Urlaub in Europa hieß 1984: Pass zeigen, Schlange stehen, Devisen tauschen. Im April 1984 stellte eine große Gruppe von Abgeordneten um Franz Müntefering 24 Fragen zum Reisen in Europa (Kleine Anfrage, Drucksache 10/1339). Die Bundesregierung beantwortete die Kleine Anfrage: Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium schickte die Antwort (Drucksache 10/1642) am 19. Juni 1984.
Die Ausgangslage
Die Fragen reichten von der Tourismusstatistik über Arbeitsplätze und Reisedevisen bis zu Grenzkontrollen, Busreisen nach Großbritannien, Billigflugscheinen, Autobahngebühren, bleifreiem Benzin, Hotelsicherheit und Ärger mit Reiseveranstaltern.
Die Antwort
- Europa als Reiseziel Nummer eins: Die Welttourismusorganisation schätzte für 1983 über 1,7 Milliarden touristische Reisen in Europa, etwa 53 Prozent des weltweiten Tourismus. Grenzüberschreitend waren es knapp 200 Millionen, rund 70 Prozent aller internationalen Reisen.
- Übernachtungen: Laut OECD stiegen die Übernachtungen im grenzüberschreitenden Reiseverkehr der europäischen Länder von 455,3 Millionen (1970) auf 675,8 Millionen (1982), ein Plus von 48,4 Prozent. In den EG-Ländern samt Spanien und Portugal ging es von 355,8 auf 544,3 Millionen. Eine einheitliche EG-Tourismusstatistik gab es nicht.
- Arbeitsplätze: Im Hotel- und Gaststättengewerbe stieg die Beschäftigung von 2,5 auf 3,2 Millionen. Direkt im Tourismus arbeiteten in der EG etwa 4 Millionen Menschen, mit Spanien und Portugal über 5 Millionen. Direkt und indirekt hingen geschätzt rund 10 Millionen Arbeitsplätze daran.
- Reisedefizit: Die Deutschen gaben im Ausland deutlich mehr aus, als Gäste hier ließen. Das Defizit wuchs von 5,3 Milliarden DM (1970) auf 26,2 Milliarden DM (1982), 1983 waren es 24,4 Milliarden DM.
- Europapass: Einen Termin konnte die Regierung nicht nennen. Der Entwurf eines neuen Passgesetzes vom 13. Juli 1983 war mit Blick auf das Volkszählungsurteil nicht an den Bundesrat gegangen und wurde auf Datenschutz überprüft.
- Grenzkontrollen: An sieben Straßenübergängen lief ein Test mit Kontrollen ohne Wartezeit: Kupfermühle, Gronau, Elten, Aachen-Nord, Echternacherbrück, Perl und Kehl-Europabrücke. Staus würden vermieden, nennenswerte Sicherheitsverluste gebe es bisher nicht. Voll wirken könne das aber erst, wenn die Nachbarstaaten mitmachen. Die Binnenkontrollen ganz abzuschaffen, nannte die Regierung ein wichtiges Ziel der europäischen Integration.
- Maut: In der Bundesrepublik würden „auch weiterhin keine Autobahngebühren“ erhoben.
- Bleifrei: Die Regierung habe die europäischen Nachbarn gedrängt, ab 1986 bleifreies Benzin anzubieten.
- Hotels: Einheitliche Sicherheitsvorschriften für Hotels gab es in der EG noch nicht. Einen Brandschutz-Vorschlag aus Brüssel sah die Regierung kritisch.
- Ärger mit Pauschalreisen: Eine eigene Statistik fehlte. Nach Angaben des Reisebüro-Verbands gab es bei rund neun Millionen Pauschalreisen im Jahr etwa 1 Prozent Beschwerden. Vor Gericht landeten 1 800 bis 3 600 Fälle jährlich, rund 70 Prozent davon sollen die Veranstalter gewonnen haben. Das Reisevertragsgesetz gilt seit 1. Oktober 1979.
Späterer Stand
Schon ein Jahr später, am 14. Juni 1985, unterzeichneten Deutschland, Frankreich und die Benelux-Staaten das Schengener Übereinkommen, am 19. Juni 1990 folgte das Durchführungsübereinkommen (Wikipedia: Schengener Abkommen). Seit März 1995 entfallen die regulären Kontrollen an den Binnengrenzen. Die Maut-Frage kam später zurück: Eine Pkw-Maut wurde beschlossen, der Europäische Gerichtshof stufte sie im Juni 2019 aber als diskriminierend ein (Wikipedia: Pkw-Maut in Deutschland).
Einordnung
Wie sich das Reisen heute verändert, zeigt die Anfrage zum Mittelmeer im Fieber. Um umweltfreundlichen Urlaub ging es bei Viabono, um Grenzkontrollen nach Schengen bei den CO2-Detektoren des Bundesgrenzschutzes.
Quellen
- Kleine Anfrage, Drucksache 10/1339 vom 19.04.1984
- Antwort der Bundesregierung, Drucksache 10/1642 vom 19.06.1984
- Wikipedia: Schengener Abkommen
- Wikipedia: Pkw-Maut in Deutschland
Hinweis: Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt und anhand der verlinkten Drucksachen geprüft.
Stand: 23.10.2026
