Ende der 1970er Jahre kam ein winziger Parasit nach Deutschland, der Imkern bis heute zu schaffen macht: die Varroa-Milbe. Im Mai 1986 fragte der Abgeordnete Werner (Dierstorf), wie es um die Honigproduktion und die Bekämpfung der Varroatose steht (Kleine Anfrage, Drucksache 10/5467). Die Bundesregierung beantwortete die Kleine Anfrage: Das Bundeslandwirtschaftsministerium schickte die Antwort (Drucksache 10/5654) am 9. Juni 1986.
Die Ausgangslage
Laut den Fragestellern war die Milbe seit 1977 in der Bundesrepublik und seit 1979 anzeigepflichtig. Die Honigproduktion habe 1985 nur bei etwa 5 000 Tonnen gelegen, gegenüber rund 15 000 Tonnen im langjährigen Mittel. Betroffen seien rund 80 000 Imker und etwa eine Million Bienenvölker. Außerdem hieß es in der Anfrage, das Milbenmittel Folbex VA Neu sei in Hessen bereits vom Markt genommen worden.
Die Antwort
- Forschungsgeld: Der Bund hatte von 1975 bis 1985 keine eigenen Forschungsaufträge vergeben. Die Länder gaben zusammen rund 500 000 DM aus. Ein vom Bund finanziertes Projekt an der Universität Bonn zur Zucht widerstandsfähiger Bienen sollte noch 1986 starten.
- Bekämpfung: Die Varroatose wurde 1978 in die staatliche Bekämpfung der Bienenseuchen aufgenommen, ein Jahr nach dem ersten Auftreten 1977. Ausrotten lasse sich der Parasit wegen seiner Biologie nicht, die Ausbreitung sei aber gebremst worden.
- Pestizide im Honig: Daten zu Organochlor-Pestiziden gab es nur in geringem Umfang für 1978 bis 1982. Die meisten Stoffe lagen unter der Nachweisgrenze, gefundene Werte waren gering. Eine Gefährdung der Verbraucher ergebe sich nicht.
- Brompropylat (Folbex VA Neu): Rückstände lagen meist bei bis zu 50 Mikrogramm pro Kilo, im höchsten bekannten Ausnahmefall bei 0,5 Milligramm pro Kilo. Selbst bei 100 Gramm Honig am Tag nehme man nur etwa ein Zehntel der von der WHO als unbedenklich eingestuften Tagesmenge auf.
- Illegale Mittel: Rückstände von Amitraz deuteten auf eine möglicherweise illegale Anwendung hin, denn das Mittel war für Bienen nicht zugelassen. Die Länder wurden informiert.
- Folbex in Hessen: Anders als in der Anfrage behauptet, sei das Mittel in Hessen nicht vom Markt genommen worden. Hessen sei bei der staatlichen Bekämpfung im Herbst 1985 nur auf Ameisensäure umgestiegen, und zwar in Form der Illertissener Milbenplatte. Folbex blieb als verschreibungspflichtiges Arzneimittel im Handel.
- Kein Warnhinweis: Rückstände, die die Gesundheit gefährden, seien nicht bekannt, eine besondere Verbraucherinformation daher nicht nötig.
- Importe: Alle Importchargen würden stichprobenweise geprüft, auf etwa 70 Stoffe. Die Einfuhr stieg von 50 800 Tonnen im Wert von rund 109,6 Millionen DM (1975) auf 78 800 Tonnen im Wert von rund 191,4 Millionen DM (1985). 1985 deckte Importhonig 85,6 Prozent des Verbrauchs, fast alles kam aus Ländern außerhalb der EG.
- Honig aus der DDR: Die Bezüge stiegen von 54 Tonnen (1981) auf 1 924 Tonnen (1984), 1985 waren es 1 043 Tonnen. Dafür gab es eine Umsatzsteuerkürzung von 5,5 Prozent.
- Steuereinnahmen: Zölle gingen komplett an die EG. Die Einnahmen aus der Einfuhrumsatzsteuer wurden nicht erfasst, die Regierung schätzte sie auf rund 1,5 Millionen DM (1975) bis 3,35 Millionen DM (1985).
- Bestäubung: Die Regierung erkannte an, dass Honigbienen einen erheblichen Anteil an der Bestäubung haben. Belastbare Zahlen zum Nutzen für die Landwirtschaft lagen ihr aber nicht vor.
Abweichungen zur Anfrage: Die Anfrage nennt 1979 als Beginn der Anzeigepflicht, die Antwort spricht von der Aufnahme in die staatliche Bekämpfung 1978. Und Folbex VA Neu war laut Antwort in Hessen nicht vom Markt genommen.
Späterer Stand
Erst im Jahr 2000 wurde die Milbe als eigene Art Varroa destructor beschrieben. Sie gilt bis heute als eine Hauptursache des Bienensterbens im Herbst und Winter (Wikipedia: Varroa destructor).
Einordnung
Wie es heute um Völker und Importe steht, zeigt die Anfrage Mehr Bienenvölker, wenig eigener Honig. Dass Bienenvölker auch gestohlen werden, steht in der Anfrage zum Viehdiebstahl.
Quellen
- Kleine Anfrage, Drucksache 10/5467 vom 13.05.1986
- Antwort der Bundesregierung, Drucksache 10/5654 vom 12.06.1986
- Wikipedia: Varroa destructor
Hinweis: Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt und anhand der verlinkten Drucksachen geprüft.
Stand: 23.10.2026
