Mit Tourismuswissenschaft bezeichnet man die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Reisen und allem, was dazugehört. Das Wort ist im deutschsprachigen Raum noch recht jung und setzte sich erst in den 1990er-Jahren durch. Ein frühes Beispiel ist das 1993 erschienene Handbuch von Heinz Hahn und H. Jürgen Kagelmann, das den Begriff schon im Untertitel trägt.
Neu ist das Interesse am Thema allerdings nicht. Vorher sprach man von Fremdenverkehrslehre, und schon um 1930 wurde in Berlin dazu geforscht. Diese ältere Richtung war stark wirtschaftlich ausgerichtet. Heute befassen sich viele Fächer mit dem Tourismus, darunter Betriebs- und Volkswirtschaft, Geografie, Soziologie, Psychologie, Geschichte, Ökologie und Politikwissenschaft. Jede schaut mit eigenen Fragen auf das Reisen, etwa auf Reisemotive, wirtschaftliche Effekte oder die Folgen für Landschaft und Umwelt.
Genau deshalb ist umstritten, ob es eine eigenständige Tourismuswissenschaft überhaupt gibt. Kritiker meinen, es fehle eine gemeinsame Methode und ein einheitlicher theoretischer Rahmen, sodass die Forschung eher ein Nebeneinander verschiedener Fächer sei. Befürworter sehen dagegen im Reisen einen eigenen Gegenstand, der eine übergreifende Betrachtung verdient. In Deutschland wird das Fach an Hochschulen meist im Rahmen der Wirtschaftswissenschaften oder der Geografie gelehrt, häufig an Fachhochschulen. Fachleute haben sich in der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft zusammengeschlossen.
Mehr dazu: Website der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft
Stand: 18.10.2026