Wie gut nutzt der Bund die Ideen seiner eigenen Beschäftigten? Eine Kleine Anfrage (Drucksache 16/12341) fragte 2009 nach dem Ideenmanagement in der Bundesverwaltung. Die Antwort der Bundesregierung (Drucksache 16/12570) übermittelte das Bundesinnenministerium mit Schreiben vom 3. April 2009.
Worum es ging
Die Fragesteller erinnern daran, dass es das Vorschlagswesen in der Wirtschaft seit gut 130 Jahren gibt, in der Bundesverwaltung erst seit 1961. 2002 trat eine Rahmenrichtlinie für ein modernes Ideenmanagement in Kraft, im Mai 2005 beschloss der ressortübergreifende Ausschuss für Organisationsfragen, es zu stärken. Ohne eine Verwaltungskultur, die Verbesserungen fordert und zulässt, funktioniere das nicht.
Wer mitmacht
Laut Antwort haben nahezu alle Bundesbehörden die Rahmenrichtlinie umgesetzt, fünf stünden kurz davor. Noch ohne eigenes Ideenmanagement waren unter anderem die erst im April 2007 gegründete Digitalfunk-Behörde BDBOS, das Robert Koch-Institut, das Paul-Ehrlich-Institut und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.
Am Ideenmanagement beteiligen sich laut Antwort aber nur sehr wenige Beschäftigte: 2006 und 2007 reichten im Schnitt nur 1,5 Prozent der Beschäftigten Vorschläge ein. In nichtindustriellen Unternehmen lag die Quote 2007 nach Angaben des Deutschen Instituts für Betriebswirtschaft bei 11 Prozent.
Die Zahlen
Erfasst wurden von 2004 bis 2007 insgesamt 13 867 Verbesserungsvorschläge:
- 2004: 2 742 Vorschläge, 612 prämiert, 386 umgesetzt
- 2005: 4 059 Vorschläge, 530 prämiert, 322 umgesetzt
- 2006: 3 649 Vorschläge, 589 prämiert, 321 umgesetzt
- 2007: 3 417 Vorschläge, 600 prämiert, 316 umgesetzt
Die Einsparungen beziffert die Bundesregierung für 2004 bis 2007 auf rund 32 Millionen Euro, ohne Bundespolizei. Über 90 Prozent davon entfielen auf den Bereich des Verteidigungsministeriums.
Prämien
Für Vorschläge mit berechenbarem Nutzen gibt es bis zu 20 Prozent der erwarteten jährlichen Ersparnis, höchstens 25 000 Euro. Die durchschnittliche Prämie lag 2006 bei rund 459 Euro und 2007 bei etwa 487 Euro. Insgesamt zahlten die Bundesbehörden an Geldprämien:
- 2004: 896 769 Euro
- 2005: 688 288 Euro
- 2006: 440 044 Euro
- 2007: 485 426 Euro
Von 2004 bis 2008 wurden 35 Höchstprämien ausgezahlt, alle im Verteidigungsministerium. Sachprämien wie Veranstaltungskarten, Bücher oder Gutscheine sind selten, die meisten Behörden zahlen wegen des Beschaffungsaufwands nur Geld.
Lange Bearbeitung bei der Bundeswehr
Nach spätestens vier Wochen sollen Beschäftigte über den Stand ihres Vorschlags informiert werden. Die geschätzte Bearbeitungsdauer lag 2006 im Schnitt bei etwa 57 Arbeitstagen, 2007 bei etwa 47 Arbeitstagen, ohne den Bereich des Verteidigungsministeriums. Dort waren es 2006 rund 263 und 2007 rund 327 Tage. Die Bundesregierung begründet das mit Größe, komplexen Strukturen, Rüstungstechnik und Geheimhaltung. Am 1. Oktober 2008 erließ das Ministerium eine neue Dienstvorschrift, um das Verfahren zu beschleunigen.
Was geplant war
- Die Rahmenrichtlinie wurde gerade überarbeitet, die Eckpunkte stehen in einem Bericht des Innenministeriums an den Rechnungsprüfungsausschuss vom 2. Juli 2008.
- Ein Benchmarking zwischen Behörden gab es nicht. Das Netzwerk der zentralen Ideenmanager trifft sich aber mindestens zweimal jährlich.
- Am 29. und 30. Oktober 2008 kamen über 120 Ideenmanager aus Bund, Ländern und Wirtschaft zur ersten Ideenkonferenz für die öffentliche Verwaltung in Berlin zusammen. Im Europäischen Jahr der Kreativität und Innovation plante die Bundesregierung eine weitere.
- Der Rechnungsprüfungsausschuss erwartete bis zum 30. März 2010 einen Fortschrittsbericht von Innen- und Verteidigungsministerium.
Einordnung
Die Antwort zeigt ein Instrument, das formal fast überall eingeführt war, aber von wenigen genutzt wurde. Die Einsparungen entstanden ganz überwiegend bei der Bundeswehr.
Quellen
- Kleine Anfrage, Drucksache 16/12341 vom 18.03.2009
- Antwort der Bundesregierung, Drucksache 16/12570 vom 06.04.2009
Hinweis: Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt und anhand der verlinkten Drucksachen geprüft.
Stand: 23.10.2026
