit seiner Frau die Grüne Partei in der DDR mit; beide vertraten sie abwechselnd bis März 1990 am Zentralen Runden Tisch. Nach der ersten freien Volkskammerwahl leitete er von April bis Oktober den Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, Energie und Reaktorsicherheit. In dieser Zeit fielen Entscheidungen über das Nationalparkprogramm der DDR, das kurz vor der Einheit große Schutzgebiete sicherte. Am 03.10.1990 wechselte er in den Bundestag, dem er bis zum 20.12.1990 angehörte.

Danach

1991 erarbeitete Dörfler mit Arnim Bechmann vom Zukunftsinstitut Barsinghausen eine Studie über Arbeitsplätze im Umweltschutz. Er blieb Autor und Naturschützer an der Elbe, deren Auenlandschaft ihn seit der Kindheit begleitet. Die Stammdaten des Bundestages nennen ihn Diplom-Chemiker, verheiratet, mit zwei Kindern. Seine kurze Bonner Zeit ist eine Fußnote, doch für die Umweltbewegung im Osten war er schon vor dem Herbst 1989 eine der bekanntesten Stimmen.

Mandate im Überblick

Gewählt hatte ihn die Volkskammer, die am Tag der Einheit 144 Abgeordnete nach Bonn entsandte; sein Mandat endete mit dem Zusammentritt des ersten gesamtdeutschen Parlaments:

  • 11. Wahlperiode (03.10.1990 bis 20.12.1990): von der Volkskammer in den Bundestag gewählt, Fraktion Die Grünen/Bündnis 90

Stand: 17.10.2026

Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).

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