Köpfe: Clara Döhring

Sie kam aus der Arbeiterbewegung der Weimarer Zeit und brachte das Blindengeld für Zivilblinde durch: Clara Döhring, geboren am 13.03.1899 in Saalfeld, Gewerkschaftssekretärin in Stuttgart, gehörte dem Bundestag für die SPD von 1949 bis 1965 an. Sie starb am 07.06.1987 in Stuttgart.

Kurzprofil

  • Geboren: 13. März 1899 in Saalfeld
  • Gestorben: 7. Juni 1987
  • Beruf: Abteilungsleiterin
  • Partei: SPD
  • Bundestag: 1949 bis 1965 (1. bis 4. Wahlperiode), teils direkt, teils über die Landesliste
  • Religion/Familie: verwitwet

Von der USPD zum Metallarbeiterverband

Clara Wohlfarth, so ihr Geburtsname, wurde Kontoristin. Schon 1917, mitten im Ersten Weltkrieg, trat sie der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei bei, die sich aus Protest gegen die Bewilligung der Kriegskredite von der SPD abgespalten hatte. Von 1920 bis 1930 arbeitete sie beim Hauptvorstand des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes in Stuttgart, damals einer der größten Gewerkschaften der Welt. Von 1936 bis 1948 war sie Sachbearbeiterin bei der AOK Stuttgart.

Neubeginn nach dem Krieg

Nach 1945 half Döhring beim Wiederaufbau der württembergischen Sozialdemokratie. 1948 wurde sie hauptamtliche Frauensekretärin der Gewerkschaften in Württemberg-Baden und Vorsitzende des gewerkschaftlichen Landesfrauenausschusses. Im Deutschen Rat der Europäischen Bewegung vertrat sie die Gewerkschaften.

Blindengeld, Mutterschutz, Kindergärten

1949 gewann Döhring den Wahlkreis Stuttgart I, danach zog sie über die baden-württembergische Landesliste ein. Für 1961 verzeichnen die Stammdaten erneut ein Direktmandat, ohne einen Wahlkreis zu nennen; andere Darstellungen sprechen nach 1949 nur von Listenmandaten. Im Parlament setzte sie durch, dass Blindengeld nicht mehr allein Kriegsblinden, sondern auch Zivilblinden zustand. Sie war maßgeblich am Mutterschutzgesetz beteiligt, das 1952 in Kraft trat, das werdenden Müttern Beschäftigungsverbote und Kündigungsschutz sicherte, und forderte schon 1956 den Ausbau von Kindertagesstätten, Jahrzehnte bevor der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz kam.

Bilanz

Döhring gehörte zur kleinen Gruppe von Frauen im ersten Bundestag, die damals nicht einmal ein Zehntel der Abgeordneten stellten. Die Stammdaten nennen sie verwitwet und als Beruf Abteilungsleiterin. Ihr Weg vom Büro des Metallarbeiterverbands bis in den Bundestag steht für die Kontinuität der Arbeiterbewegung über die NS-Zeit hinweg, die viele ihrer Generation trotz Verfolgung und Anpassungsdruck bewahrten. Stuttgart mit seinen Metallbetrieben, von Bosch bis Daimler, war für eine Gewerkschafterin ein naheliegendes Revier. Dass sie aus Thüringen stammte und in Württemberg Wurzeln schlug, teilte sie mit vielen Arbeiterinnen, die der Industrie in den Südwesten gefolgt waren. Im Bundestag gehörte sie zu den Sozialpolitikerinnen ihrer Fraktion, die in den Jahren des Wirtschaftswunders darauf achteten, dass auch Schwache vom Aufschwung profitierten.

Mandate im Überblick

Sechzehn Jahre und vier Wahlperioden lang saß die Stuttgarterin im Parlament; die Stammdaten führen die erste und die vierte als Direktmandat, die beiden mittleren über die Landesliste:

  • 1. Wahlperiode (07.09.1949 bis 07.09.1953): Direktmandat, SPD-Fraktion
  • 2. Wahlperiode (06.10.1953 bis 06.10.1957): Landesliste Baden-Württemberg, SPD-Fraktion
  • 3. Wahlperiode (15.10.1957 bis 15.10.1961): Landesliste Baden-Württemberg, SPD-Fraktion
  • 4. Wahlperiode (17.10.1961 bis 17.10.1965): Direktmandat, SPD-Fraktion

Stand: 17.10.2026

Quellen: Deutscher Bundestag: Stammdaten aller Abgeordneten seit 1949 (Open Data); ergänzende biografische Angaben aus Nachschlagewerken (abgerufen 17.10.2026).

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.